Tony Hawk's Pro Skater 1+2 Review

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 16. September 2020

Tony Hawk's Pro Skater 1+2 Review

Der Skatekönig ist zurück

Tony Hawk ist einfach nicht kaputt zu kriegen. Nachdem Activision 2015 Tony Hawk's Pro Skater 5 auf den Markt gesch(m)issen hatte, wohl um die Lizenz behalten zu dürfen, hätte man das Franchise eigentlich für tot erklären können. Doch hier sind wir fünf Jahre später und spielen Tony Hawks Pro Skater 1+2, ein Remake der ersten beiden Teile, das ehrlich gesagt nicht wirklich ein Remake ist. Diesmal hat man Vicarious Visions daran arbeiten lassen, die damals für diverse THPS-Ports und für die erstaunlich brauchbaren GBA-Versionen zuständig waren. Das Ergebnis ist ein Nostalgie-Trip der besonderen Art.

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Für diejenigen unter euch, die mit der Serie nicht vertraut sind - das erwartet euch bei Tony Hawk: Ihr steuert einen Skateboard-Profi eurer Wahl oder erstellt euren eigenen und erfüllt in verschiedenen Leveln spezielle Ziele. Pro Durchlauf habt ihr zwei Minuten Zeit dafür. Die Aufgaben beinhalten immer drei Highscore-Ziele, ein Punkteziel für eine Combo, die fünf Buchstaben SKATE sammeln und ein Geheimes Tape finden. Zusätzlich kann man Level-spezifische Objekte finden, einen bestimmten Gap auslösen, teilweise sogar mit einem speziellen Trick und andere verrückte Sachen. Hat man genügend Ziele erfüllt, wird das nächste Level freigeschaltet. Außerdem findet man in jedem Level Statuspunkte, mit denen man die Werte der Spielfigur verbessert, um beispielsweise höher springen oder länger grinden zu können. Jedes Level hat also eine kleine To-Do-Liste.

Mit Skateboard-Tricks auf Highscore-Jagd
Um alle Ziele zu erfüllen, rollt man mit seiner Figur durch die Level, macht Tricks in der Luft oder auf dem Boden und das möglichst oft hintereinander, um eine hohe Combo - und damit auch viele Punkte zu erhalten. In der Luft kann man schnelle Flip-Tricks machen oder Grabs, die man für mehr Punkte länger halten kann. Landet man wieder auf dem Boden kann man zu einem Manual wechseln, um die Combo aufrecht zu erhalten. An Kanten und Geländern kann man grinden. Wer eine Quarter- oder Halfpipe ansteuert kann auch einen Lip-Trick probieren, sprich sich oben an der Kante festhalten.

Wer eine hohe Punktzahl erreichen will, muss lernen wie man seine Tricks zu einer langen Combo vereint. Das könnte beispielsweise so aussehen: Ihr fahrt in eine Quarterpipe, sammelt mit einem langen Grab möglichst viele Punkte, beim Landen vollführt ihr einen Revert in einen Manual hinein zur nächsten Kante oder zu einem Geländer, dort grindet ihr weiter und baut mit Sprüngen immer wieder Flips ein, damit der Multiplikator in die höhe schießt. So ein Tony Hawk macht das vor dem Frühstück und ihr könnt das auch! Mit ein bisschen Übung jedenfalls. Leichter wird die Punktejagd mit Spezialtricks, die ihr per Tastenkombination auslöst, sobald eure Special-Leiste voll ist.

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Tony Hawk’s Pro Skater 1+2+3+4
Ich habe eingangs angedeutet, dass ich THPS 1+2 nicht so ganz als Remake der ersten beiden Teile betrachte. Und jetzt erkläre ich euch, warum.

Ja, es sind alle Level aus Teil eins und zwei im Spiel, aber im Gameplay finden sich Manöver und Techniken, die aus späteren Teilen stammen. Der oben genannte Revert - ein Trick, bei dem der Skater nach der Landung in der Quarterpipe sein Board um 180 Grad auf dem Boden dreht - wurde erst in THPS3 hinzugefügt. Aus THPS4 gesellt sich der Acid Drop (per Tastendruck in einer Quarterpipe landen) und Spine/Hip Transfer dazu (wechseln zur Quarterpipe dahinter). Puristen können diese allerdings deaktiveren - doch sind wir mal ehrlich: Warum sollte man das tun? Den meisten Spaß hat man in diesen Spielen, wenn man eine Monster-Combo hinlegt und je mehr Möglichkeiten man hat, so eine Combo zu erreichen, desto besser. Die Physik der realen Welt ist hier auch nur eine grobe Orientierung. Mit Leichtigkeit kann jeder Sprünge, Grinds und Flips hinlegen, bei denen sich Isaac Newton im Grabe umdrehen würde. Und genau dieses Spielgefühl wird hier perfekt umgesetzt.

