Ranglistenspiele

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 14. August 2018

Ranglistenspiele

Part 2: Overwatch

Nachdem ich im ersten Teil der Artikelreihe über einige Grundlagen gesprochen habe, möchte ich mich in diesem Beitrag einem konkreten Spiel widmen. Nicht irgendeinem - sondern Overwatch! Wie funktioniert Ranked in Overwatch und wie gut bildet der Rang die Leistung ab? Spoiler: Overwatch macht es gar nicht schlecht.

Overwatch stellt den Skill einer Person auf einer Skala von 1-5000 dar und nennt es Skillrating (SR). Das Rating wird ergänzt durch Skillgruppen, welche sich an dieser Skala orientieren. Wer ein SR von 1-1499 hat, ist Bronze, 1500-1999 Silber, 2000-2499 Gold, 2500-2999 Platin, 3000-3499 Diamant, 3500-3999 Meister und ab 4000 Großmeister. Diese Einteilungen dienen hauptsächlich dazu, Spielerinnen und Spieler schneller einordnen zu können, aber auch um Einzelnen ihren Fortschritt zu verdeutlichen. Es klingt eingängiger, wenn man sagt "Ich habe mich von Bronze nach Gold verbessert" als "Ich bin von 1300 auf 2100 gestiegen".

Overwatch-Season-Rewards-4

Wie bestimmt das Spiel nun, welchen Rang man hat? Zunächst muss man mindestens Level 25 sein, um überhaupt am Ranked-Modus teilnehmen zu dürfen. Am Anfang jeder Season muss man 10 Plazierungsmatches absolvieren, bevor der eigene Rang angezeigt wird. Diese bestreitet man in der Regel mit anderen Leuten, die ebenfalls noch keinen Rang haben. Ganz wichtig: diese 10 Matches nutzt das Spiel nur dazu, um seine Meinung von eurem Können zu bestätigen. Als Basis wird entweder euer Rang aus der vorhergehenden Season genommen, oder euer sogenanntes Matchmaking-Rating aus dem normalen Spiel. Aus diesem Grunde ist es möglich, alle Spiele zu gewinnen und einen Silber-Rang zu erhalten, oder alle Spiele zu verlieren und als Meister eingestuft zu werden.

Wie verändert sich dieser Rang? Mit einigen interessanten Nuancen. Grundsätzlich bekommt man nur dann SR dazu, wenn man gewinnt und wenn man verliert wird SR abgezogen. Interessant ist dabei, wie viel sich dabei ändert. Der erste Faktor ist die SR-Differenz zwischen den Teams, je stärker das Gegnerteam, desto mehr SR erhält man, bzw. desto weniger verliert man. Ist man im Rang unter Diamant, wird aber noch ein zweiter Faktor hinzu gerechnet. Das Spiel vergleicht eure Leistung auf den gespielten Helden mit der Leistung anderer Spieler mit den Helden auf eurem SR-Niveau. Die Idee ist, euch damit schneller auf den Rang zu bringen, auf dem ihr wirklich seid. Wenn ihr also mit Pharah den Gegner regelrecht auseinander nehmt, dann bekommt ihr mehr SR bei einem Sieg. Solltet ihr trotzdem verlieren, dann wird euch nur wenig SR abgezogen.

Die Vor- und Nachteile des Systems
Das Grundprinzip des Systems ist sehr solide. Wer gewinnt, steigt im Rang, wer verliert, der sinkt. Gut ist auch, dass anfangs euer normales Quick-Play-MMR als Grundlage für die Rangberechnung hergenommen wird, sodass man von Anfang an Spiele bekommt, die eurem Können entsprechen und niemand wegen Glück in den Placements auf einmal viel zu hoch eingestuft wird. Auch wenn viele es ungerne hören, aber man landet oft auf dem Rang, den man verdient hat.

Die Probleme liegen mehr im Detail. Overwatch ist ein Team-Shooter, der Ausgang des Matches liegt nicht allein in eurer Hand. Das führt mitunter dazu, dass man gegen “schlechtere” Spieler verliert, weil das eigene Team nicht zusammenarbeitet. Außerdem ist man nicht auf einen Helden in der Auswahl beschränkt und kann im Prinzip spielen, was man will. Worauf bezieht sich dann der Rang? Wenn sich jemand als Genji-Main in den Diamant-Rang hochspielt, aber mit allen anderen Helden furchtbar ist, ist die Person dann wirklich auf Diaman-Niveau? Denn sobald jemand anderes Genji vor ihm auswählt oder die Gegner ihn so gut auskontern, dass er mit Genji nichts erreichen kann, dann hat diese Person schlechte Karten. Hinzu kommt noch, dass man sich als DPS-Main oftmals besser selbst helfen kann als beispielswiese Support-Figuren. Denn der sicherste Weg zum Sieg ist es, das Spiel zu carrien, sprich den Gegner mehr oder weniger im Alleingang zu besiegen, sodass die anderen Mitspielerinnen und Mitspieler keine große Leistung mehr erbringen müssen.

