Angespielt: State of Mind

(Artikel)
Benjamin Strobel, 15. Juni 2018

Angespielt: State of Mind

Geteilter Geist ist doppelter Geist

Das Berlin im Jahr 2048 erzählt die Geschichte bedeutender technologischer Sprünge: Drohnen kreisen um die Wolkenkratzer, die den Alexanderplatz umringen und humanoide Roboter sind längst Teil des öffentlichen Lebens. Wer will, kann seinen Geist in die virtuelle Realität hochladen, um die Grenzen des Menschseins zu überwinden. Was kann da schon schiefgehen?

Eine ganze Menge, zeigt uns State of Mind. Der Upload des Protagonisten Richard Nolan geht schief und teilt ihn in zwei gleichzeitig existierende Personen: Richard, der im dystopischen Berlin lebt, und Adam in der utopischen City 5. Beide versuchen nun, die Umstände des Vorfalls zu untersuchen. Daraus entwickelt sich nicht nur eine persönliche Geschichte um Richard, sondern auch ein Netz aus Fragen nach Menschlichkeit, Technik und den Grenzen des Möglichen.


Angespielt
Bei Daedalic in Hamburg konnten wir State of Mind ausführlich anspielen. Dabei haben wir sowohl einen Blick ins dystopische Berlin geworfen als auch auf die utopische City 5. State of Mind präsentiert sich dabei als Story-basiertes Adventure. Dabei wird klar, dass Daedalic zunehmend Abstand vom klassischen Point-and-Click-Modell nehmen. Das heißt, die Spieltwelt ist frei begehbar und man befasst sich deutlich weniger mit klassischen Rätseln. Spielerisch kann man State of Mind am besten mit Life is Strange vergleichen, während es thematisch eher in die Kerbe von Deus Ex schlägt. Einerseits gibt es viele Hinweise in der Umgebung zu entdecken, andererseits tritt man mit vielen Figuren in Dialog. Nur ab und zu muss man Gegenstände sammeln und kombinieren.

Im ersten spielbaren Abschnitt des Hands-Ons befindet man sich in den Laboren, in denen Roboter und künstliche Menschen entwickelt werden. Um sich an einem Droiden vorbeizukämpfen, muss man sich zunächst einen Schockstab bauen - soweit, so klassisch. Während man die Umgebung nach Bauteilen durchforstet, entdeckt man jedoch zahlreiche Textnachrichten, Emails und Laboranweisungen. So findet man beispielsweise heraus, dass die erste Generation von Robotern nur sehr kurzlebig war. Mittlerweile hat die Lebenszeit der Blechgesellen jedoch die der Menschen bei Weitem überstiegen. Das Suchen und Basteln sind nciht sehr schwierig, so kann man sich ganz auf die Welt und die Geschichte konzentrieren. Das Konzept geht auf: schon nach wenigen Spielminuten kann State of Mind mich für die nächsten Stunden fesseln.

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Der zweite spielbare Abschnitt führt uns City 5 vor. In einer Ausstellung innerhalb der virtuellen Stadt kann man die Grenzen des Möglichen austesten: per Knopfdruck erschafft man Objekte, lässt Töne und Musik erklingen. Die digitale Utopie will auch ästhetisch über die Realität hinaus wachsen. Dass die virtuellen Hostessen aber genau wissen wie man heißt und wo man wohnt, lässt den Grusel von digitaler Überwachen nicht unbemerkt vorübergehen. Ist diese Welt wirklich so ideal wie sie scheint? "Das Spiel sagt nicht, Transhumanismus ist gut oder schlecht. Es ist dem Spieler überlassen, das zu beurteilen", erklärt Autor Martin Ganteföhr. Viel mehr möchte er Fragen aufwerfen, die er sich selbst stellt: Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Was für Folgen könnte es haben, wenn wir uns ein Utopia erschaffen und darin leben? Was kann dabei schiefgehen?

Atmosphäre durch Limitation
Der charakteristische Low-Poly-Look des Spiels hat seine Wurzeln eigentlich in technischen Limitationen. Hochdetallierte Modelle und aufwändige Animationen liegen außerhalb der Reichweite des kleinen Sudios. Doch Martin Ganteföhr zeigt sich zufrieden mit dem Artdesign: "Wir finden, es passt zur Idee des Spiels. Wir stellen nur eine mögliche Zukunft dar und nicht die eine richtige. Der visuelle Stil drückt genau diese Unsicherheit aus." Obwohl der minimalistische Stil nicht überall gut ankommt, hat das Artdesign großen Wiedererekennungswert. Wie sich während des Hands-Ons zeigt, tut das dem Spiel auch keinen Abbruch. Im Gegenteil: das Artdesign ist atmosphärisch und inszeniert künstlerisch eine denkbare Zukunftsvision.

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Mein erste Erfahrung mit State of Mind hat mich sehr neugierig gemacht. Schon während des Besuchs bei Daedalic entbrannten Gespräche zwischen den Anwesenden, wie die eigene Nutzung von Technik einzuordnen ist, was Social Media mit uns macht und ob Gesichtserkennung das Ende der Welt eingeläutet hat. Wie auch immer die Antworten ausfallen, State of Mind war ein anregender Gesprächsanlass über die Grenzen des Spiels hinaus - und das ist in meinen Augen immer ein Qualitätsmerkmal. Ben

State of Mind erscheint am 16. August 2018. Der Titel kostet 29,99 Euro für den PC und für 39,99 Euro für Konsolen. State of Mind wird parallel für PC, Mac, Linux, Playstation 4, Xbox One sowie Nintendo Switch erscheinen.

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19. September 2018 um 05:23 Uhr
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Angespielt
Sparte - Alpha, Beta, Demo, Vorpremiere & Co: Wir hatten die Finger am Gamepad.
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Spiele des Artikels

RELEASE
16. August 2018
PLATTFORM
Linux
Plattform
Mac
Plattform
Nintendo Switch
Plattform - Hybrid aus Konsole und Handheld. Unter dem Codenamen Nintendo NX angekündigt, soll Nintendo Switch im März 2017 erscheinen.
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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