AoT: Wings of Freedom im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 05. September 2016

AoT: Wings of Freedom im Test

Titans bekämpfen wie im echten Leben

Ich schaue nicht schrecklich viele Animes, und von denen, die ich gesehen habe, waren nicht alle gut. Attack on Titan teilt sich mit nur wenigen anderen die obere Spitze dieses Spektrums und hat mich nachhaltig beeindruckt. Es ist eine dieser Geschichten, die man nicht einfach unterbricht. Weil man nicht schlafen kann, weil man nichts anderes tun kann, bis man am Ende angekommen ist. Die zweite Staffel lässt noch auf sich warten, aber Wings of Freedom möchte uns die Wartezeit verkürzen.

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Wings of Freedom macht genau zwei Dinge und die macht es richtig, richtig gut: Es fängt die Atmosphäre des Animes perfekt ein und überträgt die beeindruckendsten Szenen des Originals in eine tolle Spielmechanik. Allerdings richtet sich das Spiel eher an Fans des Animes und des Mangas und ist vermutlich weniger einsteigerfreundlich, wenn einem das nötige Hintergrundwissen fehlt. Falls ihr schon so viel Gutes von Attack on Titan gehört habt und einen Anfang sucht, schaut erst den Anime, bevor ihr Wings of Freedom spielt.

Die Story von Wings of Freedom bildet ziemlich genau die Ereignisse der ersten Staffel ab, gibt euch aber weniger Hintergrundinformationen und jongliert wie selbstverständlich zahlreiche Charaktere. Die Menschheit wird seit gut 100 Jahren von den Titanen bedroht, die man sich als große, menschenfressende Zombies vorstellen kann. Ihr schlüpft in die Rollen verschiedener Figuren, darunter die Protagonisten Eren, Mikasa und Armin.

Die Geschichte wird zwar sehr verkürzt dargestellt, doch die Präsentation büßt dabei nichts von der dichten Atmosphäre ein, die den Anime so ikonisch macht. Die Grafik imitiert ziemlich erfolgreich den Look des Animes. Einige Hintergründe könnten detaillierter sein, doch die Figuren kommen ebenso überzeugend herüber wie in der Vorlage. Viele der eindrucksvollen Szenen wurden beinahe unverändert ins Spiel übernommen und werden dort in Spielgrafik (und zum Teil in vorgerenderten Szenen) präsentiert.

Wem schon im Anime die Musik positiv aufgefallen ist, darf sich auch im Spiel auf ein paar der bekannten Tracks freuen. Das gilt auch für die japanischen Originalsprecher - nur deutsche oder englische Stimmen gibt es nicht. Hier muss man auf Untertitel ausweichen.

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Titans slashen wie die coolen Kids
Die stilsichere Adaption hat mich aber gar nicht so sehr überrascht. Genau dafür wurde die Lizenz eingekauft und sicher hätten Eingefleischte das auch akzeptiert, wenn sie nur mittelmäßiges Gameplay dazu bekommen hätten. Das klappt bei Dragonball ja auch immer wieder. Daher punktet Wings of Freedom nochmal so richtig mit ein paar tollen Gameplay-Ideen.

Die coolen Kids in Attack on Titan sind Titanenschlächter. Mit ihrem Omnidirectional Gear schwingen sie sich durch Luft, dass Spider-Man unter dem Spandex ganz blass wird. Mit schnellen Schwerthieben slashen sie einen Titan nach dem anderen und sehen richtig gut dabei aus. Das sind wirklich gute und dynamische Actionszenen im Anime, von denen ich niemals geglaubt hätte, dass man sie so überzeugend in ein Spiel übersetzen kann. Wings of Freedom zeigt: man kann.

Die Missionen zwischen den Cutscenes spielt man in großen Arealen, durch die man sich ganz frei bewegt. Das funktioniert erstaunlich ähnlich wie in den richtig guten Spider-Man-Spielen. Mit Schwingen und Dashen bewegt ihr euch elegant über die ganze Karte. Während einer Mission tauchen dann unterschiedliche Events auf der Karte auf, die das Geschehen vorantreiben. Manchmal muss man sich mit einer Figur treffen oder andere davor retten, gefressen zu werden. Da es manchmal mehrere Missionen gleichzeitig gibt, bleibt der Verlauf dynamisch und spannend. Es gibt einen leichten Zeitdruck, der dazu motiviert in Bewegung zu bleiben, allerdings sind die Zeitfenster für Missionen niemals unfair kurz.

