F1 2016 im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 04. September 2016

F1 2016 im Test

Der Motor ist warmgelaufen

In den letzten Jahren war ich von den Formel-1-Spielen von Codemasters immer recht enttäuscht. Es waren solide Spiele, die schon ihren Spaß boten, aber eben an zu vielen Stellen mit Ecken und Kanten zu enttäuschen wussten. Nach der ganzen Ernüchterung ging dieses Jahr ich mit recht moderaten Erwartungen zur Anspiel-Session auf der Gamescom. Doch was ich dann sah, und später testete, werdet ihr nicht glauben... (dieser Bait, jetzt habe ich alles in meinem Leben erreicht!)

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Endlich gibt es einen ordentlich ausgebauten Karriere-Modus in F1 2016. Wir können unseren eigenen Fahrer erstellen und das Aussehen aus einer recht spärlichen Auswahl aussuchen. Für den Helm, was ja wohl die wichtigste optische Eigenschaft eines Fahrers ist, gibt es verschiedene Layouts, die man alle farblich bis ins kleinste Detail personalisieren kann. Dazu noch den eigenen Namen eingeben und das gewünschte Team wählen und schon kann die Karriere starten.

Die Teamauswahl gestaltet sich hier schon als sehr wichtig, denn wenn ihr sofort in die größeren Teams wie Ferrari oder Mercedes AMG einsteigt, werdet ihr auch vor deutlich größere Herausforderungen gestellt. Die Teams erwarten bestimmte Leistungen von euch, die sich zwischen Saisonzielen und Einzelzielen unterscheiden. So müsst ihr beispielsweise zum Ende hin einen bestimmten Mindestplatz erreicht haben. In den einzelnen Rennen werden euch Anforderungen an den Startplatz und das Rennergebnis gestellt. Wenn ihr die Ziele nicht erfüllt, wird das Team langsam böse auf euch und euch droht der Rausschmiss – andersherum bekommt ihr auch Angebote von anderen Teams, wenn ihr viel leistet.

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Neben den Teamzielen wird euch noch ein Rivale gegenübergestellt, den ihr in speziellen Bereichen wie Bestzeiten in Streckensektoren schlagen solltet. Lasst ihr ihn tatsächlich Staub fressen, erhaltet ihr Bonuspunkte. Wofür Bonuspunkte? Jedes Team besitzt ein eigenes Mechaniker-Team und typischerweise sind natürlich die großen Teams mit den etwas besseren Autos vertreten. Das spiegelt sich auch bei der Fahrzeugleistung im Spiel wieder. Die Punkte, die ihr beispielsweise durch das Gewinnen gegen einen Rivalen erhaltet, könnt ihr in die Forschung stecken, um euren Boliden in verschiedenen Aspekten wie Motorleistung, Abrieb oder Verbrauch zu verbessern. In einer Liste könnt ihr die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge der Teams stets miteinander vergleichen. Wirklich cool ist, dass man so einen Überblick hat, wie stark die jeweiligen Fahrzeuge zum jeweiligen Rennwochenende sind – gerade wenn man sich in den kleineren Teams rumtreibt, ist das richtig mitreißend, sich dort hochzuarbeiten.

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Auch das freie Training wurde überarbeitet. Während man sonst immer nur seine Runden gefahren ist, kann man nun ein sogenanntes "Streckenakklimatisierungsprogramm" durchführen. Ich weiß nicht, wer sich diese Übersetzung einfallen lassen hat, aber komplizierter hätte man es nicht ausdrücken können.

Letztendlich ist es ein spezielles Kurven-Lernprogramm, in dem wir Tore durchfahren müssen, um Punkte zu sammeln. Je besser wir die Kurve nehmen, desto mehr Punkte gibt es. Dieses Programm ist neben der Ideallinie wirklich hervorragend, um Kurven speziell einzuüben. Drei Runden Zeit haben wir, um bestimmte Meilensteine zu erreichen und dann daraus umgerechnete Bonuspunkte für die Mechaniker zu erhalten. Es ist eine recht kleine aber wirklich effektive Neuerung, denn nun verbringe ich beispielsweise deutlich mehr Zeit im Training und beherrsche folglich zum Rennen die Strecke auch deutlich besser.

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Überzeugend ist auch das neue Reifenmanagement. Für die Rennwochenenden können wir nun unseren eigenen Satz Reifen zusammenstellen, sodass wir auf unsere Renngewohnheiten besser eingehen können. Ihr wollt lieber öfters einen Boxenstopp einlegen und dafür die Zeit auf der Strecke gutmachen? Nehmt ganz viele weiche Reifen mit ins Wochenende. Ihr seid lieber länger auf der Strecke und hasst eure Boxencrew? Wählt die harten Reifen. Generell ist das Reifenmanagement deutlich besser ausgearbeitet als in den vorigen Teilen. Für den Spieler ist es ersichtlicher, was für Reifen ihm zur Verfügung stehen und da Reifen ja mit die wichtigste Sache in der Formel 1 sind, ist es toll, dass diesen nun auch der erforderliche Respekt im Spiel gegeben wird.

