Vorschau: Parkasaurus

(Artikel)
Merle Behnke, 26. Januar 2019

Vorschau: Parkasaurus

T-Rex mit Käsehut

Seit John Hammond 1993 im ersten Jurassic-Park-Film keine Kosten und Mühen gescheut hat, gehören Dinosaurier und Vergnügungsparks für uns zusammen wie Pech und Schwefel. Mit dem auf Hochglanz polierten Jurassic World: Evolution erschien letztes Jahr der neueste ludische Vertreter des Franchises – und kassierte direkt mittelmäßige Bewertungen. Nun versucht sich das kanadische Zwei-Personen-Entwicklerteam Washbear Studios am altbewährten Konzept – mit überraschendem Ergebnis! Kriegen wir etwa doch noch das Dinospiel, das wir verdienen?

Bunt, aber oho
Wer sich Parkasaurus anguckt, kommt um diesen ersten Gedanken nicht herum: Hier hatte niemand Angst vor zu viel Farbe. Der Dinopark, den wir hier aufbauen, hat mit den aalglatten silbrigen CGI-Umgebungen, die wir aus den letzten Jurassic-World-Filmen kennen, rein gar nichts zu tun. Stattdessen kommt das Spiel mit einer fröhlichen quietschbunten Low-Poly-Optik daher – ein Park wie eine Bonbontüte! Wer jedoch meint, ein Spiel mit einer so putzigen Aufmachung müsse man nicht ernst nehmen, irrt sich gewaltig. Parkasaurus ist bereits im Early Access ein ausgewachsenes und vielschichtiges Aufbauspiel und steht aufwändiger produzierten Simulationen in nichts nach.

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Willkommen im Micromanagement-Paradies!
Unsere Hauptaufgaben umfassen ganz klassisch das Aufbauen und Gestalten der Gehege, die Ausstattung des Parks mit Attraktionen und Fressbuden, aber auch Forschung und Ausgrabungen. Dabei lockt das Spiel mit einer geradezu lächerlich detaillierten Individualisierbarkeit. Von der Farbe der Zuckerwatte bis zur Reihenfolge, in der Käse, Tomate und Patty beim Burgerstand aufeinanderfolgen, bleibt uns keine Entscheidung verwehrt. Parkasaurus ist ein wahres Königreich des Micromanagements. Ob es Farben und Namen der Gebäude, angebotene Kuchensorten oder der Preis einer Limo ist – beinahe nichts ist unveränderbar. Und auch wenn die Effekte dieser Mini-Entscheidungen nicht immer ganz ersichtlich sind und ich bis heute nicht dafür abgestraft wurde, dass meine Burger aus vier gestapelten Tomaten bestanden: Bestimmen macht Spaß! Wer es liebt, Dinge nicht nur aufzubauen, sondern anschließend auch bis in die Tiefen zu personalisieren, wird mit Parkasaurus sehr glücklich werden.

Selbst das Personal, das wir in unserem Park beschäftigen, kann und muss handverlesen werden. Tagtäglich landen neue Mini-Bewerbungen auf unserem Schreibtisch, in denen sich zufällig generierte Figürchen für verschiedene Bereiche bewerben – mit unterschiedlichen Stats, Namen und natürlich einem aussagekräftigen Bewerbungsfoto. Ehe man sich versieht, verbringt man plötzlich einen ganzen In-Game-Tag damit, Kandidat*innen gegeneinander abzuwägen. Und genau das ist charakteristisch für das Spiel: es lädt dazu ein, in seiner schrägen Detailliertheit zu versinken, und bietet einem gerade am Anfang immer wieder neue Einzelheiten, mit denen man sich auseinandersetzen kann.

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Killermaschinen mit Käsehut
Personal, schön und gut! Aber kommen wir zu der wohl wichtigsten Frage, die beantwortet werden muss: Taugen die Dinos? Zu Beginn des Spiels haben wir zunächst die Wahl zwischen einem Stegosaurus und einem Triceratops als Startdino. In fröhlichen Bonbonfarben schlüpft unser erstes Ausstellungsstück aus dem Ei: ein possierliches Kulleraugengeschöpf, wie man es Kindern auf Brotdosen drucken würde. Geschlecht und Name werden zufällig vom Spiel bestimmt, wobei man letzteren – wie könnte es anders sein – auch ändern darf. Allerdings sind die Namen meist so liebenswert, dass selbst ich als Namensfetischistin dem Spiel bald freie Bahn ließ, statt selbst kreativ zu werden: Meine Brontosaurierdamen Daisy und Dixie sind große Publikumslieblinge und dass das Spiel meinen ersten T-Rex auf den Namen Dexter taufte, ist eigentlich zu perfekt, um noch Zufall zu sein. Der Name der Stegosaurierdame Pandora hingegen entpuppte sich als düstere Prophezeiung: als ihr das Gehege zu klein wurde, büchste sie aus und tötete in ihrer Panik drei Gäste.