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Titans sind die einzigen Gegner im Spiel, aber es macht einfach Spaß, sie zu bekämpfen. Kommt ihr nah genug an einen Titan heran, könnt ihr ihn anvisieren. Anschließend fokussiert ihr auf Arme, Beine oder den Nacken, um sie zu bekämpfen. Nur Treffer am Nacken sind tödlich, allerdings kann es sehr hilfreich sein, erst einen Arm abzuschlagen, den der Titan sonst dazu benutzt, euch aus der Luft zu greifen. Oder ihr konzentriert euch auf die Beine, bis der Titan am Boden liegt und seinem finalen Schlag nicht entkommen kann.

Das dynamische Kampfsystem ist ziemlich einzigartig und lässt gar nicht so leicht beschreiben. Ihr seid viel damit beschäftigt um die Titanen zu kreisen, während ihr versucht, den richtigen Winkel für einen Angriff zu erwischen. Dann könnt ihr auf auf den Titan zuschnellen, um ihm im richtigen Augenblick einen Schlag zu verpassen. Sehr gut gefällt mir dabei, dass die Figuren sich tatsächlich unterschiedlich spielen. Eren ist ziemlich ausgeglichen, während Mikasa mit multiplen Angriffen starke Combos machen kann, die Eren nicht zur Verfügung stehen. Armin hat vergleichsweise wenig Angriffskraft, kann dafür aber Verbündete kommandieren, die für ihn einen Titan schwächen oder sogar töten können. Das Grundprinzip ändert sich nie, aber das Spiel wirft immer mal eine Variation ein, sodass der Story-Modus niemals langweilig wird. Es gibt sogar eine Spielpassage, in der ihr selbst in die Rolle eines Titan schlüpfen könnt. Fans des Animes kommen wirklich voll auf ihre Kosten.

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Wir slashen einsam oder gemeinsam
Über den Story-Modus hinaus gibt es zahlreiche Zusatzmissionen, die ihr allein oder zusammen mit anderen im Koop spielen könnt. Leider geht das nur online, obwohl ein Splitscreen-Modus für zwei Spieler echt gut gepasst hätte. Hier könnt ihr frei auswählen, welche Figur ihr spielen wollt, weil die Missionen nicht an konkrete Geschehnisse gebunden sind. Ihr könnt sogar Items und Erfahrungspunkte verdienen, die mit dem Story-Mods geteilt werden. Levelt eine Figur auf und lernt eine neue Fähigkeit, steht diese euch auch das nächste Mal im Story-Modus zur Verfügung. Andersherum könnt ihr online sofort eure Ausrüstung benutzen, die ihr schon in der Story freischaltet habt.

Ein großer Nachteil ist, dass man sich erst mal durch viele einfache Missionen wühlen muss, bis man an die intressanteren, schwierigen Missionen kommt. Wenn man eine Weile gespielt und die Mechaniken verinnerlicht hat, reizt das Attack on Titan vor allem dann, wenn es etwas anspruchsvoller wird. Die leichten Missionen werden mit etwas mehr Erfahrung zu einem eintönigen Pflichtpgrogramm. Der Multiplayer-Modus hat mir auch bewusst gemacht, dass vor allem die Mischung aus Story-Adaption und Gameplay dem Spiel einen guten Flow gibt, der in den zusätzlichen Missionen etwas verloren geht. Nach drei Missionen am Stück ohne Story hatte ich häufig schon genug. So ist der Koop-Modus eher eine nette Zugabe, die langfristig nicht so gut fesseln kann.

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Fazit
Attack on Titan: Wings of Freedom ist eine großartige Adaption des Animes und eines der besten Spiele zu einem Anime, die ich bisher gespielt habe. Vor allem im Singleplayer überzeugt die tolle Mischung aus dichter Atmosphäre und abwechslungsreichem Gameplay. Leider fehlt es dann im Multiplayer an der nötigen Abwechslung, um das Spiel langfristig interessant zu halten. Vor allem Fans werden von der Umsetzung sehr begeistert sein - und können damit nochmal etwas Zeit überbrücken, bevor es mit der zweiten Staffel weitergeht. Ben

Attack on Titan: Wings of Freedom wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Kochmedia zur Verfügung gestellt.

Attack on Titan: Wings of Freedom

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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17. Oktober 2019 um 12:33 Uhr
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