Doom Eternal Review

(Artikel)
Benjamin Strobel, 27. März 2020

Doom Eternal Review

Wie ein Tanz im heißen Kugelregen

Die Dämonen sind zurück. Und diesmal treiben sie ihr Unwesen auf der Erde! Noch ehe der erste Kommissar ein Slayer-Signal in den Himmel projizieren kann, steht Doom Guy auf der Matte, um die Menschheit gegen Feindfluten zu verteidigen, die aus den Toren der Hölle strömen. Doom Eternal ist aber nicht nur mehr vom Gleichen. Die Fortsetzung des Reboots ist besonders abwechslungsreich - und extrem fordernd.

Doom Eternal gibt euch ein Level lang Schonzeit, danach macht das Spiel ernst. Schon bei der Beschreibung des niedrigsten Schwierigkeitsgrades weist der Shooter darauf hin, dass man noch ab und zu sterben wird (und wird Recht behalten). Doom Eternal weigert sich dagegen, ein Spaziergang zu sein, sondern verlangt von euch zu tanzen. Dafür drückt es euch Level um Level mehr Waffen und Mechaniken in die Hand. Und früher oder später verlangt es auch, sie zu meistern. Dabei ist es ausgenommen fair: Es erklärt euch die Schwachstellen jedes neuen Gegners und demonstriert, welche Waffe effektiv ist. Aber dann seid ihr auf euch gestellt.

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Im Rhythmus der Feindwellen
Doom Eternal hat einen eigenen Rhythmus. Wollt ihr erfolgreich sein, müsst ihr euch - mehr oder weniger - im Takt bewegen. Neben dem Doppelsprung gibt es jetzt auch einen Dash, mit dem ihr schnell in jede Richtung sausen könnt, auch in der Luft. Dabei gilt: wer bremst, verliert. Ihr müsst euch ständig bewegen, um von den Feindwellen nicht überrannt zu werden. Die meisten Gegner sind extrem aggressiv und werden euch nach ihren Möglichkeiten über das gesamte Areal verfolgen. Dabei seid ihr gezwungen, die Umgebung im Vorbeirauschen zu erkunden. Während ihr im Kreise durch die Dämonen tanzt, müsst ihr die Umgebung nach Health-Packs und anderen Pickups scannen und gleichzeitig die nächste Route planen. Stehenbleiben bedeutet Tod.

Erschwerend kommt hinzu, dass die im Level verteilten Ressourcen relativ spärlich sind. Schnell seid ihr darauf angewiesen, des eigenen Glückes Schmied zu werden, auch wenn eure Arbeit weniger nach Schmiedekunst aussieht und mehr nach Schlachterei. So könnt ihr angeschlagene Dämonen mit bloßen Händen erledigen, um Lebensenergie zu erhalten. Benutzt ihr die Kettensäge, lassen sie Munition fallen. Treffer mit dem Flammenwerfer erzeugen hingegen Rüstung. Natürlich müsst ihr euch das alles merken und die Cooldowns der Spezialwaffen im Blick behalten. Währenddessen schreien die Dämonen durcheinander und der Metal-Soundtrack ballert mit schnellen Schlägen. Na, schon gestresst?

Die alltäglichen Dämonenkämpfe erweisen sich schnell als Kleinkram, wenn das Spiel beginnt, euch einstmals als Bossgegner verkaufte Super-Dämonen in die normalen Kämpfe zu mischen. Diese Gegner fordern in der Regel deutlich mehr Fokus und Zielgenauigkeit. So müsst ihr immer einen Teil eurer Aufmerksamkeit für die Super-Feinde reservieren und die üblichen Dämonen nebenher abfrühstücken. Stellt euch vor, ihr würdet im Hintergrund weiter Doom spielen, während ihr im Vordergrund einen Gegner aus Dark Souls bekämpft. Das Spiel verlangt einiges von euch, ganz besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden.

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Ballern ist nicht alles
Glücklicherweise gibt es in Doom Eternal Verschnaufpausen zwischen den rasanten Dämonen-Encountern. Zwei weitere Säulen machen das Spiel besonders abwechslungsreich: Platforming und die Erkundung von geheimen Arealen. Beide Elemente gab es schon im Vorgänger, wurden aber deutlich ausgebaut.

