Stranded Sails Review

(Artikel)
Benjamin Strobel, 03. November 2019

Stranded Sails Review

Bruchstrandung

Die einsame Insel gilt als romantisches Gedankenspiel - sogar dann, wenn man versehens dort gestrandet ist. Dabei liegt man irgendwo zwischen romantischer Einsamkeit und dem Überlebenskampf mit der harschen Natur. Was mit Robinson Crusoe populär wurde, hat längst Einzug ins Reich der Videospiele gehalten: etwa mit Stranded Kids für den Game Boy und später mit Lost in Blue auf dem Nintendo DS. Mit Stranded Sails hat das junge Studio Lemonbomb Entertainment einen neuen Genre-Ableger zu Wasser gelassen. Ob das Spiel oben auf schwimmt oder klanglos untergeht, erfahrt ihr hier im Switch-Test.

Stranded-Sails-Insel

Im Kielwasser populärer Mechaniken
Eigentlich will die Crew um Kapitän Charles in Übersee ein neues Leben beginnen, doch auf dem Weg zum Ziel der Träume zerlegt ein Sturm das Schiff und lässt die Mannschaft unverhofft an einer tropischen Inselgruppe stranden. Als Sohn oder Tochter des kränkelnden Schiffskapitäns müsst ihr das Ruder in Hand nehmen, das Überleben der Crew sichern und - vielleicht - eines Tages mit einem neuen Schiff weitersegeln.

Eines wird schnell klar: Stranded Sails schwimmt mit dem Strom. Crafting und Farming sind noch immer sehr populäre Spielprinzipien und bilden zwei wesentliche Gameplay-Säulen des Spiels. Große Wagnisse und Innovationen kann man hier nicht beobachten, aber die Prinzipien halten, was sie versprechen. Ihr könnt Saat finden, Obst und Gemüse anpflanzen, ernten, kochen, angeln und einiges mehr. Und das müsst ihr auch, denn die Crew will versorgt werden. Wie alles funktioniert, erklärt Stranded Sails in ausgedehnten Tutorials, die einem ständig die Freiheit rauben. Stranded Sails greift eure Hand, lässt nicht mehr locker und führt euch mit Geduldsfaden zerreißender Gelassenheit durch die Gameplay-Manege. Es wäre motivierender und spannender für mich gewesen, die verschiedenen Aspekte selbst und in meinem eigenen Tempo zu entdecken.

Stranded-Sails-Farming

Robinson Crusoe... und seine Crew
Die erhoffte Romantik der einsamen Insel bleib leider aus. Schließlich ist die Insel von vornherein mit den Mitgliedern der Crew bevölkert und lässt selten Raum für eine freie Erkundung der hübschen Szenerie. So gibt es immer eine Aufgabe, immer ein neues Holz- oder Seilstück, nach dem man die Inseln durchforsten muss. Auch hierbei gibt es kleinere Probleme, weil Gegenstände zufällig auf der Karte platziert werden und mitunter erst ein Tag-Nacht-Wechsel die nötigen Objekte an den Stellen spawnen lässt, die ihr danach absuchen sollt. Derlei Probleme stören mich am Ende aber weniger als die konsequente Freiheitsberaubung durch starre Quests und abgesperrte Gebiete. Die Laufwege sind dabei nicht unerheblich, sodass man einen Großteil der Zeit damit beschäftigt von Marker zu Marker zu laufen und eine Handvoll notwendiger Ressourcen nach hause zu schleppen. Um neues Equipment und neue Fähigkeiten freizuschalten, muss man sich durch all die linearen Bahnen der Story arbeiten. Eine losere Struktur, mehr Freiheiten und spannende Entdeckungen hätten dem Spiel vermutlich gut getan.

Technisch setzt Stranded Sails auf eine elegante Low-Poly-Optik, die mir sofort gefallen hat. Die Insel-Atmosphäre wird vom Artdesign gut eingefangen. Allerdings gibt es wenig Details, sodass die Welt mitunter etwas steril wirkt. Die Switch-Version hat zudem mit kleinen Slowdowns zu kämpfen. Dass das Spiel manchmal etwas Schlagseite hat, schlägt glücklicherweise nicht so negativ zu Buche, da es nicht so actionreich ist. Etwas irritierend sind die kurzen Ruckler aber dennoch.

Stranded-Sails-Tutorials

Fazit
Ich mag das Setting von Stranded Sails sehr und optisch sind die Inselgebiete hervorragend in Szene gesetzt. Allerdings ist es mir nicht so recht gelungen, wirklich Spaß mit dem Spiel zu haben. Wer sich gern mit Crafting und Farming befasst, findet hier zwar Beschäftigung, am Ende aber wenig Sinn. In Sachen Erkundung und Entdeckung nimmt euch das Spiel schnell den Wind aus den Segeln und lenkt euch in lineare Bahnen. Wenn euch das Setting anspricht, solltet ihr die Segel aber nicht ganz streichen, sondern kann sich mit der Demo ein Bild machen.

Stranded Sails wurde auf der Nintendo Switch getestet. Ein Testmuster wurde uns vom Publisher zur Verfügung gestellt.

Stranded Sails - Explorers of the Cursed Islands

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

Kommentare

Bisher hat dieser Artikel keine Kommentare. Sei der erste, der einen Kommentar veröffentlicht!
Gast
03. August 2020 um 11:51 Uhr
GASTNAME
E-MAIL (nicht öffentlich)
      
SICHERHEITSFRAGE
Mit wie vielen "d" schreibt sich "dailydpad"?
ANTWORT

Themen

Review
Sparte - Wenn es nicht bei drei auf dem Baum ist, testen wir es.

Gefällt dir unser Artikel?

Spiele des Artikels

RELEASE
17. Oktober 2019
PLATTFORM
Nintendo Switch
Plattform - Hybrid aus Konsole und Handheld. Unter dem Codenamen Nintendo NX angekündigt, ist die Nintendo Switch im März 2017 weltweit erschienen.
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

Ähnliche Artikel