Murdered: Soul Suspect

(Artikel)
Benjamin Strobel, 19. Juni 2014

Murdered: Soul Suspect

Mit Geistern, aber nicht geistreich

Murdered: Soul Suspect präsentiert ein beinahe einzigartiges Setting: Der Spieler schlüpft in die Rolle eines toten Cops und ermittelt als Geist in seinem eigenen Mordfall. Das Adventure präsentiert seine Fälle als Puzzle und konzentriert sich dabei auf cinematische Erzählung. Auf der Gamescom im letzten Jahr sah es gut aus. Hält die Idee, was sie verspricht?

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Bevor man es mit Geister-Ronan zu tun bekommt, erzählt das Intro von Murdered die Lebensgeschichte des Protagonisten. Ronan war selbst mal ein Kleinganove und saß schon im Gefängnis ein. Er lernt seine Frau kennen und bringt sein Leben wieder ins Lot. Mit dem Eintritt als Ermittler in die Polizei von Salem ist er vollständig rehabilitiert, doch dann stirbt seine Frau. Die Tattoos auf seinem Körper dokumentieren seine Lebensgeschichte. Das Intro ist sehr bemüht, in seiner Kürze einen ganzen Menschen zu zeigen, eine Figur, die man versteht und in die man eintauchen kann. Aber kaum entwickelt man Sympathien für Ronan, schon wird er ermordet. Er war dem berüchtigten Bell Killer auf der Spur, der von der Polizei für eine Reihe von Morden verantwortlich gemacht wird. Aber der Kerl war Ronan einen Schritt voraus und legte ihn kurzerhand um. Die Seele des Ermittlers erhebt sich aus seinem leblosen Körper, will dem Licht entgegen gehen und die Hand seiner Frau ergreifen, da erklärt sie Ronan, dass er in der Zwischenwelt verbleiben muss, bis er aufgeklärt hat, wer ihn umgebracht hat. Was gleichzeitig bedeutet, die Serienmorde aufzudecken. Ronan muss also ein letztes Mal seinen Job machen, bevor er endlich ruhen kann.

Als Geist stehen Ronan ein paar Kniffe zur Verfügung, die ein Lebender nicht beherrscht, büßt andere Möglichkeiten aber ein. So kann er nun durch Wände gehen und ein paar Objekte der lebenden Welt manipulieren (Poltergeist-Style). Eingeschränkt ist Ronan allerdings dadurch, dass er einige neue Hindernisse in der Geisterwelt nicht überwinden kann. Emotional aufgeladene Ereignisse haben sich in der Zwischenwelt manifestiert, beispielsweise abgebrannte Häuser oder ein Zugunglück. Diese Objekte sind für Ronan so echt wie Materie in unserer Welt. Und dann gibt es noch das Problem mit den abergläubischen Bewohnern Salems, die ihre Heime vor Geistern schützen, sodass man nur hinein kann, wenn eine Tür offen steht.

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Mit Hilfe der neu gewonnenen Fähigkeiten analysiert man den ersten Tatort, also den eigenen Mord. Im unteren Eck des Bildschirms zeigt das Spiel brav an, wie viele Hinweise in der Szene versteckt sind. Glücklicherweise hat die Polizei bereits kleine Schildchen aufgestellt, die gefundenes Beweismaterial kennzeichnen. Schaut man sich eines nach dem anderen an, beschreibt Ronan in einem kurzen Monolog, was er gefunden hat. Diese lassen sich auch jederzeit im Menü noch einmal nachschlagen. Durch einfaches Anklicken der Objekte lassen sich die meisten Hinweise aufdecken, aber um auch die letzten aufzuspüren, bedarf es eines Geister-Tricks: Ronan kann in Personen hineinfahren und ihnen kleine Suggestionen einflößen. So muss man eine Zeugin an den Mörder erinnern, damit sie neue Details an die Polizei preisgibt, die auch einem selbst helfen. An anderen Stellen kann man auch Erinnerungen an den Tathergang materialisieren und sich ansehen.
Die Aufklärung eines Falls mit derart übernatürlich Kräften ist in der Tat genauso einfach wie es klingt. Meine Erfahrung als Spieler erinnert mich bemüht daran, dass in diesem Setting unterhaltsame Rätsel sein müssten. Diese fehlen allerdings vollkommen. Alle Szenen des Spiels laufen ab wie der erste Fall. Das fühlt sich an wie ein aufgepepptes Wimmelbildspiel, denn es geht die meiste Zeit darum, die Umgebung nach Objekten abzusuchen, die einem die Aufforderung geben, die X-Taste zu drücken, um sie als Beweis aufzunehmen. Am Ende einer Untersuchung muss man die Beweise oftmals noch richtig kombinieren, damit Ronan die Geschehnisse zusammenfasst. Es ist nicht nur ein Leichtes, aus dem Pool die relevanten Beweise auszuwählen, sondern einer falschen Auswahl folgen auch keine Konsequenzen. Zwar gibt es ein dreistufiges Ranking für die Lösung, aber nach zwei Fehlern ist der unterste Wert erreicht und weitere Fehler sind völlig egal. Selbst wenn man Beweise zufällig auswählt, bleiben irgendwann nur noch die richtigen übrig, da kann man nicht viel falsch machen.

