RAGE 2 Review

(Artikel)
Benjamin Strobel, 27. Mai 2019

RAGE 2 Review

Das Ödland ist bunt und voller Mutanten

RAGE 2 ist ein überraschendes Sequel. Nicht nur deshalb überraschend, weil nach dem mäßigen Erfolg des Originals von 2011 kaum jemand damit gerechnet hätte, 2019 einen Nachfolger zu spielen. Es ist auch überraschend, was für ein Spiel RAGE 2 geworden ist: Es ist bunt, schnell und eines der besten Spiele mit schlechten Designentscheidungen, die ich je gespielt habe.

RAGE-2-Shooting

Mit Saus und Braus durchs Banditenlager
RAGE 2 ist ein Open World First Person Shooter - ohne Lootboxen, ohne Koop-Modus, ohne Multiplayer. Die Story um einen totgeglaubten Widersacher aus dem ersten Teil ergibt überhaupt keinen Sinn, aber das muss sie auch nicht. Denn RAGE 2 ist ein Spiel, das einen sehr schönen Flow entwickelt, wenn ihr durch die Welt zieht und Banditenlager zu Kleinholz verarbeitet.

Die Struktur der offenen Spielwelt erinnert dabei stark an die bekannte Ubisoft-Formel, bei der man verschiedene Aktivitäten auf der Weltkarte frei ansteuern kann. Wettrennen? Check. Banditenlager? Check. Monsterlager? Check. Varianten des Banditenlagers? Check und check. Ihr seht, meistens läuft es darauf hinaus, dass ihr Lager voller Feinde über den Haufen schießt. Aber das ist okay. Da patrouillieren nämlich nicht nur drei kurzsichtige Wachmänner, wie ihr sie aus Far Cry kennt. So ein RAGE-2-Banditenlager ist Heimat von gut und gerne drei Dutzend schießwütigen Gaunern, die ohne mit der Wimper zu zucken auf euch zustürmen, sobald ihr einen Fuß in Sichtweite setzt. Das ist der Moment, in dem RAGE 2 sich als Doom (2016) zu erkennen gibt. Das Gunplay ist schnell, präzise und hat einen spürbaren Rhythmus. Ähnlich wie bei Doom muss man aus dem Schutze der Distanz auch mal nah Feinde heran, um Lebensenergie einzusammeln, die sie fallen lassen. Schon nach kurzer Zeit saust ihr mit der Flinte durch bunten Rauch, schwebt mit dem Raketenwerfer durch die Lüfte und jagt die ganze Basis in die Luft.

RAGE-2-bunt

Der Ödland-Jedi mit Maschinengewehr
Das Gunplay ist auch auf längere Sicht launig und unterhält mit kreativen Waffen und Fähigkeiten. Ihr könnt schweben, mit Hochgeschwindigkeit sprinten, Gegner durch die Luft werfen und mit der Stampfattacke eine ganze Horde auf einen Streich erledigen. Unter den Waffen finden sich beliebte Standards wie die Schrotflinte und der Raketenwerfer, die mit alternativen Feuermodi nochmal aufgewertet werden, und kreative Erfindungen wie der Grav-Dart-Launcher. Dieses ungewöhnliche Werkzeug ermöglicht es euch, Feinde mit Darts zu spicken und sie anschließend per Gravitationsfeld gegeneinander zu schleudern. Die bunte Mischung aus verschiedenen Waffen und Fähigkeiten macht euch zu eine Art Ödland-Jedi - nur mit Maschinengewehr anstelle eines Lichtschwerts.

Es gibt nur einen Haken im Design: sowohl die spaßigen Banditenlager als auch die Waffen und Skills sind in der ganzen Spielwelt verstreut. Es kann also passieren, dass ihr jede Menge Spielzeuge (und Spielplätze) erst gar nicht findet, die RAGE 2 so gut machen. Ihr müsst euch also ein Fahrzeug schnappen und auf Schnitzeljagd gehen, um alles aus dem Spiel herauszuholen. Leider weist euch das Spiel aber nur in Richtung der Story, die mit etwa 15 Stunden Spielzeit schneller vorbei ist als ihr Ödland buchstabieren könnt. Stellt euch vor, man überschüttet Doom mit einem Farbeimer, zerlegt alles und vergräbt die Einzelteile in der Wüste. Ungefähr das ist RAGE 2.

