Ninja Gaiden Black

(Artikel)
Rian Voß, 02. November 2016

Ninja Gaiden Black

Die größte Herausforderung aller Zeiten

2005 war das Jahr des Schmerzes. Da kam nämlich Ninja Gaiden Black raus - ein Actionspiel im Devil-May-Cry-Stil, das sich damals den Titel als eines der schwierigsten Spiele der Neuzeit redlich verdient hat. Diesertags nasche ich ein Dark Souls zum Frühstück, aber die Macher dieser Abscheulichkeit haben selbst in meinen heutigen Augen einen ganz besonderen Platz in der Hölle verdient.

Wisst ihr, was das Spiel so besonders macht? Es ist eine "Definitive Edition" von Ninja Gaiden, die noch in derselben Konsolengeneration erschien - lange bevor der Begriff "Definitive Edition" überhaupt die Runde gemacht hat. Und warum kam Ninja Gaiden Black schon ein Jahr nach Ninja Gaiden heraus? Weil sich Tomonobu Itagaki, damaliger Chef von Team Ninja, gedacht hat: "Ninja Gaiden ist noch nicht schwer genug. Es soll Spieler geben, die das Spiel geschafft haben. Das kann darf nicht sein! Wie soll ich denn ewiges Leben erlangen, wenn die Agoniemaschine™ nur mit halber Kraft arbeitet? Und Internet-Patches wurden noch nicht erfunden!"

ngb-itagakiNach dem Release von Devil's Third kam Tomonobu Itagaki wieder seiner Hauptbeschäftigung nach: Spieler auf der ganzen Welt auslachen. Bild: Kotaku.com

Der eigentliche Vorwand war natürlich ein anderer. Für Ninja Gaiden gab es zwei Erweiterungspakete, und als die raus waren, wollte Itagaki seine wahre Vision des Titels natürlich in eine einzige, konsumentenfreundliche Version gießen. Und einen neuen Missionsmodus gab es auch. Aber das war nur ein Ablenkungsmanöver. Heimlich wollte Itagaki noch weitere Änderungen vornehmen. Er nahm also die drei Mitarbeiter, denen er am meisten vertraute (Hannibaru-san, Kurugeru-san und Rutsiferu-san), und gab ihnen den Auftrag. Sie sollten die bitterböse Materie von Ninja Gaiden nehmen, sie mit Schwefel, Pest und Cholera füllen und unter den Menschen verteilen. Und sie hatten Erfolg.

Warum erzähle ich euch das alles? Nun, Ninja Gaiden Black hat zwei neue Schwierigkeitsgrade eingeführt: Ninja Dog und Master Ninja. Wenn man auf Normal zu oft stirbt, wird man gefragt, ob man den Weg des Ninja verlassen möchte. Wenn man zustimmt, bekommt man eine Cutscene mit Ryus Untergebener Ayane, die ihn mit Verachtung straft. Da hört man schon Itagakis abfälliges Gelächter im Äther. Aber es geht auch in die andere Richtung: Ninja Master. Ich habe vor ein paar Jahren Ninja Gaiden Black zum ersten Mal auf Hard durchgespielt und fühlte mich schon wie ein Gott. Dann begann ich Very Hard und gab auf. Aber die Seele brannte weiter, denn Itagaki behauptete, dass weniger als ein Prozent aller Spieler diesen Schwierigkeitsgrad schaffen würde. Und als Haris sagte, er käme mich besuchen, brach das Feuer aus: "Wir müssen Ninja Gaiden Black auf Ninja Master beenden! Wir müssen!"

Leider mussten wir dafür das Spiel erst auf Very Hard durchspielen.

ngb-ayaneAyanes stille Verurteilung.

Ninja Gaiden Black macht Bosse aggressiver. Dominante Manöver, wie die Fliegende Schwalbe, wurden in Grund und Boden generft und effektiv nutzlos gemacht. Höhere Schwierigkeitsgrade bekamen schwierigere Feinde, die nur in diesen vorkommen, und härtere Gegner kommen wesentlich früher im Spiel vor. Aber es kommt noch schlimmer.

Am Freitag waren Haris und ich noch guter Dinge. Okay, die ersten Minuten waren ein echt fieser Realitäts-Check, denn wir verreckten an den ersten Ninjagruppen immer und immer wieder, aber irgendwann hatten wir den Bogen raus. Dann kam Murai. Für alle, die es nicht wissen: Murai ist der erste Endgegner im Spiel und einer der härtesten. Für Ninja Gaiden Sigma, eine weitere Version ohne Itagakis Aufsicht, wurde dieser Bosskampf stark vereinfacht. Deswegen ist euer Master Ninja in Ninja Gaiden Sigma auch nichts wert. Auf Very Hard dürft ihr nicht nur Murai kloppen, sondern auch zwei nachspawnende normale Gegner. Und die dynamische Kamera fokussiert nur auf den Endboss. Das ist echt lustig, in einem guten Anlauf aus dem Off einen tödlichen Griff abzubekommen, der die Hälfte der Lebensenergie lutscht.

ngb-muraiBeschissener Penner.

Aber egal, auch da kamen wir durch. Mit dem Trip nach Vigur hat sich die Welt etwas geöffnet, wir fanden neue Moves, konnten uns ein bisschen upgraden und das Spiel wurde machbarer - besonders nach dem Fund des Izuna Drops, einer der stärksten Techniken im Spiel gegen kleine Gegner. Die ihm zwar fast immer ausweichen, aber auch da haben wir irgendwann verlässlich das richtige Frame abpassen können. Im Luftschifflevel haben wir sogar einen freundlich und zentral platzierten Speicherpunkt gefunden und uns gefragt, ob Itagaki da nicht auf seine Leute aufgepasst hat. Wahrscheinlich hat den ein blauäugiger Praktikant eingebaut und wurde nach Release, als es nicht mehr rückgängig zu machen war, an Itagakis Hunde verfüttert.

