Alpha Protocol

(Artikel)
Benjamin Strobel, 18. Juni 2010

Alpha Protocol

Upgrades, Skills und Levelup!

Alpha Protocol - Ein Spionage-RPG. So heißt es auf der Verpackung von Obsidians jüngster Schöpfung. Wie damals Bioware mit Mass Effect wagt man hier die explosive Mischung von Rollenspiel und Shooter. Ich habe von vielen Vergleichen der beiden Titel gelesen, Vergleiche die über das Genre weit hinausgehen. Diese Gefilde möchte ich nicht betreten, das wäre Unsinn. Mit Alpha Protol erwartet den Spieler ein völlig anderes Spielgefühl. Was daran so anders ist, aber vor allem was daran gut ist (oder auch nicht) erfahrt ihr in diesem Artikel! Go!

Seit langem dürfen wir Spieler mal wieder in eine vernüftige Agentenhaut, die nicht Sam Fisher ist, schlüpfen! Diese hier gehört Michael Thorton, der im Auftrag der geheimsten aller Geheimorganisation Alpha Protocol nach Saudi-Arabien geschickt wird, nachdem ein Flugzeug von islamistischen Terroristen zerstört wurde. Er hat die Mission, Verantwortliche zu eliminieren und steht alsbald dem Drahtzieher selbst gegenüber. Nun hat er die Wahl: Lässt er ihn gehen oder wird er ohne zu zögern seinen Auftrag ausführen? Wie er sich auch entscheidet, im nächsten Moment wird Thornton Opfer eines Raketenangriffs, dem er nur knapp entkommt. Und ihm eilt ein neuer Ruf nach: Vaterlandsverräter und Terrorist. Most Wanted.

Natürlich ist Mikey da mächtig gepestet! Glücklicherweise besitzt er noch ein paar Kontakte, denen er vertrauen kann. So hat er weiterhin Zugriff auf Hightech-Equipment, Waffen und kann geheime Agenten-Apartments von Alpha Protocol als Kommandozentralen für sich nutzen. Von hier aus darf man dann Waffen kaufen, ausrüsten und mit verschiedenen Upgrades ihre Statistiken wie etwa Durschlagskraft und Reichweite verbessern. Natürlich lässt sich auch Micheal Thornton selbst modifizieren: Sein Standardgesicht ist eine Mischung aus Milchbubi und Turnbeutelvergesser (das ist beides nicht schmeichelhaft), lässt sich mit ein paar Handgriffen jedoch in Tony Stark oder den Afghanistan Cowboy (siehe Bild) verwandeln. Ist man fertig mit der Customization, kann man jederzeit seine Missionen starten. Menschen im Fernseher sagen einem dann, was zu tun ist und es kann losgehen!

Die Geschichte wird übrigens als Rückblende erzählt - in der Gegenwart sitzt Mike im Verhör und muss Rede und Antwort stehen, was ein bisschen an den Erzählfluss von Mafia erinnert. Hier und in vielen anderen Dialogen kommt es darauf an, über die anderen Charaktere möglichst gut Bescheid zu wissen und mit passenden Antworten zu reagieren. Mit der richtigen Taktik kann man so dafür sorgen, dass bestimmte Parteien oder Personen einem trauen oder auch überhaupt nicht mögen - das hat beides Vor- und Nachteile und verändert Missionen dementsprechend. Der Feind meines Feindes...
Zurück in der eigentlichen Geschichte hat man außerdem das Privileg in den verschiedenen Missionen Dossiers zu anderen Charaktere zu sammeln, um diese dann als Zusatzinfo im Dialog zu nutzen. Und wer will, kann sich in den Dossiers jede Menge Profiler-Blabla anlesen, die es einem erleichtern herauszufinden, wie man auf die Person am besten reagiert. Dabei ist es einem frei überlassen, mit wem man sich gut stellen oder gegen wen man sich auflehnen möchte. Und zur Not erschießt man einfach jeden, denn wer tot ist, kann einen schließlich nicht mehr verraten.

