Stellaris im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 09. August 2016

Stellaris im Test

Der Weltraum, unendliche Möglichkeiten

Unsere Zukunft liegt im Weltall. Davon bin ich überzeugt. Als Kind bin ich mit Star Wars und Star Trek groß geworden (ja, man kann beides mögen), was durchaus meine Sehnsucht nach Raumschiffen und fremden Planeten gefördert hat. Das All erforschen, neue Zivilisationen kennenlernen und vielleicht auch die ein oder andere Laserschlacht, das wäre ein Leben. Stellaris ist daher durchaus ein Spiel nach meinem Geschmack. Es tritt dabei das Erbe der alten Space-Simulationen wie Master of Orion an. Und zeigt dabei, dass dieses Gerne durchaus einen Platz in der heutigen Gaminglandschaft hat.

Vor jedem Spiel muss erst mal eine Rasse ausgewählt werden, mit der ihr das Weltall erkundet. Das Spiel hat einige für euch vorgefertigt, darunter natürlich die Menschheit. Aber ihr könnt auch eure eigene Alienrasse in einem sehr umfangreichen Editor basteln. Das fängt an beim Namen, wobei ihr auch gleich Singular, Plural und Adjektiv eurer Spezies bestimmen könnt. Worauf soll eure Rasse basieren? Wirbeltiere? Vögel? Vielleicht sogar Pilzwesen. Könnt ihr haben. Was für Grundwerte hat eure Rasse? Militaristisch oder pazifistisch? Xenophil oder xenophob? Spirituell oder rational? Diese Werte beeinflussen stark eure Spielweise, denn an ihnen lässt sich absolut nicht rütteln und von ihnen hängt ab, welche Vorgehensweisen euch offen stehen. Xenophile Rassen können zum Beispiel keine "primitiven Völker" unterjochen, um sie ihrem Imperium hinzuzufügen. Von diesen Grundwerten hängt auch ab, welche Regierungsformen ihr auswählen könnt. Pazifistische Völker können selbstverständlich nicht von einer Militärdiktatur beherrscht werden. Alles, was ihr hier einstellt, hat seine Vor- und Nachteile.

20160809232750_1Wir sind nicht alleine in unserer Galaxie.

Habt ihr schließlich eure Wunschrasse gebaut, geht es ums Spiel selber. Das geizt bei weitem nicht mit Möglichkeiten. Das fängt schon damit an, dass ihr die Form eurer Galaxie bestimmen dürft, wie viele Sonnensysteme drin zu finden sind, wie viele Völker es gibt und wie klug diese ihre Imperien verwalten und, und, und. Dann geht es endlich los. Ziel ist es übrigens einen bestimmten Prozentsatz der Galaxie zu kontrollieren. Ob ihr das durch Bündnisse oder Eroberungen schafft, das ist euch selbst überlassen.

Egal, welchen Weg ihr geht: Ressourcen und ihre Beschaffung sind das A und O. Ganz vorne stehen die Energy Credits, mit denen euer Imperium am Laufen gehalten wird. Diese gewinnt ihr durch Kraftwerke auf euren Planeten oder indem ihr sie von energiereichen Sternen oder Planeten erntet. Gehen euch die Energy Credits aus, dann fährt alles nur noch auf Sparflamme, das Militär wird geschwächt und die Ausbeute an der zweiten Ressource, Mineralien, fällt schlechter aus. Mit Mineralien wird alles gebaut, was ihr braucht - von Raumschiffen bis Außenposten.

Die wohl interessanteste Ressource ist Einfluss. Per Einfluss könnt ihr aktiv in die Politik eures Imperiums eingreifen, indem ihr Edikte erlasst, um zum Beispiel das Militär zu stärken oder das Bevölkerungswachstum anzukurbeln. Solltet ihr eine Demokratie sein, könnt ihr per Einfluss auch bei den Wahlen euren Lieblingskandidaten unterstützen. Vor allem aber ist Einfluss notwendig, um neue Chefwissenschaftler und Generäle einzustellen. Diese könnt ihr Schiffen und Flotten zuweisen, um ihre Effektivität zu erhöhen. Auch sind Wissenschaftler notwendig, um neue Technologien zu erforschen, welche euch dabei helfen, das Universum zu erkunden und/oder zu erobern.

