Weihnachtsmärchen

(Artikel)
Rian Voß, 25. Dezember 2009

Weihnachtsmärchen

Aber mal ein richtig gutes!

Um nicht ganz alle Festlichkeiten auszusparen, habe ich mal ein bisschen in meinen Habseligkeiten herumgekramt und tatsächlich meine liebste Weihnachtsgeschichte wiedergefunden! Diese wurde im Offiziellen Dreamcast Magazin, Ausgabe 12/09 (also ein ganzes Jahrzehnt alt!), abgedruckt und hinterlässt beim Lesen nicht nur ein schönes Gefühl der Nostalgie sondern auch ein warmes Kribbeln in meinem Bauch. Das Ganze gibt's übrigens auch als PDF, was vielleicht etwas leichter für die Augen ist. Genießt es und fröhliche Weihnachten!

...

Es war Heiligabend und die Kinder des Rosenheimer Waisenheims waren glücklich. Heute würde der Weihnachtsmann ihnen allen eine nigelnagelneue Dreamcast-Spielekonsole bringen. So hatte der Rektor es versprochen und der Rektor mußte es wissen.
Der 11jährige Tobias rollte mit seinem Skateboard durch die Korridore des Heims. Auf einem der Gänge traf er seinen Zimmergenossen Tim, der aufgeregt mit den Krücken fuchtelte. Anders konnte er sich nicht verständlich machen. Seit ihn am vorletzten Weihnachtsfest ein Mädchen haushoch bei Streetfighter geschlagen hatte, war nie wieder ein Wort über seine Lippen gekommen. Zwei Jahre lang kein Mucks. Und dank der vielen experimentellen Therapien mußte er an Krücken gehen. Wann immer er jetzt eine Spielekonsole sah, brach er in wüste Panikattacken aus. Der kleine Tim hatte sich geschworen, nie wieder einen Controller in die Hand zu nehmen.
"Was ist los, Tim?" fragte Tobias "Brennt das Haus?"
Tim schüttelte den Kopf.
"Einbrecher, Tim? Oder ertrinkt jemand im See?"
Energisches Kopfschütteln. Es mußte etwas Wichtigeres sein. Tim zupfte Tobias am Ärmel seines Kapuzen-Sweaters.
"Du willst, daß ich dir folge?!"
Tim schlug Tobias. Das hieß 'nein'.
"Au!"
Tim machte komische Fratzen und Verrenkungen.
"Oh, verdammt! Du meinst, jemand hat die Dreamcasts geklaut, die heute für uns alle geliefert werden sollten?!"
Tim grinste. Heftiges Nicken. Beinahe zu heftig für seine Halskrause.
"Aber... aber ohne Videospiele sind wir unserer Kindheit beraubt!" Tobias griff sich an die Baseball-Mütze und drehte den Schirm nach vorne. Aus dem Jungen war ein Mann geworden. Das gefiel ihm überhaupt nicht. Lustlos skatete er das Treppengeländer hinunter und hinaus auf die Straße. Er mußte nachdenken. Eine Höchstgeschwindigkeitsfahrt über Kopfsteinpflaster war da meist das beste Mittel.