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Zwischen den Tatorten bewegt man sich mehr oder weniger frei durch die kleine Hub-World Salem. Überall sind unterschiedliche Erinnerungen versteckt, die man einsammeln kann, um etwas über die Hintergründe der Figuren zu erfahren, insbesondere Ronan, seine Frau und den Bell Killer. Die meisten Objekte liegen einfach am Wegesrand, sodass man die allermeisten findet ohne aktiv danach zu suchen. Die kurzen Geschichten sind allerdings nicht - wie der Rest des Spiels - vertont. Schade ist auch, dass sie wichtige Teile der Erzählung über die zentralen Figuren übernehmen, die das Spiel besser zeigen könnte als sie in Textfetzen vorzukauen.
Obwohl die Welt recht klein ist, ist sie nur mit großen Anstrengungen zu navigieren. Um es dem Spieler nicht zu leicht zu machen, gibt es ständig geisterhafte Hindernisse, die man umgehen muss. Schlangenförmige Pfade machen die Laufwege länger als nötig, bieten aber ebenfalls keine echte Herausforderung. Stattdessen versucht das Spiel mit kurzen Stealthpassagen den Spieler wieder aufzuwecken. Hier muss man auf Dämonen Acht geben, die Ronan schnappen, wenn sie ihn sehen. Um sie zu bezwingen, muss man sie von hinten angreifen, indem man ein kurzes Quick-Time-Event besteht. Wird man entdeckt, sollte man die Beine in die Hand nehmen und sich verstecken. Die Stealth-Passagen sind nicht wirklich schwierig, sondern hindern Ronan einfach daran, schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen. Das ist der nervigste und gleichzeitig unnötigste Teil des Spiels.

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Die Mechaniken von Murdered teilen sich alle dieselbe Eigenschaft: sie sind langweilig. Rätsel, für die man nicht rätseln muss, und Hindernisse, die Wege nur verlängern, sind keine spannenden Elemente. Die Geschichte selbst ist dagegen recht interessant, allerdings ist der Spieler seiner Figur Ronan meistens einen Gedankenschritt voraus. Das macht einige Stellen etwas albern. Trotzdem motiviert die Geschichte bis zum Schluss und ist immerhin geschickt genug, seinen Mörder nicht vorzeitig zu verraten. Bei der kurzen Spielzeit von guten sechs Stunden ist das vielleicht auch kein Kunststück.

Insgesamt nutzt Murdered: Soul Suspect spielerisch nicht das Potential seines Settings und verpasst auch erzählerisch seine Möglichkeiten richtig auszuschöpfen. Das Setting versprüht Charme und lockt mit seiner Einzigartigkeit, bleibt hinter den Erwartungen allerdings zurück. Murdered ist ein Spiel für die Videothek, aber nicht für das eigene Regal. Ben

Murdered: Soul Suspect

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

Kommentare

Rian
22. Juni 2014 um 23:37 Uhr (#1)
Ist echt schade, Murdered wirkte eigentlich vielversprechend, zumindest von der Atmosphäre her. Bisherige Präsentationen zeigten immer die Stealth- und Untersuchungselemente im Wechsel, ohne große Beispiele für Herausforderungen, da hätte man schon ein bisschen den Gameplaymuff riechen müssen.
Gast
16. September 2019 um 03:02 Uhr
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RELEASE
06. Juni 2014
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 3
Plattform
Xbox 360
Plattform

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