Studium Videospiele

(Artikel)
Haris Odobašic, 10. Dezember 2016

Studium Videospiele

Der akademische Weg zum Traumjob

Vielleicht gehört ihr ja zu diesen Leuten: habt gerade euer Abitur geschrieben und wisst nun nicht, was ihr eigentlich genau machen sollt. Denn, seien wir mal ehrlich: drei Jahre extra zur Schule gehen, nur um dann eine Ausbildung anzufangen, sollte doch wohl nicht das Höchste der Gefühle sein. Ein Studium wäre angebracht. Nur lautet die Frage: "Was denn nun genau studieren?" Aber vielleicht gehört ihr ja auch zu den Leuten, die sehr gerne Videospiele spielen und sich sicher auch das ein oder andere Mal überlegt haben, wie cool es wäre, selbst mal direkt an der Entwicklung eines Spiels beteiligt zu sein. Und auch wenn viele Wege nach Rom führen, da man sowohl über Einstiegspositionen, etwa als Spieletester, genauso wie mit Selbsstudium und privaten Spieleentwicklungen es schaffen kann, einen Job als Spielemacher zu kriegen, konzentrieren wir uns heute auf den Pfad des Studenten.

Dieser Artikel wurde erstmals am 28.2.2011 veröffentlicht.

Die erste Möglichkeit sieht dabei ein traditionelles Studium an einer Universität oder Fachhochschule in einem der Standardstudiengänge vor. Der Vorteil dabei liegt klar auf der Hand, denn egal, ob man nun Spieleprogrammierer werden will und deswegen Informatik studiert, oder sich eher in der Rolle eines Produzenten sieht und daher einen Studiengang mit stärkerem Wirtschaftsfokus wählt, man ist nach dem Studium nicht auf diese eine Karriere beschränkt. In der Regel hat man nach dem erfolgreichen Studium nämlich ein breit gefächertes Wissen und kann als Fachmann auf seinem Gebiet bei vielen Unternehmen, nicht nur in der Unterhaltungsbranche, eine Anstellung finden. So ist ein Studium an solchen Institutionen in der Regel als sicher anzusehen, anders als die anderen Möglichkeiten.

Ob man allerdings mit so einem breiten Studium auch direkt in der Videospielbranche einen Job findet, ist eine andere Frage. Es könnte durchaus sein, dass man erst mal als Praktikant seine Sporen verdienen muss und auch nach dem Studium erst noch eine weitere Lernphase absolvieren darf, um sich in die gängigen Werkzeuge und Vorgehensweisen in der Industrie einzuarbeiten. Doch dem kann man zumindest teilweise entgegenwirken, da manche Unis durchaus für spätere Semester, wenn man selber die Möglichkeit hat, seinen Studenplan durch Wahlfächer etwas zu gestalten, auch Veranstaltungen bieten, die einen klaren Fokus auf Videospiele haben. Hier würde es sich aber lohnen, bei den Universitäten, die euch interessieren, vorher ins Veranstaltungsverzeichnis zu schauen, wie genau das Angebot für spätere Semester aussieht.

Die zweite Möglichkeit sollte euch nur interessieren, wenn euch ein Job als Videospieleentwickler so wichtig ist, dass ihr bereit wärt, dafür über einen Zeitraum von mehreren Jahren eine kleine fünfstellige Summe zu investieren. Mittlerweile gibt es in Deutschland nämlich die Games Academy, eine Privatuniversität, die sich einzig und alleine mit ihren Kursen darauf spezialisiert hat, aus euch einen zukünftigen Bungie- oder Rockstar-Mitarbeiter zu machen. Die Auswahl ist dabei gering, deckt aber alle wichtigen Bereiche der Videospielentwicklung ab. So gibt es neben dem standardmäßigen Games Design auch Studiengänge in den Bereichen Game Programming, Game Art & Animation, Game Production sowie Interactive Audio Design.

Allerdings kommt eben diese starke Spezialisierung nicht ohne Nachteile aus. Der Größte ist dabei, dass man nach einem erfolgreichen Studium an der Games Academy, die sowohl in Berlin als auch in Frankfurt zu finden ist, zwar einen Abschluss von der Universität hat, sich aber weder Bachelor, Master oder sonst etwas nennen darf. Dieses Manko wird zwar teilweise dadurch wettgemacht, dass man an Partnerhochschulen diesen Abschluss nach einigen Semestern nachholen kann, aber so ist durchaus damit zu rechnen, dass es zu einer längeren Studienzeit kommt. Außerdem ist man als Absolvent eines Game-Programming-Studiengangs sicher nur bedingt geeignet, um bei einer Firma, die sich mit Geoinformatik beschäfigt, einzusteigen, wenn es denn nicht mit dem Entwicklertraum klappt. Zumindest nicht ohne intensiv noch einmal nachzupauken.

.[/box]Das Beste aus beiden Welten will die dritte Möglichkeit bieten, ein spezialisierter Studiengang an einer öffentlichen Universität oder Fachhochschule. Diese Studiengänge tragen Namen wie Medieninformatik oder Digitale Medien und wollen euch ein breites Wissen vermitteln, das euch den Einstieg in die Videospielbranche, aber auch in andere Bereiche der Unterhaltungsindustrie wie dem Animationsfilm, bieten soll. Hier habt ihr am Ende dann auch sofort den Bachelor. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Ausbildung an den Universitäten nicht unbedingt mit den Standards der Privatschule Games Academy mithalten kann. Diese brüstet sich damit, dass 80% der Dozenten aus der Videospielindustrie stammen, genauso wie man dort auch Devkits der wichtigsten Konsolen und Handhelds findet -- eine Ausstattung, bei der die öffentlichen Universitäten alt aussehen.

Fest steht aber, dass natürlich auch die beste Universitätsbildung fehlendes Talent oder die nötige Motivation und Ehrgeiz nur bedingt ersetzen kann. Wenn ihr aber eine dieser beiden vitalen Eigenschaften besitzt, dann könnt ihr es ruhig probieren und mal etwas abseits vom üblichen Studienalltag wagen. Und wer weiß, vielleicht schreibt das DPad dann in ein paar Jahren über eines eurer Spiele! Evil

Kommentare

Haris
01. März 2011 um 13:29 Uhr (#1)
Das Header-Bild ist übrigens nicht realistisch sondern nur Steve-Jobs-Propaganda. Kein Spieleentwickler, der was auf sich hält, entwickelt auf einem Mac!
Rian
01. März 2011 um 13:51 Uhr (#2)
Fu. :(
Adrian
14. Dezember 2016 um 16:08 Uhr (#3)
Schiebung!!11 ich sehe ganz genau, daß auf das Titelbild der Apple-Logo gefaket ist! Das ist ein Acer-Laptop!! Lügenpresse!!! Armes Deutschland...
Stephan
Gast
23. Mai 2017 um 20:54 Uhr (#4)
Guter Artikel, fand ihn sehr informativ und gut zu lesen, besonderen Dank dafür, dass hier ein breiter Fächer an Möglichkeiten aufgeführt wurde.
Das ist halt letztendlich die Frage, wie essentiell das Wissen ist, das durch eine Ausbildung/Studium in dieser Richtung vermittelt wird bzw. inwieweit man sich dieses Wissen auch selbst aneignen kann.
Ferner, wie man dann nach erfolgreichem Abschluss an eine ordentliche Stelle kommt (ich denke mal, dass ein Portfolio, die eigenen Fertigkeiten und insbesondere Kontakte eine ganz zentrale Rolle spielen).
Gast
17. Mai 2022 um 16:34 Uhr
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