Würdet ihr diese Dame einfach erschießen?

Doch in Alpha Protocol geht es nicht nur um's Reden. Direkte Konfrontationen sind am besten mit Maschinenpistole und den Fäusten zu regeln! Oder mit Granaten und Assault Rifles. Oder Scharfschützengewehren. Oder Raketenwerfern. Hierbei kann man sich aussuchen, ob man mit gedrückter Schusstaste durch die Levels rennt (Achtung: Munition könnte ausgehen!) oder vorsichtig von Feind zu Feind schleicht und jeden leise für sich ausschaltet. Welche Möglichkeiten einem dabei zur Verfügung stehen hängt vor allem davon ab, welche Fähigkeiten man skillt - Ein wichtiges RPG-Element in Alpha Protocol bilden die Erfahrungspunkte, die man sich durch das Erfüllen von Missionszielen verdienen kann. Dadurch gibt es Level, wodurch es neue Fähigkeiten gibt, wodurch man sich noch effizienter mehr Erfahrungspunkte verdient. Neben Umgang mit bestimmten Waffentypen gibt es auch etwa Schleichen, Martial Arts und Elektro-Sabotage. Wie weit sich dieserlei Fähigkeiten verbessern lassen wird wiederum dadurch bestimmt, welcher Klasse man sich zuordnet. Im Laufe des Spiels kann man sich dann weiter spezialisieren.

Aus dem Nähkästchen

Ich habe mich bei meinem ersten Durchgang für den Spion entschieden. Er ist sehr gut im Umgang mit Pistolen und im Nahkampf. Ich habe mir unter anderem zwei sehr nützliche Fähigkeiten erskillt: leises Rennen und Unsichtbarkeit. Meine Pistole habe ich außerdem mit einem Schalldämpfer ausgestattet. Ich habe es als großen Vorteil empfunden, meine Feinde leise auszuschalten, hat man nämlich einmal den Alarm ausgelöst, laufen die Gegner wie aufgescheuchte Hühner herum und kommen auch gern mal im Wolfsrudel auf einen zu. Tod: sehr warscheinlich. Andererseits liegt mein schnelles Ableben natürlich nur daran, dass ich mir geräuschdämpfende Rüstungen gekauft habe, die keinen guten Schutz bieten. Außerdem senkt ein Schalldämpfer den Pistolenschaden, weshalb große Gegnermengen noch mehr Probleme machen. Man kann eben nicht alles auf einmal haben.

Abgesehen von freien Lösungsmöglichkeiten sind auch die Missionen selbst sehr abwechslungsreich gestaltet. Beispielsweise bedient man in einer Mission ein Scharfschützengewehr lediglich von fixen Positionen aus und muss die Umgebung nach Zielpersonen absuchen. Dann gibt es Aufträge, die besonders viel Hacking von Computern und Sicherheitssystemen erfordern, weil an jeder Ecke Kameras aufgestellt sind (auch hierfür gibt es natürlich entsprechende Fertigkeiten). In anderen Leveln hat man mit eher deckungsarmen Arealen zu tun und muss patroullierende Feinde im Auge behalten und sich einen guten Überblick der Situation verschaffen. Welche Missionen man zuerst und welche später bearbeitet, ist übrigens völlig offen gelassen. Kommt man mal nicht weiter, kann man sich auch erst um andere Aufträge kümmern.


