Battlefleet Gothic: Armada im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 24. April 2016

Battlefleet Gothic: Armada im Test

Ewiger Krieg im Weltall

Battlefleet Gothic: Armada gehört trotz Vollpreis zu den Underdogs der aktuellen Releases. Deswegen die berechtigte Frage: Worum geht es eigentlich? Battlefleet Gothic: Armada ist die Adaption eines gleichnamigen Tabletop-Games mit Weltraumsetting, in dem sich die vier Fraktionen Imperium, Chaos, Orks und Eldar gegenseitig bekriegen. Ob aus diesem spannenden Setting ein gutes Strategiespiel entstanden ist, lest ihr im folgenden Test.

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Bombenstimmung
Wer jetzt hier ein fantastisches Weltraumsetting mit Erkundung erwartet, kann den Gedanken sofort wieder verwerfen. Battlefleet zeichnet eine düstere Fantasy-Zukunft, in der der Krieg absolut im Vordergrund steht. Jede der vier Fraktionen ist erfüllt von Hass und wer sich nach Versöhnung sehnt, kann sich besser direkt die Kugel geben. Im Kampagnen-Modus seid ihr Admiral des Imperiums und müsst in verschiedenen Galaxien eure Fraktion vor den gierigen Händen der Gegner verteidigen. Euch steht eine kleine Flotte zur Verfügung, die sich in Hauptschiffe, Linienschiffe und Begleitschiffe aufteilt.

Der spielerische Rahmen ist ein Rundenstrategie-System, vergleichbar zu dem von Total War, in dem ihr pro Runde eine Schlacht ausführen könnt. Jede Schlacht wird durch Zwischensequenzen eingeleitet und ihr erhaltet ordentlich Text-Input von Beratern, die euch über den Grund und die Wichtigkeit der nächsten Mission zulabern. Um die Themen einmal generell zusammenzufassen: Krieg, Leiden, Herrschaft über Alles.

Der Hauptteil von Battlefleet spielt sich allerdings in den Schlachten ab. Dabei müsst ihr nicht immer die Gegner einfach mit voller Kraft ins Nirwana schießen, denn neben der klassischen Schlacht werden auch noch verschiedene Modi geboten. So müsst ihr Raumstationen vor der feindlichen Übernahme schützen, einen befreundeten Konvoi eskortieren oder einen feindlichen Konvoi infiltrieren. So harmonieren die Ziele einer Schlacht auch mit der umliegenden Story, sodass sowohl ein roter Faden entsteht als auch Abwechslung geboten wird. Für jede Schlacht gibt es eine vorgegebene Anzahl an Einsatzpunkten und jedes eurer Schiffe verbraucht je nach Größe und Schlagkraft eine bestimmte Anzahl dieser Punkte, sodass ihr niemals übermäßig stark in den Kampf ziehen könnt – ein gutes Werkzeug, um zu regulieren, dass das Spiel nicht zu einfach wird.

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Taktisches Feuerwerk
Auf dem Schlachtfeld überrollt einen dann die Welle der taktischen Möglichkeiten. Es dauert etliche Runden, bis man alle Spielmechaniken durchdrungen hat und sie auch klug ausnutzen kann – und das nicht, weil sie schlecht bedienbar oder versteckt sind, sondern weil Battlefleet Gothic: Armada eine außerordentliche taktische Tiefe bietet. Jedes Schiff hat beispielsweise eigene Waffensysteme und Spezialisierungen, sodass man die richtigen Einstellungen finden muss, damit es am effektivsten ist. So besitzen die meisten Schiffe sowohl Bug- als auch Seitenkanonen, deren Benutzung flexibel angepasst werden kann. Das Gleiche gilt für die Angriffsreichweite, wodurch ihr genau einstellen könnt, ob euer Schiff auf Tuchfühlung geht oder auf Distanz bleibt. Genauso besitzen eure Schiffe Spezialfähigkeiten, die entweder von Beginn an vorhanden sind oder mit Fertigkeitspunkten freigeschaltet werden können. Diese mächtigen Aktionen könnt ihr über ein kleines Menü in der Ecke aufrufen und gezielt einsetzen, besitzen aber auch einen langen Cooldown. So könnt ihr mithilfe des Blitzschlages den Warpantrieb feindlicher Schiffe lahmlegen und sie so vom Fliehen abhalten.

Das Wichtigste in einer Schlacht ist aber das ständige Manövrieren, weswegen ihr jedes eurer Babies stets im Auge behalten müsst. Die taktisch kluge Platzierung eurer Schiffe ist somit einer der wichtigsten Bestandteile einer Schlacht. Ihr könnt die härtesten Waffen an eure Schiffe montieren - wenn ihr sie nicht gut durch die Schlacht leitet, habt ihr mit absoluter Sicherheit verloren.