Für's Protokoll: Neben dem normalen Karriere-Modus könnt ihr euch auch in eine Profikarriere schmeißen, die nichts anderes ist als eine normale Karriere mit allen Schwierigkeitsreglern auf Anschlag. Auch die Fahrhilfen sind komplett ausgeschaltet. Andere Modi sind noch die Meisterschaftssaison, in der ihr in die Rolle eines Fahrers schlüpfen könnt, der Zeitfahrmodus und der Schnellstartmodus.

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Der Multiplayer wartet mit einer wirklich grandiosen Erweiterung auf. Endlich können wir nämlich mit echten 22 Spielern im Online-Modus Rennen fahren. Auch Zwischenspeichern während des Rennens ist jetzt möglich, wenn die Mutti mal wieder zum Mittagessen ruft. Einfach abspeichern und später wieder dort einsteigen, wo man aufgehört hat – endlich!

Auch beim Rennstart verstecken sich zwei neue Aspekte. Zum einen wurde endlich die Einführungsrunde aus der Formel 1 hinzugefügt, in der die Reifen und Bremsen aufgewärmt werden, und zum anderen wurde für den Start eine Kupplungsmechanik eingebaut, die mir wirklich sehr gut gefällt. Unabhängig von den sonstigen Getriebeeinstellungen kann man bestimmen, ob der Start vollautomatisch oder per Kupplung geschehen soll. Mit Kupplung müsst ihr eine Taste halten und nach Erlöschen der Ampel loslassen, damit der Gang eingelegt wird. So starten endlich nicht mehr alle gleich gut, sondern es kommt eine Variation rein, die den wichtigen Start zum absoluten Spektakel mutieren lässt. Auffahrunfälle, Ausweichmanöver und schreiende Menschen sind an der Tagesordnung, gerade im Multiplayer.

Die Grafik hat eine spürbare Steigerung erfahren, bewegt sich somit auf einem sehr guten und frischen Niveau. Am überzeugendsten sind immer noch die Wagen, die unglaublich detailliert ausgearbeitet sind. Was mich aber am meisten überrascht hat: wenn es regnet und man mithilfe der Sofortwiederholung die Zeit zurückspult, um sich zurückzusetzen, bleiben die Regentropfen in der Luft stehen, wenn man die Zeit pausiert. Das sieht einfach nur so genial aus, dass ich wie ein kleines Kind vor dem PC hin und her hüpfte und vor- und zurückspulte, um mich an diesem grandiosen Regen zu ergötzen.

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Bei all den Lobeshymnen gibt es aber immer noch so ein paar fiese Ecken, an denen man sich während des Spielerlebnisses stößt. Am schlimmsten fällt die deutsche Vertonung auf. Dabei meine ich nicht die Kommentatoren vor und nach dem Rennen, sondern eher den Chefmechaniker, der einem während des Rennens immer mal wieder Informationen ins Ohr flüstert. Nicht nur dass die Stimme nicht gerade angenehm ist - auch wiederholen sich die Sprche wirklich schnell, da ist null Varianz vorhanden. Nervig ist auch, dass einige Ansagen oftmals deplatziert sind. Ich habe zum Beispiel ein paar Sekunden, nachdem ich die Box verlassen habe, angesagt bekommen, dass ich doch mal reinkommen soll, um ein wenig mit den Autoparametern herumzuspielen. Nur so als Beispiel.

Auch die Boxenfahrt ist mir noch ein kleiner Dorn im Auge. Wo das Fahrgefühl sonst so überzeugend ist, wird es gerade beim Boxenstopp ruckelig und unschön. Das Auto bremst zum Beispiel abrupt von 80 km/h auf 0 km/h ab, wenn man beim Team angekommen ist, und "rutscht" gut und gerne mal etwas unlogisch über den Boden, um die Position zu korrigieren. Das kriegt man doch bestimmt geschmeidiger hin!

Alles in allem gefällt mir F1 2016 aber wirklich sehr gut. Die Neuerungen im Karriere-Modus sind wirklich klasse und bieten einen deutlichen Mehrwert gegenüber den älteren Teilen. Es macht jetzt wesentlich mehr Spaß, sich dem eigenen Fahrer zu widmen. Die Grafik hat ihre Auffrischung bekommen und auch ansonsten läuft alles bis auf ein paar kleine Ausnahmen rund. Für mich ist F1 2016 das bisher beste Formel-1-Spiel!

F1 2016 wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i5-4670, 16 GB RAM, Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Koch Media zur Verfügung gestellt.

F1 2016

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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23. Juli 2019 um 15:37 Uhr
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19. August 2016
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