Clustertruck im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 14. Dezember 2016

Clustertruck im Test

Spüre die Freiheit und lass dein Gehirn zu Hause

Clustertruck basiert auf einer ziemlich simplen und ziemlich bescheuerten Idee: mit der künstlichen Intelligenz eines Toastbrotes tummeln sich dutzende von LKWs auf einer kleinen Karte – und ihr seid mittendrin. Was ihr schaffen müsst? Ihr müsst einfach nur vom Anfang des Levels bis ins Ziel hüpfen – und dabei nicht den Boden berühren.

Was sich so einfach anhört, kann manchmal aber auch sehr problematisch werden. Dadurch, dass die LKW-Fahrer in Clustertruck eine der wohl besten schlechten KIs haben, die je entwickelt worden ist, gleicht das Gehüpfe öfters einem reinen Glücksspiel. Denn die Fahrer reagieren nicht auf ihre Umgebung, sondern rasen schnurstracks in die nächste Wand, die nächste Klippe herunter, in den nächstbesten Kollegen oder explodieren doch einfach nur plötzlich, weil sie von einem gigantischen Laser zerschnibbelt werden.

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Und diese einfache Mechanik macht den großen Spaß aus: ihr wisst nie, was eure unbezahlten Mitfahrgelegenheiten für Mist produzieren. Deswegen müsst ihr ständig auf der Hut sein, so bedacht wie möglich von LKW zu LKW springen und dabei möglichst nicht euer eigenes Grab schaufeln. Damit ihr nicht hilflos durch die Luft geschleudert werdet, könnt ihr eure Spielfigur im Flug relativ aktiv mitsteuern und so eure Reiserichtung und -geschwindigkeit nachkorrigieren. Die Steuerung ist sehr direkt und funktioniert absolut tadellos – was auch das Wichtigste bei solch einem schnellen und chaotischem Durcheinander ist.

Aber auch das größte Chaos wird nach einiger Routine beherrschbar, so auch in Clustertruck. Habt ihr das erste Kapitel durch, fällt euch das Herumwirbeln deutlich leichter. Nach dem zweiten Kapitel habt ihr eigentlich kaum mehr Probleme mit den Herausforderungen. Um der Langeweile vorzubeugen, werden neben der gehirnlosen KI noch weitere Hürden wie tödliche Laserstrahlen, Guillotinen, gigantische schwingende Morgensterne und Sprungfedern hinzugefügt. Und das waren jetzt nur meine Beispiele, denn was für ein Arsenal da aufgefahren wird, damit ihr auch ja nicht das Ziel erreicht, ist wirklich überraschend vielfältig.

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Aber diese ganzen Gerätschaften haben es nicht nur auf euch abgesehen, sondern knöpfen sich natürlich auch die LKWs vor. So entstehen herrlich skurrile Situationen, wenn ihr plötzlich mit zehn anderen Brummis wegen einer Sprungfeder durch die Luft geschleudert werdet. Dann hupt alles und die Musik dudelt wie verrückt im Hintergrund. In solchen Momenten entfaltet Clustertruck sein volles Potenzial der Absurdität – und es ist so unglaublich spaßig, dass ich jedes Mal wie blöd anfange zu grinsen.

Und um die Situation noch absurder zu machen, als sie es ohnehin schon ist, könnt ihr mithilfe eurer erwirtschafteten Punkte, von denen ihr zum Beispiel mehr erhaltet, wenn ihr ein Level schneller abschließt, neue superheftige Spezialfähigkeiten freischalten. Diese sind zum Beispiel einfach ein kleines Jetpack, mit dem ihr ungefähr eine Sekunde lang euren Fall abbremsen könnt – oder euch eben noch in letzter Sekunde mit doppelter Geschwindigkeit vom LKW abzustoßt. Außerdem gibt es eine Waffe, mit der ihr neue Laster spawnen lassen könnt, einen Greifhaken und sehr viel mehr. Als absolutes Schmankerl wird euch der Supertruck-Modus mit der Beschreibung "Super! Truck! Super! Truck! [...]" angeboten. Dreimal dürft ihr raten, an welches Spiel dieser Modus angelehnt ist.

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Durch die ganzen coolen Extras gerät aber auch das Balancing mächtig in Schieflage. In jedes Level könnt ihr zwei Fähigkeiten mitnehmen. Wenn ihr auch nur einen Hauch von Verstand in das sonst so willkürliche Spiel hineinsetzt, könnt ihr somit fast jede Stage ohne weitere Probleme und hunderte von Anläufen absolvieren. Somit muss jeder Spieler hier selbst entscheiden, ob er sich das Spiel schon zu einfach gestaltet oder auf die grandiosen Fertigkeiten verzichtet, was echt nicht einfach ist. Löblich ist hingegen die Steam-Workshop-Integration, womit alle Spieler auf dieser Welt, die genauso kranke Ideen haben wie die Entwickler, ihre Level der Community präsentieren können.

Die geniale Idee von strunzdoofen Lastern, gepaart mit tödlichen Zerstörungsmaschinen und einer verrückten Umgebung macht unglaublich viel Laune. Durch die vielen Möglichkeiten und den daraus stark schwankenden Schwierigkeitsgrad ergibt sich aber manchmal leider auch eine seichte Langeweile, weil man einfach zu leicht durch die Level hindurchspaziert. Das Gesamtpaket Clustertruck ist für Spielkinder eine Anschaffung wert. Leute, die Herausforderungen lieben, werden hier aber zu wenig gefordert werden.

Clustertruck wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i5-4670, 16 GB RAM, Radeon R9 270X) getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Clustertruck

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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21. Juni 2018 um 21:39 Uhr
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27. September 2016
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
SteamOS
Plattform - Am 23. September 2013 kündigte Valve das erste eigene Betriebssystem an: SteamOS ist als Kombination aus Linux und Steam völlig kostenlos und optimiert für das Gaming-Wohnzimmer.

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