Bis zum Sturz mit Überschlag war es eine schöne Fahrt gewesen.
Ein leises Wimmern weckte Tobias aus seiner Ohnmacht. Er lag in einer warmen, dickflüssigen Lache, was ihm Sorgen bereitete. Vorsichtig stand er auf. Er war unverletzt, und die Lache war grün. Ihre feuchte Spur führte in die dunkle Gasse, aus der das Wimmern kam. Sie endete in einem kleinen blauen Körper, der zwischen zwei Mülltonnen kauerte. "Hallo, ich bin Tobias..." sagte Tobias.
"Ich.. ich bin Sonic.." schniefte das kleine Kerlchen und setzte sich ächzend auf.
"Paß auf", mahnte Tobias, "du hast eine ganze Menge... äh, grünes Zeug verloren."
"Das ist mein Blut."
"Warum ist es grün?"
"Aus juristischen Gründen."
"Verstehe ich nicht."
"Grünes Blut zu verlieren ist nicht so schlimm wie rotes."
"Da bin ich aber beruhigt. Was stellst du überhaupt dar?"
"Was denkst du wohl? Ich bin ein Igel!"
"Du bist blau!"
"Na und?!"
"Warum trägst du Schuhe und Handschuhe?"
"Es ist Winter, verdammt!"
"Warum sehen deine Stacheln aus wie Haare?"
"Das liegt am Licht."
"Du wirkst auf mich eher wie ein Heckenschwein..."
"ICH BIN EIN IGEL, OKAY?!"
Sonic riß seine riesigen Augen auf und deutete mit seinem rechten behandschuhten Zeigefinger über Tobias Schulter. "Paß auf! Hinter dir!" rief er panisch.
Tobias wirbelte herum. Zwei abgerissene Gestalten wankten auf ihn und den Bläuling zu. Nicht nur ihr Outfit war von erstaunlicher Abgerissenheit, sondern auch ihre körperliche Verfassung. In den Augenhöhlen befanden sich nur noch Überreste von Augäpfeln, in den Mündern lümmelten sich Maden statt Zähne herum, und der Rest war auch schon im Zerfall begriffen. Zwischen den Mundmaden drang neben Gestank immer wieder ein verzerrtes, gekrächztes Wort in die Außenwelt: Veeerrr... nichtennnn...!
"Au Backe!" rief Tobias. "Voll die Zombies! Was sollen wir tun?"
Benutz' die LightGun, Tobias! hörte er Sonics Stimme in seinem Kopf.
"Welche LightGun? Oh." Wie aus dem Nichts tauchte eine furchteinflößende weiße Plastikpistole in der rechten Hand des Jungen auf. Sie war über ein Kabel mit seinem Bauchnabel verbunden. "Cool, Piercing!" freute sich Tobias. "Wie herrlich retro." Er zog mehrmals den Abzug seiner neuen Knarre durch. Flammenumhüllte Strahlgeschosse nahmen Kurs in die ungefähre Richtung der Zombies, aber knapp daneben ist auch vorbei. Eine der Kugeln entflammte eine der umstehenden Mülltonnen, wodurch Tobias jetzt wenigstens besser sehen konnte. Es sah nicht gut aus.
Veeerrr... nichtennnn...! Die Zombies kamen näher. Einer zückte zwei Äxte.
"Du kannst es schaffen", sagte der kleine Igel mit fester Stimme. "Der Kringel ist stark in dir, genau wie in deinem Vater."
"Kringel? Vater? Ich habe keinen Vater und..."
"Schieß, schieß, schieß!"
Tobias schoß. Der erste Zombie hielt schützend die Äxte vors Gesicht. Die Geschosse prallten ab und rissen dem zweiten Zombie die Shädeldecke vom Kopf. Er plumpste zu Boden. Ein Knall, und sein Kumpel tat es ihm gleich. Tobias wandte sich dem Igel zu. "So. Ich glaube, du hast mir einiges zu erklären."
"Ja, aber nicht hier", flüsterte Sonic.
Tobias folgte dem überraschend flinken Tier um ein paar Straßenecken und schließlich durch einen Gullydeckel in einen Arm der Kanalistation, in dem er noch nie zuvor gewesen war. Er führte zu einer schweren Eisentür. Vor ihr saß ein fetter blauer Kater und angelte in den Abwässern. "Wie viele Barsche braucht man, um eine Glühbirne reinzudrehen?" frage er verschwörerisch.
