LoL: EU LCS Woche 9, Tag 2

(Artikel)
Merle B., 08. August 2016

LoL: EU LCS Woche 9, Tag 2

Unverzeihlicher Spielerwechsel und blutige Gemetzel

Die letzte Woche des diesjährigen regulären LCS Summer Splits in League of Legends ist vorbei und die Playoffs stehen vor der Tür. Während sich die besten sechs Teams auf den Kampf um den Sieg der Sommersaison vorbereiten, müssen die niedrigsten drei Plätze um ihre Existenz in der Liga bangen.

Ab jetzt steht es fest: Schalke04, Roccat und Origen sind offiziell die drei Sorgenkinder der EU LCS und müssen sich mit den Challenger-Teams Misfits und Millenium um eine Qualifikation für den Spring Split 2017 prügeln. Besonders für Origen, die es letztes Jahr bis ins Halbfinale der Weltmeisterschaft geschafft hatten, ist das ein harter Schlag – vielleicht sogar der letzte?

standings
G2 in Führung, Roccats und Origen als Schlusslichter - das sind die Standings vor den Playoffs.

Pechsträhne für Origen
Zur Erinnerung: Seit Ende des letzten Spring Splits ist Origen quasi ein Team ohne Botlane. Nachdem ihr berühmt-berüchtigtes Duo aus ADC Jesper "Zven" Svenningsen und Support Alfonso "mithy" Rodriguez zu G2 wechselte, fand Origen zunächst im ehemaligen H2K-Schützen Konstantinos "FORG1VEN" Tzortziou einen durchaus würdigen Ersatz. Dieser brachte Skills, Erfahrung und Prestige mit sich – nur leider so gar keine Lust, seine LCS-Karriere weiterzuführen. Nach der ersten Woche des Splits ließ er Origen im Regen stehen und zog sich unerwartet aus der Szene zurück.

Seitdem ist Origen ein gebrochenes Team. Einen bereits voll in die Mannschaft integrierten Spieler, einen der besten Spieler, gleich zu Beginn des Splits zu verlieren, hat tiefe Spuren hinterlassen. Nur zwei von achtzehn gespielten Matches konnten sie seit Beginn des Botlane-Dramas für sich entscheiden. Jetzt nahm der allmähliche Niedergang der Mannschaft in den letzten Spielen gegen H2K ein bitteres Ende.

Es ist schon ein fieser Twist, dass Origen dem Spieler, der sie in der ersten Woche sitzen ließ, in der letzten Woche als Gegner gegenüberstanden. Aber ja, FORG1VEN ist zurück in der LCS, jetzt wieder mal bei H2K. Und man kann seine Bäumchen-wechsel-dich-Masche finden, wie man will - sein Können spricht nach wie vor für sich: in den neun Spielen, die er diesen Split spielte, erreichte er einen durchschnittlichen Kill-Death-Assist-Ratio von 11.7 – mit Abstand den höchsten der gesamten EU LCS!

Die Spiele gegen Origen liefen entsprechend. Schon im ersten Spiel baute sich H2K durch Kills und Objectives zügig einen satten Goldvorsprung auf, den sie später in einen souveränen Sieg umwandeln konnten. Das zweite Match war ein 26-minütiges Schlachtfest – FORG1VEN ging mit fantastischen K/D/As von jeweils 5/1/7 und 3/0/4 aus den Matches.

Tragödie für Origen, Happy End für H2K. Auch sie hatten keinen leichten Start in den Split – Origen litt schließlich nicht als einziges Team unter einem spontanen FORG1VEN-Austritt. Doch mit der neu aufblühenden Botlane wird die Mannschaft nun sogar als Geheimtipp für die Playoffs gehandelt.

Origen hingegen müssen sich nun gegen Misfits und somit das derzeit beste Challenger-Team behaupten, um 2017 überhaupt wieder auf der LCS-Bühne spielen zu dürfen. Und – schlimmer hätte es für Origen nicht kommen können – die Rookie-Mannschaft ist ausgerechnet für ihren starken ADC Steven "Hans Sama" Liv bekannt. Ein Rücktritt aus der LCS ist für den Fanliebling nicht ausgeschlossen. Started from the bottom, now we're... at the bottom again.

Meta? Was ist eigentlich Meta?
Für Fans, die jetzt nicht wissen, wohin mit ihrer Liebe, lohnt sich ein Blick auf Splyce. Das Team begann den Split als Underdog und konnte sich im Frühling nur einen bescheidenen achten Platz sichern. Mittlerweile sind sie die zweitbeste Mannschaft der Region. Geführt von ihrem 20-jährigen Coach Jakob "YamatoCannon" Mebdi konnte sich Splyce im Laufe des Splits nach oben durchbeißen und gilt nun als einziges Team mit dem Potenzial, den dominanten Tabellenführer G2 zu schlagen.

