Toy Soldiers

(Artikel)
Haris Odobašic, 11. Januar 2011

Toy Soldiers

Der erste Spielzeugweltkrieg

Der gute alte Erste Weltkrieg, als man noch primär mit Pferd auf dem Schlachtfeld unterwegs war und sich der geneigte Fliegerpilot vor allem den Kopf zermürben musste, ob nicht das eigene MG den Propeller abschießt, wenn man nicht aufpasst, und man somit in Sekundenschnelle zum Bruchpiloten wird. Doch Spiele zum 1. Weltkrieg gibt es irgendwie keine. Der zweite Weltkrieg ist schon tausendmal durchgekaut, aber der Konflikt von 1914 - 1918 ist bis auf ein paar trockene Strategiesims kaum beachtet worden. Dies soll sich nun mit Toy Soldiers von Signal Studios ändern, denn das präsentiert einem den ersten Weltkrieg in spezieller Form: als Tower-Defense-Spiel mit Plastiksoldaten.


Für den Einzelspieler gibt es zwei Kampagnen: als Brite oder als Deutscher muss man in jeweils knapp 10 Missionen Welle um Welle von Gegnern vernichten. Man kann, wie man es erwarten würde, unterschiedliche Türme und Stellungen bauen, beispielsweise Artillerie oder auch Flammenwerferposten, die dann automatisch die Feinde angreifen, wenn sie den Angriffsradius passieren. Interessanter wird das Gameplay dadurch gestaltet, dass man nicht nur aufs Zuschauen beschränkt ist, sondern auch selber die Kontrolle übernehmen kann. Einerseits kann man die Türme direkt steuern, andererseits gibt es aber auch unterschiedliche Einheiten auf den Karten, die man lenken kann. So hat man die Möglichkeit einen Scharfschützenturm zu übernehmen und die feindliche Infanterie gezielt auszuschalten oder sich an das Steuer eines Fliegers zu setzen, um die gegnerschen Truppen feinfühlig zu bombardieren.
Für das aktive Mitmischen winkt dabei nicht nur der Vorteil, dass man in der Regel besser zielt als die KI, das Handanlegen wird auch damit belohnt, dass es mehr Geld gibt. Wenn man es dann noch schafft, Gegner schnell auszuschalten, sorgt der Combo-Multiplikator für noch mehr Kohle, welche in die Verbesserung der Türme investiert werden kann.

Besonders cool sind die Bosseinheiten, gegen die man alle paar Missionen antreten darf. Manche der Konstruktionen, die man dort sieht, erinnern an Sci-Fi, basieren aber auf wirklich eingesetzten Einheiten oder zumindest Prototypen. So beispielsweise der Tsar-Panzer, eine Art Dreirad in Übergröße mit Kanonenturm.

Der Mehrspielermodus, der online über Xbox Live gespielt werden kann, weicht leicht von den Tower-Defense-Wurzeln ab. Anstelle, dass man nur verteidigt, kann man auch Einheiten zur feindlichen Basis schicken. Infanterie gibt es kostenlos zu festen Intervallen, zusätzliche Einheiten wie Reiter oder Panzer kosten extra. So muss man gut mit seinen Ressourcen planen, denn wenn man zu viel in die Verteidigung investiert, ist der eigene Angriff zu schwach und der Gegenspieler wird kaum Probleme haben standzuhalten, während er gleichzeitig einen stärkeren Gegenschlag erkaufen kann.


Das komplett in 3D gehaltene Spiel ist hübsch anzusehen. Die Spielzeugfiguren sind sehr detailliert dargestellt und man sollte das Spiel vielleicht dafür loben, dass es, anders als man vermuten würde, nicht unbedingt versucht alles durch den Kakao zu ziehen; das kennt man etwa von der Army Men-Serie aus den 90ern, die auch Spielzeugsoldaten als Hauptprotagonisten hatte. So entsteht ein ziemliches interessantes Design, da man einerseits realistisch wirkende Schlachtfelder vorfindet und die Gefechte echt aussehen, aber andererseits die Spielzeugfiguren nach Abschuss zerspringen und man, wenn man sich ein bisschen umsieht, Hintergründe erblickt, die ein bisschen an ein Kinderzimmer erinnern.

In der Gesamtkombination ist Toy Soldiers durchaus als Unikat zu sehen. Das vielleicht erste Spiel zum ersten Weltkrieg auf den Next-Generation-Konsolen, dazu ein interessanter Mix aus Spielzeug und Realismus. Doch der Cocktail schmeckt und gerade dass man sich selbst beispielsweise ans Steuer eines Fliegers setzen kann motiviert ziemlich. Einzig die etwas langen Ladezeiten, gerne mal 20 Sekunden, können mit der Zeit etwas nerven, doch dies sollte einen nicht davon abhalten sich diesen grundsoliden Titel vom Xbox Live Marketplace zu schnappen, wenn man denn auf Strategie steht. Evil

Kommentare

Rian
11. Januar 2011 um 22:08 Uhr (#1)
Viele der Entwickler oder Publisher, die sich für Kriegsspiele interessieren, sind amerikanischstammig und Amerika hat im ersten Weltkrieg erst 1917 mitgemischt - da ist das Interesse wohl nicht so hoch. Außerdem sind Nazis ein besseres Feindbild, beim ersten Weltkrieg kämpft man ja nur gegen die Deutschen und der Auslöser war, dass irgendsoein Heini erschossen wurde. Wen interessiert das schon?
Gast
27. September 2020 um 13:15 Uhr
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