7th Dragon III Code: VFD im Test

(Artikel)
Haris Odobaši?, 12. Dezember 2016

7th Dragon III Code: VFD im Test

Durch die Zeit gegen die Drachenplage

So ein bisschen skeptisch war ich schon, als NIS America angekündigt hat, nicht mehr die Atlus-Spiele im Westen zu vertreiben und dies nun stattdessen Koch Media/Deep Silver zu überlassen. Zumindest den Start hat allerdings der österreichische Publisher gut hingekriegt. Zum Jahresende gab es nämlich nicht nur Shin Megami Tensei IV: Apocalypse – zu dem ich euch demnächst mehr erzählen werde – sondern auch 7th Dragon III Code: VFD. Wer nun die Stirn runzelt, dem sei gesagt, dass selbst ich als JRPG-Experte erst mal irritiert war. Denn 7th Dragon ist mal wieder eine dieser JRPG-Reihen, die in Japan schon länger existiert und für die sich niemals jemand hier im Westen geschert hat. Zumindest bis jetzt. Ausgerechnet der letzte Teil der Reihe wird der erste, den wir zu sehen kriegen. Aber gut, ich will nicht meckern, denn mehr JRPG ist eben unterm Strich immer mehr JRPG.

Wie der Name schon andeutet, geht es in 7th Dragon III: VFD um Drachen und davon gleich eine ganze Menge. Periodisch suchen die Biester die Menschheit heim und richten überall Zerstörung an – und die Uhr sagt deutlich, dass es mal wieder Zeit wäre. Über das VR-Spiel 7th Encount werdet ihr für das Unternehmen Nodens rekrutiert, welches aber nicht nur Videospiele entwickelt, sondern nebenbei auch an einer Lösung für die Drachenplage forscht. Bisher konnte die Menschheit zwar immer irgendwie gegen die Drachen gewinnen, aber die Freude war immer nur von kurzer Dauer. Dieses Mal soll den Drachen endgültig der Garaus gemacht werden und es liegt an euch, Proben der mächtigsten Drachen zu sammeln. Denn nur so kann Nodens eine Gegenwaffe entwickeln, doch die Zeit drängt: der namensgebende siebte göttliche Drache, VFD, steht schon kurz vor seiner Wiederkehr, die gleichzeitig auch den Untergang der Menschheit bedeuten würde.

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Da manche Drachen mittlerweile ausgelöscht sind, schickt euch das Abenteuer dabei mit einer Maschine quer durch die Zeit. Sowohl die ferne Zukunft als auch frühe Vergangenheit warten darauf, erkundet zu werden. Immer auf der Suche nach Drachen und nur gelegentlich unterbrochen von kleineren Storysequenzen, die aber eher belanglos sind. Irgendwie gibt es noch eine Verschwörung des Militärs in der Gegenwart und euch begegnet dauernd dieses mysteriöse Mädchen mit Keuchhusten. Aber auch wenn man zum Beispiel mit einem flamboyanten Videospieleentwickler oder einem sadistischen Kuschelhasen versucht hat, einprägsame Figuren zu erschaffen, wirkt es eine Spur zu bemüht. Dadurch sind die Figuren restlos überzeichnet in ihrer Darstellung, und die Eigenschaften, die sie memorabel machen wollten, werden eher zu Nervigkeiten.

Nehmen wir den Hasen, Norigami. Der schimpft gerne. Sehr gerne. Gerade auf das Militär. Was dazu führt, dass er immer, wenn es um eben dieses geht, ausfallend wird. Zwischenzeitlich arbeitet ihr mit ein paar Einheiten des Militärs zusammen und Norigami wird nicht müde, sie jedes Mal mit einem Terminus zu bezeichnen, der aus dem Kontext übersetzt ungefähr unserem "Wichser" entsprechen würde. Das mag die ersten paar Male noch irgendwie als Charaktermacke durchgehen, aber so nach dem zehnten "Diese Wichser!" wirkt es nur noch hoffnungslos erzwungen.

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Was gleich auffällt, sind die Charakterklassen, die doch ziemlich ungewöhnlich daherkommen. Krieger, Heiler und ähnliches sucht ihr vergebens. Stattdessen gibt es einen sehr frischen Mix, bei dem jede Klasse zudem mit einer sehr eigenen Spielweise daherkommt um das traditionelle, rundenbasierte Kampfsystem etwas aufzumischen.

Der Godhand ist zum Beispiel darauf angewiesen, mit Kombos anzugreifen. Das heißt, dass man jeden Zug nur bestimmte Attacken zur Verfügung hat, die eben repräsentieren, wo man gerade in der Kombo steckt. Der Agent hingegen kann einen Zug darauf verwenden, die Gegner zu hacken, um dann Fähigkeiten einzusetzen, die nur bei gehackten Gegner funktionieren.

Es ist auch schön, dass man Synergien zwischen den Charakteren herstellen kann. Zum Beispiel hat der Duelist mit XBurn die Möglichkeit, am Ende eines Zuges einen Feuerball auf alle Feinde zu beschwören. Der Agent besitzt eine Fähigkeit, die auf jeden Angriff mit Feuerelement eine weitere Attacke folgen lässt. Eine Kombination daraus brennt mehr als ein mit Chilis vollgestopfter Ring aus Pizzateig.

Die Drachen bieten euch dabei mehr als genug Möglichkeit, nach solchen tollen Kombinationen zu forschen und generell starke Klassenkombinationen ausfindig zu machen. Zwar gibt es auch Zufallskämpfe, die sind aber in der Regel vernachlässigbar.

Die insgesamt über 250 Drachen sind direkt auf dem Spielfeld sichtbar, da man nur ungern in so einen Kampf stolpern wollen würde. Vom Schwierigkeitsgrad reichen sie ungefähr von Zwischenboss bis hin zu fiesem Endgegner und bieten euch dadurch über den gesamten Spielverlauf hinweg immer wieder eine neue Herausforderung.

Musikalisch sorgt man zwar für Abwechslung, indem jede Zeitperiode ihre eigene Musik spendiert kriegt, schafft es aber nicht, damit mehr als nur eine unpenetrante Hintergrundbeschallung abzuliefern. Die Technik ist eher mäßig: den Chibi-Look hat man in anderen 3DS-Rollenspielen schon besser umgesetzt gesehen.

7th Dragon III Code: VFD ist ein kurzweiliges Rollenspiel mit interessantem Setting und innovativen Charakterklassen. Gerade wie diese zusammenspielen, macht einen großen Reiz aus, da man immer wieder sehr effektive Kombinationen finden kann, um die Drachen zu vernichten. Die Geschichte aber lockt niemandem hinter dem Ofen hervor und, trotz größter Bemühungen, schafft das Spiel es nicht, seine Charaktere wirklich memorabel zu gestalten. Ein exzentrisches Plüschtier mit sadistischen Tendenzen ist nun mittlerweile doch etwas zu klischeebehaftet. Haris

7th Dragon III Code: VFD wurde auf dem Nintendo 3DS getestet. Ein Testmuster wurde uns von Deep Silver zur Verfügung gestellt.

7th Dragon III Code: VFD

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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12. Dezember 2019 um 23:52 Uhr
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Plattform - Überarbeitete Version des Nintendo 3DS mit einem neuen Prozessor und verbessertem 3D-Effekt. Der N3DS hat einen zweiten Stick und zwei zusätzlichen Schultertasten. Am 11. Oktober 2014 in Japan erschienen, ist er europaweit seit dem 13. Februar 2015 erhältlich.
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