OverwatchRanked

Das Spielerlebnis kann in Overwatch durchaus zum Glücksspiel werden, je nachdem wen der Matchmaker ins Team packt. Denn der guckt sich nicht an, was die Leute spielen, er sucht nur nach Mitspielerinnen und Mitspielern, die er für etwa gleich gut hält. So kommt es gerne vor, dass man mit vier anderen DPS-Mains ein Team bilden muss, von denen keiner wirklich Tank oder Support spielen kann und somit für seinen Rang unterdurchschnittliche Leistung erbringt. Oder am Ende spielt wirklich niemand Support, weil alle denken, die anderen könnten es ja machen. Schon allein deswegen habe ich mich mittlerweile zu einem Flexspieler entwickelt, sprich ich kann zur Not jede Rolle halbwegs gut übernehmen.

Wie aussagekräftig ist der Rang in Overwatch?
Die individuelle Leistung in einem Teamspiel zu bewerten ist schwer, insbesondere in einem Teamspiel, in dem alle eine andere Rolle übernehmen und je nach Bedarf die Rolle auch wechseln kann. Wie bewertet man also, wie viel Anteil eine von sechs Personen an dem Sieg oder der Niederlage hat? So kann man auch ziemliches Pech haben und ganz unglücklich mehrere Spiele verlieren, obwohl man der beste Spieler im Match war, man aber dank wild chargendem Reinhardt, der in jedem Kampf sofort stirbt, einfach nix reißen konnte - weil man effektiv immer 5 gegen 6 kämpfen musste.

Im Groben halte ich den Rang aber für ziemlich aussagekräftig. Wer wie ich Platin spielt, der gehört da meistens auch hin. Mit etwas Pech falle ich mal auf hohes Gold zurück, kann mich aber wieder nach Platin hocharbeiten. Auf Silber werde ich bestimmt nie fallen und für Diamond bin ich noch nicht gut genug. Overwatch ist zwar ein Teamspiel, aber es ist möglich, durch starke Eigenleistung ein Spiel so sehr zu dominieren, dass die Gegner einfach keine Chance haben. Denn je besser man selbst ist, desto weniger müssen die Teamkameraden tun, um den Sieg zu sichern. Auch wenn man mal Pech hat mit den Matches, irgendwann erreicht man den Punkt, an dem das Risiko schlechter Teammates zu gering ist, um euren Weg nach oben aufzuhalten. Desweiteren gleichen sich Pechsträhnen irgendwann wieder aus, man muss nur oft genug spielen.

Die Probleme des Systems liegen eher im Matchmaking. Das Spiel achtet nicht darauf, ob euer Team ausgeglichen ist im Sinne der Rollenverteilung. Es sucht einfach Spieler auf demselben Niveau zusammen. Das lässt sich nur verhindern, indem man mit einem festen Team in die Warteschlange geht, dank neuem "Suche nach Gruppe"-Feature dürfte das leichter gehen, aber da legt einem Blizzard blöderweise ein paar Steine in den Weg: Zum einen verlängert es die Wartezeiten deutlich, wenn man in einer Gruppe von mehr als zwei Leuten unterwegs sind. Zum anderen erwartet Blizzard auch, dass vorgefertigte Gruppen durch gute Koordination besser sind und wenn es keine Gruppe auf gleichem Niveau gibt, dann bekommt man kleinere Gruppen oder Einzelpersonen als Gegner, die im Rang höher sind. Gute Koordination bringt auch nicht viel, wenn man gegen einen Shadowburn-Genji spielt, der im Alleingang die Heiler tötet.

Das System belohnt Einzelpersonen, da man so eher im Rang steigen kann und fördert so einen gewissen Egoismus. Gewisse Grundlagen des Teamplays werden dadurch schlecht vermittelt, da man diese nicht beherrschen muss, um in die höheren Ränge zu kommen. Hier muss Blizzard noch nachbessern - ansonsten gibt es an Overwatch aber nicht viel zu meckern.

Im nächsten Teil der Artikelreihe "Ranglistenspiele" geht es weiter mit Rainbow Six Siege.

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17. November 2018 um 10:13 Uhr
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