The Void

(Artikel)
Rian Voß, 20. Januar 2010

The Void

Eine interessante Reise

Wo sind eigentlich die ganzen Spiele mit Zeitlimit hin? Früher gab's doch so viele davon! Fallout, Princess Maker, Captain Planet, Survival Kids... Irgendwann war die Zeit eben rum und das Spiel vorbei. Da heute aber Spiele generell cineastischer sind und, seit der Casual-Gamer sich wie ein Pantoffeltierchen vom Core-Gamer abgespalten hat, sowieso keiner mehr den Stress eines "Friss oder stirb"-Spiels ertragen kann, ist die Zeit schon seit Ewigkeiten keine spielbestimmende Komponente mehr. Außer in The Void.

Ich muss jetzt erst mal Schadensbegrenzung einleiten: So extrem meinte ich das mit dem "Friss oder stirb" nicht. Zeitliche Begrenzung hatte, vor allem im Kontext früherer Spiele, durchaus Sinn gemacht, denn vor etwas über einer Dekade war es recht unüblich, dass Spielesammlungen unendlich groß waren und man musste daher sowieso dasselbe Spiel immer und immer wieder zocken. Das war natürlich ein mentales Überbleibsel der Arcade-Ära, wo man immer wieder eine Viertelstunde in dieselbe Maschine steckte. Demzufolge dachte man sich auch nicht, wenn man beim ersten Anlauf nicht gleich weiß, was die beste Strategie ist, und sich total "verskillt" hat, "Kackspiel, viel zu schwer! Na, gleich zurück zu Gamestop damit. Nachher läuft eh MGS4 im Fernsehen, da kann ich mir noch 'ne Tüte Popcorn machen.", sondern "Damn! Ganz schön tricky! Aber beim nächsten Mal bin ich besser!" So ungefähr ist das bei The Void und wer sich nicht auf so ein Spiel einlassen kann, ist kein böser Mensch, aber der verpasst was.

Das Intro ist so verheißungsvoll wie ominös.

Doch erst mal zum Hintergrund des Spiels, bevor wir zum Gameplay-Kern vorstoßen: The Void (oder in der deutschen Version "die Leere") ist ein Ort, wo tote Seelen landen. Nicht alle, eigentlich nur ziemlich wenige, aber man selbst ist eine von den wenigen Glücklichen (?). In dieser Zwischenwelt, die früher einmal sehr farbig war, aber jetzt grau, karg und geschmückt von den bizarren Formen toter Bäume und zerfallener Gebäude, herrschen die Fürstinnen über ihre kleinen verfallenen Reiche und sterben eine nach der anderen, denn ohne Farbe müssen sie verhungern, genau so wie alles andere in der Leere. Auch man selbst. Die Wächter, die früher die Fürstinnen gefüttert haben, sind auch schon seit Ewigkeiten verschwunden und Predatoren - halbtote Monster, die aus Silent Hill stammen könnten - saugen die letzten paar Tropfen Violett und Bernstein aus Rinnsaalen vom Boden. Doch mit dem Eintreffen unserer Seele hat sich etwas verändert: Nach einem Zyklus (was etwa ein Tag in der Leere ist) erscheint neue Farbe! Bei weitem nicht genug, um sich am Leben zu erhalten, aber immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer in einer so trostlosen Welt...

Man weiß nie, was einen erwartet, bevor man einen Ort betritt.

Wie überlebt man nun in der Leere? Die Zeit ist ständig gegen einen, es laufen Monster herum, die einzige Ressource ist Farbe und davon gibt es kaum was. Dazu erst einmal Grundlegendes zur Spielemechanik: In The Void ist man Jäger und Sammler, man kämpft ständig nur um die Wahrung der eigenen Existenz. Zu Beginn bekommt man von der Namenlosen Fürstin ein Herz, das aber noch leer ist. In den sogenannten Kammern (das sind die Areale, die man in der Ego-Ansicht bereist) steht die Zeit jedoch annähernd still, deswegen verhungert unsere Seele nicht. Hier und da sprießen ein paar bunte Pflanzen, denen man die Farbe (etwa Gold, Azur, Smaragd, Silber etc.) entziehen kann und die im Farbspeicher landen. Um nun Lebensenergie zu bekommen, muss man sein Herz mit eben jenen Farben füllen. Mit dem Bisschen, das wir in der Kammer der Fürstin gesammelt haben, können wir die Leere betreten - das ist die Übersichtskarte aller Areale. Hier vergeht die Zeit schnell und die Leere entzieht uns ständig Farbe, die allerdings vom Herzen in die "Palette" als "Nerva" übertragen wird - das ist die Farbe, die wir benutzen können, um mit der Welt zu interagieren.

