Kinect Sports Rivals

(Artikel)
Benjamin Strobel, 17. April 2014

Kinect Sports Rivals

Hampeln der nächsten Generation

Die Xbox One setzt auf Kinect. Die Zukunft der Bewegungs- und Spracherkennung in einer kleinen Kamera auf eurem Fernseher. Und bisher macht die Technik eine gute Figur: Sprachsteuerung ist zum zweiten Vornamen der Xbox One geworden und auch wenn Schwenks mit den Armen die Menüführung nicht immer erleichtern, ist doch verblüffend wie gut es funktioniert. Allerhöchste Zeit für Microsoft, die Kinect-Magie auch in neue Spiele zu bringen. Kinect Sports Rivals bringt uns den Wohnzimmersport zurück, den Wii Sports einst salongfähig gemacht hat. Es darf wieder gehampelt werden.

Kinect Sports Rivals wagt sich weit nach vorn. Neben einfachen Bewegungen beim Zielschießen und Bowling gibt es auch Sport mit vollem Körpereinsatz. Klettern, Tennis, Fußball und Jetski sind die neuen Sportarten für zuhause. Alles durch eure Bewegung, ganz ohne Controller.

Bevor man ins Spiel einsteigen kann, erstellt man sich seinen Avatar für Rivals. Dafür möchte Kinect den Spieler ausführlich scannen, den ganzen Körper und das Gesicht. Man setzt sich also vor seinen Fernseher und schaut in verschiedene Richtungen bis Kinect alles erfasst hat. Neben den Händen und sogar einzelnen Fingern soll das System nämlich auch Gesichtsausdrücke erkennen und ins Spiel umsetzen. Nachdem ich einige Minuten lang Posen vor dem Fernseher eingenommen hatte, das Resultat: eher mäßig. Trotz aller Bemühungen des Spiels, jedes Detail von mir zu erfassen, sah mir die Figur nicht sehr ähnlich. Wer mit seinem Resultat nicht zufrieden ist, kann den Vorgang wiederholen - bei mir hat es allerdings nur minmale Veränderungen gebracht. Also weiter ins Spiel.

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Tennis

Rivals bietet dem Spieler für jede Sportart unterschiedliche Events an, die mit der Zeit immer schwerer werden. Tennis ist mittlerweile ein Sportspielklassiker für Bewegungssteuerung. Es beginnt mit einer kurzen Einführung in die Mechanik: Einfach mit der linken oder rechten Hand nach einem Schläger greifen und schon geht es los. Dann muss man nur in die richtige Richtung schwingen, wenn der Ball kommt, die Figur bewegt sich von allein. Schläge von unten nach oben geben Topspin, andersherum gibt man den Bällen Backspin. Der Rest ist Timing. Links oder rechts von der Figur erscheint die Position, an welcher der Ball landen wird, man muss also nur den richtigen Moment abpassen. Insgesamt hat das Tennis-Spiel sehr gut funktioniert, obwohl eine leichte Verzögerung zu spüren war, bis die Bewegung wirklich ins Spiel übersetzt wurde. Das Spiel war dann meistens tollerant und hat noch Schläge akzeptiert, die etwas zu früh oder zu spät kamen.

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Jekski Racing

Das Jetski Racing ist vermutlich die schwierigste Sportart des Spiels, bietet aber die präziseste Steuerung. Man hält die Arme vor sich als würde man einen Lenker greifen - um Gas zu geben, muss man einfach zugreifen! Und so kann man auch eine Hand wieder öffnen, um zu bremsen. Steuern kann man einerseits, indem man die Arme bewegt als würde man den Lenker herum drehen. Andererseits kann man sich mit dem ganzen Körper zur Seite lehnen, um noch schärfere Kurven zu nehmen. Die Lenkung ist recht empfindlich und benötigt am Anfang etwas Übung. Nach einer Weile lernt man allerdings die hohe Präzision zu schätzen, die dem Tennis gefehlt hatte. Schwierigen Events kann man außerdem entgegnen, indem man bessere Ausrüstung für seine Spielfigur freischaltet. So erhält man Punkte in jeder Sportart und kann im weiteren Verlauf neue Outfits kaufen und verschiedene Perks freischalten, die einem unterschiedliche Fähigkeiten verleihen. Beim Jetski gibt es zum Beispiel die Boost-Fähigkeit oder die Möglichkeit, Minen zu legen. Um das Powerup zu aktivieren, muss man zuerst Punkte sammeln und es dann mit einem Sprachbefehl oder einer kleinen Bewegung benutzen. Perks gibt es für alle sechs Sportarten.

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Klettern

Klettern ist eine wirklich nette Idee für das Spiel. Auch hier wird davon Gebrauch gemacht, dass Kinect die Handbewegungen verfolgen kann. So muss man die Arme strecken und zugreifen, um einen Griff an der Wand zu nehmen. Anschließend zieht man den Arm herunter, während man sich mit dem anderen zum nächsten Griff streckt. Man kann sogar zum Sprung ansetzen, um seine Figur schwierige Stellen überspringen lassen oder weil es die einzige Möglichkeit ist, um an entfernte Griffe zu gelangen. Gemessen an echten Kletterwandkursen sind die Griffe in Rivals sehr freundlich platziert und man muss nur in den richtigen Rythmus aus Strecken und Zugreifen kommen, um gut abzuschneiden. Hier habe ich mir auch mal Freunde geschnappt und bin gegen sie geklettert. Befindet man sich auf der selben Höhe, kann man auch versuchen, nach den Füßen seiner Mitspieler zu greifen, um sie von der Wand zu ziehen und sich so etwas Zeit verschaffen. Hier habe ich auch eine Schwäche des Spiels festgestellt. Im Eifer des Gefechts bewegt man sich schon mal etwas von seiner Ausgangsposition weg - ist der Raum nicht groß genug, meckert Kinect sehr schnell, dass jemand nicht gut steht und zerstört dabei leider auch den Spielfluss. Ich musste meine Freunde immer wieder daran erinnern auf ihren Platz zurück zu kehren und das war manchmal etwas anstrengend.

