Ys Seven

(Artikel)
Haris Odobašic, 09. April 2012

Ys Seven

Schnetzeln, sammeln, Welt retten

Mittlerweile schäme ich mich richtig, die geniale Ys-Reihe erst so spät kennengelernt zu haben. Nachdem ich vollauf von Ys: The Oath in Felghana begeistert war, stand für mich fest, dass auch der Rest der Spiele in meinen Besitz gelangen muss. Glücklicherweise ist gerade die PSP in dem Bereich gesegnet, sind doch fast alle Teile dafür erhältlich. Die ersten zwei in Form von Ys Origins, der dritte Teil als Remake in Oath in Felghana, sowie das sechste und siebte Abenteuer von Adol Christin -- letzteres dabei sogar PSP-exklusiv. Vollkommen jegliche Reihenfolge ignorierend habe ich mir dann auch gleich direkt den passend benannten siebten Teil, Ys Seven, geholt.

Typisch für die Ys-Serie kommt Adol mit treuem Begleiter Dogi auf einem Boot an der Küste eines neuen Landes an, Altago in diesem Fall, steckt seine Nase in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen, und findet sich in einem großen Abenteuer mit dem Ziel, die Welt zu retten, wieder. Kurz gesagt: Ys spielt man nicht für die Story.
Diese dient wie so oft nur als Ausrede, um dem fantastischen Kampfsystem ein Setting zu geben, auch wenn diese Ausrede stellenweise zu langgezogen ist und gerade die erste Spielstunde euch mit lahm geschriebenen Dialogen etwas Geduld abverlangt. Aber wenn ihr zum ersten Mal das Schwert schwingen dürft, macht das Spiel erwartungsgemäß einen riesigen Qualitätssprung.


Als neuester Teil der Serie nimmt es sich Ys Seven heraus, mit einigen Konventionen zu brechen. So spricht Adol zum allerersten Mal in der Geschichte von Ys. Zwar nicht in Dialogen mit anderen Charakteren, da hat Adol noch immer nichts zu sagen, aber die Spielfiguren geben in den Kämpfen den ein oder anderen Satzfetzen von sich. Dies sind aber auch gleichzeitig die einzigen Worte, die ihr in diesem Ys-Teil aural vernehmen werdet, denn im Gegensatz zu Ys: The Oath in Felghana hat man hier auf eine Synchronisation ansonsten verzichtet.

Das ist aber natürlich nicht die größte Änderung! Viel weitreichender ist, dass Adol nun auch nicht mehr alleine Abenteuer erlebt. Schon nach dem Ende der ersten Zwischensequenz wird auffallen, dass Dogi die Ausreden und unglücklichen Zufällen ausgegangen sind, die ihn sonst immer daran gehindert haben, Adol direkt auf seinen Abenteuern zu begleiten. Insgesamt ist man im späteren Spielverlauf meist zu dritt unterwegs und kann auch jederzeit ändern, wen man gerade steuert. Die Kontrolle über die anderen übernimmt dann die KI, die ihren Job sehr gut erledigt. Sie lässt eure Mitstreiter geschickt ausweichen und selbstständig Gegner angreifen, sammelt außerdem fleißig auf, was die Monster so fallen lassen. Ganz auf die faule Haut zurücklegen könnt ihr euch aber nicht, denn nur der Charakter, der von euch gesteuert wird, greift auch mit voller Kraft an, der Rest muss sich mit halbiertem Schaden zufriedengeben.


Wie gewohnt ist man dabei im Action-RPG-Gewand mit isometrischer Perspektive unterwegs. Die Steuerung ist bewusst simpel gehalten, mit jeweils einem Knopf zum Hauen, Ausweichen und Charakter-Wechseln. Durch wiederholtes Drücken auf den Schlag-Knopf kann man Combos ausführen, die je nach Figur drei bis sechs Schläge beinhalten.
Für ein bisschen Abwechslung sorgen Skills, die auf die Frontknöpfe gelegt werden können. Diese evozieren den guten alten Kreislauf des Lebens in der Gamer-Welt: ihr plättet die Gegner mit diesen Spezialfähigkeiten, die sowohl mächtige Angriffe gegen einzelne Feinde als auch weitflächigere Attacken beinhalten. Doch diese Aktionen kosten Skill-Punkte, die ihr auffüllt, indem ihr die Visagen der Monster eindellt, um sie dann eben noch effektiver zermatschen zu können.