Wir haben jedenfalls Spaß gehabt. Es war schwierig, aber irgendwie machbar. Stück für Stück arbeiteten wir uns vor und wir haben sogar manchmal über Dinge gewitzelt.

Dann kam Alma.

ngb-almaIch muss sagen: Teile von mir sind immer noch verwirrt über Alma.

Alma hat uns etwa zwei Stunden lang den Hintern versohlt. Diese "Frau" mit einem Schlag zu treffen war reine Glückssache. Egal, was wir auch probierten, manchmal wich sie allen Schlägen aus, manchmal nicht. Natürlich hatte dieser Kampf auch kleine Gegner, die einem aus dem Off ficken, während man sich eigentlich konzentrieren muss, aber das waren wir zu dem Zeitpunkt ja schon gewohnt. Dennoch: Gegen Alma zu kämpfen war wie auf Stein zu beißen. Wir konnten an der Stelle auch nicht mehr zurück ohne das ganze Kapitel noch einmal zu spielen, denn eine mysteriöse Kraft versperrte alle Türen. Also gab es nur eine Richtung: nach vorn. Und das war der Zeitpunkt, wo sich Ryus "Uh-CHUaaaa!"-Todesschrei wohl für alle Zeiten in unsere Hirne brannte. Wir waren kurz davor, den Run an dieser Stelle abzubrechen, aber mit einem Haufen Dusel, einander gut zureden und blankem Zorn haben wir es dann doch geschafft. Die High-Fives waren ein Genuss, ich habe mir die Stimme vor Freude aus dem Hals geschrien. Wir gingen schlafen.

Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, wie schlimm es werden würde.

ngb-kindHaris und ich nach Alma. Bild: Laney Griner

Kurzer Exkurs, warum man Itagaki bitte mal alle Zähne aus dem Mund treten sollte: In Ninja Gaiden Black gibt es viele Kisten mit verschiedenen Goodies, sogar mit permanenten Upgrades. Die höheren Schwierigkeitsgrade ändern die Inhalte der Kisten und mixen sie etwas durch, damit das alles auch für Veteranen interessanter bleibt. Aber man sieht ja eine Kiste und freut sich: "Oh, was da wohl Tolles drin ist?" Nun, manchmal ist es nicht das Elixier der spirituellen Kraft, sondern ein Schwarm explodierender Fledermäuse. Nach einem Bosskampf. Vor einem Speicherpunkt.

Ich will euch nicht mehr lange mit einem Play-by-Play langweilen: Nach Alma wurde es kontinuierlich schwieriger. Eigentlich hatte ich sie als den härtesten Bosskampf in Erinnerung, aber auch viele Nachfolger sind der reinste Terror. Und die Krone von allem ist nicht der letzte Bosskampf. Es ist nicht der Dreifach-Bosskampf ohne Pause in den letzten zwei Spielkapiteln. Es ist nicht mal der hinzugefügte und erzwungene Boss-Rush kurz davor, in dem Alma noch einmal vorkommt. Nein, es ist allein ihre beste Freundin, ein komplett neuer Bosskampf für die höheren Schwierigkeitsgrade: Ishtar. Diese Frau mit Schlangenarm weicht allen Angriffen aus, hat quasi eine Immunität gegen Ninpo, Ryus Superspezialzauber für absolute Notfälle, und verteilt Schaden als wären es Kekse.

ngb-geisterfischeExplodierende Fledermäuse klingen nicht schlimm? Wie wäre es mit auto-aimenden Geisterpiranhas? Hmm?

Wir waren schon einige Male nah an den Abgrund gerückt, aber diese Zumutung schlug dem Fass den Boden aus. Ohne Pause musste man, um zu Ishtar zu kommen, zwei Gegnerräume klären und gegen Almas bösen Stiefklon kämpfen. Und dann, mit geleertem Trankinventar, durfte man sich von Ishtar verprügeln lassen. In jedem von Ryus Todesschreien hörten wir Itagakis Gelächter lauter und schallender. Wir vergruben die Hände in unseren Gesichtern. Der Controller fiel. Die Cola schmeckte nicht mehr. Der Controller fiel erneut. Wir hörten auf, miteinander zu reden und gaben nur noch seufzend das Pad nach jedem Tod weiter.

Aber in einem Moment der Klarheit, einem Moment der Entschlossenheit, wie er selbst in der Welt von Undertale nie gesehen wurde, besiegten wir Ishtar - ohne einen Heiltrank zu verbrauchen. Und der Boss, der danach kam? Oh, das war nur Satan. Kein Problem. JA, ES WAR SATAN. Aber auch dem haben wir auf die Fresse gegeben.

ngb-istharIch kriege jetzt noch vor Panik Schluckauf, wenn ich Ishtar sehe.

Die drei konsekutiven Bosse danach waren schon fast enttäuschend leicht. Fünf, sechs Versuche, höchstens. Jetzt ist es vorbei. Aber freuen können wir uns nicht. Denn nachdem wir vier Tage unserer Lebenszeit geopfert haben, um eines der schwierigsten Spiele der Neuzeit auf Very Hard durchzuspielen, haben wir nur eins: Die Gewissheit, dass das erst die Vorstufe zum Master Ninja war.

Haris und ich haben unseren nächsten Urlaub schon zusammen gelegt. Und welcher großen Herausforderung in eurem Leben werdet ihr euch als nächstes stellen?

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19. November 2017 um 04:19 Uhr
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RELEASE
14. Mai 2004
PLATTFORM
Xbox
Plattform
Xbox 360
Plattform

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