God of War: Ascension

(Artikel)
Benjamin Strobel, 28. März 2013

God of War: Ascension

Wütender Mann mit Bart, das Prequel

Der Lebenszyklus der aktuellen Konsolengeneration neigt sich dem Ende. In diesem letzten Jahr gibt es noch mal ein paar ganz große Releases, die der PS3 und Xbox 360 im Endspurt ordentlich Feuer geben sollen - bis sie 2014 langsam ausglimmen. Sonys Abschiedsfeuerwerk für die PS3 wird bei den Wurzeln der God-of-War-Franchise gezündet: God of War: Ascension erzählt zum Ende einer Generation die Anfänge eines Videospiel-Epos.

God of War: Ascension ist in deutschland komplett unzensiert erschienen.
Ascension wird mit der bewährten God-of-War-Rezeptur ausgeliefert. Das Prequel spielt vor allen anderen Spielen der Reihe und ist sechs Monate nach dem Pakt von Kratos mit dem Kriegsgott Ares angesiedelt. Da der Krieger mit Ziegenbart sich nicht ganz an seine Abmachungen mit dem Gott gehalten hat, wurde er von Ares und den Erinyen ins Gefängnis der Hekatoncheiren geworfen. Mit der Befreiung aus den Ketten des Knastes beginnt die Reise des Spielers. Kratos muss nun die Erinyen zur Strecke bringen, um sich von dem Pakt zu befreien. Ein blutiger Pfad.


Das Spielprinzip ist nahezu unverändert. In bester Hack'n'Slay-Manier slasht man sich durch kleine und großen Wesen der griechischen Mythologie. Die aus Vorgängern bekannten Kombos und Angriffe findet man in Ascension schnell wieder. Neuerdings lassen sich aber auch fallengelassene Waffen der Gegner aufsammeln und im Kampf verwenden. Schilde, Schwerter, Lanzen und andere Knüppel bringen allesamt ihre eigenen Movesets mit und lassen sich jederzeit mit einem Buttondruck auspacken und bedienen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Feinde im Kampf zu entwaffnen und ihnen on the fly das Gerät zu stehlen. Es kehren die üblichen Quick-Time-Events und brutale Finisher zurück, man muss sich also auf jede Menge Hirn und Gliedmaßen einstellen. An einigen Stellen wurde das bewährte Prinzip aber gewinnbringend erweitert: es beginnt eine Nahkampf-Sequenz, in der man auf seinen Gegner einhämmert und gleichzeitig auf seine Bewegung achten muss, um rechtzeitig seinen Angriffen auszuweichen. Das ist mal eine erfrischende Ergänzung zu all den QTEs!
Natürlich erhält der Spieler im Laufe des Spiels wieder verschiedene Magien, mit denen er Spezialangriffe ausführen kann. Je nach Magie werden auch die normalen Kettenangriffe erweitert, sodass bei ausgewählter Blitzmagie zusätzliche Schockschläge aus dem Boden schießen, wenn man angreift. Und dann gibt es noch eine neue Fähigkeit für Kratos. Er kann für einzelne Objekte die Zeit vor- und zurückdrehen. In der Praxis bedeutet das, man kann Brücken in Schrott verwandeln oder aus Schrott wieder Brücken machen. Leider fühlt sich die Mechanik ziemlich limitiert an, da sie nur mit ganz bestimmten Objekten funktioniert. Die Puzzle werden auch dadurch nicht besser, dass einige Objekte drei zeitliche Stufen (heil, zerstört und halb zerstört) haben können. Man weiß schnell was zu tun ist, da man gar keine andere Wahl hat.

Hat man erst den Großteil seiner Fähigkeiten und Magie erworben, geht das Spiel endlich los! Wenn man nach etwa fünf Spielstunden so richtig warm ist und seine Combos auf die Feinde niederprasseln lässt, erblüht das Spiel im besten Glanze. Leider ist es nach zehn Stunden auch vorbei. Aber für die zweite Hälfte hat es sich gelohnt.