Das Platforming hat sich durch neue Mechaniken weiter diversifiziert. Um die Bewegung durch die Luft noch interessanter zu machen, gibt es Kapseln, die den Dash wieder auffrischen, wenn man ihn verbraucht hat. Damit baut Doom Eternal immer mal wieder nette Areale, in denen ihr euch geschickt zwischen Plattformen und längere Strecken durch die Luft bewegen müsst. Zusätzlich gibt es eine neue Klettermechanik: per Nahkampfangriff könnt ihr euch an bestimmten Wänden festhalten und flink hochkraxeln oder zur nächsten Plattform abspringen. Um hier mehr Würze ins Spiel zu bringen, setzt euch Doom Eternal auch mal Halterungen vor, die nach kurzer Zeit abstürzen. So müsst ihr euch schnell orientieren und zwischen den Halterungen bewegen, bevor ihr mit ihnen in den Abgrund stürzt.

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Um die zahlreichen Geheimgänge aufzuspüren, müsst ihr die Areale genau studieren - am besten also nachdem ihr euch der Dämonen entledigt habt. Dabei hilft natürlich auch die 3D-Karte, auf der alle Objekte verzeichnet werden, auf die ihr schon einen Blick erhaschen konntet. Dazu zählen Logbucheinträge, diverse Upgrade-Materialien, Cheat-Codes und andere Sammelobjekte. Einige Verbesserungen an eurem Anzug erleichtern euch späterhin die Suche nach den Geheimnissen, doch am Ende muss man die Geheimwege selbst erschließen. Manchmal durch gute Beobachtung, mitunter auch durch geschickte Bewegung durch das Areal. Jedes Level fühlt sich dadurch an wie ein Mini-Metroidvania.

Man könnte auf die Idee kommen, dass diese Elemente ein Fremdkörper in dem schnellen und griffigen Shooter sind; aber das Gegenteil ist der Fall. Ich halte Exploration und Platforming für eine willkommene Abwechslung im hektischen Alltag des Doom Slayers. So manches Schweiß-verschmierte Gesicht zuckt vielleicht noch nervös, wenn ein fordernder Kampf geschafft ist. Da kommen Momente der Ruhe und Kontemplation gerade recht, in denen ihr gemächlich die Umgebung studieren und ein paar versteckte Logbucheinträge lesen könnt. Natürlich ist das Meiste davon optional. Wer direkt dem nächsten Kampf nachjagen möchte, muss sich mit der Suche nach Buchseiten und virtuellen Plastikfiguren nicht lange plagen.

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Struktur und Anerkennung
Natürlich kommt die Singleplayer-Kampagne mit einer Geschichte und jeder Menge Logbucheinträgen zum Nachlesen. Doch im Kern ist Doom Eternal ein Spiel, das sehr auf seine Mechaniken fokussiert ist. Dabei ist es derart durchstrukturiert, dass eigentlich nichts mehr dem Zufall überlassen ist.

Beispielsweise gibt es eine feste Zahl an Gegner-Encountern im Spiel, die in festgelegten Arealen des Spiels ausgelöst werden, wenn ihr sie betretet. Außerhalb dieser Kämpfe, die aus mehreren Feindwellen bestehen, werdet ihr kaum einer Dämonenseele über den Weg laufen. Nur ab und zu wankt ein harmloser Zombie durch die Gassen, den ihr für Leben oder Munition ausquetschen könnt. Und dann gibt es verschiedene Wege: solche die das Level voranbringen und solche die in geheime Areale führen. Die einen sind durch grüne Risse in der Wand gekennzeichnet, die anderen durch schwarze. Ihr wisst also immer genau, ob ihr Seitenpfade exploriert oder weiter nach vorn marschiert. Seid ihr schließlich am Ende eines Levels angekommen, eröffnet euch das Spiel Fast-Travel über die gesamte Karte, sodass ihr verpasste Geheimnisse sammeln könnt ohne das Level neustarten zu müssen. Nichts davon macht inhaltlich Sinn; stattdessen ist es eine deutliche Anerkennung der eigenen Gameplay-Loops und der spielerischen Bedürfnisse, die daraus hervorgehen. Als Komplettionist habe ich mich vom Spiel sehr gesehen gefühlt als es mir sagte, ich dürfe in Ruhe nochmal zurückgehen und alles einsammeln, bevor es weitergeht. Ihr könnt sogar einmal gefundene Cheat-Codes benutzen, wenn ihr Level wiederholt und dürft die Spielprogression dabei behalten.

