#GamerGate, #NotYourShield und Co.

(Artikel)
Haris Odobašić, 06. September 2014

#GamerGate, #NotYourShield und Co.

Von Korruption und Sexismus im Spielejournalismus

In den letzten Tagen und Wochen wurde Twitter regelrecht geflutet mit Nachrichten, insbesondere Solidaritätsbekundungen, die mit den Hashtags #GamerGate oder #NotYourShield gezeichnet waren und zumindest im deutschsprachigen Raum für viel Verwirrung sorgten. Denn so Nahe sich Gaming-Communities sonst sind, beim Gaming-Journalismus ist die Distanz wirklich atlantisch. Während sich also Journalisten jenseits des Atlantik empörten, wild diskutierten und manch einer sogar das Ende der Gamer ausrief (ja, tatsächlich!) sah man hierzulande höchstens einen Steppenläufer über die üblichen Webseiten rollen und erst in den letzten Tagen hat das Thema wirklich Feuer gefangen. Doch was genau hat es nun mit diesen Hashtags auf sich?

Diese Frage an sich zu beantworten ist nicht so einfach, wie es scheinen mag, weil dahinter eine komplexe Geschichte steckt. Es geht um Korruption, Sexismus, Ausgrenzung und scheinbar auch um Videospiele. Mehrere distinkte Probleme, die die Gaming-Community beschäftigen, sind aufeinander getroffen und haben sich zu einem bunten Potpourri vermischt, wodurch es manchmal schwer fällt, das große Ganze noch im Auge zu behalten. Um also wirklich sagen zu können, was die Bedeutung der großen Bewegung ist, müssen wir erst mal die Vorgeschichte analysieren, die sich in zwei parallel laufende Ereignisse teilen lässt. Einmal geht es um Indie-Entwicklerin Zoe Quinn und Kotaku-Schreiber Nathan Grayson, im anderen Fall um die feministische Kulturkritikerin Anita Sarkeesian. Und in beiden Fällen geht es um den Gaming-Journalismus.

Zoe Quinn / Nathan Grayson

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Zoe Quinn ist die Macherin von Depression Quest, einer Art Choose-your-Adventure-Spiel, bei dem man in die Haut eines Depressiven schlüpft und seinen Alltag meistern soll. Das Spiel war Anfang des Jahres als Web-Version erschienen, ist mittlerweile kostenlos auf Steam erhältlich und hat ein paar Preise bei kleineren Indie-Veranstaltungen gewonnen. Es wurde außerdem viel über das Spiel und Zoe Quinn geschrieben.

Nathan Grayson ist Gaming-Journalist, der zurzeit für Kotaku schreibt und früher für Rock, Paper, Shotgun geschrieben hatte. Nathan Grayson hat in seiner Tätigkeit bei Kotaku auch über Zoe Quinn geschrieben. Nathan Grayson hatte in dem Zeitraum, in dem er über Zoe Quinn geschrieben hatte, auch Sex mit ihr.

Weitere Journalisten - auf Kotaku wie auch auf anderen Gaming-Seiten - haben über Zoe Quinn und ihr Spiel geschrieben, während sie sie gleichzeitig finanziell über Quinns Patreon-Seite unterstützten. Das sind alles Fakten, die erst Monate später herauskamen, genauer gesagt, Mitte August, als Zoe Quinns Ex-Freund in einem Blog über ihre Beziehung auspackte und die Affäre mit Grayson offenlegte. Die Nachwehen dieses Blogbeitrags führten zu einem Aufruf für mehr Transparenz im Gaming-Journalismus. Sie führten aber auch zu verbalen Angriffen gegenüber Zoe Quinn, der Zirkulierung ihrer Nacktfotos, die sie vor vielen Jahren für eine kommerzielle Seite gemacht hatte, Vergewaltigungsdrohungen und mehr.
Aber es gibt auch eine andere Seite an der Geschichte. Es wurden Vorwürfe laut, dass Zoe Quinn einen "doxx", die Offenlegung privater Informationen, gefaked haben sollte, dass sie in der Vergangenheit einen rivalisierenden Gamejam direkt oder indirekt sabotiert haben sollte und nicht zuletzt, dass sie versucht haben soll, in die Meinungsfreiheit anderer Leute einzugreifen, die über das Thema gesprochen haben, beispielsweise mit dem DMCA-Takedown eines YouTube-Videos. Es wurde sehr viel dreckige Wäsche öffentlich gewaschen.

Die daraus entstehende Berichterstattung der größten Videospiel-Medien im englischsprachigen Raum konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Angriffe gegenüber Zoe Quinn, insbesondere in Verbindung mit dem Thema Sexismus in der Videospielbranche (dazu weiter unten mehr im zweiten Abschnitt). Die vielen Vorwürfe gegen sie wurden dabei vollkommen außer Acht gelassen. Der Vorwurf der Korruption ignoriert. Und genau diese Geschichte war auch der Ursprung für die #GamerGate-Bewegung.

Korruption im Videospieljournalismus ist ein immer wieder aufflammendes Thema, mehr vielleicht als bei anderen Bereichen des Kulturjournalismus wie Literatur, Filmen und Musik. Wer erinnert sich nicht an Driv3r und die Versuche des Publishers Atari, frühe Rezensionsmuster nur gegen versprochene, gute Wertungen auszugeben? Oder Doritogate und nicht zuletzt erst im letzten Jahr die Diskussion darüber, in wie weit YouTuber bekannt geben sollten, wenn sie für ein Video bezahlt werden.

