Ranglistenspiele

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 12. August 2018

Ranglistenspiele

Part 1: Grundlagen

In vielen von uns steckt eine kompetitive Ader. Warum auch nicht? Wenn man in etwas gut ist, dann freut man sich darüber. Gerne zeigen wir unseren Freunden, wer besser in Mario Kart ist oder wer in Smash Bros. die Latzhosen anhat. Seit sich der eSport stärker etabliert hat und Online-Multiplayer ein fester Bestandteil von Gaming ist, können wir uns sogar mit Fremden und der ganzen Welt messen.

Im Online-Multiplayer hat sich mittlerweile ein Trend eingeschlichen. Man kann nicht nur just for fun spielen, sondern auch in direkten Leistungsvergleich mit allen anderen Spielerinnen und Spielern treten. Immer mehr Spiele bietet jetzt auch einen Ranked-Modus an - gewertete Spiele um einen Platz auf der Rangliste. Ich spiele diese Modi selbst gern und beleuchte in dieser Artikelreihe etwas genauer, wie sie funktionieren (soweit bekannt), was sie gut machen, was sie nicht so gut machen und wie aussagekräftig der resultierende Rang am Ende wirklich ist Im diesem Beitrag werde ich ein paar Grundlagen erklären. Anschließend werde mit die Rankingsysteme von Overwatch, Rainbow Six: Siege und Counter Strike: Global Offensive genauer ansehen. Alles klar? Dann los!

Elo-Zahl
Der erste Begriff, der bei Rankingsystemen einem um die Ohren fliegt, ist Elo. Dieser Begriff stammt aus dem Schach und soll das Können von Spielerinne und Spielern mathematisch, in Form einer Zahl, darstellen. Wenn zwei Personen gegeneinander spielen, wird ein vermutetes Ergebnis aus den beiden Elo-Zahlen berechnet und diese mit dem tatsächlichen Ergebnis verglichen, um die Elo-Zahlen anschließend anzupassen. Hat die schlechtere Person sich dabei besser geschlagen als erwartet, wird die Elo-Zahl nach oben korrigiert, auch wenn sie das Spiel verloren hat. Um denselben Wert wird dann die Elo-Zahl der besseren Person nach unten korrigiert.

Viele Ranking-Systeme in Videospielen basieren auf der Logik dieses Systems, auch wenn es sich darauf beschränkt, dass man Spielerinnen und Spielern eine Zahl zuordnet, um ihr Können zu quantifizieren. Deswegen werden Ränge häufig auch als Elo bezeichnet. Das stimmt oft aber nicht ganz, da das Elo-System nur im direkten Vergleich 1-gegen-1 funktioniert. Die meisten Online-Multiplayer-Spiele haben aber mehrere Personen pro Match, wodurch es erheblich schwieriger wird, das Können der Einzelperson in einer Zahl zu messen, doch dazu später mehr.

Elo-Hölle?
Ein weiterer Begriff, der häufig im Ranglisten-Kontext erscheint, ist die so genannte Elo-Hölle. Damit ist ein Elo-Bereich gemeint, in dem es schwierig ist, ein funktionierendes Team aufzustellen und somit Sieg und Niederlage gefühlt einer Lotterie ähneln. Jemand, der in dieser Hölle festhängt, hat es schwer, sich durch eigenes Können dort herauszuarbeiten, da die Leistung der Mitspielerinnen und Mitspieler das eigene Ranking stark beeinflusst - viele würden auch sagen: man wird von den Schlechten runtergezogen. Wo genau sich diese Hölle befindet oder ob sie wirklich existiert, darüber kann man abendfüllende Unterhaltungen führen. Meine Beobachtung ist, dass Personen in den höheren Rängen meist der Meinung sind, dass die Elo-Hölle eine Legende ist, während Leute in den niedrigeren Rängen oft sehr überzeugt sind, dass sie existiert - und sogar in ihr feststecken. Ob sie existiert und in welchem Bereich sie sich befindet, hängt vermutlich auch vom Spiel ab.

Boosting
Eine andere Phänomen in Ranglistenspielen ist Boosting. Dieser Ausdruck meint, dass jemand mit einer viel besseren Person zusammenspielt, um auf dem Rücken ihres Könnens in höheren Rängen zu landen, als er oder sie eigentlich gehört. Eine so geboosteter Person ist vermutlich überfordert, sollte sie mal ohne ihren Booster spielen. Boosting ist auch möglich, indem die bessere Person einfach direkt mit dem Account der schlechteren spielt. Die Gründe dafür sind banal: Häufig wollen Leute einfach angeben. Solches Verhalten ist für das Spiel allerdings problematisch, da die Person außerhalb ihrer eigenen Liga spielen muss und meist ein Hindernis für ihr Team darstellt.

Smurfing
Zuletzt möchte die berüchtigten Smurf-Accounts erwähnen. Als Smurf wird ein Zweitaccount von erfahrenen Spielerinnen und Spielern bezeichnet, deren Rating absichtlich niedrig gehalten wird, um einfachere Gegner zu haben, bzw. um im Ranked-Modus herumblödeln zu können, ohne den Rang des primären Accounts zu gefährden. Smurfing ist definitiv eines der kontroversesten Themen, da im Ranked eigentlich alle ihr bestes geben sollten. Hat man in seinem Match einen Smurf, dann leidet zumindest für ein Team der Spielspaß, da der Smurf das gegnerische Team dominieren wird. Er ist schließlich um Längen besser als sie, außer er sabotiert sein eigenes Team, dann hab wiederum die Feinde ein leichtes Spiel, da sie praktisch in der Überzahl sind. Wie groß das Problem ist, hängt in erster Linie davon ab, wie viele Smurfs unterwegs sind. Sind nur vereinzelt Schlümpfe im Spiel, werden auch nur wenige Matches manipuliert. Wird hingegen kräftig rumgeschlumpft, sind die Rankings von Neulingen im Eimer.

Mit diesen Grundlagen können wir in konkrete Rankingsysteme einsteigen. Morgen geht es weiter mit dem zweiten Teil: Ranked in Overwatch.

Kommentare

Bisher hat dieser Artikel keine Kommentare. Sei der erste, der einen Kommentar veröffentlicht!
Gast
06. Dezember 2019 um 17:57 Uhr
GASTNAME
E-MAIL (nicht öffentlich)
      
SICHERHEITSFRAGE
Mit wie vielen "d" schreibt sich "dailydpad"?
ANTWORT

Themen

E-Sports
Themengebiet - Ob Fifa, Dota oder Worms: hier treten Gamer in elektronischen Disziplinen gegeneinander an.
Spielosophie
Sparte - Ob Analyse von Gameplay-Elementen, Gedanken zu Entwicklungen und Trends oder höhere Erkenntnisse im Themengebiet Videospiele - die Spielosophie ist das Coq au Vin unter den Pommes Frites.
Versus-Multiplayer
Spielmodus - Spieler treten allein oder in Teams gegeneinander an. Kompetetive Aspekte stehen hier im Vordergrund.

Gefällt dir unser Artikel?

Ähnliche Artikel