Game-Streaming mit Shadow

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 27. August 2018

Game-Streaming mit Shadow

Es funktioniert

Wenn man an Streamingdienste denkt, dann fallen einem eigentlich nur Video- und Musikdienste ein. Dank Shadow wird euch bald auch Gaming einfallen, denn die französische Firma steht kurz vor dem Europa-Launch. Das Versprechen: High-End-PC-Gaming von ihrem Rechenzentrum verzögerungsfrei gestreamt auf euren PC, auf euren Laptop, auf euer Handy oder auf eure Shadow-Box.

Große Töne werden gespuckt und so neu ist die Idee auch nicht, aber was bisherige Anbieter vorweisen konnten, war nicht immer überzeugend. Jetzt hat sich die Technologie weiterentwickelt und die Zeit ist reif für einen neuen Versuch. Ich konnte mir auf der Gamescom diesen neuen Versuch ansehen und bin natürlich mit Skepsis zu diesem Termin gegangen. Aber ich wurde prompt überrascht, denn Shadow hält, was es verspricht.

3_DevicesGaming egal auf welchem Gerät

Erste Station: Ein ganz normaler Desktop-PC, auf dem über den Shadow-Dienst Far Cry 5 läuft. Kurz gesagt: dass leichte Artefaktbildung im Bild zu sehen war, lag laut Shadow nur daran, dass sie von der Messe keine ausreichend starke Internetverbindung bekommen haben, um auf allen Geräten 1080p mit 60FPS darzustellen. Das war wirklich das einzige, das daraufhin deutete, dass mein Bild gestreamt wurde. Ich bemerkte keinerlei Input Lag, die Framerate war stabil und auch sonst begegneten mir keine spürbaren Fehler. Die Illusion war perfekt.

Zweite Station: Ein MacBook Pro mit Fortnite. Gaming auf einem Mac? Shadow macht es möglich, denn mein einziges Problem war nicht das Spiel oder der Service, es war das französische Tastaturlayout. Shadow funktioniert also nicht nur mit Single-Player Games - wer sich in die Online-Shooter stürzen möchte, der kann das machen. Wenn du verkackst, dann liegt es an dir, nicht an Shadow.

Letzte Station: Ein Smartphone, welches mit einer Halterung an einen Xbox One Controller geklemmt wurde, auf dem Dragon Ball Fighter Z lief. Das Smartphone war nicht High-End, hatte aber ein hochauflösendes Display. Das reicht für Shadow, ich konnte mich ohne Probleme in den Anime-Prügler stürzen. Wer auf dem Fernseher mit seiner Shadow-Box gerade etwas zockt, dann aber von den Mitbewohnern verscheucht wird, der kann dann einfach das Handy zücken und darauf weiter daddeln. Wie von Netflix gewohnt ist es dem Service egal, auf welchem Gerät du angefangen hast, es macht einfach auf dem anderen Gerät da weiter, wo du aufgehört hast.

Lifestyle06PC Fortnite auf dem Android Handy mit Xbox One Controller? Läuft

Die Technologie ist da und sie funktioniert. Selten hat mich ein Termin auf der Gamescom so schwer beeindruckt wie Shadow. Alles, was ihr dafür braucht, ist eine Internetverbindung mit mindestens 15Mb/s downstream. Ihr müsst euch den Dienst so vorstellen: Wenn ihr bei Shadow ein Abo abschließt, dann mietet ihr praktisch einen High-End PC bei ihnen und bekommt Remote Access auf diesen von Zuhause. Wichtig: Shadow ist KEIN Game-Abo, die Spiele müsst ihr selbst kaufen. Ihr bezahlt nur dafür, dass ihr sie auf den höchsten Einstellungen spielen könnt. Dabei seid ihr übrigens nicht an digitale Spiel gebunden, wenn ihr einen PC mit DVD-Laufwerk habt oder ein USB-Laufwerk an eure Shadow-Box anschließt. So könnt ihr auch eure physisch erworbenen Spiele installieren. Das Spiel muss lediglich unter Windows 10 laufen, mehr nicht. Neue Hardware hat sich etabliert? Shadow baut die neue Grafikkarte in den PC ein, das kostet euch nichts extra. Ihr habt zu sehr an den Einstellungen gefummelt und es funktioniert nicht mehr so gut? Ruft bei Shadow an, die kümmern sich drum. Ihr wart auf etwas schlüpfrigeren Seiten unterwegs und habt mehr bekommen als ihr erhofft habt? Euren heimischen PC wird es nicht erreichen und auch hier gilt: Shadow anrufen, die kümmern sich drum. Und nein, das letzte Beispiel habe ich mir nicht ausgedacht, das wurde mir bei der Präsentation so mitgeteilt.

