Fallout 4: Far Harbor im Test

(Artikel)
Vivian R., 25. Mai 2016

Fallout 4: Far Harbor im Test

Frischer Fisch im DLC

Ich gestehe, die ersten zwei DLCs für Fallout 4 haben mich jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen. Mag daran liegen, dass ich lieber auf Erkundungstour gehe und sowohl Wasteland Workshop als auch Automatron ihren Schwerpunkt ganz klar aufs Basteln und Schrauben gelegt haben. Umso mehr habe ich mich auf den ersten richtigen Story-DLC für Fallout 4 gefreut: Am 19. Mai kam Far Harbor raus … und er ist wirklich, wirklich gut.

FH Atmo 3

Hier hat ein freundlicher Mensch ein paar spoilerfreie Tipps für den Einstieg in Far Harbor gegeben! Der Wichtigste gleich vorweg: Nehmt Nick mit!
Aber erst einmal bekommen wir eine Nachricht: Ellie, die kesse Assistentin unseres Lieblingssynthdetektivs Nick Valentine, bittet uns zurück in die Agentur zu kommen. Dort hingerauscht, informiert sie uns über einen neuen Auftrag: Kasumi, die junge Tochter eines ehemaligen Bekannten von Nick, ist verschwunden. Nun sollen wir sie finden und zurück ins behütete Heim geleiten.

Bei der Familie angekommen, merken wir aber schnell, dass Kasumi nicht einfach nur jugendliche Abenteuerlust überkommen hat oder sie von einem gemeinen Fiesling entführt wurde. Was auch immer Kasumi aus dem schützenden Schoß ihrer Familie geführt hat, wir folgen ihrer Spur und finden uns eine Bootsfahrt später in Far Harbor wieder, einem kleinen Örtchen irgendwo in Maine.

Fh Atmo 2

Aber auch dort ist die Stimmung so düster wie der Nebel, der die schützenden Mauern hochkriecht. Wir kommen gerade rechtzeitig, um die Stadt vor einem Angriff von mutierten Salamandern und entstellten Anglerfischen zu retten. Schnell erfahren wir, dass die gesamte Insel von einem radioaktiven Nebel überzogen ist, der die Menschen immer weiter an die Küste drängt.

Zum Glück haben die Synths, die in einer Kolonie Schutz vor dem Institut suchen, Nebelkondensatoren gebaut, sodass zumindest Far Harbor geschützt ist. Aber dann hören wir vom Gerücht, dass die Kinder des Atoms, die ebenfalls auf der Insel siedeln, für den Nebel verantwortlich sind...

FH Hermit Crab

Die Bewohner von Far Harbor sind dabei so freundlich wie die Viecher, die uns aus dem Sumpfland bei unseren Wanderungen entgegenspringen. Ein rauer Ton voller Misstrauen, den die ölzeugbewehrten, angelrutenschwingenden Bewohner anschlagen, pfeift uns entgegen. Selbst für mich als Norddeutsche ist das eher unangenehm. Das Vertrauen der ruppigen Leute müssen wir uns erst erarbeiten, indem wir ihnen helfen und Ehegatten rächen, Kranke versorgen oder den sagenumwobenen Captain's Dance vollführen. Dabei hilft der neue Begleiter Longfellow, auch ein Bewohner von Far Harbor.

FH Longfellow

Mit unserem neuen Begleiter im Gepäck können wir uns an die Quests wagen. Diese sind wirklich ein Glanzstück des DLCs und sind alle sehr eigen und unterhaltsam. Selbst auf den ersten Blick repetitiv wirkende "Sammle dies"- oder "Töte jenes"-Quests machen Spaß, weil die Questgeber mehr als nur ein paar Sätze dazu zu sagen haben. Immer wieder müssen wir kleine Entscheidungen treffen, begegnen kuriosen Charakteren und finden mysteriöse Orte, wo Nebel und Meer sich das einstmals bewohnte Land zurückgeholt haben. Besonders hat mich die Fülle an Entscheidungen gefreut, die wir in Far Harbor haben: Nicht nur zum Ende der Hauptquest hin, sondern immer wieder während des Spiels verlangen die Bewohner der Insel Entscheidungen von uns ab.