Sonic glotzte ratlos. "Verdammt! Ist das unsere neue Losung? Ich habe keine Ahnung!"
"Nein, nein," beschwichtigte der Kater, "ich wollte es nur wissen, rein interessehalber. Du brauchst keine Losung. Hier laufen schließlich nicht allzu viele sprechende blaue Heckenschweine herum"
"IGEL! ICH BIN EIN IGEL!!!"
Durch die schwere Tür kamen Igel und Junge in einen schäbigen Raum, in dem ein gelber Fuchs, ein rosa Eichhörnchen und ein rotes Stachelschwein um einen Tisch saßen. Sie wärmten sich an einer Kerze in einem Einmachglas. Ein kleiner Roboter summte durch den Raum und servierte Drinks. Als Tobias und Sonic den Raum betraten, stand das Stachelschwein auf und gab Tobias Pfötchen. "Ah, schön daß du hier bist! Wenn ich dir die anderen vorstellen darf: Hier haben wir Tails" - der Fuchs wedelte zur Begrüßung mit den Schwänzen - "und die liebreizende Amy. Mein Name ist Knuckles, und ich werde dir erklären, warum du hier bist."
"Mein Waisenheim darf keine Spiele spielen, ich wurde von Zombies angegriffen und rede mit einer Horde bonbonfarbener Tiere. Möchte mal wissen, wie du mir das erklären willst, Stachelschwein!"
"Seit Anbeginn der Zeit sichern die Sega-Ritter den Spielspaß in der Galaxis. Einst hatten wir auf jedem Planeten eine eigene Filiale, heute konzentriert sich alles auf unseren Heimatplaneten Mobius. Wir sind hierher gekommen, um den letzten Sega-Ritter der Erde zu finden - dich."
"Ich bin kein Ritter, ich bin ein Skater!"
"Du trägst den Kringel in dir, die Energiequelle, aus der die Sega-Ritter ihre Sega-Kräfte gewinnen. Du mußt die Dreamcast-Lieferung befreien, die der böse Dr. Robotnik gestohlen hat. Die Lieferung, die für dein Waisenheim bestimmt war. Ohne diese Konsolen werden die armen Waisenkinder auf die schiefe Bahn geraten und niemals in der Gesellschaft Fuß fassen."
"Warum macht ihr das nicht selbst, wenn ihr so tolle Sega-Ritter seid?"
"Leider sind unsere Sega-Kräfte unter der weißen Sonne deines Planetensektors nicht wirksam."
"Aber es ist Nacht..."
"ES GEHT NICHT, OKAY?! Du wirst das Kind schon schaukeln."
"Was war das eigentlich vorhin über eine Geschichte über meinen Vater?" fragte Tobias Sonic.
"Och, nichts... ich wollte die Sache für dich nur schmackhafter machen. Nichts für ungut", antwortete das außerirdische Tier.
"Ach du liebes bißchen!" kreischte Amy dazwischen. "Seht euch das an!" Mitten im Raum materialisierte eine riesige, freischwebende Spirale. Sie begann sich zu drehen. Erst langsam, dann immer schneller.
"Verdammt!" rief Knuckles. "Ein Riesen-Kringel!"
"Und sowas hab ich in mir?!" fragte Tobias.
"Naja, kleiner, aber sonst ja", bestätigte Knuckles. "Der Kringel kann uns nichts tun, solange er blau bleibt. Wenn er allerdings orange wird, kann es gefährlich werden..."
Amy kreischte erneut: "Scheibenkleister! Der Kringel wird orange! Los, setzt eure Schutzbrillen auf, und auf keinen Fall direkt in den Kringel gucken!"
"Schutzbrillen?! Welche Schutzbrillen?!" rief Tobias. "Au Backe, ich habe direkt in den orangen Kringel geguckt!" Seine Pupillen führten einen verrückten Tanz in seinen Augen auf. Drehten sich, schneller und schneller und schneller usw., bis in den Augen des Jungen nur noch zwei rotierende Kringel auszumachen waren. Tobias wurde magisch vom großen orangen Kringel angezogen, dann aufgesogen. Zuerst Kopf und Schultern, zuletzt das Skateboard, dann war er weg.

