Battlefield V im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 09. Dezember 2018

Battlefield V im Test

Zurück an die Front

Es ist wieder soweit, der Kampf der Titanen hat begonnen: Call of Duty gegen Battlefield. Während Treyarch erneut die nicht ganz so ferne Zukunft wählte, hat sich DICE zurück in den zweiten Weltkrieg bewegt. Das Ganze heißt Battlefield V, weil der letzte Teil Battlefield 1 hieß und es bereits ein Battlefield 2 gibt, also hat man einfach bei Battlefield 4 weitergemacht. Klar, oder? Als alter Fan der Serie habe ich mich selbstredend auf dieses Spiel gefreut. Endlich kann ich mich in einem modernen Shooter wieder im Zweiten Weltkrieg austoben.

Battlefield V beginnt ähnlich wie Battlefield 1. Wer zum ersten Mal das Spiel startet, wird gleich in eine Intro-Mission geschmissen, damit man sich mit Setting und Gameplay vertraut machen kann. Man hüpft dabei erneut von Protagonist zu Protagonist, meist ausgelöst durch das Ableben der Spielfigur. Jedoch beschränkt man sich diesmal nicht auf eine Schlacht, sondern lernt verschiedene Schauplätze kennen – allesamt Abschnitte aus den Multiplayerkarten. Dabei fliegt man auch eine Stuka und fährt einen Tigerpanzer. Ganz recht, zum ersten Mal darf man in einem AAA-Einzelspieler ein Wehrmachtssoldat sein. Das Intro endet mit einer Danksagung, dass man sich für Battlefield V entschieden hat.

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Der Singleplayer
Was den Singleplayer angeht, hat DICE sich erneut für das War-Stories-Format entschieden und erzählt lieber vier kurze Geschichten anstatt sich auf eine große zu konzentrieren (wobei die letzte zum Launch nicht verfügbar war). In Battlefield 1 hat das gut Funktioniert, aber diesmal ging die Rechnung nicht ganz auf. Man wollte sich auf die nicht so bekannten Facetten des Krieges stürzen, ist dabei aber in ein Loch aus Unglaubwürdigkeit gestolpert. Warum erinnert man sich nicht an die norwegische Freiheitskämpferin, die eigenhändig die Produktion von schwerem Wasser für die Nazis sabotierte? Weil das nie passiert ist. Der Punkt ist natürlich nicht, dass es frei erfunden ist – wie das Meiste des Spiels. Sondern, dass es einfach nicht glaubhaft vermittelt wird.

Da hilft es auch nicht, dass die Missionen in Sachen Gameplay nicht ganz überzeugen können. Das Spiel versucht aus irgendeinem Grund, so gut wie jede Mission mit Schleichen zu füllen, vermutlich um den Spielerinnen und Spielern mehr Freiheiten zu geben. Schade nur, dass die Schleichmechanik so unglaublich unausgegoren ist. Zugegebenermaßen sah es bei Battlefield 1 nicht besser aus, aber in dem Spiel konnte man nicht an jeder Ecke ein höchst effektives, Schallgedämpftes Gewehr finden und selbst wenn, dann war der Munitionsvorrat stark eingeschränkt. In Battlefield V kann man seine Munition bei erledigten Gegnern aufstocken.

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Selbst wenn man beim Schleichen verkackt, so kommt man aus jeder Situation auch mit Ballerei heraus. Ein Problem hat man nur, wenn man für Challenges unentdeckt bleiben möchte. Allerdings kann man dadurch auch nur Nahkampfwaffen für den Multiplayer freischalten. Und ungelogen, eine Mission muss man mindestens zweimal durchspielen, da man für die eine Challenge alle Ziele per Sprengladung zerstören soll, für die andere Challenge alle Ziele mit einem Flugzeug. Hier hat DICE klar Potential verschenkt. Wenn auch nicht völlig: Die später nachgelieferte War Story “The Last Tiger” ist wirklich gut gelungen. Darin erlebt man als Kommandant eines Tiger-Panzers die letzten Tage des Krieges. Es ist schon mutig, eine Singleplayer Mission aus der Sicht eines Deutschen im zweiten Weltkrieg zu machen, aber DICE macht zumindest von der Erzählung alles richtig. Denn hier wird nichts verherrlicht, es geht vielmehr darum, wie dieser Kommandant sich mehr und mehr eingestehen muss, dass der Kampf verloren ist und die Durchhalteparolen des Regimes keinen Wert mehr haben. Damit hat sich der Singleplayer wieder ein wenig gerettet. Wenn es um Panzercrews geht, sind die War Stories richtig gut.

Der Multiplayer
Im Multiplayer präsentiert sich Battlefield V als runderes Spielerlebnis. Hier liefert EA das volle Programm: Klassiker wie Conquest, Domination, Frontlines und Team Deathmatch sind wieder mit dabei. Erfreulich ist auch, dass in Conquest die Tickets wieder runterzählen - je mehr Flaggen man hält, desto schneller geht das von statten.