In den letzten Spielen bewiesen sie, dass sie neben Können auch einen Sinn für Innovation oder doch zumindest Humor haben, als sie das Publikum in den Matches gegen die Unicorns of Love mit diversen Cheese-Picks begeisterten. So zauberte Midlaner Chres "Sencux" Laursen direkt im ersten Spiel einen völlig unerwarteten Kayle-Pick hervor. Die Richterin wurde seit Jahren nicht mehr in der westlichen LCS gespielt, in China sah man sie im Spring Split noch vereinzelt auf der Toplane. Aber Midlane Kayle? Ein fast schon skurriler Pick!

So richtig überzeugen konnte Splyces Mitte dann leider nicht, was jedoch gar nicht mal so viel mit der individuellen Championwahl zu tun hatte. Vielmehr lag es an dem früh hochgefeedeten gegnerischen Kassadin, der im Laufe des Spiels zu einem wahren Monster von einem Mage heranwuchs und mit legendären 12 Kills aus dem Spiel ging – ohne selbst ein einziges Mal gestorben zu sein. Innerhalb einer halben Stunde wurde Splyce unter den Hufen der pinken Power-Ponies zertrampelt und Sencux' Kayle ging mit einem bescheidenen KDA von 2/5/3 aus dem Spiel.

Bestes Spiel des Splits
Mit der Niederlage im ersten Match stand fest, dass sich für Splyce nichts mehr an den Standings ändern würde. Statt sich jedoch demotivieren zu lassen, beschloss das Team, ein wenig Spaß in die LCS zu bringen und noch mehr schräge Picks auszuprobieren – enter Toplane-Akali und Support-Sion!

first blood
Robots in disguise: Support-Sion organisiert seinem ADC First Blood.

Was folgte, war das mit Abstand actionreichste und blutigste Spiel des gesamten Splits, das hiermit mit einer ausdrücklichen Guck-Empfehlung versehen wird. Mit ständigen Parallelkämpfen auf Bot- und Toplane blieb den Castern kaum Zeit, Luft zu holen, und jedes Replay des letzten Teamfights verdeckte schon den nächsten. Obwohl die Kämpfe ein stetiges hin und her waren und die Unicorns ordentlich Kontra gaben, kam Splyce dabei stets um ein Eckchen besser weg. Akali, Le Blanc, Hecarim und Sion ergaben nicht nur eine ungewöhnliche sondern vor allem auch extrem mobile Championkomposition, sodass die Ponys in pink oft kaum wussten, wie ihnen geschah. Splyce dominierte das Match gerade mit 31 Kills zu 19 (zusammen fast doppelt so viele Kills wie Minuten im Spiel!), als das brutale Fangenspielen über die Map in einem letzten mörderischen Teamfight-Crescendo endete. Die große Überraschung: am Ende waren es nicht Splyce sondern die Unicorns, die den Kampf für sich wendeten und das Spiel mit einem Ace zügig beenden konnten.

Nun will man nicht unbedingt von den "Siegern der Herzen" sprechen, aber Splyce hat zweifellos die Gelegenheit genutzt und vor den Playoffs noch ein paar Sympathiepunkte gesammelt: trotz der Niederlagen konnten sie das Publikum erstmals zu zaghaften Fangesängen erwärmen – und das gegen die beliebten Unicorns, die Woche für Woche von ekstatischen, komplett Einhorn-kostümierten Groupies angefeuert werden! Interessant ist dabei auch, dass vor einem Jahr noch die Unicorns als das junge, Meta-ignorante Spaß-Team galten, während nun Splyce diese Tendenz zeigt.

wombo combo
Vier rennen, einer schießt - Splyce erfinden die neue Wombo-Combo.

Es bleibt abzuwarten, was Champions Splyce noch aus dem Hut ziehen kann und ob ihre abenteuerlichen Kompositionen am Ende gar die neue Meta werden. Bei den Playoffs wird allerdings deutlich mehr auf dem Spiel stehen – wenn ihnen der Kampf um den Titel ernst ist, werden sie den sorglosen Übermut, der ihnen hier zum Verhängnis wurde, überdenken müssen.

Wie es in den Playoffs weitergeht, zeigt sich ab dem 13.August, wenn die Unicorns of Love im ersten Viertelfinale gegen Giants antreten. Und sollten die Matches annähernd so spektakulär werden wie das letzte, steht ein Gewinner jetzt schon fest: die Zuschauer.

Kommentare

Adrian
08. August 2016 um 20:28 Uhr (#1)
Das einzig wahre Team bei LoL ist das Spandauer Inferno!
Gast
19. April 2021 um 05:36 Uhr
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27. Oktober 2009
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