Doch dieses Mal ist es vielleicht noch schlimmer, die Geschichte auf der persönlichen Ebene operiert. Es ist nicht mehr die Interaktion zwischen zwei großen, gesichtslosen Firmen oder einer solchen Firma und einer Privatperson. Und das gerade im Indie-Bereich, welcher quasi die Ausflucht aus den Klüngeleien der großen Publisher bieten sollte. Wo es noch um die Spiele geht und nichts als die Spiele, statt um Profitmaximierung, Metacritic-Scores und Deals in stickigen Hinterzimmern. Und das gerade von den Kindern des neuen Gaming-Journalismus, die nicht mehr nur noch ein Name in einer Spielzeitschrift sind, sondern Menschen, die wir täglich lesen, die mit uns in Kommentarsektionen, auf Twitter und Co. interagieren. Und plötzlich schreiben diese Leute über ihre Freunde und verkaufen das nach außen hin als journalistische Berichterstattung. Man könnte auch sagen: Sie lügen ihren Lesern ins Gesicht.

Infolge dessen wäre es nötig, ernsthaft über journalistische Integrität im Videospielbereich zu diskutieren. Mit der Neuerfindung des Videospieljournalismus vor einigen Jahren, dem Wunsch, Spiele nicht nur als Summe ihrer Einzelteile zu beschreiben, folgt nämlich auch ein höherer Anspruch und damit auch größere Standards. Man stelle sich vor in einem Nachrichtenmagazin würde es solch einen Interessenkonflikt geben und es fällt nicht schwer zu sehen, dass das Thema komplett anders behandelt worden wäre. Es wäre ernst genommen worden.

Wenn der neue Videospieljournalismus ernst genommen werden will, dann sollte er erst vor seiner eigenen Haustür kehren. Das wäre wunderbar möglich gewesen, indem er sich auf diese interessanten Fragestellungen gestürzt hätte. Ist eine Grenze überschritten, wenn man über das Werk einer Person schreibt, mit der man befreundet oder gar auf nicht-platonische Weise involviert ist? Und was ist, wenn man diese Personen finanziell unterstützt? Was muss gekennzeichnet werden und was nicht? Der neue Videospieljournalismus aber scheint sich nicht wirklich darum zu scheren, sondern, noch schlimmer, ignoriert das Thema völlig.

Wobei ignorieren nicht ganz stimmt. #GamerGate an sich wurde ignoriert, aber es wurden viele, viele Kolumnen geschrieben, die sich damit beschäftigten, ohne es wirklich beim Namen zu nennen. Wir sprechen vom "Ende der Gamer", welches letzte Woche in einer 24-Stunden-Periode von einer ganzen Menge an Seiten ausgerufen wurde. Die Lösung in der Diskussion um den Gaming-Journalismus scheint also zu sein, den Gamer für tot zu erklären und teilweise tief-beleidigende Bombenteppiche abzuwerfen gegen alle, die sich so selbst identifizieren. Das Moneyquote, welches die Attitüde hinter diesen Artikeln am besten repräsentiert ist vielleicht im Artikel von Leigh Alexander für Gamasutra zu finden, ebenfalls in der Linkliste oben zu finden:

“Gamer” isn’t just a dated demographic label that most people increasingly prefer not to use. Gamers are over. That’s why they’re so mad.

These obtuse shitslingers, these wailing hyper-consumers, these childish internet-arguers -- they are not my audience. They don’t have to be yours. There is no ‘side’ to be on, there is no ‘debate’ to be had.

Anita Sarkeesian

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Anita Sarkeesian ist eine feministische Kulturkritikerin, die vor zwei Jahren erstmals Prominenz in der Gaming-Community erlangte durch ihren Kickstarter, der eine Videoserie zum Thema "Tropes vs. Women in Video Games" finanzieren sollte. Eine Videoserie, die sich damit beschäftigt, wie Frauen in Videospielen stereotypisiert und objektiviert werden. Mittlerweile sind sechs von 12 geplanten Videos erschienen. Jeder Video-Release, genau wie der eigentliche Kickstarter an sich, hat die Gemeinschaft stark polarisiert. Oder zumindest scheint es so, denn wer die üblichen Gaming-Medien im englischsprachigen Raum liest, der hört nur zwei Stimmen. Eine Stimme, die Sarkeesian lobpreist, und die andere Stimme, die sie beleidigt, ihr mit Vergewaltigung und Mord droht.

Es gibt Aspekte und Aussagen, die Sarkeesian in ihrer Arbeit trifft, an denen man wenig Anstoß nehmen kann, die Fragen aufwerfen, über die es sich zu sprechen gehört und es ist schön, dass diese Themen durch Sarkeesian so stark in den Fokus gerückt worden sind, wie noch nie zuvor in der Videospielgeschichte. Brauchen wir wirklich eindimensionale, weibliche Charaktere, deren einziger Sinn und Zweck ist, passives Objekt zu sein, um dem männlichen Hauptcharakter einen Grund zum Agieren zu geben? Was soll der Schwachsinn mit dem sexualisierten Charakterdesign, zum Beispiel ersichtlich an den typisch weiblichen Rüstungen in Fantasy-Spielen? Müssen halbnackte Booth Babes über die Messegelände tanzen? Und natürlich die goldene Preisfrage: Wo sind die ordentlichen, weiblichen Hauptcharaktere? Und aus Sarkeesians Werk lassen sich natürlich andere, ähnliche Fragen zu weiteren Personengruppen ableiten, die in Videospielen stark unterrepräsentiert sind. Wie viele Spiele kennt ihr, zum Beispiel, mit einem homosexuellen Charakter, welcher eben nicht primär durch seine sexuelle Orientierung definiert ist? Oder wie wäre es mit Moslems in Videospielen, die nicht einfach nur der extremistische Feind sind?

Viele dieser Probleme sind nicht unbedingt gamingspezifisch, sie tauchen in vielen Medien auf, aber sie existieren, das lässt sich nicht von der Hand weisen und es ist gut und wichtig, wenn darüber gesprochen wird, weil es Leute zum Nachdenken bewegt und Einfluss auf die Spiele nehmen kann, die wir in den nächsten fünf oder zehn Jahren spielen werden.