20160809232555_1Mein Volk hungert. Das ist nicht so gut.

Ich empfehle jedem erst mal in einer kleinen Galaxie als Menschheit mit Tutorial zu spielen. Was ich in den letzten Absätzen angerissen habe, macht nur einen Bruchteil des Gameplays aus. Bei vielen Dingen werdet ihr einfach nicht von alleine drauf kommen, was es damit auf sich hat - siehe Einfluss. So ein galaktisches Imperium zu lenken ist keine leichte Aufgabe. Es müssen neue Außenposten in neuen Sonnensystemen gebaut werden, damit das Einflussgebiet eures Imperiums wächst und ihr somit Ressourcen fördern könnt, oder gar um neue Welten zu besiedeln. Bauen könnt ihr nämlich nur innerhalb eures Einflussgebietes. Und dabei stößt ihr auch immer wieder auf Anomalien oder andere Dinge, die man untersuchen kann, wenn man will. Bei einigen dieser Anomalien hängt euer weiteres Vorgehen auch davon ab, was für Grundwerte ihr besitzt. Scheint eine Anomalie profitabel, dann wollt ihr sie ausschlachten, sollte euer Volk materialistisch sein.

Und natürlich lauern da draußen auch jede Menge Aliens. Nachdem ihr zum ersten mal Aliens gesichtet habt, müssen diese erst mal erforscht werden, um einen erfolgreichen ersten Kontakt herzustellen. Und dann kann die Diplomatie beginnen. Wollt ihr Handeln oder sie zu Rivalen erklären? Wollt ihr eine Allianz bilden oder wollt ihr gegen sie in den Krieg ziehen? Alles muss wohlüberlegt sein, vor allem Kriege. Damit endeten nämlich alle meine Partien bisher. Zuerst wurde mir der Krieg erklärt von meinen Nachbarn, weil diese die Menschheit für minderwertig hielten, ein Stolperstein auf ihrem Weg zur Perfektion. Blöderweise hatte ich mein Militär mehr oder minder vernachlässigt, wodurch ich mächtig auf die Nase bekam. Den zweiten Krieg hatte ich angezettelt, nachdem ich meine Flotte von Anfang an aufgebaut hatte. Es lief ganz gut für mich, bis mir die Energy Credits ausgegangen sind und somit meine Militärmacht halbiert wurde. Prompt Krieg Nummer Zwei verloren.

20160809232628_1Der Krieg läuft auch nicht so gut.

Also, das mit der galaktischen Herrschaft, das wurde bisher noch nichts bei mir. Doch ich gebe nicht auf. Vielleicht muss ich einfach nur ein anderes Volk nehmen, meine Galaxie anders aufbauen lassen und am Ende müssen alle vor mir niederknien oder mit mir zusammenarbeiten. Stellaris ist ein Spiel, das eure Zeit fressen wird, wenn ihr es zulässt. Es belohnt euch dafür mit umfangreichem Gameplay und vielen Herausforderungen. Das Spiel will aber erst mal gelernt werden. Rechnet damit einige Galaxien zu verbraten, bis ihr verstanden habt, wie der Hase läuft. Aber dann hat es fast schon was Entspannendes, sich um sein Imperium zu kümmern.

Stellaris ist aber definitiv ein Nischenspiel. Wer mit komplexen Weltraumsimulationen nichts anfangen kann, der wird sich schnell überfordert und gelangweilt fühlen. Doch wem diese Nische zusagt, der bekommt eines der besten Weltraumspiele geliefert. Es gibt auch einen Multiplayer, in dem ihr gemeinsam die Galaxie erkundet, aber bisher hat mich niemand auf seinen Server gelassen, weswegen ich leider nichts dazu sagen kann. Aber auch schon alleine überzeugt das Spiel. So, und den nächsten Krieg gewinne ausnahmsweise mal ich!

Stellaris wurde auf dem PC (Win-10, AMD FX-8350, GeForce GTX 970, 24 GB Ram) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Paradox Interactive zur Verfügung gestellt.

Stellaris

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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19. Oktober 2019 um 17:07 Uhr
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RELEASE
09. Mai 2016
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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