Eternity: The Last Unicorn im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 06. März 2019

Eternity: The Last Unicorn im Test

Einhörner, Mythologie und Oldschool-Design

Erinnert ihr euch an den wunderschönen 80er-Jahre Zeichentrickfilm "Das letzte Einhorn"? Mit dem Zauberer Schmendrick, der eine Robe trägt, die ihm viel zu groß ist? Der Film, der jedes Jahr zu Weihnachten auf RTL2 gezeigt wurde? Der mit dem letzten Einhorn? Nun, Eternity: The Last Unicorn hat absolut nichts damit zu tun. Ich habe es trotzdem getestet.

Nicht dieses Letzte Einhorn.

Ja, ich gebe es zu. Sie haben mich mit dem Einhorn bekommen. Ein Action-RPG mit Einhorn? Ich bin dabei! Die erste Enttäuschung kam leider schnell: das letzte Einhorn will nicht gespielt, sondern muss gerettet werden. Dazu schlüpft man abwechselnd in die Rolle von zwei Figuren und muss sich durch eine Fantasy-Welt kämpfen, die stark an die nordische Mythologie angelehnt ist. Das wiederum ist kein schlechter Ausgangspunkt.

Ist das Oldschool oder kann das weg?
Eternity: The Last Unicorn wirbt mit Nostalgie und Oldschool-Mechaniken. Leider scheint das Spiel dabei auf die PS2-Ära zu rekurrieren, die mit relativ frühen 3D-Grafiken und wenig Komfort-Funktionen aus heutiger Sicht schlecht gealtert ist. Selbst mit Nostalgie-Hornbrille ist es schwierig, über eine schlechte Kamera, hakelige Steuerung und mies gesetzte Checkpoints hinwegzusehen.

Eternity: The Last Unicorn - Release Trailer

Ein besonderes Design-Merkmal von Eternity ist die fixe Kamera. Wie in klassischen Resident-Evil-Spielen hat man keine Kontrolle über die Kamera und der Blickwinkel wechselt, wenn man an den Rand des Bildschirms geht. Zugleich hat das Spiel ein actionreiches Kampfsystem mit Combos und Ausweichrollen. Auch wenn einige Bildschirme durch die Perspektiven durchaus atmosphärisch inszeniert sind, macht es die Kämpfe sehr frustrierend. Es kommt immer wieder vor, dass man versehentlich in den nächsten Bildschirm springt und sich neu orientieren muss oder dass man von Gegnern an den Rand gedrängt wird und sich überraschend in einer unübersichtlichen Lage wiederfindet. Die beiden Design-Ideen gehen nicht gut zusammen.

Bugs statt Einhörner
Leider gesellen sich im Kampfsystem noch ein paar andere Schwächen dazu, die Eternity zusätzlich frustrierend machen. Beispielsweise gibt es Gegner, die während des Spawnens noch nicht ganz sichtbar sind, was sie aber nicht davon abhält, schon mal anzugreifen. Noch schlimmer: ein Bug sorgt dafür, dass die Figur immer wieder bewegungsunfähig wird. Aus der Starre heraus darf man nicht angreifen und kann die volle Funktionalität nur mit einer Ausweichrolle wiederherstellen (Mit Version 1.0.1 auf der PS4 getestet).

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Eternity ist zudem kein einfaches Spiel. Die leichten Anleihen an die Soulsborne-Spiele kann sich der Titel eigentlich nicht leisten, solange er technisch nicht tadellos ist. In diesem Zusammenhang sind besonders die spärlichen Checkpoints ein Quell des Frustes. Bereits in der ersten Spielstunde trifft man auf eine größere Gruppe von Feinden und muss direkt im Anschluss einen kleinen Hindernisparcour meistern, der mit Fallen gespickt ist. Lässt man sich von einer herannahenden Sichel erwischen, muss man nicht nur den Parcour wiederholen, sondern darf sich auch ein weiteres Mal mit der Feindgruppe und dem Weg dahin plagen. Das muss besser gehen - zumal Eternity keine Einstellung für den Schwierigkeitsgrad anbietet. So ist man dem Friss-oder-Stirb-Schwierigkeitsgrad vollständig ausgeliefert.

Lichte Momente
Trotz vieler Probleme hat Eternity auch charmante Seiten. Das Lexikon des Spiels pflegt akribisch Lore und Hintergrundinformationen, die zum Teil übertrieben ausführlich sind. Hier scheint spürbar durch, dass die Entwickler durchaus mit Herz dabei waren. Dasselbe gilt für den Soundtrack und malerisch inszenierte Kulissen. Man merkt zwar, dass die Ressourcen knapp waren, aber einige Tracks und Bilder sind wirklich schön geworden. Auf Steam kann man sich den Soundtrack und das digitale Artbook sogar kostenlos herunterladen. Schade ist für das Spiel allerdings, dass es keine Sprachausgabe gibt.

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Fazit
Eternity: The Last Unicorn ist eine Hommage an frühe 3D-Spiele, die leider an technischen Schwächen leidet. Das Spiel legt zudem offen, dass Designkonzepte wie die fixe Kamera in Action-Spielen doch besser in der Mottenkiste geblieben wären. Trotz schöner Tracks und netter Bilder ist das Spiel allenfalls Hardcore-Fans der PS2-Ära zu empfehlen, die ein dickes Fell aus wohliger Nostalgie haben.

Eternity: The Last Unicorn wurde auf der PS4 (Standard) getestet. Ein Testmuster wurde uns von 1C Entertainment zur Verfügung gestellt.

Eternity: The Last Unicorn

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

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21. März 2019 um 17:21 Uhr
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05. März 2019
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