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Zielschießen

Das Zeilschießen ist albern. Ich habe das Gefühl, hier hatte man urspünglich etwas mehr gewollt als dann am Ende möglich war. Man bewegt seinen Finger einfach so vor dem Bildschirm, dass das Fadenkreuz über den Zielen landet, dann PLOP werden sie automatisch abgeschossen. Es kommt also darauf an, hinreichend schnell und gezielt an die richtigen Stellen auf dem Bidlschirm zu zeigen. Das fühlt sich einfach nicht nach Schießen an! Ein Problem scheint hier auch zu sein, dass Kinect die Finger nicht immer einwandfrei erkennt und das Fadenkreuz anfängt zu zittern und zu hüpfen, was überhaupt nicht hilfreich ist. Ironischerweise habe ich mir dann eine Wii Fernbedineung in die Hand genommen und damit ging es deutlich besser.

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Bowling

Bowling funktionierte für mich nicht sehr gut. Hier greift man sich die Kugel von der Seite und führt eine charakteristische Bewegung zum Werfen aus. Um der Kugel Spin zu geben, dreht man das Handgelenk beim Wurf, was mal mehr, mal weniger gut funktioniert. Das Zielen fällt mir hier sehr schwer und auch die Wurfkraft entspreicht nicht immer der Power, die ich in der physischen Welt hinein lege. Im Vergleich hat es bei Wii Sports besser funktioniert während die Spiele auf der Hampelskala etwa gleich abschneiden. So überhaupt nichts in der Hand zu haben, kommt einem gerade beim Werfen etwas seltsam vor.

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Fußball

Auch beim Fußball hatte ich mit mäßiger Präzision zu kämpfen. Das Spiel funktioniert ein bisschen wie Tippkicker: die Spieler stehen an festen Positionen auf dem Feld und man muss den virtuellen Ball in die entsprechende Richtung kicken, um einen Pass zu machen. Das wiederholt man, bis man schließlich beim Spieler vor dem gegenerischen Tor angekommen ist, mit dem man dann einen Schuss - oder Kopfball - wagt. Die Schussrichtung wird häufig nur grob erkannt, sodass ein Pass ins Zentrum auch mal nach links geht oder die Flanke eben nicht beim Spieler rechts außen ankommt, sondern in der Mitte landet. Obwohl nicht immer alles klappte wie es geplant war, sorgte der Ballsport für viel Freude im Multiplayer. Besonders spannend ist der Moment, bei dem man selbst im Tor steht und einen Ball des anderen Spielers halten muss. Einmal bin ich bis auf mein Bett gehechtet, um einen Ball noch zu bekommen. Der Erfolg gab meinem Körpereinsatz recht! In solchen Momenten glänzt Rivals als lustiges Gesellschaftsspiel fürs Wohnzimmer.

Insgesamt bleibt die Bewegungssteuerung eine durchwachsene Erfahrung. Während einige Dinge sehr gut funktionieren, hakt es bei anderen noch immer. Die Momente, in denen auf eine Bewegung einfach keine Reaktion im Spiel folgt, sind zwar nicht so häufig wie zu Zeiten der ersten Kinect, tauchen aber noch imemr auf und sind dann einfach frustrierend. Auch bei der Menühfürhung mit Bewegung erreicht man nicht dieselbe Genauigkeit wie mit einem Controller. So muss ich manchmal mehrfach hin und her schwenken, bis wirklich das Event im Fokus ist, das ich spielen möchte. Es dauert auch einfach viel länger als ein paar schnelle Bewegungen mit dem Steuerkreuz. Ein großes Lob gibt es demgegenüber für den großartigen Soundtrack mit bekannten Songs aus der Pop- und Elektrowelt.

Kinect Sports Rivals ist keine Simulation und bemüht sich nicht um Realismus. Die Spielfiguren werden in Comic-Stil gerendert, die Umgebungen sind farbenfroh und leicht stilisiert. Bunte Partikeleffekte lassen schließlich keinen Zweifel mehr aufkommen, dass es sich um ein Arcade-Spiel handelt. Der Untertital Rivals stellt zwar den Wettkampf weiter in den Vordergrund, spielerisch lässt es eine Highscore-Jagd aber nur auf dem Fun-Level zu. Die Steuerung funktioniert zwar in den meisten Fällen, wenn es allerdings um schnelle Reaktionen und präzise Bewegungen geht, kann es mit der Präzision eines Tastendrucks nicht mithalten. Die leichte Latenz zwischen Bewegung und der Umsetzung ins Spielgeschehen ist weiterhin zu groß, um daraus einen ernsthaften Wettbewerb zu machen. Kinect Sports Rivals kann sehr viel Spaß machen, man darf es aber nicht zu ernst nehmen. Ben

Kinect Sports Rivals

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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01. Dezember 2020 um 06:44 Uhr
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RELEASE
11. April 2014
PLATTFORM
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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