Tobias fand sich in einer großen Arena, in deren Mitte ein hochtechnisierter Thron mit allerlei Schalttafeln und Displays stand. Auf dem Thron saß ein kleiner Kerl mit wirrem Haar. Angetan mit einem weißen Kittel und einer Schweißerbrille sah er nicht wie jemand aus, der Anrecht auf einen Thron hat.
"Dr. Robotnik, nehme ich an!" sagte Tobias. "Ich habe Sie mir größer vorgestellt!"
"Sieh an, sieh an! Schickt das blaue Heckenschwein jetzt schon seine Praktikanten vor!"
"Sonic ist ein Igel! Und zwar einer der verdammt noch mal besten Igel, denen ich je die Ehre hatte, die Hand zu schütteln!" Tobias hüpfte von seinem Skateboard, krempelte die Ärmel hoch und näherte sich dem Doktor. "Los, bringen wir es hinter uns!"
"Ha! Ich mache mir an dir doch nicht die Hände schmutzig!" Er legte einen Schalter um. Eine Reihe von Toren öffneten sich. Zombies taumelten heraus, einer häßlicher als der andere, obwohl der andere auch schon ziemlich häßlich war.
Tobias war in Kampfsport-Stimmung. Ein Kick hier, ein Hit da, mit und ohne Salto, Ausfallschritt, Attacke, Parade, Punch, pipapo. Ein Gefühl wie Kringel im Bauch, es war wunderbar. Die Zombies fanden das nicht und lagen bald sorgfältig gefaltet und gestapelt am Boden.
Jetzt sollte es Dr. Robotnik persönlich an den Kittelkragen gehen. Tobias hatte inzwischen genug Kraftsteine gesammelt, um sich in Mega-Sega-Tobias zu verwandeln. Es blitzte, krachte und puffte, er verschmolz mit seinem Skateboard, seine Ärmchen wurden zu Raketenwerfern (das kitzelte ein bißchen), und mit einem Affenzahn und aus allen Rohren feuernd griff er Dr. Robotnik an.
Das kratzte den überhaupt nicht. Er blieb einfach sitzen, ignorierte das Geballer und hackte in aller Seelenruhe auf einer seiner Tastaturen herum.
Der Junge schaute sich um. Die Arena war rund. Auf ihrem Boden war eine große Spirale gemalt. Mit oranger Farbe. Die Spirale leuchtete. Aus diesem Leuchten zog Dr. Robotnik seine Lebensenergie. Tobias probierte alle Special Moves, die ein echter Sega-Ritter so drauf hat. Er konnte den Weihnachtsverderber treten und hauen wie er wollte, es war vergebens.
Benutz die Farblehre, Tobias. Erneut dieser Igel in seinem Kopf.
Farblehre? Wieso Farblehre? dachte Tobias. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: oranger Kringel böse, blauer Kringel gut. Er mußte einen Weg finden, die Farbe des Kringels zu ändern, der Dr. Robotnik seine Kraft verlieh.
Aber nicht jetzt, jetzt mußte er erstmal die nächste Garnitur Zombies abknallen, die von den Rändern der Arena auf ihn zustürmten. Tobias zückte seine treue LightGun und ließ sie die Sprache der Gewalt sprechen. Die einzige Sprache, die die Zombies von heute verstanden. Bald waren es nur noch klumpige Häufchen Elend, deren grüne Blutlachen die Ränder des Arena-Kringels verschmierten. Blau verschmierten. Warum war Tobias nicht sofort darauf gekommen?!
Er setzte seine herzenszerreißendste Mitleidsmiene auf und flennte: "Bitte, bitte, Dr. Robotnik! Nicht noch mehr Zombie! Alles andere, aber keine weiteren Zombies! Die machen mir echt Angst! Ich appelliere an Ihr Mitgefühl! Es ist doch Weihnachten!"
Da hast du dich aber geschnitten! dachte Robotnik in seinem durch und durch bösen kyberorganischen Gehirn. Jetzt erst recht! Bald wimmelte die Kringel-Arena nur so vor Zombies.
Die Miedleidsmiene in Tobias Gesicht verwandelte sich in das dreckigste Grinsen, das jemals das Gesicht eines kleinen Jungen betreten hatte. Sein Plan ging auf. Tobias wünschte sich kraft seines inneren Kringels eine zweite LightGun herbei. Jetzt hatte er in jeder Hand eine. Er stellte sich breitbeinig vor die Zombie-Armee. Er machte kurzen Prozeß. Es war nicht schön. Gliedmaßen, Gehirnmasse, Glibber, das volle Programm.
"Was soll das?!" wollte der Doktor wissen. "Warum fühle ich mich so komisch?!"
Tobias triumphierte. "Weil ich den orangen Kringel mit dem grünen Blut in einen blauen Kringel verwandele! Ha!"
"Blödsinn! Orange und Grün gibt doch nie im Leben Blau!"
"Im Spaß schon! Und das hier ist nur ein Spiel! Als Kind besitze ich die Macht der Fantasie, und die ist total kostbar, und mit der mache ich dich jetzt fertig!"
Dr. Robotnik schwächelte. Er hielt sich eine Atemmaske vors Gesicht. "Halt, du darfst mich nicht töten!" rief er. Die Maske verlieh seiner Stimme einen metallischen Klang.
"Warum nicht?" wollte Tobias wissen.
Dr. Robotnik atmete schwer. "Ich bin dein Vater, Tobias!"
"Neeeiiiin!" plärrte der Junge.
"Ach, verdammt!" schnaubte der Schurke. "Du hast mich durchschaut. Naja, es war einen Versuch wert."
Der orange Kringel verwandelte sich gänzlich in einen blauen. Er sog Dr. Robotnik mit nie gesehenen Lichteffekten die Energie aus dem Leib. Es war die reinste Grafikpracht. Als der Kringel alles abgesogen hatte, brannte er sich tief ins Erdreich, wurde zu einem bodenlosen Schacht, den der leblose Dr. Robotnik sodann hinabstürzte, um fürs erste nicht wieder aufzutauchen.
"Sayonara, Süßer!" sagte Tobias und steckte die Knarren weg.
"Sayonara, Süßer?" fragte eine dunkle Stimme hinter ihm. "Was soll das denn heißen?"
Tobias wirbelte herum. Da stand ein Hüne von einem Mann, wie aus Ebenholz geschnitzt, freier Oberkörper, stark tätowiert, kahlgeschorener Schädel, Sonnenbrille, die fleischgewordene Coolness. Verdammt - Tobias hätte schwören können, Dr. Robotnik wäre der Endgegner gewesen. "Nun, äh...", stammelte er, "ich dachte, Sayonara, Süßer! sei ein ziemlich cooler Spruch, wenn man gerade einen Schurken erledigt hat..."
"Du mußt noch viel lernen, Kleiner. Aber das wirst du." Der gruselige Mann legte ihm eine seiner Pranken auf die Schulter.
"Der Kringel ist stark in dir, Bruder."
"Wer bist du?"
"Ich bin Shadow-Weihnachts-Man. Du hast mich befreit. Dafür hast du einen Wunsch frei."
"Ich möchte, daß mein Waisenheim mit den versprochenen Spielekonsolen beliefert wird!"
"So soll es geschehen. Warte, ich hole eben meinen Schlitten."