Um den Gegner überraschen zu können, sind auf vielen Karten Gaswolken platziert, in denen ihr unsichtbar für den Gegner seid. Projektile, die in Battlefleet abgeschossen werden, haben immer eine gewisse Flugdauer und treffen ihr Ziel nicht automatisch, sondern ihr habt immer die Möglichkeit, durch geschickte Manöver weniger Schaden zu nehmen oder gar komplett auszuweichen. Um die schnellen Manöver etwas zu vereinfachen, gibt es einen Zeitlupen-Modus, in dem ihr in Ruhe Befehle an eure Flotte geben könnt, wie zum Beispiel einen abrupten Schlenker nach rechts, um nahenden Raketen zu entgehen. Das sieht nicht nur toll aus und hört sich durch die lärmenden Turbinen der Schiffe geil an, sondern macht auch unglaublich viel Spaß.

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Noch mehr Anspruch
Durch die vier verschiedenen Fraktionen habt ihr auch immer andere Gegnertypen vor euch, sodass ihr euch auch hier anpassen müsst. Während man selbst als Imperium in der Kampagne gute Allrounder-Schiffe mit starken Waffen und allseits guten Werten hat, haben die Orks riesige Schiffe mit starken Turbinen und ausdauernden Schilden, um eure Schiffe per Rammangriff zu zerfetzen. Die Eldar-Fraktion hingegen hat sehr wendige Schiffe mit Sonnensegeln, die besonders manövrierfähig und schwierig zu treffen sind. Wenn ihr auf feindliche Schiffe draufklickt, öffnet sich ein kleines Fenster, in dem ihr auswählen könnt, ob ihr bestimmte Komponenten besonders unter Beschuss nehmen wollt. So bietet es sich bei den Eldar an, die Waffengewalt auf die Triebwerke zu richten, damit sie nicht mehr so agil sind und ein einfacheres Ziel darstellen.

So mitreißend die Story auch ist, bietet sie dennoch ein paar Schwachstellen. So sind zwar viele Zwischensequenzen absolut bombastisch und hinterließen Gänsehaut bei mir, aber im Gegenzug werden viele Elemente auch in langwierige Briefings verschoben, in denen ihr einfach regungslos vor dem PC sitzt und ein Textfeld anstarrt. Ein anderer Punkt ist, dass ständig erwähnt wird, wie wichtig die folgende Mission doch für das Imperium sei und dass die komplette Zukunft von unserem Erfolg abhängt. Verliert man dennoch die nächste Mission, bekommt man zu hören, wie enttäuscht doch der Imperator ist, aber wirklich gravierende Folgen hat die Niederlage nicht. Zwar verändert sich der weitere Spielverlauf irgendwann durch Nachteile in Schlachten, aber der Untergang des Imperiums bleibt aus. Hier entsteht eine Lücke in der Story, die mit jedem Mal breiter wird, wenn man in solch eine Situation stolpert.

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Geile Präsentation
Ich erwähnte schon, dass die Zwischensequenzen der absolute Hammer sind. Auch der Rest des Spieles darf sich sehen lassen. Menüs sind übersichtlich und die Optik passt zum Spielgeschehen. Es macht einfach Spaß, den Schiffen bei ihren Manövern zuzusehen. Dabei sind die Effekte besonders gut gelungen. Eine weitere Stärke von Battlefleet ist der Soundtrack, der einem mit Kopfhörern einfach nur das Trommelfell wegfegt. Mit lautem Orchester und dröhnenden Bässen wird hier richtig gut Stimmung gemacht und das auch immer passend zur jeweiligen Situation. Auch wenn wir gerade erst April haben, bin ich mir sicher, dass sich Battlefleet Gothic: Armada mit dem Soundtrack und der grafischen Präsentation ganz vorne unter den besten des Titeln des Jahres einreiht.

Wie es sich für ein Strategiespiel gehört, ist auch ein freier Modus vorhanden, der aber nicht großartig überrascht. Jeder, der schon einmal ein Strategiespiel in der Hand hatte, weiß, womit man es hier zu tun hat: eigene Schlacht konstruieren, rein da und gewinnen. Viel wichtiger ist der Multiplayer, in dem ihr mit bis zu drei Mitspielern eine Schlacht antreten könnt. Dabei baut ihr eure eigene Flotte allerdings konstant auf, weshalb ihr euch anfangs für eine Fraktion entscheiden müsst. Ihr könnt euch also nicht einfach jedes Spiel neue Schiffe besorgen, sondern müsst euch eigenständig nach oben arbeiten. Das funktioniert soweit gut und macht Laune, gerade wenn ihr auch Freunde dabei habt, die sich auf ungefähr dem gleichen Level befinden.

Fazit
Battlefleet Gothic: Armada ist ein klasse Strategie-Spiel. Mit einem wunderbar präsentierten Setting und einem erstklassigen Soundtrack werdet ihr in ein Fantasy-Universum eingeladen, in dem der Krieg herrscht. Und es macht einfach Spaß, in diesem Krieg mitzumischen. Die taktischen Anforderungen an den Spieler versprechen Abwechslung für jede Schlacht. Dennoch sind die B-Noten-Schniter-Schnitzer in der Kampagne da, die dem perfekten Strategie-Epos im Weg stehen. Adrian

Battlefleet Gothic: Armada wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i5-4670, 16 GB RAM, AMD Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Focus Home Interactive zur Verfügung gestellt.

Battlefleet Gothic: Armada

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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06. April 2020 um 14:04 Uhr
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21. April 2016
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