Die Operations aus Battlefield 1 kehren zurück, diesmal aber mit einigen interessanten Änderungen. Diesmal heißen sie Grand Operations und ziehen sich über mehrere Maps. Das Match besteht dabei aus drei bis vier Tagen. Am ersten Tag müssen die Angreifer aus einem Flugzeug abspringen und Geschütze mit Sprengladungen zerstören, ähnlich wie in Rush. Sind sie dabei erfolgreich, bekommen sie an Tag 2 mehr Tickets. Dann müssen sie die Map entweder, wie in den alten Operations, Sektor für Sektor erobern, oder es wird Conquest gespielt. Unabhängig davon, ob die Angreifer gewinnen, geht es an Tag 3 zur zweiten Map. Auch hier gilt: haben die Angreifer zuvor gewonnen, erhalten sie mehr Tickets. Tritt am dritten Tage der Fall ein, dass der Kampf sehr knapp ausgeht, dann folgt ein vierter Tag. Beide Teams spawnen mit stark begrenzten Tickets und wenig Munition. Tag 4 habe ich selbst bisher nicht erlebt, da meine Matches immer recht eindeutig waren.

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Mehr Teamplay in Squads
DICE möchte das Squadplay in Battlefield V mehr forcieren, zum Teil indem sie Zusammenspiel belohnen, aber auch indem sie Einzelgänger mehr oder minder bestrafen. So ist man jetzt in der Lage, seine Squadmitglieder wiederzubeleben ohne selbst Medic zu sein. Die Animation dafür dauert deutlich länger, als wenn man Arzt wäre. Dafür heilt man sich nach Schaden nicht mehr vollständig, sondern nur um etwa 50 Lebenspunkte. Um wieder volle Lebensenergie zu bekommen, braucht man nun ein Heilpaket, von dem man eines mit sich führt, oder man wird vom Medic mit einem versorgt. So wird es zu einer neuen taktischen Entscheidung, wie man dieses Heilpäckchen verwendet.

Der Munitionsvorrat eures Soldaten wurde stark eingeschränkt, man spawnt an sich mit nur zwei Reservemagazinen, bei einigen Waffen mit drei, bei manchen sogar nur mit einem. Einzelgänger haben es jetzt schwer, sich mal eben durch eine Feindstellung zu ballern, da ihnen zu schnell die Munition ausgeht. Besonders hart trifft es die Scharfschützen. Sie können sich nicht mehr so leicht in einer Ecke der Map verschanzen und fröhlich auf Köpfe zielen. Die Support-Klasse hat stark an Wichtigkeit zugenommen, da man nur mit ihrer Hilfe sorglos schießen kann. Sowohl Medic als auch Support können Teammitglieder nur dann neu versorgen, wenn Bedarf besteht. Wildes Verteilen von Medpacks und Munitionstaschen auf dem Schlachtfeld ist nicht mehr möglich, dafür gibt es keinen Cooldown auf den Packs. Die Kistenvarianten der Packs funktionieren auch nicht mehr automatisch, die Mitstreiter müssen sich den Nachschub aus den Kisten selbstständig besorgen. Vorbei sind die Zeiten von passiven Vorratsbunkern.

Der Assault bleibt weiterhin der Fahrzeugspezialist, aber auch er spürt da die verringerte Munition. Ein frisch gespawnter Assault hat nicht genügend Raketen im Gepäck, um einen Panzer zu zerstören, er muss sich Nachschub bei Munitionskisten besorgen. Eine Änderung, die ich durchaus begrüße, da ich in Panzern vorher immer das Gefühl hatte, nie lange zu überleben, weil immer irgendwo einer mit Raketenwerfer hockte und mich zerstückelte.

Dem Scout kommt diesmal eine große Ehre zuteil, denn DICE hat das Spotting-System stark eingeschränkt. Normale Soldaten können mit Q keine Gegner mehr direkt markieren, sondern setzen für ihr Squad einen Marker in die Welt. 3D Spotting bleibt dem Scout vorbehalten, sei es indem er einen Gegner anschießt, oder mit seinem Fernglas entdeckt. Das hat weitreichende Konsequenzen für das Gameplay. So ist es als Flugzeugpilot nun schwerer, Mal eben Soldaten auf dem Boden zu beschießen, da man nicht mehr die zahlreichen Markierungen als Zielhilfe bekommt. Rauchgranaten haben dadurch enorm an Nutzen gewonnen, da man nicht mehr Blind auf die roten Markierungen schießen kann.

