Expander

(Artikel)
Benjamin Strobel, 08. August 2013

Expander

Größer ist nicht besser

Erinnert euch an Spiele wie The Impossible Game (Test: The Impossible Game) und Super Hexagon (Test: Super Hexagon). Extreme Schwierigkeit, ständige Tode und hochstilisierte Optik. Expander stellt sich mit diesen Spielen in eine Reihe. Das Masocore-Endless-Game ist knüppelhart und hundsgemein.


Bei Expander erhält der Spieler Kontrolle über ein Rechteck, das durch einen Hinternisparkour saust. Er muss dabei die Länge des Rechtecks so variieren, dass es weder Wände noch andere Hindernisse berührt. Damit es nicht zu einfach wird, findet das Ganze in zwei Ebenen statt: rot und blau. Er muss also in zwei Dimensionen ausweichen, eine stufenlose in der Waagerechten und eine zweistufige in der Tiefe. Will man die Länge ändern, hält man die linke Maustaste und zieht das Rechteck größer oder kleiner; für einen Wechsel in die blaue Ebene hält man die rechte Maustaste gedrückt und lässt sie wieder los, damit das Rechteck zurück in die rote Ebene fällt. Wahlweise kann man auch mit Leer- und Peiltasten spielen. Zwei Berührungen hat man gut, bei der dritten ist man raus und muss von vorne spielen.

Das wäre noch gut machbar, wäre da nicht die Gier. An den Rändern der Bahn befinden sich kleine Quader mit Sternen drauf - Punkte! Die will man sammeln, um den Highscore zu bekommen. Allerdings muss man das Rechteck dafür ziemlich strecken und kommt verdächtig nah an die gefährlichen Wände. Außerdem bietet man langgezogen eine große Kollisionsfläche, auch für andere Objekte. Je mehr und gieriger man sich nach den Punkten reckt, desto flinker muss man sich wieder einziehen, um Hindernissen auszuweichen. Um den Spieler noch etwas zu ärgern, ändert sich in regelmäßigen Abständen die Perspektive: mal ist sie isometrisch, mal schaut von der Seite aufs Geschehen oder übernimmt die Verfolgerperspektive. Hier betreibt Expander ähnlichen Mindfuck wie die offensichtliche Inspiration Super Hexagon.

Auch ästhetisch orientiert Expander sich an dieser Vorlage: Optisch ist das Spiel stark stilisiert und fällt vor allem durch die kräftigen Farben Rot und Blau auf, die in endloses Weiß gebettet sind. Die Musik ist weniger abgefahren als bei Super Hexagon und begleitet das Spiel in ruhigeren, elektronischen Tönen, die gut passen, sonst aber wenig herausstechen.


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Es ist allerdings nicht alles Gold, was hübsch stilisiert ist. Die Bestrafung für eine kurze Berührung ist einfach zu heftig. Der ganze Bildschirm beginnt wie verrückt zu wackeln, man kann nichts mehr einsammeln und sich auch nicht auf den nächsten Abschnitt vorbereiten, weil alles wie verrückt durch die Gegend schaukelt. Wenn man ein paar Sekunden einfach nur dem Gewackel zusehen muss ohne etwas machen zu können, ist das ziemlich frustrierend. Ich weiß ja, dass ich nichts berühren darf und dass es das wichtigste Prinzip des Spiels ist, Objekte zu vermeiden. Aber die Treffer-Animation ist einfach nur nervig, unnötig lang und wird von einem knirschenden Geräusch begleitet. Das ist kein Vergnügen.

In diesem Zuge möchte ich auch die Kollisionsabfrage erwähnen: sie ist unnachgiebig. Nein, bei diesem Spiel möchte ich sagen: pingelig! Wenn man das Rechteck vorsichtig ausfährt, um Punkte einzusammeln, reicht es keineswegs, sie mit den Rändern anzukratzen, sondern man muss sie volle Kanne überlappen. Anders verhält es sich bei Hindernissen. Wenn das Heck sich auch nur eine Millisekunde zu früh senkt und mit der Kante nur ansatzweise ein Objekt streift, zerpufft der Spielspaß in einer Explosion aus Bildschirmgewackel.

Die Steuerung auf dem PC ist dabei nicht gerade hilfreich. Auf der Tastatur kann man mit den Pfeiltasten zwar sehr genau die Länge des Rechtecks verändern, aber das ist sehr langsam. Entscheidet man sich dagegen für die Maussteuerung, ist man mit dem umgekehrten Problem konfrontiert: kleine Bewegungen führen zu großen Effekten, sodass man nur zu schnell über sein Ziel hinaus schießt (gegen die Wand, alles wackelt, man stirbt). Mit Einstellungen für Sensitivität hätte man das leicht lösen können, leider fehlen solche Optionen völlig.


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Expander ist nicht deshalb ein Problemkind, weil es schwierig ist. Es soll verkackt schwer sein, man soll häufig sterben, das ist völlig in Ordnung. Das gehört zu seiner Gattung. Die hohe Kunst sollte es für solche Spiele aber sein, trotz hoher Schwierigkeit nicht übermäßig zu frustrieren. Vor allem Fairness ist dafür wichtig. Spiele wie The Impossible Game und Super Hexagon sind hervorragende Beispiele dafür. Treffer führen zum unweigerlichen Restart des Spiels bei Null. Trotzdem frustrieren diese Spiele nicht, weil die Steuerung zugänglich und responsiv ist, weil Treffer fair und eindeutig sind und weil der Tod kurz und schmerzlos mit sofortigem Restart vergessen werden kann. In diesen Punkten versagt Expander.

Mir gefällt die Idee, die Ästhetik des Spiels ist schlicht und elegant, die Musik macht Spaß. Doch mit der ewigen Frustration des Spielers haben All Civilized Planets es zu weit getrieben. Expander ist ein netter Zeitvertreib, aber ich kenne bessere. Ben

Expander

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

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08. Dezember 2019 um 00:04 Uhr
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23. Juli 2013
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