Der Schlitten des Shadow-Weihnachts-Man war ein schrottreifer Blue Stinger mit offenem Verdeck, der von einer Handvoll untoter Rentiere gezogen wurde, die schon zu stinken anfingen. Shadow-Weihnachts-Man hatte sich inzwischen einen roten Kapuzenmantel angezogen, was ihm ein bißchen von seiner Würde nahm, aber nicht viel. Er drückte auf die Hupe, und Tobias kam angeskatet. "Darf ich vorne sitzen?"
"Vorne sitzt Teddy", brummte der Fahrer.
Tobias schaute auf den Beifahrersitz. "Das ist bloß ein blödes Stofftier!" entrüstete er sich.
"Wenn du Teddy beleidigen willst, kannst du zu Fuß gehen."
Tobias stieg ohne Murren hinten ein, und der Wagen erhob sich in den Himmel. Der Mond verwandelte sich in einen großen freundlichen Kringel, durch den die beiden ungleichen Freunde entschwanden.

In der Kanalisation wurde Tobias schon von den bunten Viechern zurückerwartet. "Gute Arbeit, Junge!" sagte Sonic und gab ihm fünf.
"Keine Ursache!" winkte er ab. "Es war ja für einen guten Zweck." Er deutete auf den Sack voller Dreamcasts. "Und was macht ihr jetzt?"
"Och, etwas besseres als diese stinkenden Abwässer finden wir überall." Vor ihnen tat sich ein großer blauer Kringel auf. Sie traten hindurch, der Kringel schloß sich hinter ihnen, verschwand, und der Spuk hatte ein Ende.

Vor Tobias' Fenster tanzten die Schneeflöckchen aufs putzigste, aber er schaute lieber in die Röhre. All die neuen Spiele, all die 128-bit-Power, und dann auch noch der Internet-Anschluß.
Der stumme Tim stand im Türrahmen. Als er Dreamcast sah, ließ er seine Krücken fallen und näherte sich zögerlich. Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Er öffnete den Mund. Krächzende Laute kamen heraus, die sich bald zu heiseren Worten zusammenfanden. "Ich...", stammelte er, "...ich wünsche dir ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr..."
"Halt die Klappe!" sagte Tobias, während er den Bildschirm von Zombies säuberte. "Ich muß mich hier konzentrieren!"
Tobias schaute eine Weile zu. Dann tasteten seine Finger nach dem zweiten Controller, der unbenutzt neben der Konsole lag. Er fühlte sich gut an. Rian

Kommentare

Phno
26. Dezember 2009 um 12:29 Uhr (#1)
"Tim grinste. Heftiges Nicken. Beinahe zu heftig für seine Halskrause."
Na wunderbar, nun muss ich irgendwie den Eistee von meine TFT bekommen.
Ben
26. Dezember 2009 um 17:22 Uhr (#2)
Und wieder bewahrheitet sich, dass Eistee ein Grundnahrungsmittel des Zockers ist.
Gast
01. Dezember 2020 um 06:22 Uhr
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