Zelda: Breath of the Wild im Hands-On

(Artikel)
Haris Odobaši?, 26. Juni 2016

Zelda: Breath of the Wild im Hands-On

Als Zelda-Skeptiker frisch verliebt

Für mich war der Reiz weg. Nachdem sich die zwei N64-Zeldas, Ocarina of Time und Majora’s Mask, zu meinen absoluten Lieblingsspielen entwickelt hatten, ließ die Faszination schon bei Wind Waker auf dem Gamecube stark nach. Der von mir als Rückschritt empfundene Wechsel zu Toon Link, nachdem gerade MM so schön düster war, sorgte dafür, dass ich nicht mehr ganz so viel Spaß hatte. Twilight Princess kaufte ich spontan, aber da ich mir nie eine Wii holte, blieb es ungespielt. Skyward Swords Entwicklung verfolgte ich schon gar nicht mehr. Ich war vom Zelda-Zug abgesprungen und hatte auch kein sonderlich großes Interesse wieder draufzuhüpfen.

Irgendwie fühlte ich mich also wie die falsche Person, als ich letzten Mittwoch bei Nintendo Deutschland vor der Tür stand, um bei einem Post-E3-Event einige der dort gezeigten Spiele anzuspielen. Titel wie Monster Hunter Generations, Dragon Quest VII oder Rhythm Heaven Megamix waren vor Ort und auf einer Bühne gab es zum Beispiel die neuen Mario-Party- und Paper-Mario-Titel in einer Präsentation zu sehen. Aber natürlich ging es der versammelten Mehrheit der Spieleschreiber, Youtuber und Co. vor allem um das neue Zelda: Breath of the Wild, welches dann auch an knapp 10 Stationen angespielt werden konnte.

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Dabei hatte man sogar die Wahl aus zwei Demos. Demo 1 hatte ein 15-minütiges Limit und platzierte euch ohne Kontext ins Great Plateau, also das erste große Areal des Titels. Diese dient dazu, sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Und natürlich, um mit den ganzen Open-World-Möglichkeiten allgemein herumzuspielen. Demo 2 hingegen ging 20 Minuten und war storylastig, da man hier direkt den Anfang des Spiels zocken konnte.

Wer es noch nicht mitgekriegt hat: Mit Breath of the Wild markiert Nintendo einen großen Bruch mit bisherigen Zelda-Abenteuern. Denn dem Spieler sollen vorher so in der Reihe nicht dagewesen Freiheiten geboten werden, und das in einer Welt, die locker zwölfmal so groß ist wie die von Twilight Princess. Wie viel wert Nintendo auf Freiheit legt, merkte man in der Demo 1 schon direkt daran, dass Link auf so gut wie alles klettern kann. Bäume, Felsformationen, selbst ein riesiger Steingolem, der sich plötzlich aus dem Boden vor euch aufbaut – solange Links Ausdauer reicht, kraxelt er an allem herum. Dabei ist das aber nicht nur Gimmick, sondern oftmals sehr nützlich. Auf Baumkronen verstecken sich zum Beispiel gerne Items oder ihr könnt im Eifer des Gefechts die Flucht in die Vertikale antreten.

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Wobei das nur den Anfang der großen Freiheit markiert. Viele Situationen lassen sich nun auf fast unzählbar vielen Wegen lösen. Im Schatten eines Felsvorsprungs campieren beispielsweise ein paar Bokoblins. Ihr könnt traditionell einfach reinstürmen und diese mit eurem Schwert erledigen. Oder ihr schleicht euch an, nehmt den Bogen und arbeitet lautlos. Ihr könnt euch auf die Spitze des Vorsprunges klettern, wo ein manngroßer Felsbrocken nur darauf wartet, über den Rand hinuntergerollt zu werden. Auf Bodenebene sind explosive Fässer, die man zum Beispiel in das Lagerfeuer des Camps werfen kann. Oder ihr nutzt die Physikengine und rollt den Stein nicht etwa mit Muskelkraft müßig umher, sondern manipuliert ihn dank einer magischen Rune so locker, wie wenn er ein Kiesel wäre. So könnt ihr diesen auch wild herumschleudern, was Links Feinden überhaupt nicht gefällt!

Aber nicht nur in der Offensive nutzt ihr die neuen Freiheitsgrade. So findet Link allerlei Zutaten unterwegs. Pilze, Fleisch, Früchte. Die könnt ihr roh essen, oder ihr kocht sie, was in der Regel die positiven Effekte verstärkt. Und echte Gourmets wagen sich daran, Zutaten zu kombinieren, was ganz neue Effekte produzieren kann. Ich hoffe ja, dass man auch wieder angeln können wird, um seine gefangen Fische dann entsprechend weiterverarbeiten zu können.

