Sims 4 hebt Geschlechter auf

(Artikel)
Vivian R., 04. Juni 2016

Sims 4 hebt Geschlechter auf

Jeder so, wie's ihm gefällt

Mit dem nächsten Patch schafft Die Sims 4 die geschlechtsbasierten Restriktionen für Kleidung, Accessoires und einige andere Charaktereinstellungen ab. Ab sofort können auch männliche Sims Röcke tragen und sich die Damen im Anzug in Schale werfen. Ein längst überfälliger Schritt zu mehr Spielfreiheit und Inklusion, finde ich.

Zuvor war man als Spieler auf die zwei Seiten des Geschlechterspektrums beschränkt: Mann und Frau und nichts dazwischen. Jeder, der sich dort nicht einordnen kann, findet sich in den seltensten Fällen in der Medienlandschaft wieder. Besonders schade, da doch gerade Spiele bei der Charaktererstellung uns ansonsten so viele Freiheiten lassen. Einige Spiele, die wie die Sims 4 auch an klassischen Geschlechterrestriktionen kratzen, möchte ich eben vorstellen.


Und gerade, weil es so gut zu dem Spiel passt, das mit einer absoluten Nonchalance bereits 2000 im ersten Sims-Spiel homo- und bisexuelle Beziehungen unter den Bewohnern unserer Dörfchen erlaubt hat, ist dieses Update eine willkommene Erweiterung. So erlaubt Die Sims 4 den Spielern nicht nur mehr Möglichkeiten bei der Charakterentwicklung, sondern auch beim Erzählen von zwischenmenschlichen Geschichten.

Auch weniger familienfreundliche Spiele haben die geschlechtsbasierten Restriktionen längst abgebaut. Einen eigenen Charakter dürfen wir besonders in Rollenspielen oft selbst gestalten. Die Dragon-Age-Spiele waren bis zu Inquisition noch sehr klassisch: wallende Mähne für das Elfchen, dicke Oberarme für den männlichen Hawke.

Fallen LondonFallen London

Bei Dragon Age: Inquisition durften wir erstmals die Grenzen von Geschlechtern bei der Erstellung ankratzen – wenn auch nicht überschreiten. Die Auswahl der Stimmen und der Körperbau sind noch immer an das ausgewählte Geschlecht gekoppelt. Dafür können wir unserem Herren auch einen Lidstrich ziehen und den weiblichen Figuren einen Adamsapfel geben. Auch bei der Wahl der Frisuren sind wir nicht an das zuvor eingestellte Geschlecht gebunden.

Bei der Kleidung gibt es ebenfalls keine Restriktionen, sie sehen lediglich anders aus. Paradebeispiel dafür, wie man es beim Design von Rüstungen richtig macht, sind seit jeher die Dark-Souls-Spiele. Hier lässt sich beim Zuschauen nicht einmal erkennen, ob sich da ein Mann oder eine Frau unter dem Helm und der dicken Plattenrüstung versteckt. Schreckliche Boobplate, adé! (Ja, Mass Effect, hier schiele ich zu dir...)

dragons-dogma-boobies

Ein ähnliches Konzept fährt auch Fallout 4: Hier ist der Charaktereditor zwar stark beschränkt, was Bartwuchs und Frisuren betrifft, aber im Spiel können sich auch weibliche Charaktere in einen Anzug und männliche in das rote Pailettenkleid werfen. Ähnliches gilt für Dragon's Dogma, wo ein alter, vergrisselter Bogenschütze ein nobles Kleid tragen kann.

Vielleicht hatten die Macher von Saints Row nicht unbedingt eine transfreundliche Agenda im Kopf, als sie den Charaktereditor komplett für alle Geschlechter ohne Limits freigegeben haben. Wie auch immer – die Saints-Row-Spiele haben uns als eine der ersten die Möglichkeit gegeben, unseren Boss komplett frei zu erstellen. Ein männlicher Boss mit Brüsten ist da ebenso wenig ein Problem wie ein weiblicher ohne Oberweite aber dafür mit dickem Bizeps.

The EndDas Indie-Spiel The End verzichtet bei der Charaktererstellung ganz auf die Frage nach dem Geschlecht. Quelle

Auch bei den Wrestling-Spielen der WWE-2k-Reihe fallen Einschränkungen beim Charaktererstellen weg. Zwar stand hier bestimmt eher der humoristische Faktor im Vordergrund, das tut der Idee und dem Effekt aber keinen Abbruch.

Spieler, die transsexuelle Figuren erstellen wollen, haben sicher schon vor dem Update von den Sims versucht, die Grenzen dessen, was mit Charaktereditoren möglich ist, auszutesten. Das geht besonders gut, wenn der Editor so kleinteilig und detailliert ist wie bei Spielen wie Dragon Age: Inquisition, Die Sims 4 oder Fallout 4. Bei einem Mass Effect, wo man sich nur durch verschiedene Nasen klickt, ist schon viel Vorstellungskraft nötig.

Genderrestriktionen abzubauen, ist bei einem Sims-Spiel, wo es ja in erster Linie um menschliche Beziehungen und auch um Familienplanung geht, auf den ersten Blick sicher wichtiger als bei einem Rollenspiel. Aber auch bei anderen Spielen schafft die Aufhebung eine erhöhte Sichtbarkeit für Menschen, die sich irgendwo im vermeintlich binären Spektrum zwischen Mann und Frau eingliedern.


Obwohl im streitwütigen Internet hitzige Diskussionen vorprogrammiert sind, hat die Sims-Community überraschend freundlich und zustimmend auf das neue Update reagiert. Vielleicht ist das ja die viel gewichtigere Botschaft von der Spielergemeinschaft für mehr Inklusion und Akzeptanz.

Die Meinung in Beiträgen mit dem Tag "Jetzt spreche ICH!" muss nicht unbedingt der des ganzen DPads entsprechen. Kann! Muss aber nicht.

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RELEASE
04. September 2014
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PC
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