Denn natürlich: auch wenn sie süß und bunt sind, haben unsere Dinos keine Hemmungen, auszubrechen und den Park zu verwüsten, wenn ihre Ansprüche an Nahrung, Gesellschaft und Umgebung nicht erfüllt werden – und wir es verpeilt haben, unsere Zäune upzugraden. Daher tut man gut daran, sowohl die Gäste als auch die Dinos bei Laune zu halten. Dies tut man unter anderem, indem man ihre Gehege möglichst komfortabel ausstattet. Auch hier priorisiert Parkasaurus wieder Stil über Authentizität – und ich muss zugeben, dass ich es liebe. Meine Velociraptoren schlafen in einem kunterbunten Märchenschloss und tragen lustige Einhorn-Hörner auf dem Kopf. Mein T-Rex spielt in seinem Gehege mit einem Bällchen und wenn mir danach ist, setze ich ihm einen Käsehut auf. Realismus kann einpacken.

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Parkasaurus bietet eine bemerkenswerte Vielfalt an Dinos an. Aktuell kann man sich 23 verschiedene Gattungen im Laufe des Spiels erarbeiten. Neben „Klassikern“ wie T-Rex, Stego und Co. erhalten auch weniger bekannte Dinos wie Gigantospinosaurus oder Ornithomimus die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Und auch wenn klar ist, dass echte Triceratopse vermutlich nicht leuchtend magentafarben waren, lernt man doch ein bisschen was über die Vielfalt der Dinosaurier. Was manch einer vorher etwa nur als „Langhals“ kannte, kann man nach ein paar Stunden Parkasaurus selbstbewusst als Brachiosaurus, Apatosaurus, Mamenchisaurus oder Seismosaurus benennen. Und im Gegensatz zu manch einem anderen Dino-Franchise, schafft es das Spiel sogar, Velociraptoren in ihrer tatsächlichen Größe darzustellen: ca. 50cm Hüfthöhe, mehr Hühnchen als Killermaschine.

Doch wie gut spielt sich Parkasaurus am Ende? Lustige Dinos mit Hütchen wirken wie ein Gimmick, dessen Reiz schnell verfliegen könnte, wenn dahinter nicht auch ein solides, abwechslungsreiches Spielsystem steht... Nach über 30 Stunden Spielzeit, von denen mehr als mir lieb sind in einer einzigen Sitzung zustande kamen, kann ich guten Gewissens sagen: Parkasaurus hat es! Die Aufgaben, denen man im Spiel nachgeht, sind abwechslungsreich und ausbalanciert. Kaum ist man mit einer Sache fertig, ruft schon ein anderer Bereich. Dies ist mitunter der Tatsache geschuldet, dass die Spielzeit während wir bauen, einkaufen und ausgraben munter weiterläuft. Entsprechend dynamisch fühlt sich der Spielverlauf an und lädt schnell mal dazu ein, ein paar Stündchen länger am Rechner zu sitzen als geplant. Auch die Zeit und Mühe, die man investieren muss, um beispielsweise neue Dinosaurier zu bekommen, fühlt sich sehr angemessen an: es ist schwer genug, dass sich jeder Dino wirklich wie eine wertvolle Errungenschaft anfühlt, aber auch nicht so aufwändig, dass man frustriert die Lust verlieren würde. Diese so entscheidenden Balancen hält Parkasaurus gerade für ein Spiel im Early Access ausgesprochen gekonnt. Man merkt: Hinter den knuddeligen Dinos steckt ein System mit Köpfchen.

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Ein paar wenige Unhandlichkeiten beeinträchtigen den Spielspaß noch ein wenig. Das Bausystem zum Beispiel ist leider recht sperrig, gerade wenn es darum geht, Wände und Zäune wieder einzureißen. So wird das Bauen der Gehege leider zu einer ziemlichen Fummelarbeit, an der man gerade am Anfang wenig Spaß hat. Eine einfache „Rückgängig“-Taste im Baumodus wäre eine große Hilfe, die hoffentlich früher oder später noch ins Spiel integriert wird. Auch die Klick-Auswahl von Objekten könnte noch verbessert werden: allzu oft braucht man sehr viele Versuche, bis man auch tatsächlich das ausgewählt hat, was man haben wollte. Spätestens wenn ein ausgebüchster Dino den fünften Parkgast umnietet, während das Spiel felsenfest davon überzeugt ist, man wolle den Bananenstand daneben anklicken, kann das sehr frustrierend sein. Man darf natürlich guter Hoffnung sein, dass diese kleinen Mängel vor dem finalen Release noch ausgebürstet werden.

Fazit
Insgesamt ist Parkasaurus jedoch ein echter Geheimtipp – in den Steam-Rezensionen wird es gar als das Spiel gehandelt, das Jurassic World: Evolution gerne gewesen wäre. Mit viel Herz, Humor und Liebe zum Detail unterhält es einen so gut, dass man kaum merkt, wie die Zeit verstreicht. Und gerade, wenn man meint, alles gesehen zu haben, stellt man plötzlich fest, dass man ausgebrochenen Dinos in der First-Person-Perspektive mit einem Betäubungsgewehr nachlaufen kann, weil das Spiel natürlich nebenher noch einen versteckten Shooter-Modus hat. Auf viele Funktionen, wie zum Beispiel das Züchten von Dinos, dürfen wir uns noch freuen, denn noch ist das Spiel erst im Early Access, wobei es regelmäßig Updates mit neuen Inhalten gibt. Klar ist jedoch schon jetzt: wer Dinos liebt, eine Schwäche für humorvolles Design hat und ein Fan von gut gemachten Aufbausimulationen ist, wird mit Parkasaurus sehr, sehr glücklich werden.

Parkasaurus wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von WashBear zur Verfügung gestellt.

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20. Juni 2019 um 17:55 Uhr
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25. September 2018
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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