Andererseits gibt es auch Punkte, die man an Sarkeesians bisherigem Werk legitim kritisieren kann. Und damit meine ich nicht, dass sie über ihren Videospielekonsum gelogen oder Videos und Artworks ohne Erlaubnis und ohne Kennzeichnung der Quellen verwendet hat. Das sind auch Probleme, ja, das ist eine Kritik, die Sarkeesian sich gefallen lassen muss.
Es sollte auch nicht um ihre Persönlichkeit oder ihre Art gehen - das alles sind Nebenschauplätze und Sarkeesians Werk ist durchaus wichtig genug für die Betrachtung von Videospielen aus einem soziokulturellen Standpunkt (alleine schon, weil sie quasi Pionierin in diesem Bereich ist), dass es auch von der Person losgelöst betrachtet werden sollte.
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Was stattdessen wichtig ist – und was Sarkeesian auch verdient hat – ist, dass ein inhaltlicher Diskurs zu ihrem Werk stattfindet. Gerade durch die Relevanz, die ihre bisherigen Videos in unserer Subkultur haben, erfordern sie auch einer kritischen Betrachtung, welche de facto aber nicht stattfindet. Dabei gibt es durchaus auch rationale Kritik an ihr zu üben, aber durch die Art der Berichterstattung entsteht der Eindruck, dass man entweder für Sarkeesian ist, oder Teil der Leute, die sich mit ihrem Mobverhalten lächerlich machen. Alles dazwischen ist Niemandsland und wer es betritt, kriegt direkt von beiden Seiten die volle Breitseite ab. Da wird man dann von den fehlgeleiteten Idioten in der Videospielcommunity genauso wie von einer Vielzahl misogyner Trittbrettfahrer als "Social Justice Warrior" betitelt, während gleichzeitig Sarkeesians Unterstützer jegliche Kritik pauschal ablehnen.

Es ist nicht schwer zu verstehen, wieso es genug Gamer gibt, die im Prinzip mit Sarkeesian d'accord sind und doch Anstoß an Elementen ihrer Videos finden können oder sich gar angegriffen fühlen können durch den großen Pinsel, mit dem Sarkeesian hier ihre groben Striche macht. Diese Stimme wird aber in den Mainstream-Gaming-Medien nicht gehört. Es entsteht der Eindruck der einseitigen Moralisierung, insbesondere verstärkt durch die starke Moderation, die mit Diskussionen zu dem Thema mit eingeht. #GamerGate richtet sich auch dagegen.

... und die Idioten mit ihrer Agenda

Jetzt hatten wir die Hintergründe und die Auslöser. Was noch fehlt sind die Idioten. Einer der größten Idioten ist vielleicht Adam Baldwin. Viele kennen und lieben ihn in der Rolle von Jayne Cobb in der Serie Firefly. Eher wenige wissen, dass er im politischen Spektrum als weit-rechts einzuschätzen ist und gerne auf Twitter Kommentare abgibt, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. "Highlight" ist vielleicht dieser Tweet, der mal eben Inzest und Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auf die gleiche Ebene stellt:

What's wrong, now, with a father marrying his son for love & to avoid tax penalties?

Er zählte zu den Leuten, die sich schon früh in diese Diskussion eingeschaltet hatten und er war auch einer der ersten, die den #GamerGate-Hashtag propagierten und war maßgeblich daran beteiligt, für den ersten Popularitätsschub zu sorgen. Man könnte sagen, dass er den Hashtag etwas vergiftet hat, ihn gegenüber Leuten exponierte, die mit den Absichten die hinter #GamerGate stecken, eher wenig zu tun haben, diesen Hashtag aber als prima Vehikel für ihre eigene Agenda gegen den Feind Rechter auf der ganzen Welt sehen: die böse "political correctness", die grausam-moralisierenden Verfechter der sozialen Gerechtigkeit und natürlich (und vielleicht insbesondere) die Feministen. Auch andere Seiten, die eher dem rechtskonservativem Spektrum einzuordnen sind und direkt gar nichts mit Videospielen zu tun haben, Breitbart beispielsweise, sind auf den Zug aufgesprungen und mischen sich unter die legitimen #GamerGate-Proteste. Wer auf Twitter nach diesem Social-Media-Kennwort sucht, wird deswegen viele Leute finden, die eine vernünftige Meinung haben, aber auch Tweets, die für Stirnrunzeln sorgen oder gar spontanen Kontakt der Handfläche mit diesem Körperteil. Persönlich empfehle ich aber eher Popcorn angesichts der so öffentlich zur Schau gestellten Dummheit.

Was keine Entschuldigung sein kann und soll für die Idioten, die es auch unter uns Videospiele-Fans gibt. Menschen, die aus irgendwelchen Gründen auch immer eine ablehnende Haltung gegenüber anderen haben, die sich auch in Beleidigungen, Bedrohungen und noch dümmeren Aktionen manifestieren. Diese gibt es in jeder Gemeinschaft und sie sind in jeder Gemeinschaft ein Problem. Ein Problem, das man nur lösen kann, indem man sich gemeinsam solidarisiert, um zu zeigen, dass diese Leute eben nicht für uns Gamer sprechen und dass es unter uns eine große Mehrheit gibt, die für Diversität steht.

