Sorcery

(Artikel)
Benjamin Strobel, 28. Mai 2012

Sorcery

Zaubern für Anfänger

"Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben!" heißt es in Goethes Der Zauberlehrling. Gebannt in diesem Satz ist schon all die Sehnsucht, das Warten und stundenlanges Lauern auf den einen Moment: Wann haut der alte endlich ab, damit hier mal ein frischer Wind durch die Zauberbude weht? In genau diesem Setting finden wir uns in Sonys neuem Move-Titel Sorcery wieder. Frei nach dem Motto "nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben" wühlt man schon in den Schränken des Meisters, noch bevor die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen ist. Das Ziel: der Zauberstab.

Um Sorcery zu spielen, benötigt ihr auf jeden Fall einen Move-Controller. Steuern mit Controller allein ist nicht möglich!
Fortan übernehmt ihr per Move-Controller Kontrolle über den Zauberstab samt rechtem Arm des (Anti-)Helden Finn. Ohne Sinn und Verstand schießt man so durch die Gegend: Vasen klirren, Schafe verwandeln sich in Ratten und Felsen zerspringen ("Nimm dies du... Stein!"). Weil man ungeschickterweise ein Gebräu des Meisters dabei verschüttet, muss man sich auf den gefährlichen Weg machen, eine seltene Zutat wiederzufinden. Mit dabei ist auch Erline, die sprechende Katze des Meisters. Wenn man mal nicht weiter weiß, hilft sie zwar auch nicht, hat aber stets einen gehässigen Kommentar auf den Lippen. Doch schon kurze Zeit später entpuppt sich die pelzige Begleiterin als verzauberte Prinzessin mit einer rachsüchtigen Mutter, die irgendeine Fehde mit dem Hexenmeister hegt, der seinerseits die Prinzessin versteckt hält. Langer Rede kurzer Sinn: Wir müssen den Zauberstab packen und die dunkle Königin in ihre Schranken weisen.


Um im Kampf gegen seine Widersacher zu bestehen, schwingt man den Zauberstab (= Move-Controller) in ihre Richtung, um ihnen Energieblitze entgegenzuwerfen. Der Playstation Controller (oder die Nunchuck-Erweiterung) dient währenddessen zur Steuerung des Charakters. Obwohl man viel schießt, ist es eher ein Schwingen und Schleudern als Zielen und abdrücken. Man kann sogar ein bisschen Effet hineinbringen, um dann um Ecken zu schießen und dahinter lauernde Feinde auszuschalten. Das Ganze wäre jetzt vielleicht etwas langweilig, würde man nicht ständig neue Zauberkräfte aggregieren. So gesellen sich zum Repertoire des angehenden Thaumaturgen schnell Feuer-, Wind- und Eiszauber. Alle Zauber haben verschiedene Wirkungen auf einige der Feindtypen und helfen außerdem in der Interaktion mit der Umwelt. Lernt Finn beispielsweise den Eiszauber, werden auf dem Weg zum Ziel so einige Seen und Flüsse darauf warten, eingefroren und überquert zu werden. Schwimmen wäre auch wirklich nicht heldenhaft genug. Die Kontrolle über die unterschiedlichen Zauber erfolgt über verschiedene Gesten mit dem Move-Controller. In der Regel klappt das ganz gut, nur in hitzigen Gefechten kann es schon Mal zu falschen Eingaben kommen, weil einem schlichtweg die Zeit für Genauigkeit fehlt. Besonders kritisch wird es aber erst, wenn man Tränke zu sich nehmen möchte: Diese müssen erst geschüttelt (Move-Geste, I.) und dann herunter gekippt werden (Move-Geste, II.). Das kostet etwas Zeit und wenn es beim Trinken mal schnell gehen muss, wird die Geste so manches mal nicht gut erkannt. Insgesamt halten sich die Fehler bei der Erkennung aber in Grenzen und stören nur selten beim Spielen.


Neben dem Finden und Einverleiben von neuen Zauberkräften kann man auch durch Mischen von besonderen Tränken seine Fähigkeiten aufbessern. Dazu muss man zuerst verschiedene Ingredienzien sammeln oder bei einem Händler gegen gefundene Goldstücke eintauschen. Anschließend kann man immer neue Kombinationen aus je drei verschiedenen Zutaten zusammenmischen, um einen Trank herzustellen. Diese Tränke ordnen sich ähnlich eines Skill-Trees an und können neue Fähigkeiten verleihen oder auch vorhandene verbessern. Per Move-Controller muss man dann die Zutaten in einen Topf schütten und gut umrühren! Ich finde die Idee zwar echt witzig, aber nach dem vierten, fünften Mal wird es doch etwas nervig.

Man könnte jetzt meinen, es handle sich bei Sorcery um ein simples Spiel für Kinder, das keine Herausforderung für Core-Gamer bietet. Dieser These will ich höflichst widersprechen. Besonders die Kämpfe sind zuweilen recht herausfordernd. Während man zu Beginn einfach nur drauf knüppeln muss, kommt es späterhin darauf an, für die richtigen Feinde die passenden Zauber parat zu haben, hier und da erst mal Gegner zu betäuben und zur rechten Zeit sein magisches Schild zur Abwehr auszupacken. Zur Erholung bietet das Spiel dann wohlige Abwechslung durch kleine Rätsel - Erkundungstriebe werden jedoch durch das lineare Leveldesign flach gehalten. Eine kontinuierliche Freude an Sorcery kann man als Freund von lustigen Dialogen schnell entwickeln: Jeder Fehler des Antihelden Finn wird rotzfrech von Erline kommentiert, was nicht selten hitzige Gespräche zwischen den beiden entfacht. Besonders diese Situationskomik ist ein großer Charme des Exklusivtitels.


Einzige Krücke des Titels ist ein offenkundiger Mangel an Widerspielwert: kein Mehrspielermodus, keine alternativen Routen oder Sammelobjekte. Einzig die Story allein muss dem Spieler hier genügen, wenn er nach den Credits noch mal nachlegen möchte. Es gibt nicht mal eine Levelauswahl, um bestimmte Stellen nachzuspielen. Im Übrigen bietet Sorcery trotz kleiner Mängel eine heitere und oft herausfordernde Spielerfahrung im Sektor für Action-Adventures. Der Titel ist zwar kein Muss oder Kaufgrund für das Move-Zubehör, hält aber viele lustige Stunden bereit. Move-Besitzer sollten unbedingt ein Auge drauf werfen! Nex

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03. Dezember 2022 um 13:43 Uhr
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RELEASE
23. Mai 2012
PLATTFORM
Playstation 3
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