Hugo!

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 21. Juni 2013

Hugo!

Nein. Kein Cocktail. Spiel!

Für so genrebeschränkte Gamer wie mich gibt es zum Leidwesen von mir und euch tragischerweise nur selten mal einen knackig-schnabulösen Release, und deswegen gibt es heute schon wieder einen Artikel über meine (leider ebenfalls bald erschöpfte) Spiele-Vergangenheit. Heute: Hugo!

Hugo, das war dieser knubbelnasige Troll mit den großen Ohren, den riesigen Entenfüßen und dem lustig hin und her schwankenden Schwänzchen. Und Hugo hatte seine eigene Show: Die Hugo Show. Und ich war Fan. Wenn Hugo kam, saß ich vor dem Fernseher und beobachtete gebannt, wie irgendwelche fremden Menschen versuchten, meinen kleinen Freund sicher zur echt unheimlichen bösen Hexe Hexana zu führen, die seine Familie in ihre Gewalt gebracht hatte und bösartig lachend in einem Käfig gefangen hielt – mal wieder!

Mit den Tasten ihres Telefons steuerten sie den kleinen Troll durch zahlreiche ganz unterschiedliche Welten: Da gab es Level voller Schnee und bösen Schneemännern, die man mit dem Schlitten gezielt getimed über den Haufen fahren musste; gefährliche Unterwasserwelten, in denen Hugos größter Feind der drohende Erstickungstod war; dunkle Mienen-Labyrinthe, in denen es galt, bloß nicht die Orientierung zu verlieren und ja nicht in die Tiefe zu stürzen und so weiter und so fort.

Aus heutiger Sicht betrachtet wirkt die damals so von mir geliebte Hugo-Show irgendwie... doch seltsam.

Mann, dieser Moment, in dem per Zufall ermittelt wurde, vor welche Herausforderung der Anrufer nun gestellt werden würde, ließ mir vor Spannung richtig den Atem stocken! War es das verwinkelte Mienenlevel, tat er mir fast Leid und ich drückte ihm mit aller Hingabe die kleinen Daumen. War es die simple Skateboard-Bergab-Fahrt, entsandte ich größte Missachtung in alle Himmelsrichtungen, wenn er dieses babyeierleichte Level nicht überstand. Hätte mein Vater zum Zeitpunkt meiner Hugomanie ein Tastentelefon besessen: Ich hätte mir die Finger wund gewählt, um selbst mal eine Runde zu spielen. Schließlich war ich ohnehin überzeugt davon, in 98% der Fälle schlauer und geschickter gespielt zu haben als die Flitzpiepen, die ihr Glück versucht hatten und jämmerlich gescheitert waren!

Vermutlich hätte ich den Hörer aber dennoch mit einer herben Niederlage zurück auf die Gabel gelegt, denn hätte in der Hugo Show tatsächlich Skill ausgereicht, um zu gewinnen und einen fetten Gewinn mit nach Hause zu nehmen, wäre das Fernsehstudio ja am Ende arm geworden. Schließlich gab es für einen Sieg richtig tolle Preise! Zum Beispiel ein Kinderzimmer aus edlem Birkenfurnier! Wohooo! Nein, nach jedem Level stellte sich dem Spieler noch eine eklig unberechenbare Zufallaufgabe. Das kleine Hütchenspiel war ja mit ein bisschen Aufmerksamkeit noch irgendwie zu lösen, aber wenn es darum ging, im Kerker von Hexana das Richtige von drei Seilen zu entknoten und so den richtigen Käfig zu öffnen, half dem Spieler nur noch eine große Portion Glück. Unfair! Aber die im Anschluss laufende "Bezaubernde Jeannie" schaffte es zum Glück zuverlässig, meinen Groll wieder etwas zu besänftigen...

Das Skateboard-Level. Eines der leichteren, wenn man mich fragt.

Trotz der fiesen Glücksspielchen war Hugo im Verhältnis zur heutigen 9live-Abzocke, wo bei "Tiere mit S" einzig und allein der berühmte Stirnlappenbasilisk zum Gewinn führt, wohl eine der fairsten Spielshows im deutschen Fernsehen.

Erst viele, viele Jahre nachdem "Die Hugo Show" schon längst das Zeitliche gesegnet hatte, kaufte ich mir für fünf Euro die Hugo Platin Edition und kam so endlich endlich selbst in den Spielgenuss. Die grobschlächtig hingepixelten Level fesselten mich, wenn ich mich recht erinnere, einen Nachmittag lang, dann verschwand die CD wieder in der Versenkung. Irgendwie wirkte das Spiel damals, mit weitem Abstand vom Fernseher und leuchtenden Kinderaugen gesehen, etwas spannender. Und nebenbei bemerkt: Ich war auch lange nicht so gut, wie ich damals gedacht hatte. Nichtsdestotrotz bereue ich meinen Kauf keineswegs, denn Hugo ist auf jeden Fall ein bedeutendes Exponat in meinem kleinen Gaming-Museum. Kristin.

Kommentare

SushiCat
21. Juni 2013 um 11:36 Uhr (#1)
HUGO!!! :D
Gast
16. Mai 2021 um 11:36 Uhr
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