Vorschau: Skyshine's Bedlam

(Artikel)
Paul Rubah, 13. August 2015

Vorschau: Skyshine's Bedlam

Ödland-Taktik mit hoher Sterbequote

Monströse Autos und die Wüsten-Endzeit erleben gerade ihr kleines Revival. Alle Welt wartet auf Fallout 4, Mad Max: Fury Road ist ein großartiger Film und das dazugehörige Spiel soll auch nicht übel sein. Genau der richtige Zeitpunkt für Skyshine Games, um ihr Taktik-Roadwarrior-Spiel Bedlam zu präsentieren.


Jeff Johnson sitzt am Präsentations-PC beim Publisher Versus Evil. Er hat sich gerade eine halbe Stunde lang den Mund über Bedlam fusselig geredet, während ich an der Nachbar-Einheit saß und mir den E3-Build von Armikrog. ansah. Jetzt bin ich an der Reihe, aber ich gönne Jeff eine kleine Pause. Am zweiten und dritten Tag der Gamescom werde ich häufig von Entwicklern gefragt, was ich auf der Messe gesehen habe. Die armen Menschen kommen ja kaum aus ihren Ständen raus. Also habe ich immer ein paar Geschichten parat. Ich erzähle von Dark Souls 3, wie ich wieder auf die Serie gehyped bin und lege ihm ähnlich schwierige 2D-Ableger wie Jotun oder EITR ans Herz. Er hört interessiert zu und lässt mich quasseln. Nach fünf Minuten knalle ich meinen Notizblock auf den Mini-Tisch und sage: "So! Lange genug Pause gemacht! Erzähl mir von deinem Spiel!"

Skyshine's Bedlam existiert schon eine ganze Weile in den Köpfen von Jeff und seinen Freunden. Vor einigen Jahren hieß der Titel noch "Dungeons & Dragons Road Warrior Outer Space Type Of Game". Vom ursprünglichen Titel ist Bedlam nicht weit abgewichen: Man spielt den Anführer eines Karavans, der möglichst viele Menschen vom Norden der verwüsteten Vereinigten Staaten bis zur mystischen und angeblich sicheren Aztec City im Süden bringen soll. Dabei stehen einem - wie in FTL oder dem DOS-Klassiker The Oregon Trail - mehrere Routen zur Verfügung. Man kann vorübergehend an einem Ort bleiben und nach Benzin, Nahrung, Munition oder Überlebenden suchen und zieht dann immer weiter. Jede Expedition birgt aber Risiken, so dass ein zufälliges Event einen Teil der Karavan-Bevölkerung auslöschen oder die Sprit-Vorräte anbohren kann. Auswirkungen mancher Ereignisse sind fest vorgeschrieben und man kann sie auswendig lernen - mit mehreren Anläufen wird das Spiel also berechenbarer. Andere Ereignisse sind komplett von der Willkür bestimmt.

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Neben dem großen Hauptquest gibt es auch viele kleine, charaktergebundene Geschichten. Je nachdem, welche Figuren man in seiner Party hat, lösen manche Orte bestimmte Ereignisse aus - sofern die Figur bis dahin überlebt hat. In Bedlam ist das Leben nämlich billig. Damit es beim hohen Figurenverschleiß nicht optisch langweilig wird, gibt es über 50 Charakterportraits.

Jede Figur kann einer von vier Klassen angehören, die gegenüber manch einer Klasse stärker ist, anderen dagegen schwächer. Stein-Papier-Schere-Spock-Prinzip. Einige stecken viel ein, benutzen Axt und Schilde, andere verlassen sich auf ihre Schrotflinte, Pistolen oder Gewehre. Mit zwei Kills erreicht eine Figur schon den Veteranen-Status - das klingt nach wenig, aber wie gesagt: das Leben ist billig und das Spiel verfügt nur über einen Autosave. Macht man einen Fehler, darf der nächste in der Schlange Papas alte Rüstung überstreifen. Es gibt auch Helden- und Elite-Charaktere, aber die erlangt man nur über spezielle Missionen.

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Wer The Banner Saga gespielt hat, dem wird das Schlachtfeld in Skyshine's Bedlam bekannt vorkommen. Tatsächlich hat das Studio die gridbasierte Taktik-Engine lizenziert und baut ebenfalls auf handgemalte Kampfanimationen. Ein wenig modifiziert wurde das Ganze natürlich trotzdem - so gibt es in Bedlam keinen Zusammenhang zwischen der Angriffsstärke und den Lebenspunkten der Figur, jeder Charakter darf immer zwei Aktionen ausführen und die Charaktere können Deckung benutzen. Deckung ist auch ziemlich wichtig. Dort besteht nämlich eine geringe Chance, dass ein Gegner seinen Angriff verfehlt. Lässt man seine Figuren dagegen lustig über eine Lichtung laufen, liegt die Trefferwahrscheinlichkeit immer bei 100 Prozent.

Im Gegensatz zu Banner Saga, wo man auch mal auf Zeit spielen muss, um einen Kampf zu überleben, legt Bedlam Wert auf schnelle Scharmützel. Am oberen Bildschirmrand füllt sich mit jedem Zug das Blitzometer. Ist es voll, bekommen die Feinde ein paar Extrazüge - einfach so. Danach füllt sich das Blitzometer mit doppelter Geschwindigkeit wieder auf.

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Auch auf der Weltkarte sollte man nicht allzu lang herumtrödeln. Jeder zurückgelegte Kilometer erhöht nämlich den Schwierigkeitsgrad. Wer in gerader Linie auf Aztec City zufährt, hat zwar keine Zeit, um Vorräte zu plündern - muss dagegen nur schwächere Versionen von Mutanten, Banditen, Cyborgs und KI bekriegen. Jede Gegnerfraktion hat übrigens ihre Besonderheiten. So sind Mutanten etwa zu Beginn eines Kampfes sehr schwach, regenerieren aber mit jeder Runde Lebenspunkte. Wenn man die Viecher nicht in den ersten Zügen auslöscht, werden sie irgendwann nahezu unbesiegbar.

Ich habe ein wenig Angst. Endzeit liegt mir. Das Banner-Saga-Kampfsystem liegt mir. Und ins spielerisch sehr ähnliche FTL habe ich auch schon an die 50 Stunden versenkt. Ich wünsche mir ja fast, dass Skyshine's Bedlam finale Version im Herbst irgendeinen kritischen Mechanik-Fehler hat, der das Spiel ruiniert, damit ich nicht der Sucht verfalle - aber momentan sieht es nicht danach aus. Mist.

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07. Dezember 2019 um 03:45 Uhr
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