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Ein To-do-Listen-Paradies
THPS 1+2 gibt euch eine Menge zu tun. Als leichter Bruch zu den Original-Spielen muss man nicht jedes Ziel in jedem Level mit allen Figuren neu beenden, wenn man ein Level geschafft hat, dann ist es für alle geschafft, lediglich die Statuspunkte muss man neu einsammeln. Ersetzt wurde dies durch eine ellenlange Liste von Challenges. Das reicht von allgemeinen Aufgaben, die man mit jedem Skater erfüllen kann, bis hin zu hochgradig personalisierten Herausforderungen für bestimmte Skater. Zu den Challenges gehören auch so schöne Langzeitbeschäftigungen wie “Lande eine Combo in der Höhe des Sick-Scores in jedem Level”. Was für Anfänger verrückt klingt, wird mit etwas Übung aber schaffbar.

Dein eigener Skatepark
Wem die normalen Level nicht genug sind, kann sich im Create-A-Park-Modus austoben. Hier stehen alle Elemente zur Verfügung, die man sich nur wünschen kann: Quarterpipes, Halfpipes, Loopings, Geländer, Kisten und sogar dynamische Objekte wie Mülltonnen, die man umfahren kann. Und wer eine klare Vorstellung davon hat, wie genau das Geländer oder die Quarterpipe sich winden soll, der kann sogar nach Belieben an den Achsen drehen und zerren bis die gewünschte Form erreicht ist.

Der Editor ist ziemlich mächtig und macht die verrücktesten Parks möglich. Es fehlt nur ein Feature aus vergangenen Zeiten: Man kann keine Gaps einbauen. Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber schade ist es dennoch. Da baut man einen schönen Sprung und kann die Spielerinnen und Spieler nicht mit einem Gap dafür belohnen. Zu einem Teil verstehe ich schon, warum Vicarious Visions darauf verzichtet hat, denn die Combo- und Punkte-Challenges kann man auch in selbstgemachten Parks erspielen. Was hält einen also davon ab. absurd viele einfache Gaps mit übertrieben vielen Punkten einzubauen, um diese Challenges mit Leichtigkeits zu schaffen?

Die Antwort ist “Kreativität”. Jeder kann nämlich seine selbstgebauten Parks hochladen und dann von anderen Bewerten lassen. Unter den Parks befinden sich auch welche, die nur dem Zweck dienen, es den Spielern möglichst einfach zu machen, die Challenges zu schaffen. So gibt es ein Level, in dem man ohne Mühe unendlich lange im Kreis grinden kann, weil man permanent und automatisch von Kante zu Kante springt und den Combo-Multiplikator damit in unermessliche Höhen treibt. Man muss nur ungefähr wissen, wann man aktiv abspringen sollte, um die gewünschte Punktzahl zu kassieren.

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Gemeinsam skaten gehen
Alleine Skaten ist schön und gut, aber mit Freunden macht es gleich viel mehr Spaß. Der äußerst spaßige Multiplayer kehrt auch in HTPS 1+2 zurück. Man wählt seinen Park aus, dann steigt man in verschiedensten Spielmodi: Erreiche den höchsten Score oder die längste Combo, markiert Objekte durch Combos mit Graffitis oder spielt den klassischen HORSE-Modus, bei dem ihr verliert, wenn ihr fünf mal die schlechteste Combo hinlegt.

Sind gerade kein Freunde zur Hand, kann man sich auch mit Unbekannte in den Online-Multiplayer stürzen. Dabei wird man mit bis zu acht Spielerinnen und Spielern in eine Lobby geworfen und misst sich in den verschiedenen Disziplinen. Nach etwa vier Disziplinen wird das Level gewechselt. Vom Online-Multiplayer bin ich aber nicht so begeistert. Die Lobbies wirken zu unausgeglichen, da meist eine Person alle anderen überflügelt. Ein (besseres) Matchmaking wäre sinnvoll.

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Fazit
Tony Hawk's Pro Skater 1+2 ist ein großes Paket Nostalgie. Mein erster Reflex war, mit tausend Flips und Grabs von Grind zu Grind, von Halfpipe zu Halfpipe zu sausen… und dabei erstmal auf die Fresse zu fliegen, weil ich mich mit einem Sprung gnadenlos verschätzt habe. Aber das macht nichts, die Musik von damals ist fast vollständig dabei, ergänzt durch ein paar moderne Lieder. Ich hätte nie gedacht, dass ich Hip-Hop-Lieder aus den 90ern vermisst habe. Wer mit der Serie groß geworden ist, sollte bei diesem Spiel zugreifen und wer Tony Hawk nicht kennt: 40 Euro für eine tolles Skate-Spiel, warum nicht? Viel Konkurrenz hat es ja nicht.


Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 wurde auf der PlayStation 4 Pro getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Bronko
09. Oktober 2020 um 14:55 Uhr (#1)
Yoohoo wie früher. ich finds richtig gut.
Gast
27. Oktober 2020 um 22:15 Uhr
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04. September 2020
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