Link steuert sich großartig und selbst etwas komplexere Aktionen, wie das Surfen auf dem Schild, gehen sehr leicht von der Hand. Es ist nur an manchen Stellen so, dass die Steuerung noch nicht ganz intuitiv ist. Die Knöpfe für Springen und Sprinten sind so gewählt, dass sie im Button-Bereich gegenüber liegen. Das macht es unheimlich schwierig, sie gleichzeitig zu drücken. Auch ein paar andere Funktionen, wie das Wechseln von Waffen, schienen die Steuerung dezent zu überladen. Ich habe hier die Hoffnung, dass noch der Bildschirm des Gamepads irgendwie genutzt wird. Dieser diente in der gespielten Demo nämlich nur als Übersicht für die Tastenbelegung.

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Andere Probleme, die aufgetaucht sind, kann man hingegen auf die noch laufende Entwicklung schieben. So gab es gerade bei Details wie Gras oder auf dem Wasser schwimmenden Blättern relativ starke Pop-Ups zu beobachten. Auch die Framerate stockte gelegentlich. Bei großen Nintendo-Spielen ist man ja einen gewissen technischen Feinschliff gewohnt. Daher dürfte es zu erwarten sein, dass auch Breath of the Wild diese Problemchen noch rechtzeitig zum Release los wird.

Während die erste Demo schon gut die Stimmung gesetzt hat, war aber die Storydemo das echte Highlight. Auch hier merkt man, dass Nintendo mit alten Konventionen bricht. Händchenhalten passierte beispielsweise nur sehr subtil, schon nach wenigen Minuten hatte ich ein ungefähres Ziel, konnte mich aber ansonsten frei auf dem Great Plateau fortbewegen. Mir hat dabei besonders das Mysteriöse gefallen, was einem beim Einstieg überall begegnete. Link wird durch eine körperlose, weibliche Stimme aus einer Art Schlafstarre geweckt. Er kriegt das Sheikah Slate, eine Art Tablet, was im Kontext der gezeigten Welt wie ein Anachronismus wirkt. Und kaum ist er aus der Schlafkammer draußen und an der frischen Luft, informiert ihn ein alter, einsamer Greis, dass wir hier an der Geburtsstätte Hyrules stehen.

Schon die ersten Momente haben so viele Fragen aufgeworfen, dass es wenig verwunderlich ist, wie wild in Foren diskutiert wird und erste Fantheorien aufgestellt werden. Gehört die weibliche Stimme Zelda? Was hat es mit diesen Überbleibseln einer scheinbar weit fortgeschrittenen Technologie auf sich? Und wer ist der alte Mann? Doch die Suche nach Antworten ist natürlich auch eine wunderbare Motivation, mit der man ins Great Plateau entlassen wird.

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Der Reiz ist wieder da. Ich bin so heiß auf ein Zelda-Spiel wie seit Majora’s Mask nicht mehr. Dass, was ich in 35 Minuten spielen konnte, ging wunderbar von der Hand und machte riesigen Spaß. Ich war richtig traurig, nicht noch mehr auf dem großen Plateau erforschen zu können. Ein Blick über die Schulter anderer Spieler zeigte mir nämlich, wie viel selbst dieser kleine Bereich des Spiels an Möglichkeiten bereithält. Versteckte Bossmonster, Dungeons, allerlei Gegenstände – am liebsten hätte ich mich gleich wieder für eine Demo-Session angestellt.

Doch was mich am meisten begeistert hat, war dieses ständige Gefühl, dass man hier nur ein winzig kleines Stück des großen Ganzen gesehen hat. Und die daraus resultierende Vorfreude darauf, was sich Nintendo wohl noch so alles hat einfallen lassen. Ein Blick auf die Karte macht deutlich, dass es hier noch viel mehr zu entdecken geben wird. Nintendo hat selbst gesagt, dass das Gebiet in der Demo nicht einmal zwei Prozent des gesamten Spieles darstellt. Jenseits des Great Plateau wartet also noch eine ganze Welt darauf, erkundet zu werden. Es könnte der Beginn eines der großartigsten Abenteuer der Videospielgeschichte sein. Haris

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16. Oktober 2019 um 17:12 Uhr
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03. März 2017
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Plattform - Hybrid aus Konsole und Handheld. Unter dem Codenamen Nintendo NX angekündigt, ist die Nintendo Switch im März 2017 weltweit erschienen.
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