Killzone 3

(Artikel)
Benjamin Strobel, 03. März 2011

Killzone 3

Rückkehr der Tötungszone

Seit wenigen Tagen hat die lang erwartete Fortsetzung der Killzone-Reihe Einzug in die europäischen Ladenregale gehalten. Killzone 3 ist damit bereits der zweite Titel auf der PS3. Hier haben wir es mit einer Marke zu tun, die mittlerweile für eine gute Shooter-Qualität bekannt ist. In meinen Augen hatte Killzone es aber schon immer schwer: Als Halo-Killer angekündigt, konnte der Titel die Erwartungen der PS2-Spieler damals nicht erreichen. Eigentlich war der erste Teil sogar ziemlich mittelmäßig. Auf der PlayStation 3 konnte Killzone 2 dann zwar auftrumpfen, gleichzeitig musste man aber mit Resistance konkurrieren, welches ebenfalls exklusiv auf der PS3 erschien. Grafisch und spielerisch hatte sich seit dem Original aber viel getan und so konnte Killzone sich völlig zu Recht eine solide Fanbase aufbauen. Und auch für den dritten Teil hat Entwickler Guerrilla Games nicht still gehalten und allem bisher Dagewesenen noch einen drauf gesetzt. Kann Killzone 3 endlich halten, was uns 2005 versprochen wurde?

Wenn wir weiter von Killzone sprechen wollen, müssen wir von der Story erst mal absehen. Nicht, weil ich euch nicht spoilern möchte, sondern weil sie einfach nicht der Rede wert ist. Es ist nicht viel da und was da ist, zerberstet nicht gerade vor Twists und Spannungen. Leider kommt zu allem Überfluss auch noch obendrauf, dass die Charaktere ziemlich eindimensional und uninterssant sind. Die Ausgangssitation ist jedenfalls folgende: Zwei große menschliche Fraktionen stehen sich gegenüber: Die ISA (das sind die guten Jungs, yeah!) und auf der anderen Seite die Helghast (das sind die Fieslinge mit den Masken und rot leuchtenden Augen), welche das Universum beherrschen wollen. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Sev, der mit seinen Soldaten auf Helghan, dem Heimatplaneten der Helghast, von den restlich ISA-Trupps abgeschottet ist. Natürlich will er den Helghast noch mal ordentlich geben, bevor er ins Gras beißt oder doch noch gerettet wird.


Das Spiel arbeitet jedoch sehr erfolgreich daran, einen die Geschichte immer wieder vergessen zu lassen. Der Fokus liegt ganz auf einer immersiven Spielwelt mit einer glaubwürdigen Umwelt und möglichst dichter Atmosphäre. Besonders positiv fallen mir da die liebevollen Kleinigkeiten auf, die das Spielerlebnis unterschwellig aber spürbar aufwarten: die feindlichen Soldaten haben verschiedenen Fallanimationen, wenn man sie von Geländern wegschießt, Kameraden schreien um Hilfe, wenn sie angeschossen wurden, und jeder Schritt, jeder Schuss ist so in Szene gesetzt, dass man die Widerstände fast erspüren kann. Man fühlt, wie schwer das Maschinengewehr ist, das man gerade hält und mit welcher Wucht man gegen die Wand rummst, wenn man in die Deckung slidet.

Die Schauplätze sind zudem extrem abwechslungsreich und erfordern auch, dass das Storytelling in den Zeiten etwas hin- und herschaltet. Wenn man aber angefangen hat, auf die Geschichte nichts weiter mehr zu geben, kann man sich auf das Hier und Jetzt der virtuellen Orte konzentrieren. Obwohl die Levels vollkommen linear sind, sind die Restriktion nur selten zu bemerken. Das Geschehen wirkt überall lebendig und angereichert mit dem düsteren, schweren Alltag des Krieges. Da hatte jemand viel zu tun, um Trümmertexturen zu erstellen. Aber es hat sich gelohnt!


Dodge, duck, dip, dive and dodge!
Wie die Schauplätze variiert auch das Gameplay so gut es kann: Zuerst geht es zu Fuß los, dann steuert man einen Panzer, schlüpft in einen Mech oder boostet sich mit einem Jetpack durch die Luft. Da kommt keine Langeweile auf! Die vielseitigen Einlagen in Vehikeln lenken dabei geschickt vom Standardgameplay ab - denn im Grunde haben wir hier einen klassischen Deckungsshooter. Wer sich nicht duckt, STIRBT! So findet man sich häufig dabei wieder, wie man von Kiste zu Kiste rennt und zwischendurch drüberweg stiert, um ein paar Feinde auszuschalten. Nur selten kommt man dazu, im stilvollen Nahkampf einen One-Hit-Messerkill zu machen. Aber selbst dann heißt es schnell wieder: Kopf einziehen!

Da ist es wirklich sehr positiv, dass Killzone sein Deckungssystem gemeistert hat! Es kommt nur sehr selten vor, dass die Dinge nicht so laufen wie man es sich vorstellt und das ist leider nicht selbstverständlich für dieses Genre. Nach fast einer Dekade kommt es inzwischen ja auch wieder aus der Mode. Da freut es mich, diese Kategorie in Hochglanz aus dem Scheinwerferlicht treten zu sehen.


Was gibt es obendrauf? Einen saftigen Multiplayer-Modus! Die drei verschiedenen Online-Modi (Team Deathmatch und zielorientierte Spielweisen), dazu die Möglichkeit, gegen Bots zu spielen und im Splitscreen die Kampagne im Ko-Op zu spielen. Wer Killzone 2 gerne online gespielt hat, wird auch mit dem dritten Teil seine Freude haben, der noch mal eine Ecke besser ist. Wahlweise lässt sich Killzone 3 auch mit PlayStation Move steuern, was Wii-Spielern mit Goldeneye- und Conduit-Erfahrungen deutlich leichter fallen wird. Erfreulich ist vor allem, dass die Bewegungssteuerung sehr gut funktioniert, wenn man erst mal Move richtig kalibriert hat. So muss es sein!

Abschließend muss ich sagen: Killzone ist nach wie vor nicht die Offenbarung. Die laue Story, die lieblosen Charaktere und das leicht abgenutze Deckungsgameplay bewegen mich dazu, einem Halo immer noch den Vorzug zu geben. Trotzdem haben wir einen beachtlichen Shooter, vielleicht den besten auf der PS3, und einen hohen technischen Standard, der auch optisch noch mal alles aus dieser Generation herausholt. Auch für Move wird man wohl kaum noch besseres Futter finden! Nex

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16. September 2019 um 02:37 Uhr
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