Accessibility
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Hören
  • Separate Audioregler für Musik, Stimmen und Geräusche
  • Untertitel inkl. Namen der Sprecherinnen und Sprecher

Die Lautstärke verschiedener Audioquellen lässt sich separat regeln und meines Wissens werden keine Spiel-Information durch Audio allein vermittelt.

Sehen
  • Modi für Farbfehlsichtigkeiten (konfigurierbar)
  • HUD und Untertitel anpassbar
  • Screenshakes, Rendering-Effekte und Motion Blur können abgeschaltet werden

Es gibt verschiedene Modi für Farbfehlsichtigkeiten und viele Möglichkeiten, HUD und Untertitel zu konfigurieren. Untertitel ausgenommen sind Texte und Menü-Elemente aber sehr klein, der Menü-Font kann zudem schwer lesbar sein. Einen Screenreader gibt es nicht. Es werden keine Informationen allein durch Farben vermittelt, aber einige Texte enthalten essenzielle Informationen für das Spielverständnis (z.B. wichtige Tipps).

Motorik
  • Verschiede Eingabemethoden (Gamepad, Maus, Tastatur)
  • Freies Button-Mapping
  • Aim Assist und Target Snapping
  • Vibration kann abgeschaltet werden
  • Tastendruckstärke für Bestätigung in Menüs kann eingestellt werden

Die Tasten sind frei belegbar. Zusätzlich gibt es zahlreiche Optionen, welche die Bedienung erleichtern. Tasten müssen häufig lange gehalten oder schnell hintereinander gedrückt werden (z.B. zum schießen). Menüs kann man sowohl mit dem Steuerkreuz als auch mit dem linken Stick navigieren.

Kognition
  • Schwierigkeitsgrade in 4 Stufen
  • Teilweise interaktive Tutorials
  • Spielhilfe bei Bossgegnern

Neben dem globalen Schwierigkeitsgrad in vier Stufen gibt es eine optionale Spielhilfe, wenn man in Bosskämpfen häufig stirbt. Der Schwierigkeitsgrad ist auf der niedrigsten Stufe schon fordernd. Generell ist eine hohe Daueraufmerksamkeit erforderlich und viele Aspekte (Cooldowns, Munition, Lebensenergie, Projektile etc.) müssen gleichzeitig im Gedächtnis gehalten werden. Der Menü-Font könnte Legasthenikern besondere Schwierigkeiten beim Lesen bereiten und kann nicht getauscht werden.

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Fazit
Doom Eternal gibt eine Menge, aber es verlangt auch viel. Es ist auf der einen Seite ein unglaublich gut strukturiertes und mechanisch ausgeklügeltes Spiel. Dabei ist es fair und transparent. Auf der anderen Seite will es euch tanzen sehen. Die schnellen Kämpfe schenken euch nichts und verlangen euch ab, all die Mechaniken auch zu meistern, die das Spiel zu bieten hat. Selbst auf der niedrigesten Schwierigkeitsstufe ist es wohl nicht allen zugänglich - und das ist etwas schade, denn Doom Eternal ist absolut hervorragend.

Doom Eternal wurde auf der Xbox One X getestet. Ein Testmuster wurde uns von Bethesda zur Verfügung gestellt.

Doom Eternal

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

Kommentare

blackmaniac
08. April 2020 um 23:02 Uhr (#1)
Auf dem PC nochmal 10 mal geiler
Gast
03. August 2020 um 17:23 Uhr
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