Das Problem ist, dass aber eben nicht die vernünftigen Videospieler am lautesten sind, sondern die Minderheit, die einen Mix aus eben den oben genannten Personengruppen darstellt. Wir kommen wieder zurück zu Leigh Alexanders stereotypisiertem Bild des "Gamers", der Kreis schließt sich. Hier setzt #notyourshield an, ein Hashtag der all diesen eine Stimme geben soll, die laut den Medien vom Gamer beleidigt, unterdrückt, diskriminiert werden. Weibliche Gamer, LBGT-Gamer, Gamer der unterschiedlichsten Kulturhintergründe. Eben alle, die nicht zur Gruppe der wütenden und privilegierten weißen Gamer gehören, die vom Gaming-Journalismus zum Feind erklärt wurde.

Die ganzen Leute, die sich unter #notyourshield dagegen wehren, dass in ihrem Namen eine Art Kreuzzug gegen den Gamer geführt wurde, spielen in den Medien keine Rolle. Stattdessen wird alles erdrückt von einem Rufmord an den Menschen, die vielleicht mit der größten Leidenschaft an diesem Hobby dran sind. Von einer kleinen Gruppe an Leuten, die Gamer und die dahintersteckende Kultur mit Getrolle, Misogynie und Elitismus gleichsetzen und dabei vergessen, worum es bei Videospielen eigentlich geht. Dieses Video hier ist eine schöne Erinnerung daran:


Wenn ihr dieses Video seht und euch mit einem oder gar mehreren der Punkte identifizieren könnt, dann tut es mir leid, aber dann sind Videospiele Teil eurer Identität und dann seid ihr Gamer. Und, jetzt mal ehrlich, ist das so schlimm? Ein Hobby mit so viel Leidenschaft auszuüben, dass es euch Freunden und Familie näher gebracht hat und für unzählige schöne Stunden und unsterbliche Erinnerungen gesorgt hat, durch das ihr neue Menschen kennenlernen und neue Freundschaften schließen konntet. Dass es in dieser Gemeinschaft -- wie in jeder -- einige fehlgeleitete Schafe gibt, macht doch nicht gleich die gesamte Kultur dahinter verwerflich.

Wieso also sich dagegen wehren, zu diesem Hobby zu stehen? Wer nun freiwillig den Terminus Gamer von sich schmeißt, sorgt doch gerade dafür, dass die wenigen Idioten, die Leute ausgrenzen wollen, und die Personengruppen, die sowieso ein Problem mit Gaming und der Gamingkultur haben, gewinnen. Anstelle einen solch positiven Begriff kampflos aufzugeben, sollten wir doch lieber das tun, was wir immer tun, wenn jemand uns angreift: zusammen stehen und zeigen, dass es nicht so ist. Das hat schon bei den Killerspielen geklappt, die mittlerweile kein echtes Medienthema mehr sind, es hat bei der RTL-Klischeefizierung geklappt, wieso also auch nicht jetzt? Und darum ist es wichtig, dass Hashtags wie #NotYourShield existieren, denn sie zeigen -- ungeachtet der wenigen Schwachköpfe, die sie für ihre eigenen Zwecke missbrauchen -- dass Gamer nicht das sind, was die Medien schreiben. Dass es mehr als genug Personen in der Gaming-Community gibt, die nicht unbedingt heterosexuelle, weißhäutige Männer sind, und sich dennoch wohlfühlen. Die nicht das Gefühl haben von anderen Gamern pauschal diskriminiert zu werden, ungeachtet der Idioten, die einem in allen Lebenslagen begegnen. Die Leute hinter #NotYourShield repräsentieren nicht irgendwelche angepassten Quotenminderheiten sondern die Realität in der Gaming-Welt. Und auch wenn es Probleme gibt, die nicht von der Hand zu weisen sind - zusammen können wir was ändern, statt einen Grabenkampf zu führen, der jeden, der nicht die Flagge der angepassten Meinung hochhält und von den Dächern schreit, dass Gamer tot sind, in bitterböse Schubladen steckt. Also twittert fleißig weiter und seid stolz darauf, Gamer zu sein. Ihr habt allen Grund dazu! Haris

Kommentare

Valentine
Gast
08. September 2014 um 06:17 Uhr (#1)
>Tausend Zeilen Gefuehlsduselei und Toleranzgeschwaetz...

Also wenn das heute der typische Gamer ist, dann ist der "Gamer" an sich wirklich so endgueltig tot das er nichtmal mehr stinkt.

Dadrauf muss ich erstmal ne Runde Doom zocken.
Kim
Gast
08. September 2014 um 08:18 Uhr (#2)
Meine Güte, jeder zockt heutzutage, sogar meine 86 Jährige Oma spielt Kreuzworträtsel, Candy Crush und Sudoku auf ihrem Smartphone. League of Legends hat mehr Spieler als Deutschland Einwohner. Der Begriff Gamer ist tot, weil einfach jeder ein Gamer ist.

Und die Gequirlte Feminismusgrütze dürfen die Amis gerne behalten. Ich fühl mich in meiner Haut als "Gamerin"(blergh) wohl.
Bernd
Gast
08. September 2014 um 09:11 Uhr (#3)
Das passiert wenn man Frauen das Computerspielen erlaubt, man hätte unter sich bleiben sollen.
Rian
08. September 2014 um 11:49 Uhr (#4)
Jahrelang versuchen alle, die Kultur des Gamers von allen möglichen Stigmata zu befreien. Endlich trägt das langsam Früchte, aber dann gibt es die Leute, die sich so sehr als Gamer identifizieren, dass sie Angst haben, der Verlust der Stigmata und das Aufgehen in einem größeren Kulturkreis würde ihre Identität gefährden. Was schon Sinn macht - was man tut und was man trägt und worüber man sich unterhält, ist immer ein Teil der Identifikation. Aber man sollte dazu beitragen, die Identität positiver zu gestalten statt Selbstquälung zu verteidigen und sich in die Rolle des Märtyrers zu verlieben.