Leider hat Alpha Protocol auch ein paar Schwachstellen. Meine Kritik bezieht sich dabei hauptsächlich auf technische Mängel: Die Grafik ist schon nicht sehr opulent, dennoch müssen Texturen über mehrere Sekunden hinweg nachladen und poppen irgendwann auf - das haben wir in dem Maße seit Halo 2 nicht mehr gesehen. Es gibt sehr viele Clipping-Fehler und einmal ist sogar ein ganzer Raum einfach verschwunden. Das sind Mängel, die nicht in ein fertiges Spiel gehören und sollten zumindest noch weggepatcht werden. Negativ fällt auch die KI auf, die fast willkürlich variabel daher kommt: einerseits wird man von Feinden nicht bemerkt, wenn man neben ihnen sitzt und einmal kräftig furzt, andere wiederum erkennen Mike über dutzende Meter Entfernung. Wird man entdeckt, gehen die Feinde sofort in die Offensive über. Sich selbst dabei zu schützen fällt ihnen nicht ein, sodass sie vor Granaten selten fliehen. Der Kampf als solcher gestaltet sich daher als eher durchschnittlich und wenig besonders. Erst der Einsatz von verschiedenen Gadgets und Fertigkeiten verleiht Alpha Protocol den Spaßfaktor: Man will Upgrades, Skills und Levelup!

Bis auf diese Schönheitsfehler gibt es bei Alpha Protocol nicht viel zu meckern. Jeder Action-Fan ist gut damit beraten und wer mal wieder ein Schleichspiel sucht, der macht sich (wie ich) einfach eins daraus. Alpha Protocol bietet diese und mehr Möglichkeiten und beim zweiten Durchspielen entdeckt man vielleicht ganz neue Aspekte des Spiels! Nex

Kommentare

Bronko
19. Juni 2010 um 14:48 Uhr (#1)
oh nice!! werd mir das Game jettz wohl doch kaufen!
Trine
20. Juni 2010 um 18:49 Uhr (#2)
WTF! Afghanistan Cowboy ftw!
Rian
24. Juni 2010 um 10:22 Uhr (#3)
Das Wichtigste an Alpha Protocol ist, dass es Charakter hat. Man fühlt sich als Spieler stark ins Geschehen mit einbezogen und, daneben dass die Missionen solide sind, absolviert man den ganzen Kram, um ein neues Stück Story oder noch einen flotten Spruch zugeworfen zu bekommen. Man wird für seinen Fortschritt ständig belohnt und das motiviert stark zum Weitermachen.
Bronko
29. Juni 2010 um 14:13 Uhr (#4)
@rian: Das rumballern ist auch langweilig und eher durchschnitt... aber mit Geschichte und Entscheidung kommst du erst richtig in den sog von dem spiel.. auf jeden fall geil..
Fisher
Gast
06. Januar 2012 um 01:07 Uhr (#5)
Das Spiel ist nur zu 50% fertigt gewesen, Obsidian hatte ganz andere Möglichkeiten einbauen wollen. Aber SEGA hat zuviel streichen lassen was ihnen nach ihrer Meinung nicht gefiel. Obsidian hat daraufhin den Vertrag mit SEGA gekündigt und wird nicht mehr für SEGA entwickeln. Außerdem hält Obsidian die Rechte an "Alpha Protocol"

P.S. SEGA sollte bei ihrem "Sonic" bleiben, dass ist dass einzige was wirklich gut können. Nur Jump'nRun für was anderes sind sie zu DUMM
Rian
06. Januar 2012 um 02:53 Uhr (#6)
Von mir aus kann man sich über Alpha Protocol streiten (wobei es meiner Meinung nach allein interne Angelegenheiten für ein Spiel egal sind, mir hat Alpha Protocol auf jeden Fall für einen Durchgang Spaß gemacht), aber ich glaube nicht, dass du sonderlich viele Sega-Spiele spielst. Sonic ist meiner Meinung nach eins der qualitativ schwächsten Franchises der Firma, welches sich jetzt erst ganz langsam erholt. Abgesehen natürlich von dem ganzen Superheldenkrams. Mit Bayonetta, Vanquish, der Total-War-Serie, Valkyria Chronicles, Spiral Knights und anderen Spielen zeigt Sega immer wieder, dass sie noch Mut zu einem breiten Spektrum guter Titel haben, ganz im Gegensatz zu vielen anderen großen Publishern, die sich nicht mehr viel trauen.
Gast
06. Dezember 2022 um 11:50 Uhr
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