Das Zentrum des Überlebens: Wenn keine Farbe rechts oder in der Mitte ist, dann habt ihr ein Problem.

Unsere erste Reise (von einem Ort zum anderen zu kommen kostet natürlich auch Zeit und damit Lebensenergie, also muss man sich genau überlegen, wann man glaubt genug Farbe zu haben, um eine längere Tour zu überleben) bringt uns in einen Garten, wo ein ganzer Haufen toter Bäume auf uns wartet, was uns ziemlich freut, denn: Pflanzen sind gut! Mit einer Glyphe, die wir per Maus auf den Bildschirm malen (Zaubern und Kämpfen funktioniert wie im Rollenspiel Arx Fatalis, wenn sich da noch jemand dran erinnert) können wir Nerva aus unserer Palette benutzen, um Bäume zum Leben zu erwecken, welche nach einem Zyklus neue Farbe produzieren. Und sogar reichlich! "Hah, Problem gelöst!" könnte man jetzt sagen. Dachte ich zuerst auch. Nur leider stellen die Bäume bereits nach dem ersten Zyklus bedeutend weniger Farbe her, so dass schnell Schluss ist mit dem Sattfressen. Nicht nur das: Man hat nur eine begrenzte Kapazität, um Farbe aufzunehmen. Und ist eine Palette voll, fließt alles Nerva, das aus dem Herzen umgewandelt wurde, direkt in die Leere und ist für immer verschwendet. Außerdem muss man noch hart erarbeitete Farbe an die Fürstinnen abgeben, damit die einen durch ihr Reich lassen können, so dass man zu neuen Gärten gelangt, wenn die alten abgearbeitet sind. Oh, und zwar haben Farben, die sich in euren Herzen (es soll an die 20 geben) befinden, positive Auswirkungen wie erhöhte Verteidigung oder schnelleres Reisen, aber haben Farben, die sich in der Welt befinden, also etwa wiederbelebte Pflanzen, sehr negative Effekte: Silber macht, dass die Leere schneller stirbt, Rot lässt die Feinde mehr Schaden verursachen, Grün macht, dass man mehr Farbe für Glyphen zahlen muss und so weiter.

Nippel - der andere wichtige Rohstoff in The Void. Aber verratet das bloß nicht der USK! Die denkt, das Spiel ist schon für 12-jährige in Ordnung!

Ihr seht also: Doof. Egal, wie man die Sache dreht und wendet, irgendwann ist keine Farbe mehr da und man verreckt elendig oder die Leere stirbt nach etwa 35 Zyklen, es sei denn, man schafft es wirklich und befreit sie. Was ich beim ersten Mal nicht geschafft habe, da bin ich nach drei Zyklen verhungert. Und beim zweiten Versuch habe ich mein Farbmanagement so offenkundig verkackt, dass ich gleich wieder anfangen konnte. Manuelles Speichern gibt es nicht, es wird nur am Anfang eines Zyklus' automatisch gespeichert und das reicht auch eigentlich. Ich habe etwa drei Stunden dafür gebraucht, um The Void erst einmal kennen zu lernen und mich an das ungewöhnliche Spielprinzip des (quasi-)rundenbasierten Überlebenskampfes heranzutasten. Aber es ist schon faszinierend! Ich bin, zugegeben, deswegen auch noch nicht sonderlich weit gekommen, aber ich habe genug Kräfte gesammelt und bedacht genug Bäume angebaut, um das Reich der ersten Fürstin nun verlassen zu können. Ich melde mich wieder aus der Leere, wenn meine Reise weiter geht! Rian

Kommentare

Rian
20. Januar 2010 um 00:51 Uhr (#1)
Allein an der Häufigkeit des Wortes "Farbe" merkt ihr schon, wie unendlich wichtig dieses Ding für das Spiel ist.
Ben
20. Januar 2010 um 10:22 Uhr (#2)
Der Artikel hat mich jetzt auch völlig überzeugt! Werde mich sobald es geht auch an The Void setzen!
Phno
20. Januar 2010 um 13:42 Uhr (#3)
Yoyo, wird gespielt. Aber wohl erst Ende Februar, gerade steht soviel an, was gezockt werden muss.
Bayonetta jetzt, danach fix Dark Siders und mitte Februar schon Bioshock 2, ah~
Ben
21. Januar 2010 um 00:54 Uhr (#4)
Bitte sag nichts von Bioshock 2! :( Ich hab doch im Februar gar keine Zeit :(
Gast
17. Oktober 2019 um 13:18 Uhr
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