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Waffen, Maps und mehr
Zum jetzigen Zeitpunkt sind alle Schlachten in Battlefield V rein zwischen Briten und Wehrmacht. Dadurch bedingt sind das Arsenal und die Schauplätze auf diese Fraktionen beschränkt. Sturmgewehr, Sten, Lee-Enfield, MG42 sind alle mit dabei, während M1 Garand und BAR fehlen. Dafür sind einige merkwürdige Schießeisen aus Battlefield 1 mit dabei. Ich zweifle ein wenig an, dass der Selbstlader 1916 von irgendwem im zweiten Weltkrieg benutzt wurde. Dafür ist das Fallschirmjägergewehr 42 mit dabei, damit bin ich glücklich.

Das Schussgefühl in Battlefield V ist mal wieder exzellent, jeder Schuss hat gut Wucht, der Rückstoß lässt sich aber bändigen. Genau das muss man beherrschen, wenn man gut werden will - aber es ist lernbar und das Spiel belohnt einen dafür.

In Sachen Waffenmodifizierungen wird diesmal etwas Neues versucht. Zubehör-Slots und Waffenvarianten sind passé, stattdessen kann man von Anfang an frei wählen, welches Visier man für die Waffe verwenden will, ob Kimme und Korn oder Zielfernrohr. Jede Waffe lässt sich zusätzlich bis zu zehnmal aufleveln, bei den ersten vier Leveln schaltet man Pfade auf einem kleinen Skillbaum frei. Dazu gehören Skills wie weniger horizontaler Rückstoß, schnelleres Nachladen und größere Magazine. So kann man die Schießeisen seinem eigenen Spielstil anpassen. Außerhalb der Matches kann man sich ab Level 4 für andere Skills entscheiden. Von Level 5-9 gibt es weitere Tarnfarben für die Waffe und ab 10 kann man die Meisterschaftsherausforderungen bestreiten, mit denen man goldene Tarnfarben erspielen kann.

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Balancing-Bedarf und kleine Bugs
Arbeit ist jedoch beim Balancing noch notwendig, da insbesondere die Maschinenpistolen sich tendenziell zu schwach anfühlen. DICE hat bereits angekündigt, den Schaden anzupassen, denn viel zu häufig macht man mit vier Schuss nur 97 Schaden und verliert das Gefecht, weil der Gegner mit seinen vier Schuss auf über 100 kommt. Das ist schon recht frustrierend. Generell scheint mir Medic die schwächste Klasse im Spiel zu sein, da sie zum einen nur besagte Maschinenpistolen zur Auswahl haben, zum anderen ihre Hauptaufgabe, nämlich wiederbeleben, auch von Squadmates übernommen werden kann.

Baustellen sind aber auch an manch anderer Stelle zu finden. Es gibt diverse Bugs beim Spawning, die mit den Worten “Ihr Spawnpunkt ist nicht mehr verfügbar” den Wiedereinstieg verhindern, obwohl man den gewählten Spawnpunkt gar nicht verlieren kann. Einige Audiofehler verhindern teilweise auch, dass man feindliche Soldaten hört, die sich gerade anschleichen. Ganz oben sind aber Zweibeine der Maschinengewehre, diese sind momentan sehr wählerisch, auf welchen Oberflächen sie stehen wollen. Das macht teilweise die mittleren Maschinengewehre absolut unbrauchbar, da man nur mit Zweibein die gewählte Zielvorrichtung benutzen kann.

Battlefield V schränkt sich in seinen Möglichkeiten auch selbst ein bisschen ein. Zum einen durch den Fokus auf weniger bekannte Schlachten, was uns durchaus fantastische Maps beschert wie Devastation in der schaurig schön zerbombten Innenstadt von Rotterdam und Arras mit seinen vollständig brennbaren Rapsfeldern. Allerdings fehlen dadurch die großen Schlachten, wie Operation Overlord, Wake Island oder Omaha Beach.

Fazit
Battlefield V lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Zum einen lässt sich absolut nicht abstreiten, dass man hier einen fantastischen Shooter geliefert bekommt, der mich noch viele Stunden unterhalten wird. Ich liebe das Gunplay, die Maps, die Grafik, den Sound. Andererseits fühlt sich das Ganze aber noch ein wenig unfertig an, sowohl in Sachen Bugs, als auch in Sachen Inhalt. Erfreulicherweise werden zukünftige Contentupdates diesmal gratis sein, ein Premium Pass wie in früheren Titeln ist nicht mehr nötig. Bleibt nur noch abzuwarten, ob und wie EA Microtransactions einbauen wird. Ich tippe darauf, dass man die Company Coins gegen Echtgeld erwerben kann, um Skins zu kaufen. Oder direkt Skins gegen Geld. Bis dahin bleibt mir nur eins: Den Mutliplayer in vollen Zügen genießen.

Battlefield V wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von EA zur Verfügung gestellt.

Battlefield V

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

blackmaniac
16. Dezember 2018 um 10:44 Uhr (#1)
PS: Das aktuelle Update verringert den Schaden aller Waffen bei Körpertreffern und verändert so drastisch das Spielerlebnis. Der Test wurde vorher geschrieben.
Gast
18. November 2019 um 03:14 Uhr
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