Final Fantasy XIII

(Artikel)
Haris Odobaši?, 18. März 2010

Final Fantasy XIII

Keine Weltkarte, kein Luftschiff

In jedem Final Fantasy kommt der Moment, an dem das Spiel richtig losgeht. Alles vorher ist nur Tutorial und Vorgeplänkel. In Final Fantasy VII ist das beispielsweise nachdem man Midgard verlässt, in Final Fantasy VIII nach der Dollet-Invasion. In Squares neuestem Teil der Serie hingegen kommt dieser Moment nicht und man muss enttäuscht irgendwann auf Disc 2 feststellen, dass sich kein magisches Tor in eine bessere Spielwelt mehr öffnen wird, sondern das, was einem bisher geboten wurde, im Endeffekt alles ist.


Und dabei haben die Entwickler sich um die größte Schwäche des letzten Spiels der Reihe, die Charaktere, gekümmert. Wenn man von ein paar kitschigen Dialogen, die schon richtig peinlich schlecht sind, absieht, macht FFXIII alles richtig. Wir haben sechs grundverschiedene Charaktere mit eigenen Persönlichkeiten, die zwar hier und da ein Klischee bedienen, aber insgesamt interessante Schicksale bieten und im Verlauf der Geschichte eine nachvollziehbare Entwicklung durchmachen. So wird einem dann sogar der rumheulende Emojunge sympatisch. Und noch wichtiger: der Homoerotik-Anteil am Design der männlichen Charaktere wurde dezent eingeschränkt!

Die ersten paar Spielstunden als Grafik. Viel anders sieht der Rest auch nicht aus.
Auch die Story, die von zwei Völkern erzählt, die sich nicht kennen, aber trotzdem im Krieg zueinander stehen - kontrolliert von gottähnlichen Wesen, Fal'Cie genannt - kann voll überzeugen. Hier und da werden mal moralische Grautöne auf den Bildschirm gepinselt, Elemente wie Xenophobie thematisiert, insgesamt ist das Spiel erstaunlich tiefgründig. Die Story nimmt sich dafür allerdings auch ihre Zeit, die ganze erste Disc plätschert nur so vor sich hin, erst auf der zweiten Spielscheibe wird genauer auf die Konflikte eingegangen.

Das Kampfsystem ist in seiner Ausführung leicht widersprüchlich: Der Spieler soll zwar nicht mehr ganz passiv wie im zwölften Teil agieren, muss also öfter mal rhythmisch den A- oder X-Knopf drücken, aber dann wiederum gibt es nicht die volle Kontrolle, die man im Vorgänger hatte. Denn man steuert immer nur genau einen Charakter, den man auch nicht einfach so wechseln kann wie etwa in der Tales of-Serie. Etwas komisch, angesichts dessen, dass man die Figur nicht bewegen kann. Auf die anderen Charaktere hingegen hat man gar keinen Einfluss. Man kann bestimmen, welche Kampfklasse sie gerade ausüben sollen, beispielsweise Commando für die Hau-Drauf-Fraktion oder Medic zum Heilen, dementsprechend auch mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Skills, aber ansonsten agieren die Partymitglieder komplett eigenständig. Das tun sie meistens auf schlaue Art und Weise, doch dennoch tritt immer mal wieder der Fall auf, dass man sich einfach einen Zauber mit Arealschaden wünscht und keine Möglichkeit hat diesen anzufordern. Doch insgesamt machen die Kämpfe Spaß und bieten dem Spieler genug Abwechslung, also scheitert das Spiel auch nicht an dieser Hürde.

Woran es dann schlussendlich leider doch mangelt, ist an dem dritten Punkt, welcher ein gutes Rollenspiel ausmacht: Man kämpft, erlebt eine Geschichte und erforscht neue Welten. Nicht so in Final Fantasy XIII. Hier läuft man stur geradeaus und das fast das gesamte Spiel über. Hier und da zweigt der Weg ab und man kann eine kurze Sackgasse betreten, die am Ende eine Kiste mit einer Phönixfeder oder ein paar Gil enthält, aber das ist auch schon das Hoch der Erforschungsgefühle. Dadurch versemmelt das Spiel den wichtigen psychologischen Belohnungseffekt der Rollenspiele. Einer der Hauptmotivatoren, neben der Geschichte und der Möglichkeit seine Charaktere zu entwickeln, ist eben immer auch, dass man Neues sieht. Eine neue Stadt, neue NPCs, neue Geschäfte -- und im Endeffekt halt auch eine Verschnaufpause nach dem letzten Dungeon. Im neuesten Final Fantasy hingegen läuft man ein paar Schritte, kämpft dann gegen Monster und darf sich Zwischensequenzen anschauen. Die sind zwar sehr gut gemacht, aber teilweise kriegt man sie so oft um die Ohren geklatscht, dass man sie gerne skippen würde -- obwohl die Story gelungen und die Charaktere gut sind. Aber wenn man sich, beispielsweise auf der zweiten Disc, knapp eine halbe Stunde lang Zwischensequenzen geben muss, unterbrochen nur von kurzen Phasen, in denen man zehn Schritte läuft bis zur nächsten Sequenz, nervt es einfach nur noch. Man hat den Eindruck, dass die Entwickler so bedacht darauf waren, einen Höhepunkt nach dem anderen ins Spiel zu bringen und alle Elemente, die sonst dazwischen standen, aus dem Weg zu räumen, dass die Balance dadurch irgendwann komplett flöten gegangen ist. So hat man rund 30 bis 40 Stunden kondensiertes Final Fantasy, aber 20 bis 30 Stunden Freiheit sind das, was dem Spiel fehlt.

