Blur

(Artikel)
Rian Voß, 10. Januar 2012

Blur

Mario Ka-BOOOOOM!

Alle naslang packt mich doch mal wieder die Lust nach einem Rennspiel. Da ich nun aber, im Gegensatz zu unserem simulationsfreudigen Evil, eher die Arcade-Schiene fahre, hätte durch das letztlich neu erstandene Burnout Revenge und Daytona USA für Xbox Live Arcade mein Bremsspur-Hunger eigentlich gestillt sein müssen. Aber ein bisschen ging noch. Das, was noch in meinen Magen passte, war Bizarre Creations Blur, welches sich nach allen Regeln der Kunst ein erwachsenes Mario Kart nennen darf.

Wer nach einem Racer sucht, bei dem andere Spieler oder die CPU in brennende Metallklumpen verwandelt, der wird bei Blur weder von der Präsentation noch vom Umfang enttäuscht: Im Karrieremodus warten über sechzig Events in drei Spielmodi auf dreißig Karten - selbst nach mehreren Spieltagen kamen mir immer noch nicht alle Kurse vertraut vor, über Abwechslungsmangel kann sich da niemand beklagen. Ein bisschen mickrig klingt das mit den drei Spielmodi, die sich auf Rennen mit Power-Ups, Zeitrennen und reine Zerstörungsarien beschränken. Aber keine Angst - jedes Rennen ist anders.

Das liegt allein schon an den Fans, welche Bizarre Creations als Ersatz für die aus ihren anderen Rennspielen bekannten Kudos verbaut haben: Pro Event lassen sich fünf Lichter durch eine ganz gewöhnliche Platzierung unter den ersten drei Plätzen erspielen. Will man aber zusätzliche Lichter, etwa um weitere Events freizuschalten oder um einfach den anderen Blur-Spielern in der Freundes- oder allgemeinen Rangliste nicht hinterherzustehen, dann muss man sich Fans verdienen. Die bekommt man durch das Erfüllen von auf der Strecke verteilten Bonusmissionen (während eines Drifts auf ein Auto schießen, eine Nitro-Ramme ausführen...) und durch das Slalomfahren durch auf dem Track erscheinende Tore. Das ist. Verflucht. Schwierig!
Mehr als einmal habe ich auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad in ein Kissen geschrien, wenn mich einer dieser Vollblindgänger in der letzten Runde kurz vor dem letzten Fan-Tor wegen eines gelungenen Angriffs ins Schlenkern brachte und ich deswegen den Pfosten ganz knapp verpasste. START. ZURÜCK. NOCH MAL. Dasselbe gilt für viele Fanziele der Strecken, die häufig ziemlich happig berechnet wurden. Da ist's ganz schön haarig zu entscheiden, ob man jetzt im Feld bleibt, um durch Attacken ein bisschen Zusatzkohle zu verdienen, oder sich an die Spitze setzt, weil die Ziellinie naht. Selbst wenn man sich für Letzteres entscheidet - unbedingt leicht ist das nicht immer. Ich hatte beim Fahren zwar selten das Gefühl, dass die CPU schummelt, aber manchmal hat man, wie das bei Mario Kart einfach so ist, vollkommen Pech. Da trifft einen jede rote Schildkröte (in diesem Fall Stoß genannt) und fährt in jede Mine. Häufig entschieden sich Zieleinfahrten ganz knapp durch's Photo Finish. Was hier so frustrierend klingt, ist häufig so superspannend, wie ich's bisher nur bei Burnout und Split/Second: Velocity erleben durfte. Manchmal ist es aber auch anders und durch einen Glücksgriff lässt man alle Konkurrenten hinter sich für die gesamte Zeit der Fahrt. Fans verdient man damit zwar nicht, aber immerhin hat man schon mal die Lichter für den ersten Platz abgehakt.


