No More Heroes

(Artikel)
Rian Voß, 31. März 2008

No More Heroes

Murder Death Kill

Überraschend oder nicht: Es kommt relativ selten vor, dass ich so tief in Spiele eintauche, dass man mich einen Freak schimpfen darf. In RPGs pimpe ich meine Charaktere selten höher als nötig, bei Shootern koste ich häufig nur einen Schwierigkeitsgrad und wenn mir ein Spiel zu langweilig wird, dann lasse ich es auch mal links liegen. Ich zocke mich zwar immer relativ fix durch alles durch (wenn es sonst nichts zu tun gibt, hält der meiste Kram meist nicht länger als ein Wochenende), aber ich übertreib's nicht. Nur manchmal... gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel No More Heroes von Grasshopper Manufactures.

Zum ersten Mal kam ich mit diesem Hack 'n' Slasher vor etwa einem Jahr in Kontakt. Nex hat mir den TGS 06-Trailer gezeigt. Nicht so beeindruckend. Ui, Cellshading. Ich habe Jet Set Radio auf dem Dreamcast gespielt. ICH HABE DIE GEBURT DES CELLSHADING MITERLEBT. Also den Trailer schnell wieder vergessen, sah nicht so interessant aus. Wusste damals natürlich noch nicht, dass das Gamestudio von killer7 (noch so ein Freakity-Freak-Spiel) dahinter steckt, sonst hätte ich dem Titel etwas mehr Beachtung geschenkt. Naja.
Ein Jahr vergeht. Nex holt sich No More Heroes uncut für seinen Wii. Ich schaue ein paar Minute zu, wie er ein wenig unbeholfen anzugtragende Gegner in Blutfontänen verwandelt. Ein Wort prägte sich mir plötzlich mit hämmernden Stempelschlägen auf die Außenrinde meines Hirns:

HOSSA!

Da schlug meine Meinung ja glatt um 180 Grad um. Was ich da gesehen und später auch gespielt habe, das war kein gewöhnliches Game. Das war nicht ein Game. Das war MEIN Game! Ich sah grelle Farben, abstrakte Charaktere, abgedrehte Textdialoge. Da war dieses freakige Kampfsystem, die gewöhnungsbedürftige, aber komplexe und gleichzeitig komfortable Steuerung. Leicht zu erlernen, aber höllisch schwer zu meistern. Nichts für Leute, die den Umgang mit eigensinniger Kamera nicht in Vollendung beherrschen. Mit anderen Worten: "This is the game SEGA was supposed to develop."
Alles an diesem Ding SCHRIE einfach nur nach Sega. Selbst das Gameplay fühlte sich ein bisschen wie einer der letzten Knaller für den Dreamcast an: Headhunter. Da fuhr man auch bikermäßig durch die Stadt und nahm an Rankings teil. Wenn man jetzt noch dazu Capcoms Meisterstück Dead Rising und den Film Crank in den Mixer wirft, dann wisst ihr, wie sich No More Heroes spielt: AWESOME.


In Japan wurde spezielles No More Heroes-Toilettenpapier verschenkt. Warum? Man kann sein Spiel nur speichern, wenn Travis kacken geht. Das ist doch krank.
Aber was macht man jetzt eigentlich in dem Spiel? Naja, also, Travis Touchdown hat sich bei eBay ein Lichtschwert ersteigert. Als er mal wieder pleite war, hat er einen Job bekommen: Töte einen Auftragsmörder. Okay, no problem. Danach wurde er Platz 11 in der Ranking-Liste der Assassinen und er dachte sich: "Hey, vielleicht schaffe ich's ja bis auf Platz 1?" Und mehr Story gibt's eigentlich nicht. Hier und da werden einem schon Informationen ins Gesicht gespuckt, aber das Spiel gibt selbst zu, dass das alles Unsinn ist. Die Entwickler gaben sich sowieso keine Mühe, die Fourth Wall intakt zu halten - da wendet sich Travis schon im Intro mit den Worten "Und du da, der die Fernbedienung hält. Lass uns loslegen!" an den Bildschirmglotzer. Und nach der Eingangsanimation beginnt man damit, was man die meiste Zeit des Rest des Spiels weiterführt: Gangster zerhacken. Von oben, von unten, von links und von rechts. Mal den Kopf ab, mal in der Mitte durch. Wie gesagt, sehr Dead Rising-mäßig - nur nicht an Zombies, sondern an Menschen. Und das blutet ständig den verfluchten Bildschirm voll. Verdammt! Mit der Flut könnte man Waldbrände löschen!


Tja, gegen Travis Touchdowns Slo-Mo-Finishers sieht selbst Mister Hamill recht alt aus. Da bringt dann auch Force Heal nichts mehr.
Und dann gibt's da noch die Slotmachine. Die aktiviert sich ab und an mal und macht Travis unbesiegbar. Oder unbesiegbar. Oder unbesiegbar. Oder gibt Bonuspunkte. Aber meistens macht sie ihn unbesiegbar. Und wenn Travis mal nicht Leute oder Bosse killt (bei jedem Boss gibt's endgeile Cutscenes - auch hier wieder: Dead Rising! Und ein bisschen Devil May Cry), dann sammelt er Kokosnüsse oder wischt Graffitis weg. Das bringt Geld - und auf eine nebulöse Weise auch neue Mordaufträge. Huh? Naja, egal.

Wie es nun mit Prügelspielen wie Viewtiful Joe, Otogi oder Dead Rising so ist, hat auch No More Heroes seine magischen Kräfte über meinen Verstand gelegt. Gegen 16 Uhr habe ich die Disk eingelegt. Um 22 Uhr habe ich eine halbstündige Pause gemacht. Um 6:30 Uhr hatte ich dann den Credits-Bildschirm vor der Nase. Beim verfluchten Endkampf (Bosse mit 1-hit-kills sollten verboten werden) saß ich so gespannt da mit angezogenen Sehnen, dass ich mir einen Wadenkrampf geholt habe, den ich zwei Tage später immer noch spüre. Und meine linke Hand, uaaaaaaah. Der Nun-Chuck ist echt nicht für Powergaming ausgelegt, zumindest nicht für meine Hand. Ich hatte das Gefühl, ich könnte meine Finger nie mehr grade ausstrecken. Schmerzen! Ich brauche unbedingt einen Nun-Chuck von der Größe einer Mandarine. Das wäre bequem. Aber ich hab's ja überlebt und ich hoffe für meine WASD-Finger, dass es kein No More Heroes 2 geben wird. Rian

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RELEASE
14. März 2008
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Wii
Plattform

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