Ich kann auch Leute verstehen, die sagen, dass einen die sozialen Probleme im eigenen Kulturkreis nicht interessieren, weil das alles so anstrengend ist und "Was interessiert es mich, wenn es mich nicht betrifft?" Aber entweder man ist Gamer und man bezieht Stellung, oder man gibt sich endlich mit seiner Rolle als Konsument zufrieden.
Rumlauerer
Gast
08. September 2014 um 13:03 Uhr (#5)
Wer will den ein Spiel spielen in dem es um mullenprobleme, mussels oder turing-vervollständigung geht? niemand kauft so einen shice! Nur wo kohle fließt wird auch zurecht entwickelt.
Ben
08. September 2014 um 13:28 Uhr (#6)
@Raumlauerer
Ich finde es völlig okay, dass auch Spiele entwickelt werden, die nicht massentauglich sind oder die von vorn herein keine kommerzielle Ausrichtung haben. Das ist ohnehin nötig, wenn sich Spiele als Kunstform von Konsum und Kommerz abgrenzen wollen.

Die Frage, ob ein Spiel kommerziell rentabel ist, ist eine ökonomsiche Dimension, über die sich Manager Gedanken machen können. Ich beschäftige mich mit Dingen, die ich interessant finde und möchte dabei überhaupt keinen Nutzengedanken verfolgen.
Ex-Gamer
Gast
08. September 2014 um 17:19 Uhr (#7)
Dank #GamerGate habe ich einen tiefen Einblick in diese Branche bekommen. Was steckt eigentlich hinter der schönen Fassade dieser Eskapismus-Produkte? Und was ich da sah, war nicht schön.

Wenn man genau hinsieht, dann beschreiben sich Angehörige der Videospielebranche in ihren Haßschriften über "Gamer" doch eigentlich nur selbst. Denn während die Zielgruppe inzwischen divers geworden ist (eben Mainstream), welches Bild gibt eigentlich der typische (Indie-)Spiele-Entwickler ab? "Der übergewichtige Nerd im Keller, der sich den ganzen Tag mit Videospielen beschäftigt und keine Frau abkriegt." (So wurden "Gamer" in den vergangenen Tagen sinngemäß beschrieben.)

Und was dann passiert, ist die klassische Projektion auf die eigene Kundschaft. Menschen, die nicht unter mentalen Problemen leiden, fangen nämlich nicht an, ihre eigene Kundschaft zu beschimpfen.

Und da frage mich als normaler Durchschnittsbürger mit "Gaming" als Hobby: Möchte ich eigentlich Produkte von solchen Verlierern und Lebensversagern kaufen, von ihnen geschriebene Geschichten durchspielen? Deren Meinung über "Realismus" und "Lebenswirklichkeit" lesen? Ihnen Geld geben, damit sie weiter in ihre fiktiven Welt flüchten können und sich der Realität nicht stellen müssen?

Ich glaube nein.

Und das war die wichtigste Erkenntnis über Videospiele, die für mich aus #GamerGate mitgenommen habe.
VanBruten
Gast
12. September 2014 um 09:46 Uhr (#8)
Das tragischste an dieser ganzen Sache ist, und das zeigt auch dieser Artikel mal wieder, wie beliebt Schubladendenken ist. Wieviele doch das Bedürfnis haben sich und andere in Schubladen zu stecken ob es "Die Gamer", "Die Emos" "Die Feministinnen" oder sonstwas sind. Brauchen wirklich so viele das Gefühl zu irgendeiner Gruppe zu gehören und andere in Gruppen zu sehen oder ist es einfach Denk- und Sprachfaulheit? Wie wäre es mal mit Individualismus und konkreten, nicht verallgemeinernden Aussagen? Es gibt einige Videospiele die ich sehr mag und es gibt viele die ich nicht mag. Hat es jetzt einen konkreten Nutzen mich als Gamer zu bezeichnen, damit andere mich in Ihre definierte Gamerschublade stecken können mit den Klischees und Eigenschaften, die sie dieser Gruppe an Menschen zuordnen? Nein. Und Hashtags sind ja mal Schubladendenken in Reinkultur. Warum nicht einfach konkret das sagen, was man sagen will und gut ist? Nein man muss alles einordnen, damit es auch ja niemand nicht zuordnen kann, man bedenke die katastrophalen Folgen. "Du hast da eben etwas geschrieben aber da war ja gar kein Hashtag, wie soll ich diese Aussage denn jetzt bloß in meinem denkfaulen Gehirn einordnen ahhh Hilfe" -.-
Ben
12. September 2014 um 10:26 Uhr (#9)
"Brauchen wirklich so viele das Gefühl zu irgendeiner Gruppe zu gehören und andere in Gruppen zu sehen oder ist es einfach Denk- und Sprachfaulheit?"

Tatsächlich ja, es ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, um auf sich und seine Welt besser klarzukommen. Davon frei machen kann sich letztlich auch niemand; die Frage ist eher, welche Konsequenzen man daraus zieht und wie sehr man vorschnellen Urteilen nachgibt. Nicht immer ist es angemessen, nach dem Motto pars pro toto vorzugehen und einen Menschen als Ganzes auf eine einzelne Eigenschaft oder Tätigkeit zu reduzieren (wie z.B. mit "Gamer" oder "Sänger"). Es kann aber durchaus zur Identität und dem Selbstverständnis einer Person gehören, eine bestimmte Tätigkeit auszuüben. Nehmen wir Philipp Lahm: Nennen wir ihn Fußballer? Ja. Nennt er sich selbst einen Fußballer? Das tut er. Findet das jemand seltsam oder schlimm? Sicher in den wenigsten Fällen. Trotzdem ist die Bezeichnung eine Reduktion, die dem ganzen Menschen nicht gerecht wird, vielleicht ist er auch Nutella-Esser und Fernsehgucker. Der entscheidende Punkt ist, was für ihn und uns zentral (an seinem Leben) ist und so ordnen wir ihn ein - als Philipp Lahm, den Fußballer.

