Domiverse im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 30. März 2018

Domiverse im Test

Party-Brawler, in dem jeder Charakter overpowered ist

Meistens weiß ich im Voraus, welche Spiele erscheinen und welche ich testen möchte. Aber manchmal erreichen mich - wie aus dem Nichts - Mails zu neuen Indie-Titeln, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Domiverse zum Beispiel. Und dann kommt es darauf an, ob die ersten Sätze der PR-Nachricht mich bekommen. Thomas, mit deiner Nachricht zu Domiverse hast du es geschafft.

Die Mail ist dermaßen gut, dass ich meinen Text danach gliedern kann. Habt also keine Sorge, ich werde sie nach und nach vollständig zitieren.

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"Hirnverbrannter Party-Brawler, in dem jeder Charakter overpowered ist"

Domiverse ist ein Party-Brawler für bis zu vier lustige Menschen auf der Couch. In kleinen 2D-Arenen geht es darum, die anderen zu bekämpfen bis man als letzter übrig bleibt. Die zehn Spielfiguren sind sehr unterschiedlich und haben eingängige Namen wie Schluuuups, Glomorph, Potator oder Nili. Im Roster befinden sich neben einem Wildschein und einer Schnecke auch eine Kartoffel und eine… Wurst. Auf der offiziellen Websites gibt es sogar kleine Comics zu den Figuren des Spiels.

Jede Figur hat ein eigenes Set von Fähigkeiten, die keine andere Figur besitzt. Gemeinsam ist ihnen allerdings, dass sie schon nach einem Treffer sofort ins Gras beißen. Die Matches sind verrückt, schnell und manchmal ziemlich durcheinander. Das ergibt hervorragende Unterhaltung für kleinere Party-Runden, die sich nicht in komplexe Steuerungen und Spielsysteme einarbeiten möchten. Nachdem die Spielerinnen und Spieler ihre Figur ausgewählt haben, können sie noch im Charakter-Bildschirm die Steuerung testen, die in der Regel aus wenigen Tasten besteht. Selbst ohne Erklärungen ist Domiverse sehr einsteigerfreundlich.

Das Pixeldesign macht Domiverse in der Präsentation sehr charmant. Zu dem bunten Durcheinander passt auch der actiongeladene Soundtrack perfekt, der sofort auffällt, aber auch nach mehreren Matches nicht nervig wird.

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"Im Titel hat jeder Charakter eine verrückte Spezialfähigkeit, die ein wenig unfair ist."

Der Pitch der PR-Mail lautet: hier ist jede Figur overpowered. Aber Thomas, da hast du doch geflunkert! Es kann natürlich nicht ganz stimmen, weil alle Figuren dann gleichermaßen stark wären und keine besser als die andere. Aber der eingängige Slogan verweist auf ein zentrales Designprinzip, das Domiverse bis ins Mark verinnerlicht hat: Jede Figur hat eine einzigartige Mechanik, die auf die Spitze getrieben ist. So kann ein Kämpfer unsichtbar werden, ein anderer kann fliegen, wieder ein anderer kann Wände hoch und an Decken laufen. Die diebische Freude beim Spielen entsteht dadurch, dass einem niemand den Move nachmachen kann und man in einer bestimmten Disziplin immer ganz vorne steht. Spätestens nach etwas Übung hat mir jede der zehn Figuren richtig gut gefallen und ich wollte - für den Moment - keine andere mehr spielen.

"Spielziel ist es also, immer noch ein wenig unfairer als seine Freunde zu sein."

Dieses Prinzip sorgt schon indirekt für ein gutes Balancing: Die Figuren sind One-Trick-Ponys. Das heißt, man kann ihnen an der Nasenspitze ansehen, was sie als nächstes vorhaben (was allerdings nicht immer heißt, dass man etwas dagegen machen kann). Man kann sich auf die anderen Figuren recht gut einstellen, wenn man ungefähr weiß, auf welche Weise sie unfair sind. Am Ende des Tages fühlt sich jeder den anderen mit seiner Figur überlegen ohne es aber tatsächlich zu sein. So funktioniert Domiverse nicht nur als Party-Spiel, sondern auch mit Freunden, die etwas kompetitiver spielen wollen. Das Spiel ist auch ohne Kenntnisse unglaublich unterhaltsam, kann aber erstaunliche Tiefe entfalten, wenn alle Spielerinnen und Spieler mit den Figuren gut vertraut sind.

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"Wer auf lokale Mehrspieler-Titel wie Towerfall Ascension und Nidhogg steht, sollte Domiverse gut im Auge behalten."
Wer Freude an verrückten Party-Spielen hat, die auch die kompetitive Ader etwas kitzeln, Sollte Domiverse eine Chance geben. Neben den Beispielen aus der Pressemeldung können auch Gang Beasts und Move or Die sehr gut als Vergleich herhalten. Es geht zwar - im stumpfesten Sinne - nur darum, wer den anderen mehr auf die Mütze gibt, aber Domiverse überzeugt besonders durch vielfältige Mechaniken und ein charmantes Charakterdesign im Retrolook. Thomas, ich danke dir für deine Mail und habe jede Menge Spaß mit Domiverse.

Domiverse wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von Haunted Tie zur Verfügung gestellt.

Domiverse

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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19. Juni 2018 um 23:56 Uhr
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07. März 2018
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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