Grafisch hat sich ebenfalls nicht viel verändert. Die modifizierte God-of-War-3-Engine sieht nach wie vor großartig aus und hält die Standards weit oben. Das Artdesign ist, wie immer, hervorragend und erweckt das mythische Setting zum Leben. Auch das Leveldesign ist gewohnt klug und erspart dem Spieler stets Backtracking, selbst wenn es nötig ist, an einen zentralen Ort zurückzukehren. Ascension besitzt zudem atemberaubende Architektur. Alle Orte sind riesig und aufwändig gestaltet. Noch beeindruckender wird es, wenn man große Mechaniken in Gang setzt und sich Teile des Levels plötzlich bewegen, entfalten oder verändern. Das ist quasi ein Basisprinzip des Spiels und sieht - auch wenn es dem eigentlichen Gameplay kaum etwas hinzufügt - stets bestens aus. Um das Ganze noch bombastischer zu gestalten, zoomt die Kamera häufig weit heraus. Dem Spieler wird seine Winzigkeit gegenüber der gigantischen Welt auf diese Weise immer wieder verdeutlicht. In Kämpfen wird das leider zum Nachteil. An manchen Stellen sieht man nur kleine Punkte in der Ferne und muss irgendwie versuchen, sich gegen Feinde durchzuschlagen, bis die Kamera wieder bessere Sicht gewährt. In diesen Momenten wünscht man sich doch eine frei bewegliche Kameraführung herbei. Abgesehen von diesem Manko macht die Perspektive das Spiel cineastisch hochwertig, gibt dem Spieler eine Richtung an, hebt wichtige Objekte hervor und versteckt Geheimnisse vor dem Spieler. Hier hat sich im Vergleich zu den Vorgängern also nichts getan, es bleibt bei den bekannten Vor- und Nachteilen.


Insgesamt ist God of War: Ascension sehr zurückhaltend. Es wagt sehr wenig Neues, riskiert damit nichts, kann dadurch aber auch nicht viel gewinnen. In diesem Sinne finden wir hier eine inverse Entwicklung zu Gears of War: Judgment. Beide Spiele sind diesen Monat als Prequel zu einer abgeschlossenen Trilogie erschienen, aber bei Gears of War hat sich einiges verändert. Ich denke, dass dem Ascension ein paar neue Tricks auch nicht geschadet hätten, um das Spiel interessant zu halten. Stattdessen hat mich Ascension eher müde gemacht. Für Neueinsteiger in die Serie stellt es mit Sicherheit einen guten Start dar und mag einige dazu motivieren, die Vorgänger nachzuholen. Hat man sich dagegen schon durch drei Teile (oder mehr, wenn man die PSP-Ableger mitzählt) geschnetzelt, wird man schnell gesättigt sein.

Zuletzt wartet aber doch noch ein Extra: der Multiplayer-Modus. Hier kann man zu zweit gegen Gegnerhorden oder in Teams gegen menschliche Spieler antreten. Ich habe diesen Modus bisher nur kurz angespielt, aber er macht einen vielversprechenden Eindruck. Spieler sammeln hier Punkte, indem sie Altare finden und einen Riesenzyklopen töten. Man schlüpft dabei in die Rolle eines namenlosen Helden, der durch Erfahrungspunkte aufgewertet und individualisiert werden kann. Viele Moves aus dem Singleplayer (wie das Entwaffnen von Feinden oder Reiten auf großen Feinden) wurden hierher übernommen. Die Maps sind gespickt mit Fallen und es kann sogar passieren, dass Götter sich einmischen und Terror machen. Der Wiederspielwert steckt definitiv in diesem Teil des Spiels!


Wie bei fast jedem Prequel ist die Story eigentlich überflüssig - und sowieso: wer hatte eigentlich danach gefragt? God of War: Ascension muss seine Existenzberechtigung hart verteidigen. Obwohl das bewährte Prinzip auch heute noch gut ist, kränkelt das Gameplay auf hohem Niveau. Es macht nichts falsch, aber bringt auch nichts Neues in den Ring. Einen Multiplayer-Modus oben drauf zu setzen erscheint für die Reihe völlig abwegig, doch erstaunlicherweise leistet er einen großen Beitrag zum Wiederspielwert des Titels. Trotz seiner Schwächen ist das neue God of War ein würdiger Anfang vom Ende dieser Generation. Nex

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17. Oktober 2019 um 12:46 Uhr
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RELEASE
13. März 2013
PLATTFORM
Playstation 3
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