Der Punkt ist, dass solche Art Reduktion ständig passiert und nicht schlimm sein muss.

"Hat es jetzt einen konkreten Nutzen mich als Gamer zu bezeichnen, damit andere mich in Ihre definierte Gamerschublade stecken können mit den Klischees und Eigenschaften, die sie dieser Gruppe an Menschen zuordnen?"

Hier hapert es natürlich schon daran, dass diese Bezeichnung übehaupt nicht zu seinem Selbstverständnis gehört und dieses Hobby für dich evtl. auch gar nicht den Stellenwert in deinem Leben einnimmt, sodass diese Einordnung im Grunde nicht angemessen ist. Nicht jeder, der mal etwas spielt, würde sich als Gamer bezeichnen. Nicht jeder, der etwas liest, würde ich sich als Leser bezeichnen. Aber es gibt viele Leute da draußen, die aus ihren Hobbies gerne Substantive machen, mit denen sie sich bezeichnen (und durch andere bezeichnet werden): Zocker, Leseratten, Cineasten, Serienjunkies... Es gibt viele. Im Grunde bedeutet es nicht mehr als "XY ist mir wichtig und ich verbringe gern Zeit damit".

Und hier ist der Punkt erreicht, an dem es kritisch wird. Mehr als diesen Satz sollte man nicht in die Begriffe hinein legen. Viele Vorstellungen über Eigenschaften sind vielleicht Klischees oder treffen nicht auf alle Personen zu, die sich der Gruppe zuordnen. Das ist immer so und an dieser Stelle muss man sich einfach zusammen reißen, offen bleiben und Menschen darüber einordnen, wie sie sich verhalten. Einige verhalten sich anständig, andere weniger. Überall findet man Personen beider Sorten.

PS: Manchmal helfen sie, dem Satz einen Kontext zu geben, ohne den er nicht verständlich ist. #Hashtags
Rian
12. September 2014 um 17:18 Uhr (#10)
Du hast das Herz am rechten Fleck, VanBruten. :)
VanBruten
Gast
13. September 2014 um 04:51 Uhr (#11)
"Tatsächlich ja, es ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, um auf sich und seine Welt besser klarzukommen. Davon frei machen kann sich letztlich auch niemand;"

Kann ich so nicht bestätigen, ich komme zum Beispiel bestens damit klar mich als Individuum zu verstehen und verspüre auch gar nicht den Drang mich irgendwelchen Gruppen/Flaggen/Strömungen etc. unterzuordnen. Ich komme auch prima mit "meiner Welt" klar. Sicher, nur weil das für ich so ist, muss das nicht auch für alle anderen gelten aber es beweist schonmal, dass es möglich ist und darüberhinaus kenne ich auch andere, die so denken und leben.

"und so ordnen wir ihn ein - als Philipp Lahm, den Fußballer." "Aber es gibt viele Leute da draußen, die aus ihren Hobbies gerne Substantive machen, mit denen sie sich bezeichnen (und durch andere bezeichnet werden)"

Genau hier ist mein Problem, wieso diese verallgemeinernen Substantive? Ich will Menschen, sofern sie mich interessieren im Ganzen wahrnehmen und sie nicht einer Rolle zuordnen um es mir einfach zu machen. Und ich finde es sehr schade, dass es sich viele Menschen permanent so einfach machen wollen und auch kein Problem damit haben ihre Individualität einem Oberbegriff bzw. einer Gruppenzugehörigkeit zu opfern, selbst wenn dieses Opfer oberflächlich gesehen nur sprachlicher Natur ist.

"Hier hapert es natürlich schon daran, dass diese Bezeichnung übehaupt nicht zu seinem Selbstverständnis gehört und dieses Hobby für dich evtl. auch gar nicht den Stellenwert in deinem Leben einnimmt, sodass diese Einordnung im Grunde nicht angemessen ist. Nicht jeder, der mal etwas spielt, würde sich als Gamer bezeichnen."

Genau das Gegenteil ist der Fall, mit Videospielen hatte ich viele meiner liebsten Momente und Erinnerungen, sei es alleine oder mit Freunden vor dem Bildschirm. Bestimmte Spiele haben einen sehr sehr hohen Stellenwert für mich aber ich sehe mich nicht als Gamer denn abgesehen davon, dass ich den Prozeß der Schubladeneinordnung nicht gut finde, sagt dieser Begriff nichts aus, außer das ich mit irgenwelchen Videospielen in meiner Freizeit sehr viel Zeit verbringe und Spaß habe. Und da bin ich dann in einer Definition mit allen Cod, Sims,Destiny etc. Spielern dieser Welt. Sprich es sagt einen Dreck über mich aus und was ich wirklich bewundere. Schonwieder wird das Konkrete dem Allgemeinen geopfert und somit verblasst die Bedeutung und mit meiner Identität hat das dann schnell gar nichts mehr zu tun.

Wenn es bei Twitter nicht diese bekloppte Zeichenbegrenzung gäbe, könnte man so konkret und präzise wie nötig schreiben, was man aussagen will anstatt einen Kontext durch ein, von irgendwelchen Trends und Schneeballeffekten kreiert Wort verbinden zu müssen. Aber es muss natürlich alles auf die immer kürzer werdende Aufmerksamkeitsspanne ausgelegt werden. Ich sag nur "tldr", was für ein Armutszeugnis.
Ben
13. September 2014 um 10:10 Uhr (#12)
Liebe/r VanBruten,

Ich kann nicht sagen, dass einer von uns mehr oder weniger Recht damit hat, was er sagt, aber trotzdem reden wir etwas aneinander vorbei, denke ich.