Ganz grundlegend unterscheidet sich Blur von Nintendos beliebtesten Rennspiel eigentlich nur in kleinen Differenzen zwischen den vielen verschiedenen, lizenzierten Autos (wer auf Marken steht und nicht allzu viel Wert auf eine 100% originalgetreue Umsetzung der Fahrstatistiken legt, wird hier einen ganz langen... wird hier ganz große Augen machen) und der Grafik. Die Autos fahren sich tatsächlich alle merklich anders, allerdings in ihren Klassen (grippy, Off-road, balanciert, drifty und super drifty) recht ähnlich. Sicher, der eine ist nicht ganz so schnell, schafft dafür besser enge Kurven, der andere fetzt auf geraden Strecken davon, schlägt aber bei der kleinsten Biegung aus. Man kennt das ja. Selbst die Power-Ups sind großteilig dem Vorbild entliehen: Es gibt die drei grünen Schildkröten (hier als violette Schussblitze), die rote Schildkröte (als panikmachender, riesiger Feuerball), die blaue (als Blitzareale, die auf der Strecke erscheinen), Boost, Schild, Mine, Reparatur und einen 360°-Nahkampf-Stoß-Angriff. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Der Einsatz fast aller Items lässt sich gewählt nach vorne oder hinten verlagern, was etwa beim Nitro den Effekt des Power-Ups (das Auto wird kurzzeitig gestoppt und man kann den Wagen in eine neue Richtung vor dem Boosten drehen) stark verändert. Die gekonnte Benutzung von Objekten ist spielentscheidend und erfordert schon ein bisschen Übung.

Grafikhuren werden sich aber natürlich vor allem über die gelungenen Effekte hermachen, die sogar teilweise Einfluss auf die Spielmechanik nehmen. Im Grunde ist immer irgendwo etwas am Explodieren, die Routen sind allesamt schön, bieten sogar stellenweise Wasser auf den Straßen, welches zu Aquaplaning führt. Was mir aber ganz besonders aufgefallen ist: Wenn man man den opulenten, zielsuchenden Stoß einsetzt, dann ist der Effekt dermaßen bildschirmeinnehmend, dass man kurzzeitig nicht mehr sieht, wo man hinfährt. Also gut überlegen, wann man das Bömbchen einsetzt!


Im Singleplayer ist Blur schon spaßig, die richtig fette Gaudi kommt aber natürlich erst im Multiplayer heraus. Während ich normalerweise stolzer Verfechter des Couch-Splitscreens bin, lockt Blurs Möglichkeit, bis zu zwanzig sich ständig beharkende Spieler auf eine Rennstrecke zu sperren, doch schon mit einem gehörigen Chaos-Versprechen. Und das ist es auch. Da haben selbst Leute auf dem 16. oder 17. Platz noch Freude, wenn sie immerhin die Leute vor sich noch mal gehörig ärgern dürfen. Insofern macht es sogar Sinn, sich das Spiel für PC zuzulegen und es auf größeren LANs ins Laufwerk zu schieben. CARNAGE!
Viele Möglichkeiten, die Autos durch sogenannte Mods zu verändern (etwa dass sie die meiste Zeit unsichtbar fahren oder Tarnbomben ablegen können) bringt sogar noch eine taktische Komponente ins Spiel. Und wer mal ein "faires" Rennen fahren möchte, kann auch ganz ohne Power-Ups fahren - so wie Super Smash Bros. Brawl-Spieler ein "faires" Match ohne Items auf Final Destination austragen.

Was letztlich nur ein bisschen schade ist, ist der totale Mangel eines Soundtracks. Im Menü hört man mal etwas Gedudel, aber ansonsten ist so gut wie keine Adrenalin-Mucke vorhanden - oder verbleicht so im Hintergrund, dass ich es nicht mitbekomme. Tut euch auf jeden Fall ein bisschen Mucke auf euer mobiles USB-Gerät. Sobald die da ist, ist Blur ein vollgepacktes Bündel an hervorragender Arcade-Racing-Action, das auch noch lange nach dem Abschluss des Karrieremodus für Spaß sorgen wird. Rian

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19. November 2019 um 20:16 Uhr
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28. Mai 2010
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