Ein Wald voller Skillbäume
RAGE 2 mangelt es nicht an Progressionssystem. Es gibt allgemeine Upgrades für euch, zusätzliche Skills für jede der Superfähigkeiten, ein Upgrade-Bäumchen für jede Waffe im Spiel und ein Menü, indem ihr euer Fahrzeug verbessern könnt. Viele dieser Skills und Upgrades wollt ihr haben, weil sie euch neue Möglichkeiten geben, euch in der Welt zu bewegen und Banditen kreativ auseinanderzunehmen. Leider möchte jeder Skillbaum seinen eigenen Dünger haben, also eine andere Währung. Die findet ihr hauptsächlich in Kisten, wisst aber vorher nicht, wo was drin steckt. Viele der Upgrade-Bausteine kann man auch kaufen, aber schrecklich reich wird man im Ödland so schnell auch nicht. So kann es stellenweise mühsam werden, einen bestimmten Skill freizuschalten, weil es nicht viele Möglichkeiten gibt, gezielt darauf hin zu arbeiten. Dass die unterschiedlichen Upgrades in zahlreichen Menüs verstreut und verschachtelt sind, macht die Progression nicht gerade leichter. Das hätte man eleganter lösen können.

RAGE-2-Freaks

Versteckte Schätze
RAGE 2 hätte womöglich davon profitiert, wenn es dichter wäre und die Aktivitäten besser in den Spielverlauf eingebunden wären. Denn es hat großartige und abwechslungsreiche Spielelemente, die man viel zu leicht übersehen kann. Beispielsweise habe ich Fahrzeufkämpfe sehr lange ignoriert, da sie auf mich völlig belanglos wirkten. Erst sehr spät im Spiel entdeckte ich einen Convoy, der wohl nicht zufällig an Mad Max: Fury Road erinnerte. Ein solcher Convoy besteht aus einem Rudel kleiner Fahrzeuge und einem großen, rollenden Ungetüm, das man sich als eine Art Endgegner vorstellen kann. Man muss verschiedene Angriffe einsetzen, geschickt ausweichen und die Schwachpunkte attackieren, um alle Fahrzeuge zu zerstören. Das war eine völlig andere Erfahrung als die vereinzelten Banditen, die im Vorbeifahren mal auf mich geschossen haben. Hier steckt ein aufwändiges Design dahinter.

Ein anderes Beispiel sind die Monsternester, die ihre ganz eigenen Anforderungen stellen. Hier gilt es, alle Monstereier in einem Areal zu zerstören, während man von einer Horde Mutanten gejagt wird. Doch für jeden Mutanten, den man erledigt, kommt ein neuer aus dem Unterholz gekrochen. Sie anzugreifen, bringt also gar nichts. Stattdessen muss man sich geschickt durch das Level bewegen, die Eier schleunigst zerstören und den Angreifern aus dem Weg gehen. So spielen sich diese Missionen völlig anders als das typische Banditenlager und machen sich das schnelle Gameplay nochmal auf eine neue, kreative Weise zunutze.

Leider sind diese gelungenen und abwechslungsreichen Passagen völlig optional. RAGE 2 hat richtig guten Content, versteckt aber vieles davon im Gewirr der offenen Spielwelt. Die verschiedenen Orte auf der Karte abzuklappern ist leider nicht besonders spannend, sondern kostet Zeit und kann den Spielfluss mitunter ins Stocken bringen. In diesen Augenblicken wünscht man sich, RAGE 2 sei kleiner und kompakter.

RAGE-2-Fahrzeugkampf

Fazit
RAGE 2 hat unglaublich gutes Gameplay, das einfach immer Spaß macht, egal was einem vor die Flinte gesetzt wird. Leider sind viele Spielelemente und einige der interessantesten Missionen in optionalen Spielbereichen versteckt, die kaum in den Spielfortschritt eingebunden sind. Wer sich wie ein Trüffelschwein durch die verschiedenen Aktivitäten arbeitet, wird reich dafür belohnt. Doch um zu finden, muss man mitunter mühsam suchen. So steht die lose Struktur des Spiels dem großartigen Gameplay manchmal im Wege. Es ist umso bemerkenswerter, dass RAGE 2 trotz seiner Schwächen dermaßen gut unterhält. Das spricht für sich.

RAGE 2 wurde auf der Xbox One X getestet. Ein Testmuster wurde uns von Bethesda zur Verfügung gestellt.

RAGE 2

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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16. Oktober 2019 um 19:29 Uhr
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14. Mai 2019
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