{b]Besonders cool:[/b] Zusätzliches Loot prügelt ihr einfach aus den leblosen Körpern eurer Gegner!
Aber auch abseits der Kämpfe will Ys euch beschäftigen. Mit gut zwanzig Nebenmissionen sollt ihr bei Stange gehalten werden. Und wem das nicht reicht, darf sich an der Item-Synthesis austoben. Vernichtete Monster lassen nämlich das Loot regelmäßig im Dutzend fallen, was neben Gold auch immer mal wieder spezielle Materialien, unter anderem Knochen und Fell, einbringt. Diese könnt ihr verkaufen oder ihr sammelt sie und lasst aus dem Kram neue Waffen, Rüstungen und selbst Verbrauchsgegenstände wie Heiltränke herstellen. Gerade im Bereich der Waffen ist die Synthesis sehr nützlich, denn jede Waffe besitzt einen Skill. Den könnt ihr einsetzen, solange ihr die Waffe in der Hand haltet -- oder wenn ihr den Skill durch wiederholtes Einsetzen zumindest auf Level 1 gebracht habt. Deswegen lohnt es sich hier einen möglichst perfektionistischen Ansatz zu verfolgen, denn man will am Ende ja nicht eine besonders starke Fähigkeit verpassen, nur weil man die benötigte Waffe nicht gebaut hat.

Die Bosse, in Ys Seven Titanos genannt, haben es wie immer in sich und erwarten von euch nicht nur schnelle Reflexe und ein gutes Gedächtnis, um ihre unterschiedlichen Angriffsvarianten zu lernen, sondern im späteren Verlauf auch vermehrt eure Ausdauer. Um den Vorteil durch die drei Charaktere, die ihr zur Verfügung habt, auszugleichen, halten die Endgegner eine Menge aus. Dennoch empfand ich die Kämpfe als eine Spur leichter. Ich wurde zwar oft ans Limit getrieben und überlebte gerade so, meist mit dem Verlust des ein oder anderen Helden, aber richtig Game Over war ich nur selten bei diesen Höhepunkten. Dafür haben es aber die drei geheimen Bosse besonders in sich und dürften für so ziemlich jeden eine Herausforderung darstellen.


Eine kleine Enttäuschung ist der Soundtrack. Der ist eigentlich ziemlich gelungen und hat einige gute Songs wie das Boss-Theme Vacant Interference, aber für jede gute Melodie finden sich dann auch gleich mehrere, bei denen man den Eindruck hat, dass sie nur als Lückenfüller dienen sollen. Das reicht zwar, um Ys Seven noch vom RPG-Einheitsbrei abzuheben, aber im Vergleich zu Oath in Felghana, wo die Hintergrundmusik euch durchgehend in den Hintern tritt und dafür sorgt, dass das Blut ordentlich pumpt, fehlt es dem siebten Teil der Reihe in diesem Bereich einfach am nötigen Biss.

Ys Seven bietet die typische Ys-Erfahrung, aber im ganz großen Stil. Kostete euch sonst ein typisches Ys kaum zehn Stunden eurer Zeit, veranschlagt der siebte Teil glatt das Dreifache. Dass dabei die Story schwächelt, fällt nicht weiter negativ auf, da das Kampfsystem einerseits und die Nebenmissionen zusammen mit der Item-Synthesis andererseits genug bieten, um euch über die volle Spielzeit bei Laune zu halten. Im direkten Vergleich gefiel mir Ys: The Oath in Felghana zwar ein kleines Stückchen besser, aber bei solch hoher Qualität -- und dem reduzierten Preis im PSN-Store von 9,99€ -- sollte euch das nicht abhalten eure PSP-Spiele-Sammlung um eines der besten RPGs für unterwegs zu erweitern. Evil

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