Schere, Stein, Papier

(Artikel)
Benjamin Strobel, 16. August 2010

Schere, Stein, Papier

Oder: Rock, Paper, Scissors, Lizard, Spock

Seit jeher wird die Menschheit von Problemen geplagt. Probleme sind lästig. Doch auch lästige Arbeiten müssen verrichtet werden. Zahl der Freiwilligen: Gering. Und nicht alle Völker können sich Sklaven leisten! Es muss also jemand bestimmt werden, der verantwortlich ist. Da eine Wahl lange dauert (das muss ja alles geheim sein, dann gibt es so viele Zettel und Urnen und so weiter...) und so schrecklich demokratisch ist, fällt diese Option weg. Bestimmt man einfach jemanden, gibt es gleich Revolution und alle stehen auf um für Selbstbestimmung, Freiheit und so einen Schmu zu kämpfen. Das wollen wir ja auch nicht. Wir wollen Leute, die sich ihrem Schicksal fügen. Früher konnte man immer behaupten, die Götter hätten es befohlen, heute überlässt man es zum selben Zweck dem Zufall. Man wirft Münzen, würfelt oder man spielt Schere, Stein, Papier.


Wie dieses Video zeigt, ist Schere, Stein, Papier verbreitet und begehrt. Hinterher kann sich eben keiner beschweren. Sieg oder Niederlage ist gleich wahrscheinlich: Jede der drei Formen ist gleich viel wert, da sie jeweils einer anderen überlegen ist, der dritten aber unterliegt. Die Schere gewinnt gegen Papier, das Papier gegen den Stein und der Stein widerum gegen die Schere. Alles fair!

In Japan heißt es Jan-Ken-Pon, daher kommt wahrscheinlich die deutsche Übersetzung Ching-Chang-Chong!
Okay, so fair ist es eigentlich auch nicht. In Wahrheit ist dieses Spiel weniger zufällig, sondern hochgradig taktisch! Der Mensch ist nicht fähig, echte Zufallsergebnisse zu erzeugen, da seine Gedanken und alles, was passiert, ihn in seinem Handeln ständig beeinflussen. Mit ein bisschen Pech weiß mein Gegenüber darüber Bescheid und beginnt mich zu studieren. Wechsele ich oft zwischen den drei Formen oder spiele ich gern mal dieselbe hintereinander? Habe ich eine Lieblingsform? Vielleicht mag ich Steine besonders gern und benutze diese Form daher häufiger. Bei den Weltmeisterschaften (ja, die gibt es) legen die Teilnehmer daher die Reihenfolge ihrer Ergebnisse vorher fest und treten mit auswendig gelernten Sets an. Studieren und Taktik ändern ist da nicht. Aber mal ehrlich... dann ist es wirklich langweilig.

Wie, das ist euch zu simpel? Aber es soll doch... es gehört doch... und... okay. Ich merke schon, ihr seid beharrlich. Gut! Ich lehre die Advanced Technique. Siehe Big Bang Theory.

Besser, ja? Gut. Aber es geht noch härter! Und ich spreche hier nicht von irgendwelchen Cheat-Erweiterungen wie Brunnen oder Sonne (wie, ihr kennt Sonne nicht? Guess what, die tötet alles und gewinnt immer, hah! Genauso wie Cthulhu. Wie sieht Cthulhu aus? Die Finger wursteln tentakelig am Kinn herum). Man muss natürlich darauf achten, dass das Spiel ausbalanciert bleibt. Sonst ist es ja unfair und es gibt doch eine Revolution, das wollen wir vermeiden. Daher gibt es Profi-Varianten, die von den besten der Besten gespielt werden. Etwa wie die folgende.


Wie, das ist euch jetzt zu kompliziert? Seid nicht so weich! Aber ich muss auch schweren Herzens bemerken, dass Spock einfach rausgefallen ist. Könnt ihr das verstehen? Aber er war auch zu schwach, das hat mir sowieso nicht gefallen. Glaubt ihr wirklich, Spock lässt sich von einer armseligen Eidechse töten? Oder von Papier? PAPIER? "Oh no, Paper is my only weakness"? ICH DENKE NICHT. Spock sollte zumindest noch gegen Papier gewinnen, die blöde Echse würde ich zur Not akzeptieren. Wenn sie groß und gefährlich ist und von hinten kommt! Aber ein realistisches Spiel wäre so gut ausbalanciert wie Marvel VS Capcom, da gibt es nur Ärger und jeder spielt nur noch Spock. Dann ist keinem geholfen. Also bleiben wir einfach beim Klassiker. ROCK, PAPER, SCISSORS! Nex

Kommentare

Rian
22. Juni 2011 um 00:33 Uhr (#1)
Sehr gut kann man auch "Modulo n" spielen, wenn man n Leute insgesamt hat, mit denen man Stein-Schere-Papier spielen möchte. Anstatt eines der drei Grundelemente zu wählen, wird mit den Fingern einfach eine Zahl zwischen eins und fünf herausgeholt, jeder Spieler bekommt eine Nummer zwischen Null und n-1, man zählt alle Teilergebnisse der einzelnen Spieler zusammen, teilt durch n und der Spieler, dessen Nummer dann gleich dem Rest der Division ist, hat entweder gewonnen oder verloren.
Gardwin
Gast
05. Februar 2014 um 15:30 Uhr (#2)
Das ist mal Awesome im Deluxe Maße. Aber wie soll man sich das merken. bei Stein Papier Echse Spock hat man schon Probleme.... Vorteil ist, dass man bei dem Expertenmodus ohne Probleme bis zu 14 Personen Zeitgleich spielen lassen kann. (immer einer Weniger als Möglichkeiten zu wählen ist logisch und Simpel, denn da gibt es, ohne Doppelnennungen immer einen der gewinnt)
Rian
05. Februar 2014 um 17:15 Uhr (#3)
Easy peasy: Du musst dir ja nur die exakten Positionen dieses Diagramms merken. Im Uhrzeigersinn ist ein Element gegen die Hälfte der anderen Elemente immun und die zweite Hälfte im Uhrzeigersinn schlägt das Element. Das ist doch einfacher als sich Ottos "Wir haben Grund zum Feiern" zu merken.
Gast
28. Februar 2020 um 19:02 Uhr
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