Diese Linearität findet sich daher wenig überraschend auch beim Verbessern der Charaktere wieder. Man kriegt für besiegte Gegner Charakterpunkte, die man dann in die jeweiligen Berufe investieren darf. Dabei hat man auch dort einen fest vorgegebenen Weg und hangelt sich von "HP + 10" zu "Magie + 5" und "Stärke + 3", obwohl man eigentlich nur an der neuen Fähigkeit interessiert ist, die fünf Glieder weiter wartet. Auch hier gibt es mal den ein oder anderen Ast, der abzweigt, im Endeffekt sind diese aber immer nur sehr kurz und man findet sich schnell auf dem ringförmigen Hauptpfad wieder.

Die wohl größte Spieltiefe bietet wohl noch das Upgradesystem für Waffen und Accessoires: von Feinden fallen gelassene Materialien, die man später auch käuflich erwerben kann, werden in Waffen gesteckt, um sie aufzupowern. Später kann man dann diese Waffen auch in noch bessere Mordwerkzeuge verwandeln. Im Endeffekt hat aber jede Waffe Vor- und Nachteile, so dass ein Schwert vielleicht mehr die Magie berücksichtigt, während ein anderes ausbalanciertere Werte hat und man kann sich auf positives Kopfzerbrechen freuen, was man nun upgraden soll.


Doch dies alleine reicht nicht aus und daa kann auch die gelungene Technik nicht mehr viel raushauen. Musikalisch kommt man zwar nicht an alte Höhen dran, Uematsu ist eben nicht zu ersetzen. Der neue Typ hat aber seinen Job durchaus gut gemacht und ein paar schöne Melodien kreiert. Auch die Atmosphäre ist großartig und manche der Gebiete - beispielsweise das Innere eines Fal'Cie - die man so durchstreift sind vom Design sehr gelungen. Und wenn man erst ein paar der Städte sieht! Man kann es kaum abwarten durch die Straßen zu schlendern, sich die hübschen Strände anzuschauen und -- dann haut einem das Spiel die Realität auf den Kopf. Wenn man mal durch eine Stadt geht, dann nur im Schnelldurchlauf, nur durch kurze, klar abgeschottete Gebiete und selbstverständlich erwartet dort den Spieler nicht viel mehr als Rumgekämpfe und Zwischensequenzen.

Final Fantasy XIII ist wie ein unausgegorener Cocktail. Viel Rollenspielkonzentrat, aber leider nicht ordentlich verdünnt und die Zutat, die für den letzten Kick sorgt, hat man komplett vergessen. Es schmeckt, aber im Gegensatz zu anderen Cocktails ist man zu schnell damit fertig und hat danach auch keine Lust, sich noch einen zu bestellen. Ich schlürf lieber mein Lost Odyssey weiter. Evil

Kommentare

Meykota
Gast
01. Oktober 2011 um 22:14 Uhr (#1)
Die Sache mit den verschiedenen DVDs erinnert mich bei der XBox doch immer wieder gern an die alten PS1-Zeiten :D
Eines versteh ich jedoch immer noch nicht: Warum regt man sich auf, dass es kaum Städte gibt, die man erforschen kann? Ich meine, okay, was sich anbieten würde, wäre der Vergnügungspark, da man dort eher anonym unterwegs ist, aber die ganze restliche Zeit wird man verfolgt, immerhin möchte man ja der Menschheit schaden, also hat man gar keine Zeit für eine Verschnaufpause, aber dafür ist ja dann die Archylte Steppe da, in der man weitschweifige Gebiete erkunden und allerhand von Gran Pulse entdecken kann. Davon lese ich in dem Artikel gar nichts. Schade eigentlich, denn gerade das hätte einen wirklich vom Hocker gehauen. Aber nun gut, vielleicht hat die nicht auf XBox-Version gepasst :D
Haris
01. Oktober 2011 um 22:41 Uhr (#2)
Hey, dafür muss man nicht jedes zweite Spiel langwierig erst installieren! ;)

Und das fand ich eben nicht gut gemacht. Natürlich ist man ständig auf der Flucht, aber wenn ich solch einen Dauerstress haben will, dann spiele ich halt einen Shooter wo mich jeder umbringen mag. In einem Rollenspiel will ich auch mal genießen können, und das geht bei Final Fantasy XIII eben nicht.

Das kam aber erst so spät im Spiel, dass ich nicht mehr der Meinung war, dass es da noch viel retten kann. Ich hatte glaube ich an die 30 Spielstunden erreicht, als ich da war und war eigentlich nur noch gelangweilt. Das man dort dann endlich ein bisschen Abwechslung in den Nebenmissionen findet und das Spiel etwas von seiner strikten "Lauf einfach immer gerade aus"-Struktur verliert, entschädigt einfach nicht für die Drögheit bis zu diesem Punkt. Und so viel toller wird das Spiel jetzt aber auch nicht im zweiten Teil (ich trenne das im Kopf immer), dass ich irgendwem empfehlen würde sich da erstmal durchzuquälen.
Gast
23. August 2019 um 18:00 Uhr
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