Stacking

(Artikel)
Rian Voß, 22. Februar 2011

Stacking

More than meets the eye

Manchmal muss man kleine Brötchen backen. Das dachten sich die Leute bei Double Fine inklusive Tim Schafer (Erfinder von Day of the Tentacle, Psychonauts und Grim Fandango) auch und stürzten sich auf ein Projekt namens Stacking. In diesem Spiel schlüpft man in die Haut der kleinsten Matryoshka-Puppe der Welt (das sind diese russischen Teile, die man ineinander verschachteln kann, daher auch der Titel des Spiels) namens Charlie Blackmore, der in andere Puppen eindringen und so ihre Fähigkeiten übernehmen kann.


Das klingt jetzt eigentlich gar nicht so nett. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn jemand in euch hineinspringt und plötzlich mit eurem Körper irgendwelche Dinge anstellt? Okay, kommt vielleicht auf die Dinge an, aber in der Regel kann da nichts Gutes bei rauskommen. Doch Charlie handelt nach dem Grundsatz "Der Zweck heiligt die Mittel" - schließlich wurde seine ganze Blackmore-Familie der Schornsteinfeger vom bösen Baron entführt und die gilt es nun zu befreien.
Stacking präsentiert sich dabei als eine Art 3D-Puzzle-Adventure: Man erkundet ein Areal, anfänglich zum Beispiel einen Bahnhof, und muss eine oder mehrere Aufgaben erledigen, um ein Familienmitglied zu befreien. Zum Erfüllen dieser Challenges, wie etwa "Gelange in den exklusiven Club und verjage alle Gäste", gibt es allerdings nicht nur einen Lösungsweg, sondern immer gleich mindestens drei. Nimmt man das Club-Beispiel, dann kann man zum Beispiel erst einmal mit einer Puppe und deren Spezialfähigkeit den Wächter verführen, so dass sein Rücken ungeschützt ist, dann in ihn hineinspringen, die Tür aufschließen und mit dem arroganten Oberkellner sprechen, der beim Anblick des gewöhnlichen Packs alle Gäste herausschmeißt. Alternativ kann man aber auch einen Mann mit Hang zur Flatulenz den Saal räumen lassen oder mit einem kleinen Mechaniker über einen Nebengang einbrechen. Man muss das Challenge nur einmal wirklich knacken, alle weiteren Versuchen dienen allein dem Prestige.

Der Hauptaspekt des Gameplays ist es dann auch eigentlich, sich in der geschaffenen 3D-Welt umzugucken und sich mit den hier verfügbaren Puppen vertraut zu machen. Die meisten Leute, denen man über den Weg läuft, haben zwar redundante Fähigkeiten (jedes zweite Kind kann ticken spielen oder Kekse auskotzen), es gibt aber auch einen ganzen Haufen einzigartiger Holzfiguren. Für das Lösen von Rätseln braucht man schließlich einen Mix aus beidem.
Charlies Reise führt ihn, abgesehen vom Bahnhof, an einige abgedrehte Versionen von Industrial-Zeit-Settings, unter anderem einen Zeppelin und einen großen Zug mit mehreren Wagons. Wie im gesamten Spiel findet man auch hier Sepia-Filter noch und nöcher, die eine gelungene Atmosphäre im Stile der anfänglichen 1900er-Jahre aufbauen. "Menschen", deren Kleidung und im Spiel angeschnittene Themen wie Kinderarbeit (auch wenn das heute immer noch aktuell ist) passen sehr gut ins Gesamtbild, genau wie die Zwischensequenzen, die wie Theaterszenen aufgebaut sind und in denen Dialog über bildschirmfüllende Textkarten eingeblendet wird. Es ist für einen XBLA/PSN-Titel merklich viel Mühe ins Detail geflossen und das ist schön anzusehen.


An Stacking ist lediglich schade, dass es ein bisschen an Inhalt für's Gehirn mangelt, da die einzelnen Level trotz ihrer Unterschiede ziemlich ähnlich gestrickt sind: Man läuft ein bisschen herum, probiert einige Puppen aus, löst die (nicht sehr schwierigen und mit optionalen Hinweisen im Menü versehenen) Challenges und dann geht es auch schon weiter zum nächsten Ort.

Wer trotzdem an einfachem Herumgerätsele in einer schönen Umgebung mit einem interessanten Spielekonzept interessiert ist, der kann sich die Demo für den Titel über Xbox Live Arcade oder PSN ziehen oder gleich für 1200 MS-Points/11,25 EUR zuschlagen. Rian

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19. Februar 2018 um 16:48 Uhr
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