Vergleiche zu Point Lookout drängen sich natürlich auf, spätestens wenn man "verschollene Tochter" und "Bootsfahrt" hört. Far Harbor selbst ist voll von Anspielungen auf den Fallout 3-DLC: Sumpfgebiete, degenerierte Jäger, religiöse Kulte – die Anleihen sind nicht gerade subtil.

Macht aber nichts, denn Far Harbor ist atmosphärisch doch noch anders und bügelt aus, was mich an Point Lookout immer gestört hat: In Far Harbor gibt es nicht nur ein großes neues Gebiet - sondern auch wirklich etwas darin zu tun. Wir stolpern von einem Ort, den es zu erkunden gilt, zum nächsten und von Quest zu Quest. Immer mal wieder zurück an einen Ort vergangener Quests zu kommen lohnt sich!

FH Robo

Schade auch, dass der Charme der Detektivgeschichte, die uns noch zu Beginn auch durch das Gameplay und einige Quests versprochen wird, nicht lange eingehalten wird. Es gibt ein paar absolut lohnenswerte Quests, in denen wir Beweise sammeln und Zeugen befragen und uns unterschiedliche Optionen gegeben werden - je nachdem, was wir herausfinden. Leider bleibt es bei diesen wenigen Ausnahmen. Schade!

Far Harbor lockt außerdem mit ein paar neuen Waffen und besseren Rüstungsteilen, aber hier muss man keine Fülle an neuen Gegenständen erwarten. Wem der Broadsider und die Nagelpistole aus dem Hauptspiel Spaß machen, wird sich über das Harpunengewehr freuen! Auch gibt es neue, kreative Wege, seine Gegner mit Radioaktivität vollzuballern. Auch nett!

FH CoA2

Auch neue Siedlungen dürfen wir bauen, was in Far Harbor wirklich charmant ist, da wir uns ein Stück der Insel vom Nebel zurückerobern. Praktischerweise können wir auch Handelskarawanen zwischen den Siedlungen auf der Insel und dem Festland des Commonwealths anlegen.

Einen kleinen Minuspunkt gibt es aber für einen Bereich in der Mitte der Hauptquest, in dem es uns in eine Computersimulation verschlägt. Diese ist ein reiner ???-Moment. Hier sollen wir Daten von A nach B transportieren, indem wir knifflige Rätsel lösen. Klingt erst mal gar nicht so schlimm, aber leider müssen wir uns des hakeligen Bausystems bedienen, um die Blöcke an die richtigen Plätze zu setzen. Das ist zumindest auf dem PC absolut unspaßig und kostet einfach Nerven. Auch das plötzlich cyberpunkige Aussehen der Simulation passt atmosphärisch mal so gar nicht in den Fünfzigererjahre-Charme von Fallout und erst recht nicht in das Fischer-Dörfchen-Interieur von Far Harbor. Bestimmt wären die Rätsel ganz nett für zwischendrin, da die ganze Reihe aber sehr lang ist und man doch endlich wissen will, wie es mit der Hauptquest weitergeht, bleibt es langweilig.

FH SPECIALDie SPECIAL-Tests sind zurück!

Fazit
Ich hatte wirklich große Hoffnungen auf Far Harbor und muss gestehen, dass sich alle meine Erwartungen erfüllt haben. Bis auf den kleinen Ausrutscher in der Hauptstory mit dieser unsäglichen Simulation ist Far Harbor ein durchweg gelungener DLC. Er schafft eine ganz eigene Atmosphäre im trügerischen Nebel der Insel, bietet eine Fülle an unterschiedlichen Quests, die uns von einer kniffligen Entscheidung zur nächsten führen.

Fallout 4: Far Harbor wurde auf dem PC (Windows 7 64-bit, 8 GByte RAM, AMD FX-8150, AMD Radeon R9 280 3GB) getestet. Für den Test hat sich die Redakteurin das Spiel selbst gekauft.

Fallout 4: Far Harbor

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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12. Dezember 2019 um 03:05 Uhr
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