Extinction im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 13. April 2018

Extinction im Test

Attack on Titan on Titan on Titan...

Gigantische Monster überfallen die Stadt! In der Rolle eines grazilen Helden müsst ihr Land und Leute vor den riesenhaften Gegnern beschützen. Mit einem Greifhaken saust ihr durch die Luft, mit dem Schwert schnetzelt ihr euch durch die Riesen. Was wie ein Abklatsch von Attack on Titan klingt, das ist auch einer. Im Test erfahrt ihr, ob Extinction seiner Inspiration gerecht wird.

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Die letzte Hoffnung der Menschheit
Wenn das erste Mal ein Riese über den Bildschirm stapft, ist es schwer, nicht beeindruckt zu sein. Die Cel-Shading-Grafik fegt mich nicht aus dem Stuhl, aber sie funktioniert. Die furchteinflößenden Kreaturen heißen Ravenii und machen keine Gefangenen. Ihr einziges Ziel: Die Auslöschung der Menschheit. Leider ist unser Held Avil der einzig fähige Kämpfer, der zwischen den Ravenii und der nächsten Stadt steht. Zwar hat er seine Freundin Xandra an seiner Seite, doch für den Schwertkampf scheint sie nicht zu taugen. Stattdessen wird sie zu seinem Knopf im Ohr und versorgt ihn mit taktischen Informationen zum Kampf. Obwohl sie alles besser weiß, macht Avil die ganze Arbeit. (Wenn man es so sagt, klingt es wie der Anfang eines Mario-Barth-Witzes. Ups.) Möglichst, bevor die Stadt in Schutt und Asche liegt.

Zunächst kann Avil einige Zivilisten in Sicherheit bringen. Neben der stampfenden Bedrohung vor den Stadtmauern werden die Menschen auch von Oger-Minions behelligt (und getötet). Die Idee, dass man nicht nur töten, sondern auch beschützen muss, finde ich gut - auch wenn Spiele das Konzept selten gut umsetzen. In Exinction läuft es aber nur darauf hinaus, dass man die Minions umhaut, bevor sie die Passanten auf dem Marktplatz umhauen. Das Kampfsystem ist leider recht simpel und bietet nur wenig interessante Kniffe, sodass die Auseinandersetzungen mit den Minions eher lästige Scherereien sind als epische Kämpfe, von denen man seinen Enkeln erzählen würde. Auch diverse Skills, die man durch Erfahrungspunkte freischalten kann, werten die Mechaniken nur wenig auf. Letztlich ist die Rettung der Zivilisten ohnehin optional; es geht nur darum, durch Rettung genügend Spezialenergie aufzubauen, damit Avil die Ravenii mit einem kräftigen Nackenschlag ins Jenseits befördern kann. Allerdings können wir dieselbe Energie auch aufbauen, indem wir die Ravenii wiederholt verstümmeln, also alles cool.

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Nur noch ein Ärmchen, dann haben wir’s geschafft
Im Kampf gegen die imposanten Monster muss man durch die Luft sausen und ihre Gliedmaßen attackieren. Stärkere Feinde schützen ihre Schwachstellen mit Rüstung, aber funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Schwachstellen an Feinden sind grundsätzlich ein interessantes, taktisches Spielprinzip. Beispielsweise kann man das Bein eines Ravenii attackieren, um ihn bewegungsunfähig zu machen. Greift man hingegen den Arm an, schränkt man die Reichweite seiner Angriffe ein. Extinction führt die Idee allerdings ad absurdum. Da man die Spezialenergie für den finalen Schlag aufladen muss, wird die Verstümmelung der Gliedmaßen zur Pflichtaufgabe. Dabei kommt es eben nicht mehr auf taktische Vorteile an, sondern nur darauf, dass eine Leiste im HUD ihr Maximum erreicht. Da kann es schon mal vorkommen, dass so ein Ravenii komplett ohne Arme und Beine vor mir sitzt, während ich warte, dass ihm ein Ärmchen nachwächst. Keine Sorge, mein Freund. Ich beende dein Leid, sobald die Leiste voll ist! Nur noch ein oder zwei Arme, dann haben wir es geschafft!

Listen and Repeat
Xandras Kommentare, in drei ewig wiederhallende Sprachsamples gepresst, sind eine größere Belastungsprobe als der Kampf selbst. Xandra redet wiederholt auf mich ein, dass ich auf das Bein zielen soll. Ich rufe zurück, dass die Steuerung mitunter etwas schwammig ist. Xandra scheint davon nichts zu wissen.

Alle Missionen des Spiels laufen - mehr oder weniger - auf diese Weise ab. Optionale Challenges machen ein Level durchaus interessanter, doch auch hier geht zumeist darum, eine bestimmte Zahl an Feinden zu besiegen oder genug Menschen zu retten. Einige Level sind zufallsgeneriert, aber auch die vorgefertigten Missionen bieten insgesamt zu wenig Abwechslung. Nach zwei Stunden hat man alles gesehen und danach folgt hauptsächlich Wiederholung. Die Online-Highscores helfen der Motivation da nur wenig auf die Sprünge.

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Fazit
Extinction hat nicht die ikonischen Figuren eines Attack on Titan und auch nicht die ausgefeilte Hintergrundgeschichte, welche die Versoftung aus dem Manga erben konnte. Trotzdem liegen die größten Probleme des Spiels woanders: trotz guter Ideen ist das Missionsdesign zu repetitiv und die Mechaniken nicht ausgefeilt genug. Leider kann das Spiel trotz Vollpreises nicht mit Produktionswerten punkten - so muss man der Vision der Entwickler dabei zusehen, wie sie hinter dem tatsächlichen Produkt verschwindet.

Extinction wurde auf der Xbox One X getestet. Ein Testmuster wurde uns von Modus Games zur Verfügung gestellt.

Extinction

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

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19. November 2018 um 18:51 Uhr
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