Oh, du süße Kindheit...

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 14. Juni 2013

Oh, du süße Kindheit...

Tim, Kristin, Klößchen und Gabi lösen jeden Fall!

Irgendwann vor langer, langer Zeit habe ich euch erzählt, dass meine Liebe zu Grafikadventures im zarten Alter von zwölf Jahren und mit dem allerersten Baphomets-Fluch-Teil begonnen hat. Wenn ich so darüber nachdenke, dann hätte dieses Spiel die Messlatte für alle weiteren Titel eigentlich schon recht hoch legen müssen. Aber anstatt mich nach meiner ersten Adventure-Erfahrung auf die echten Klassiker dieses Genres zu stürzen (bis heute habe ich noch nicht Day Of The Tentacle gespielt! Eine wahre Schande!), stagnierte meine Zockerlaufbahn dramatisch: Ich geriet in die Tivola-TKKG-Falle. Bis mir irgendwann so mit 17, 18 mit Runaway endlich mal wieder ein richtiges Adventure in die Finger fiel, verbrachte ich meine Freizeit immer und immer wieder mit Tim, Karl, Klößchen, Gabi und ihren spannenden Kriminalfällen.

Und dabei war ich doch nie TKKG-Fan gewesen. Ich habe bis heute weder eine ganze Hörspielfolge gehört, noch eines der Bücher gelesen, noch eine Folge der alten TV-Serie komplett gesehen. Trotzdem fand ich die Adventures super – auch wenn sie bestimmt zu 80% aus nervigen Location-Wechseln bestanden: So gehörte es zum Spielprinzip, stets zwischen den vier Spürnasen hin und her zu wechseln und mit jeder Einzelnen von ihnen jeden der mal mehr, mal weniger hilfreichen Zeugen umfassend zu befragen; man konnte allerdings jedes Mal, wenn man einen Zeugen aufsuchte, nur eine von zwei möglichen Fragen stellen. Bevor man das Gespräch fortsetzen konnte, musste man zunächst zum Stadtplan zurückkehren, sich dann noch mal zurück zum Zeugen klicken und erst dann konnte man das Gespräch fortsetzen. Manchmal verschwand so die erste Frage aus der Auswahl und machte dafür einer neuen Platz, sodass man dieses Raus- und Reingeswitche mit jedem Zeugen und Charakter locker drei bis vier Mal machen musste, bis alle relevanten Hinweise des Gesprächs endlich gesammelt worden waren. Das macht summa summarum zwischen zwölf und sechzehn Szenenwechsel pro Zeuge – vorausgesetzt, man stellte nicht im Eifer des Gefechts gerade die Frage noch einmal, deren Antwort man schon wusste. Ein wirklich höllisch schlechtes Dialogsystem, das sich die Leute von Tivola wahrscheinlich nur ausgedacht haben, um mich mit einem ordentlichen Plus an toller Spielzeit zu beglücken.

Kaum zu glauben, dass die PC-Spiele so viel besser sein sollen als die Fernsehserie? Vielleicht! Aber es ist wahr!

Na ja. Trotz dieser kontinuierlichen Frechheit waren mir meine TKKG-Spiele lange Zeit die Liebsten aus meiner Sammlung, und würden sie auf meinem 64-Bit-System laufen – ich würde sie immer noch von Zeit zu Zeit spielen.
Erstens sind sie wirklich hübsch anzusehen, handgezeichnet - genau so, wie ich es mag. Dass sämtliche Teile so gut wie komplett auf irgendwelche Animationen verzichteten – von einem gelegentlichen Augenzwinkern oder einer ausladenden Handbewegung der Zeugen einmal abgesehen -, hat mich dabei nie gestört. Stimmungsvoll waren vor allem die Hintergründe, die besonders dann, wenn es dem Finale entgegen ging, zunehmend unheimlich und bedrohlich wurden.

stadtVon hier aus starten die Investigationen. Gesammelte Hinweise landen stilecht im Pappkarton. TKKG eignete sich auch hervorragend zum Englischtraining!

