Mighty No. 9 im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 05. Juli 2016

Mighty No. 9 im Test

Mächtig mittelmäßig

Wenn es eine Serie gibt, von der Capcom-Fans endlich etwas Neues erwarten, dann Mega Man. Leider waren die letzten Jahre nicht so gnädig. Mega Man Legends? Gecancelt. Mega Man Universe? Wisst ihr überhaupt noch, dass das mal existierte? Und als dann Keiji Inafune, der Mann hinter Mega Man, auch noch Capcom verließ, sah es düster aus. Doch er hatte Pläne für einen spirituellen Nachfolger. Mighty No.9 ist nach einer großen Kickstarter-Kampagne und langer Wartezeit nun endlich erschienen. Und es entlockte der Welt ein großes... Meh. Als Kickstarter-Backer habe ich das Spiel natürlich auch erhalten. Zeit, sich ein eigenes Bild zu machen.

MightyNo9_2Nicht ins Feuer geraten.

Beck ist der neunte Kampfroboter der sogenannten Mighty Numbers. Eines Tages werden Nummer 1 bis 8 von einem Virus infiziert und die Mighty Numbers greifen nun die Menschheit an. Es liegt jetzt an Mighty No. 9, Beck, die Welt zu retten. Der Plot ist nicht der Rede wert und dient wirklich nur als Gerüst für das Gameplay. Und das ist, oh Wunder, sehr stark an Mega Man angelehnt.

Beck kann springen und schießen, aber nur nach vorne - wie in Mega Man -, und aus Mega Man X bekommt er noch den Dash dazu. Der dient nicht nur zur Fortbewegung. Wenn Gegner nur noch wenig Lebensenergie haben, dann fangen sie an zu leuchten und per Dash kann man ihr Xel aufsagen, quasi deren Energiequelle. Xel kommt in vier Farben vor. Blaues Xel lädt langsam einen Energietank von Beck auf, mit dem er sich heilen kann, Rotes Xel verstärkt Becks Blaster, grünes Xel macht ihn schneller und gelbes Xel erhöht die Verteidigung. Wie stark diese Boni ausfallen, hängt davon ab, wie schnell man das Xel aufsammelt. Bis auf das blaue Xel sind aber alle Boni nur temporär.

Der Rest ist auch sehr wie Mega Man. Nach einer Introstage, die uns die Steuerung erklärt, bekommt man acht Level zur Auswahl, eins pro Mighty Number. Besiegt ihr einen der Mighty Numbers, erhaltet ihr seine Waffe. Nachdem man alle Stages geschafft hat, ist der Zugang zum letzten Level frei. Dieser verlangt euch noch mal alles ab. Nur in einem Punkt verlässt Mighty No. 9 die bekannte Formel: Man kann bei der Level-Auswahl herausfinden, ob man bereits eine Waffe von einer anderen Mighty Number hat, die gegen den Boss effektiv ist, denn dann erscheint der neue Menüpunkt "Ratschlag", in dem sich die entsprechende Mighty Number zu Wort meldet. Zusätzlich entschärfen erledigte Mighty Numbers einige Gefahren in dem Level. So muss man nicht erst herausfinden, welche Waffe gegen wen wirkt. Ob das gut oder schlecht ist, hängt von eurem Anspruch ab.

MightyNo9_3Es ist Zeit Cryo aufzuwärmen.

Die Level selber sind durchaus abwechslungsreich und habe alle ihre besonderen Gefahren. Pyro's Level enthält immer wieder Ölpfützen, die angezündet werden können, Cryos Level ist stellenweise verdammt rutschig und Brands Level ist eine Autobahn, auf der man von einem selbstfahrenden Auto zum anderen springen muss. Bereits erhaltene Waffen helfen in den verschiedensten Level. Bats Raketen können in Mics Level Gesteinsblöcke sprengen und so Wege verkürzen oder den Zugang zu Items ermöglichen. Doch leider fehlt es dem Leveldesign an dem gewissen Etwas. Keins der Level ist schlecht, aber kein Level sticht durch einen "Das ist aber cool"-Moment hervor.

Auch die Bosskämpfe sind nach ein paar Versuchen relativ leicht zu durchschauen, da jeder Angriff angekündigt wird. Man muss nur erkennen, was kommt. Macht den Sound bloß nicht aus, denn oftmals kann man die Angriffe nur durch Sprüche der Bosse auseinanderhalten. Viele der Bosse leiden aber darunter, dass sie mit der richtigen Waffe fast schon lächerlich einfach werden. Das war auch bei den alten Mega-Man-Spielen so, man musste aber die richtigen Kombinationen erst herausfinden. Die Herausforderung ist oft den einen Boss zu finden, den man am leichtesten nur mit der Standardwaffe besiegen kann.

Die Xbox-One-Version scheint noch einigen Nachbesserungsbedarf zu haben, da mich die ungewöhnlich langen Ladezeiten doch ziemlich nerven. Man drückt A am Titelbildschirm, das Spiel lädt und präsentiert das Hauptmenü, welches genauso aussieht wie der Titelbildschirm, nur mit Optionen. Man stirbt und muss gefühlt fünf Sekunden lang einen schwarzen Bildschirm angucken, bis der letzte Checkpoint geladen ist und man weiter machen kann. Das muss wirklich nicht sein.
Am meisten stört mich bei Mighty No. 9 die Grafik. Dieses Spiel hat vier Millionen Dollar Kickstarter-Geld verschlungen plus vermutlich auch ein bisschen Finanzhilfe von Deep Silver, welche das Spiel publishen. Und am Ende kam etwas raus, das optisch an den Gamecube erinnert. Man könnte glatt meinen, dass hier die Unreal Engine 2 ihren Dienst tut und nicht die Unreal Engine 3. Trotz Comicstil sieht man den Charakteren ihre Polygone an und die Explosionen werden gerne mit Cheetos verglichen, einem amerikanischen Kartoffelsnack mit Käsegeschmack. Das Spiel ist nicht hässlich per se, wirkt einfach nur optisch antiquiert, vor allem da es zwischen den verschiedensten Versionen kaum optische Unterschiede gibt. Xbox-One- und PS4-Besitzer bekommen nicht zwingend schönere Grafik, nur 1080p.

MightyNo9_1Was leuchtet kann absorbiert werden

Ich denke, das Hauptproblem von Mighty No. 9 ist die Erwartungshaltung der Fans. Wir wollten ein Spiel, das uns so sehr begeistert wie damals Mega Man 2 und 3. Doch was wir bekommen haben, ist eher ein Mega Man 6. Es ist alles intakt hier, das Gameplay, das Leveldesign. Doch wie bei Mega Man 6 findet sich hier nichts, was man nicht schon gesehen hat, bis auf ein paar kleine Ideen. Verdient dieses Spiel Hass? Nein, es ist kein schlechtes Spiel und wenn man einmal im Flow ist, dann macht es durchaus Spaß durch die Level zu heizen. Lob wird es sich aber ebenso nicht verdienen, denn ein halbwegs kompetenter Indie-Entwickler könnte ein genauso guten Mega-Man-Klon machen. Was Comcept und Inafune hier abliefern, ist schlichtweg Mittelmaß. Sollte es mal im Sale sein, ist es sicher einen Blick wert.

Mighty No. 9 wurde auf der Xbox One getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Mighty No. 9

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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17. Oktober 2019 um 12:33 Uhr
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21. Juni 2016
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Nintendo 3DS
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 3
Plattform
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
PS Vita
Plattform
Wii U
Plattform
Xbox 360
Plattform
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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