Natürlich schließen sich Individuum und Gruppe nicht gegenseitig aus. Jeder ist Individuum, aber jeder denkt auch in Gruppen bzw. ordnet sich ihnen zu oder grenzt sich von ihnen ab (ich weiß, das ist erstmal eine Behauptung, aber ich werde versuchen deutlich zu machen, was ich meine). Philipp Lahm, der Fußballer ist eben einerseits Philipp Lahm und andererseits der Fußballer. Und vermutlich noch einiges mehr.

Ich denke, wir haben ein unterschiedliches Verständnis davon, was "Gruppe" und "Zuordnung" bedeuten. Damit sind nicht nur Labels gemeint, die mehr oder weniger gut sein können, von den Medien oder auf Twitter erfunden werden. Ein Beispiel: Du bist ja nicht der Mann ohne Eigenschaften und sicher gibt es ein paar Fähigkeiten oder Attribute, die du dir selbst zuschreiben würdest. Beispielsweise, das unterstelle ich jetzt mal, bist du "Kein Schubladendenker" und kannst Leute nicht verstehen, die "Schubladendenker" sind. Du würdest es womöglich nicht so ausdrücken, weil es ja deinem Selbstverständnis als "Kein Schubaldendenker" widerstreben würde; aber allein diese Unterscheidung wäre überhaupt nicht möglich, wenn man tatsächlich ohne "Schubladen" denken würde. Erneut möchte ich betonen, dass das nicht bedeutet, dass Leute automatisch auf diese eine Eigenschaft reduziert werden. Vielleicht hast du einen Freund, der ist Koch von Beruf, denkt aber auch gern in Schubladen, dann ist es dein Freund, der Koch ist und in Schubladen denkt. Er ähnelt damit Person XY, die auch in Schubladen denkt, diese Eigenschaft teilen sie sich, aber der eine ist Koch und die andere nicht.

Jede Feststellung von Ähnlichkeit (Zuordnung, Zugehörigkeit) oder Unähnlichkeit (Abgrenzung) ist der Akt jedes Menschen, seine Welt zu verstehen, sonst würde dir hier alles völlig random erscheinen. Wenn du nun also zwischen einem Koch und einem Fiseur unterscheidest, ist das völlig normal und sinnvoll, denn vermutlich wird nur einer davon deine Haare schneiden, wenn du zu ihm gehst.

Deshalb würde ich mich dafür aussprechen, dass Kategorien/Gruppen/Schubladen nicht aus sich heraus schlecht oder fehlerhaft sind. Es kann aber durchaus möglich sein, dass einige davon unfruchtbar und dämlich sind. Vielleicht ist "Gamer" eine unsinnige Bezeichnung, weil in Wahrheit jeder spielt und zwar völlig unterschiedliche Dinge, die nicht über einen Kamm zu scheren sind. Das würde man bei Büchern ja auch nicht machen:

"Oh, du liest auch?"
"Ja, total gern John Sinclair und du?" "Schopenhauer und Heidegger."


Lesen ist nicht gleich lesen, zocken ist nicht gleich zocken. Der eine Mag Shadow of the Colossus, der andere mag Call of Duty. Dass du nicht in einer Reihe mit den CoD-Spielern genannt werden möchtest, zeigt natürlich, dass du dich von jener Gruppe abgrenzen möchtest. Vielleicht kannst du CoD nichts abgewinnen und du verstehst auch die Menschen nicht, die das Spiel großartig finden. Vielleicht denkst du, "wenn sie DAS gut finden, sind sie kein bisschen wie ich" oder etwas Ähnliches. Sag mir, wenn ich falsch liege.

Du würdest also unterscheiden zwischen CoD-Spielern, Sims-Spielern und noch anderen Spielern, vermutlich weil du findest, dass siese Unterscheidungen sinnvoll sind. Wer sich ein CoD-Spiel sucht, der will etwas anderes als jemand, der sich Journey sucht. Diese Überlegung macht für mich Sinn, für dich und die meisten anderen vermutlich auch. Es ist eine Schublade, eine Kategorisierung, die übnerhaupt nicht schlecht sein muss, wenn sie dir dabei hilft, zu unterscheiden, beispielsweise mit wem du dich lieber unterhalten möchtest, weil ihr ein Thema teilt. Oder mit wem du dich zum Spielen treffen würdest. Hättest du diese Kategorien nicht, würden immer irgendwelche zufälligen Personen bei dir zum Zocken auftauchen, CoD und die Sims mitbringen und du wünschtest dir, es gäbe eine Möglichkeit vorher besser zu wissen, was für eine Person da gleich kommt. Dafür wäre auch die Schublade "Zockt/Zockt nicht" keine gute Hilfe (ich spinne etwas rum, aber ich denke, du weißt, was ich meine).

Was meinst du?
VanBruten
Gast
13. September 2014 um 23:12 Uhr (#13)
Ja wir reden so langsam in der Tat etwas aneinander vorbei bzw. würden uns nur im Kreis drehen wenn ich jetzt nochmal anfange auf alles einzugehen. Nur soviel:

Mein Problem ist nicht generell, dass Menschen hin und wieder Kategorien benutzen um sprachlich abzukürzen wenn es ihnen nur um einen gewissen Punkt geht und sie nicht jedes mal einen Roman schreiben wollen sondern nur diesen einen Punkt machen wollen. Was ich nur schade finde ist, wenn Menschen anfangen nur noch in Kategorien denken und dabei natürlich Vorurteilen und generell Falschannahmen Tür und Tor öffnen. Um den CoD Punkt aufzugreifen: Für mich sind nicht alle, die CoD spielen gleichzusetzen, denn es gibt viele verschiedene Gründe warum Jemand CoD spielen könnte. Ich halte von CoD nichts, finde Journey dafür aber genial. Heisst das, dass ich mich nun als Journeyfan an die Front stelle, damit alle sehen was ich doch für einen tollen Geschmack habe und dann am Besten noch gegen alle "CoD Spieler" wettere und sage wie doof "die" doch alle sind? Nein! Aber da ich weiß, dass jeder so seine eigene Vorstellung von "Gamer" hat, habe ich kein Interesse mich oder andere als solche zu bezeichnen, weil es nur zu Missverständnissen führt. Verstehst du, es geht mir nicht nur um die Reduzierung auf eine Eigenschaft/Tätigkeit, denn die kann ja je nach Satz, den man gerade formuliert sinnvoll sein aber es gibt wichtige Unterschiede zwischen den Kategorien und den Aussagen in denen man diese Kategoren verwendet. Jeder der Fußball spielt kann als Fußballspieler bezeichnet werden. Logisch denn so funktioniert unsere Sprache. Aber wenn ich dann Aussagen höre wie "alle Fußballer sind..." oder "Als Fußballer muss man eben..." dann nimmt das Unheil seinen Lauf, weil dann die Beweggründe und Vorstellungen des Einzelnen ignoriert werden und alle unter eine Definition gestellt werden, und dass ist für den Schreiber im Moment wo er es schreibt seine Definition und bei vielen Lesern ihre eigene Definition mit den Klischees die daran hängen. Bei dem Begriff Gamer ist es noch viel schlimmer weil es 1000000000 Spiele gibt wohingegen Fußball ein konkretes Spiel ist.

Ein weiteres Problem sehe ich dann(und da kommt der Artikel oben wieder ins Spiel)wenn Menschen, die sich als Gamer sehen, Beleidigungen oder Sätze wie "Gamer sind tot" ernst nehmen und eine Furcht davor entwickeln schlecht dazustehen bzw. in ihrer Identität angegriffen zu werden. Und wozu Furch führt, hat uns Yoda ja erklärt „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“ Sprich Grabenkriege entstehen weil Menschen sich nicht wirklich als Individuum verstehen sondern sich unter ein Banner scharen und wenn dieses Banner beschmutzt wird, sehen sie sich selbst angegriffen obwohl sie als Individuum gar nicht angegriffen wurden und es auch kein Grund für Rache/Krieg gibt. Naja um dich zu zitieren "ich spinne etwas rum, aber ich denke, du weißt, was ich meine"
Ben
16. September 2014 um 13:59 Uhr (#14)
Ja, ich weiß was du meinst! Ich denke nach wie vor, dass es nicht immer schlecht sein muss. Es ist ja auch ein gutes Gefühl, unter "Gleichgesinnten" zu sein, die eine Vorliebe teilen, mit denen man sich austauschen kann und unter denen bestimmte Konventionen schon implizit vereinbart sind, ohne dass man sie aussprechen muss. Nicht zuletzt sagt einem dieser Rückhalt bei anderen: "Du bist nicht komisch mit dem, was du denkst, sondern andere fühlen ähnlich wie du". Für einige kann das ein wichtiger Rückhalt sein, bei anderen ist so eine Bestärkung vll. nicht nötig.

Ich sehe aber auch die Gefahren, die davon ausgehen, viele davon beschreibst du gut. Bei der Gruppe, die man "Gamer" nennt, scheint offenbar ein Teil der stillen Konventionen auch einen gewissen Sexismus zu umfassen, der vielleicht nicht von allen praktiziert, aber von vielen zumindest passiv hingenommen wird. Wenn eine solche Kultur sich Raum macht und zumindest im Stillen akzeptiert wird, dann ist das ein großes Problem, weil anderen Personen damit geschadet wird. Einer solchen Kultur muss man einfach Einhalt gebieten und Kontra geben, ihr in der einen oder anderen Form entgegen wirken.

Ich denke, wir sind uns einig, dass die Gruppe "Gamer" schon deshalb unfruchtbar ist, weil sie zu breit definiert ist und im Grunde jeden und niemanden mehr beschreibt. Weiterhin gibt es aber die Gruppe von Personen, die sich mit dem Label noch immer dientifizieren wollen, als "Core-Gamer", der Hardcore-Produkte konsumiert und sich dadurch von "Casual-Gamern" abgrenzen möchte, die angeblich keine echten Spiele zocken und deshalb nicht ernsthaft dieser Kultur angehören (dürfen). Wenn man "Gamer" re-definiert als Gruppe dieser konservativen Erz-Gamer, die auf starren Definitionen beharren und sich nicht neuen Pesonengruppen öffnen und vielfach zumindest passiv sexistische Konventionen akzeptieren oder rezipieren, die auch in den entsprechenden Produkten bis heute weiter leben, dann ist es wohl angemessen, dieser Gruppe einen Dämpfer zu verpassen, sie nicht länger hinzunehmen.

Man würde allerdings einen Fehler machen, wenn man gerne divers spielt, sich dieser Gruppe zuzuordnen, denn sie ist nicht, wofür man sie gemäß des Namens halten sollte. Wenn es heißt, der "Gamer" sei tot, dann gilt das nicht für mich, nur weil ich ein Liebhaber von verschiedensten Spielen bin und mich mit dem Medium immer wieder gern beschäftige. Aber ich gebe zu, dass ich diesen Teil von mir gerne pflege, mich gerne damit idenfiziere und es auch in Ordnung finde, einen Namen dafür zu haben.

Das ist meine Botschaft, an alle diese Liebe mit mir teilen: Wir verstehen uns, wir lieben dasselbe, wir teilen eine Leidenschaft. Lasst uns dabei bleiben.
VanBruten
Gast
17. September 2014 um 04:54 Uhr (#15)
@Ben Jo, habe nichts hinzuzufügen :)
Gast
28. August 2016 um 04:06 Uhr
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