Zum anderen trafen auch die Fälle meine Interessen. Gut, im ersten Teil verschwand einfach nur eine Mitschülerin. Nicht sooo spannend. Aber schon im zweiten Teil ging es darum, den Tod von Klößchens süßem Eichhörnchen Fred aufzuklären, offenbar verendet an einem Bissen giftiger Sauerlich-Schokolade! Dann gab es Geschichten über geheimnisvolle Maya-Schätze, arme Hunde, die von fiesen Tierquälern zum Kämpfen in Arenen gezwungen wurden, unheimliche Voodoo-Priester... Und auch wenn es sich bei TKKG um eine Spieleserie für Kinder handelte, waren die Geschichten überhaupt nicht so naiv und doof, wie man befürchten könnte, sondern spannend und manchmal sogar überraschend im Ausgang. Sie haben mich damals sehr stark in ihren Bann gezogen, und ganz besonders die Herausforderungen am Ende, die letztlich darüber entschieden, ob man den Täter rechtzeitig fasste oder ob er entkam, ließen mich die Maus mit meinen klebrig-schweißigen Fingerchen fester umfassen. Das waren von Spiel zu Spiel ganz unterschiedliche, zum Teil wirklich anspruchsvolle Rätsel, für dessen Lösung einem nur eine kurze Zeitspanne zur Verfügung stand. Eine dieser Herausforderung lehrte mich übrigens nachhaltig die ersten Noten von Beethovens "Für Elise"!

rätselKönntest du dieses Schieberätsel unter lautem Hundegebell, wildem Kampfgeschrei und unter Zeitdruck lösen? Das Leben zahlreicher Hunde hängt davon ab...

Es wäre doch schön, könnte ich meine alten Kindheitsbegleiter doch noch mal zum Laufen bringen. Meinen Kindern würde ich sie auf jeden Fall später mal gern zeigen wollen, denn die Spiele um die vier Detektive sind nicht nur spannend, sondern sie vermitteln auch Werte und Moral ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Hachja. Die moderne Technik. Bleibt mir nur, Oma Pepers oberaffengeilen Nusskuchen zu backen, bis eine Lösung für das Problem gefunden ist, denn das Rezept hab ich mir damals zum Glück ausgedruckt! Kristin

Kommentare

Ben
16. Juni 2013 um 14:21 Uhr (#1)
Ich weiche etwas vom Thema ab, aber: Gab es zu den "Drei ???" eigentlich auch Adventure-Spiele?
Kristin
18. Juni 2013 um 16:02 Uhr (#2)
Ja, gibt es tatsächlich! Ich besitze sogar eines davon (Das Geheimnis des Magiers), kam damit allerdings so überhaupt gar nicht zurecht. Ich erinnere mich nur noch daran, dass man dort Geld verdienen konnte, indem man auf dem Schrottplatz Glas, Plastik und Metall vom Laufband in entsprechende Container ordnete. ^^ In der Story bin ich leider nie voran gekommen.

Hm. Schon seltsam. TKKG habe ich nie gelesen oder gehört, aber die Adventure-Spiele habe ich gezockt wie blöde. Und die drei Fragezeichen habe ich erst mit 18 intensiv zu hören angefangen, aber das Spiel hat mich gar nicht gekriegt. ^^
Sandra
25. Juni 2013 um 01:26 Uhr (#3)
viel peinlicher sind meine Abschweifungen im Adventurebereich... xD ich habe mal eine Weile "Bibi und Tina" gespielt -.-''
Kristin
25. Juni 2013 um 10:36 Uhr (#4)
Klasse! Vielleicht magst Du Dich ja mal an einem Gastartikel versuchen? :D

Aber tröste Dich: Bibi und Tina hätte ich mit Sicherheit auch gespielt, wären die PC-Spiele zu meiner glühendsten Pferdefan-Zeit auf den Markt gekommen. ;)
Gast
17. September 2019 um 00:57 Uhr
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