Ein paar interessante Anekdoten hatte mein Kontaktmann auch parat. Als er sich bei Shadow beworben hatte, war er selbst nicht überzeugt, dass alles wirklich so klappen kann, wie die Firma es verspricht. Also durchlief er einen kleinen Test, der gerne mit Gästen und Bewerbern gemacht wird. Shadow hat einen Raum mit vier Bildschirmen, auf dreien davon läuft ein Spiel über den Shadow Streaming Service, auf dem vierten läuft das Spiel über einen PC vor Ort. Die Aufgabe: Finde den PC. Die Leute würden nicht nur kurz draufschauen und dann entscheiden, viele würden die Displays auf der Suche nach Artefakten genau inspizieren, um die Shadow-Boxen zu entlarven. Die Trefferquote sei minimal und meistens auf pures Glück zurückzuführen. So gut funktioniert es angeblich.

Eine andere Anekdote soll auf der Gamescom selbst passiert sein: Das WLAN am Stand in der Entertainment-Area sei kurz ausgefallen - aber ohne Internet kann man schlecht das Produkt präsentieren. Clevere Mitarbeiter hätten vorgesorgt und sich mit Prepaid-SIM-Karten eingedeckt. So sei der WLAN-Ausfall über das Handynetz überbrückt worden und kein Besucher habe den Unterschied bemerkt. Man kann Shadow also theoretisch auch über das Handynetz nutzen, praktisch wird es aber an Funklöchern und Tunneln scheitern.

Ghost LifestyleRechts neben dem Display der Shadow Ghost. Mehr braucht ihr nicht

Für wen ist Shadow gedacht? Für alle, die Gaming in der besten Grafik genießen wollen, aber nicht den passenden PC dafür haben. Sei es, weil sie es sich nicht leisten können, so viel Geld auf einmal für einen PC auszugeben, sei es, weil sie ständig auf Achse sind und ein High-End PC nur Staub sammeln würde. Sei es, weil sie in einer kleinen Wohnung leben, in der ein großer PC nur Platz wegnimmt. Aber auch für Internetcafés könnte Shadow interessant werden, eine stabile Internetverbindung ist für solche Geschäfte sowieso Voraussetzung. Ich selbst wurde auf Shadow aufmerksam als sie ihr Produkt in der Meltdown e-Sports Bar in Köln vorgestellt haben, welche übrigens schon Shadow für ihre Gaming PCs gebucht haben. Als Stammgast freut es mich sehr zu sehen, dass der Service reibungslos funktioniert.

Am 4. September geht das Rechenzentrum in Rotterdam live. Shadow lässt sich dann in drei Modellen buchen: Wenn man jeden Monat neu bucht, liegt man bei 44,95€. Wer sich für 3 Monate am Stück verpflichtet, der kommt auf 34,95€ im Monat und wer gleich ein halbes Jahr Shadow haben möchte, der braucht nur 29,95€ im Monat zahlen. Für einmalig 119,95€ gibt es die Shadow-Box. An diese lassen sich Tastatur, Maus und Controller anschließen, sowohl über USB, als auch über Bluetooth. Einen 3,5mm Klinkeneingang für Kopfhörer besitzt das Gerät ebenfalls. Das aktuelle Modell der Box läuft übrigens flüsterleise, da es komplett mit passiver Kühlung auskommt.

Falls es bis hierhin nicht klar geworden ist: Mich hat Shadow schwer beeindruckt. Alles, was es dafür tun musste, war, zu funktionieren. Und das tat es.

Anmerkung: Momentan ist noch nichts zu buchen, weil das Rechenzentrum für Europa noch nicht online ist. Das wird sich spätestens ab dem 4. September ändern.

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25. September 2018 um 00:04 Uhr
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