The Suicide of Rachel Foster Review

(Artikel)
Benjamin Strobel, 06. März 2020

The Suicide of Rachel Foster Review

Gone Home trifft Firewatch

The Suicide of Rachel Foster ist ein narratives Adventure wie aus dem Katalog. Elemente aus Gone Home und Firewatch bis hin zur Ästhetik von Life is Strange versprechen nur das Beste aus dem Genre. Aber fügen sich die Teile auch zusammen?

1993, Montana. Die junge Erbin Nicole kehrt in das verlassene Hotel ihrer Familie zurück. Eigentlich möchte sie nur den Verkauf abschließen und schnell wieder abreisen, doch ein tosender Schneesturm schließt sie in dem alten Gebäude mit ihrer Vergangenheit ein. Die einzige Verbindung zur Außenwelt: Telefonkontakt zu einem Sicherheitsbeamten, der ihr Tipps und Hilfestellungen für die Ausnahmesituation gibt. Draußen tobt ein Unwetter, drinnen ist sie mit düsteren Familiengeheimnissen konfrontiert.

The-Suicide-of-Rachel-Foster-Mobiltelefon

Auf den Spuren der Vergangenheit
Um die früheren Geschehnisse aufzuarbeiten, schnüffelt man sich Tag um Tag durch das alte Hotel, liest Notizen auf und deutet zurückgelassene Gegenstände. Rätsel gibt es kaum. So kann man sich The Suicide of Rachel Foster eher wie eine langsame Fahrt in der Geisterbahn vorstellen, bei der es links und rechts stetig knarrt und man mit etwas Glück auf einen guten Schreckmoment hoffen darf.

Neben den hervorragend vertonten Telefongesprächen ist vor allem der spielerische Einsatz von verschiedenen Gegenständen interessant. Beispielsweise muss man das Blitzlicht einer Polaroid-Kamera benutzen, um sich durch dunkle Gänge des Hotels zu bewegen, wenn der Strom ausfällt. An anderer Stelle muss man mit einem Mikrofon mysteriösen Geräuschen nachspüren. Allgemein ist die Geräuschkulisse absolut hervorragend. Durch binauralen Ton über Kopfhörer erzeugt das Spiel authentischen und lebensechten Sound. Mehr als einmal habe ich mich im Sessel umgedreht, weil ich glaubte, dass diesmal ein Geräusch doch wirklich bei mir zuhause war und nicht nur im Spiel.

So erzeugt The Suicide of Rachel Foster eine bedrückende Atmosphäre, die selten gruselig, aber meistens stimmig-mysterös ist. Trotz zahlreicher Telefongespräche mit dem Mann vom Sicherheitsdienst schleppt sich die Geschichte dabei nur langsam voran. Vor allem werden viele Themen nur angerissen, kaum vertieft und letztlich unbearbeitet liegen gelassen. Und das ist fatal, denn schon mit dem Titel steht ein Suizid im Raum. Diesem und anderen Themen ist das Spiel jedoch nicht ganz gewachsen.

The-Suicide-of-Rachel-Foster-Gruselraum

Suizid und Missbrauch
Bei Walking-Simulatoren, die besonders von ihrer Geschichte leben, kommt man nicht umhin, über ihre Inhalte zu sprechen. Es folgen daher milde Spoiler für die Handlung von The Suicide of Rachel Foster.

Mitunter bekam ich den Eindruck, der Titel dient vor allem dem Schockeffekt. Denn das Spiel interessiert sich auffällig wenig dafür, was für ein Mensch Rachel war und wie sie gedacht und gefühlt hat. Sie und das Geheimnis um ihren Suizid werden vor allem durch ihre Rolle in Nicoles Familie definiert, besonders durch das Verhältnis von Nicoles Vater zu der 16-Jährigen. So erzählt das Spiel eine Liebesgeschichte der minderjährigen Nachbarstochter und dem Familienvater, der sich als einziger für das Mädchen zu interessieren schien. Als Rachel stirbt, ist sie in der neunten Woche schwanger. Dass dadurch auch sexuelle Übergriffe auf eine Minderjährige im Raum stehen, lässt das Spiel unbehandelt und weist im environmental Storytelling stattdessen daraufhin, dass die beiden sich im Schach ebenbürtig waren. Auf der anderen Seite zeigt das Logo des Spiels die Zahnspange des jungen Mädchens, durch die sie deutlich als Kind markiert wird, nicht als Erwachsene. Bei der Schwere dieser Themen halte ich es für ein Versäumnis, dass sie im Spiel nicht angemessen thematisiert werden.

Accessibility
The-Suicide-of-Rachel-Foster-Accessibility

Hören
  • Separate Audioregler für Musik, Stimmen und Geräusche
  • Untertitel

Die Lautstärke verschiedener Audioquellen lässt sich separat regeln. Es gibt zwar Untertitel, aber einige Spielinformationen werden allein durch Audio vermittelt.

Sehen
Es gibt kaum Einstellungen für das Sehen, insbesondere keine Modi für Farbfehlsichtigkeiten. Texte sind relativ klein, aber alle Dialoge sind vollvertont. Einstellungen für für Font und Schriftgröße gibt es nicht. Es werden zwar keine Informationen allein durch Farben vermittelt, aber einige unvertonte Texte (z.B. Notizen) enthalten essenzielle Informationen für die Geschichte des Spiels

Motorik
  • Verschiede Eingabemethoden (Gamepad, Maus, Tastatur)
  • Drehgeschwindigkeit einstellbar

Das Spiel kann mit Gamepad oder Maus und Tastatur gespielt werden. Es gibt Stellen im Spiel, in denen Tasten länger gehalten werden müssen. Die Drehgeschwindigkeit beim Umsehen kann stufenlos eingestellt werden.

Kognition
Es gibt keine Schwierigkeitsgrade, aber das ist auch kaum notwendig, da es nur wenige spielerische Hürden gibt. Schnelle Reaktionsfähigkeit ist nicht gefordert. Da es keine Missionsmarker gibt, sind räumliches Denken und der Gebrauch der Karte sehr wichtig. Zudem wird das Arbeitsgedächtnis beansprucht, da man sich Orte und Wege selbst merken muss.

The-Suicide-of-Rachel-Foster-Hotel

Fazit
The Suicide of Rachel Foster ist eine Melange bekannter Genre-Erfolge. Die Erkundung eines verlassenen Hauses nach Familiengeheimnissen kennen wir aus Gone Home, die intimen Telefondialoge der hervorragend vertonten Hauptfiguren rufen Erinnerungen an Firewatch wieder wach. Und vom Titelfont bis zum Soundtrack leiht es sich Ästhetik von Life is Strange. Jedes einzelne dieser Elemente ist hochpoliert und mit Hingabe umgesetzt. Am Ende reicht die Substanz der Geschichte aber nicht aus, um alle Teile zusammenzuhalten. The Suicide of Rachel Foster ist atmosphärisch und spannend, bricht am Ende jedoch unter den schwierigen Themen zusammen, die es sich vorgenommen hat.

The Suicide of Rachel Foster wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von Daedalic zur Verfügung gestellt.

The Suicide of Rachel Foster

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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07. April 2020 um 15:41 Uhr
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19. Februar 2020
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