Trackmania Turbo im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 03. April 2016

Trackmania Turbo im Test

Bestzeiten endlich auf Multiplattform

Im ersten Moment einfach und unglaublich schwer zu perfektionieren – das Markenzeichen von Trackmania seit der ersten Stunde. Das Spielprinzip ist dabei spätestens seit dem zweiten Teil der Reihe perfektioniert: man schmeiße eine anspruchsvolle und verrückte Strecke mit einem superschnellen Fahrzeug und eine intuitive Steuerung in einen Topf, schüttelt einmal kräftig und da ist das perfekte Rennspiel. Genauso möchten Ubisoft und Entwickler Nadeo auch den neuesten Teil Trackmania Turbo zum Besten geben.

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Wie am Arcade-Automaten
Viel Neues solltet ihr allerdings nicht erwarten, denn wirklich revolutionär ist nur die Hintergrundpräsentation und die Menüführung. Während ältere Trackmania-Teile wenig auf die Ausgestaltung der Streckenumgebung setzte, finden sich hier zahlreiche Gimmicks wie Zeppeline mit verrückten Aufschriften oder fliegenden Donuts. Wirklich, ich glaube auf jeder Strecke ist ein fliegender Donut! Generell ist das Design deutlich in Richtung verrückter Arcade-Racer gerückt. So wechselt der Bildschirm in einen "Insert Coin"-Modus, wie man ihn von den alten Arcade-Automaten kennt und wenn ihr auf einem Bildschirm nicht gleichzeitig alle Farben der Farbpalette finden könnt, muss es schon mit dem Teufel zugehen. Wirklich neu sind außerdem das Menü und die Bedienung, die deutlich mehr auf Konsolen ausgelegt ist – was auch kein Wunder ist, denn Trackmania Turbo ist der erste Teil der Reihe, der auch auf euren Heimkonsolen vertreten ist. So könnt ihr nun auch auf PS4 und Xbox One Strecken fahren und bauen.

Der Charme ist dabei nicht verloren gegangen. Weiterhin fesselt euch Trackmania Turbo an den Bildschirm, während ihr versucht eure Bestzeiten zu fahren und in der Rangliste immer weiter nach oben zu klettern. Wie in den Vorgängern könnt ihr euren Ranglistenort bis auf die Ebene des Bundeslandes einstellen und euch so mit regionalen Mitstreitern messen. Nach jeder Verbesserung auf einer Strecke erhaltet ihr eine kurze Übersicht, wie viele Plätze ihr nach oben geklettert seid – bis ihr Platz 1 erreicht habt und mit der Angst leben müsst, jeden Moment von dem unbekannten Gegner überholt zu werden. Am besten hört ihr gar nicht mehr auf, eure Runden zu drehen, denn das Zeitenfahren macht noch genauso viel Spaß wie zuvor.

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Für die Serienneulinge: in Trackmania Turbo fahrt ihr nämlich keine Rundkursrennen wie in Need for Speed, sondern versucht auf den verrücktesten Strecken der Welt die absolute Bestzeit zu fahren. Nicht mehr und nicht weniger, denn was sich so simpel anhört, ist eine nie endende Aufgabe. Durch die nahtlose Online-Integration gibt es nämlich immer jemanden, der besser ist – oder zumindest auf Augenhöhe. Dabei fahrt ihr in vier verschiedenen Bereichen: Canyon, Stadium, Lagoon und Valley mit vier unterschiedlichen Fahrzeugen eure Zeiten. Jedes Auto hat eigene Lenkeigenschaften. Während der Stadium-Flitzer wie auf Schienen auf dem Boden klebt, ist das liebste Hobby des Canyon-Autos aus Kurven zu fliegen, sobald man auch nur Anstalten macht zu lenken. So bekommt ihr vier verschiedene Herausforderungen vor den Latz geknallt, die es zu perfektionieren gilt. Gerade dazu sind die weißen Strecken gut, die von der Komplexität noch sehr simpel sind, weshalb man sich mehr auf das Handling der Autos konzentrieren kann. Hier gibt es nichts zu meckern.

Level up!
Vom Entwickler gibt es 200 gebaute Strecken, die in Schwierigkeitsgrade unterteilt sind. In der "Kampagne" fangt ihr mit den einfachsten Strecken an und arbeitet euch so nach oben – und nur wenn ihr auch wirklich Medaillen erreicht, erhaltet ihr Zugang zu den schwierigeren Strecken. So fangt ihr mit den weißen Strecken an. Um Zugang zu den grünen Strecken zu erhalten, müsst ihr mindestens 40 Bronzemedaillen erreichen. Für die schwarzen Strecken, die schwierigsten von allen, braucht ihr eine ordentliche Menge Goldmedaillen. Dabei könnt ihr jederzeit frei zwischen den freigeschalteten Tracks herumspringen, um eure Zeiten zu verbessern, denn linear ist hier gar nichts. Die Medaillen-Sperre ist dabei nur da, um euch davon abzuhalten, gleich mit den schwierigsten Strecken anzufangen und bis aufs Letzte zu verzweifeln. So erhaltet ihr einen guten Einstieg und der Anspruch steigt in einem angenehmen und absolut fairen Niveau, ohne plötzlich zu einfach oder zu schwierig zu werden.

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Mit einer Menge Fantasie...
Zu jedem Trackmania gehört auch der Streckeneditor dazu. Zum Schrecken vieler Spieler ist dieser allerdings für die Konsolen versimpelt worden – und fand auch so seinen Weg auf den PC. Schnell entbrach eine Hasswelle gegenüber Ubisoft und Nadeo, dass sich Trackmania doch nicht von der Lead-Plattform PC abkehren könnte. Wenn man allerdings einmal genauer hinschaut, kann man auch in Trackmania Turbo wieder auf den klassischen Editor zugreifen, indem man in der Bildschirmecke auf das Zahnrädchen klickt und dort den entsprechenden Punkt anklickt. So präsentiert sich auch der Trackbuilder im altbekannten Gewand und es lassen sich sowohl zufällige Strecken generieren, als auch komplett eigene mit zahlreichen Bauteilen erbauen. Das funktioniert so einfach und gewitzt, dass jeder sich in wenigen Augenblicken eine gescheite Strecke zusammenzimmern kann. Aber gerade das Bauen von etwas Besonderem ist anspruchsvoll, denn man möchte ja geniale Strecken erschaffen, die genauso schwer zu meistern sind wie die von Nadeo.

Als nettes Gimmick wurde neben der Solokampagne auch noch der Double-Driver-Modus eingeführt, der es erlaubt, dass zwei Spieler vor demselben Bildschirm gleichzeitig ein einziges Auto steuern. Das heißt: lenkt einer nach links und der andere nach rechts, geht es halt weiter geradeaus gegen die Wand. Der Modus ist lustig für zwischendurch, aber kein wirkliches Killer-Feature, denn es gibt keine speziellen Strecken, sondern es werden einfach die normalen Kampagnenetappen abgefahren.

Die Individualisierungsmöglichkeiten wurden etwas abgespeckt – sowohl die des eigenen Namens als auch der Autos. Es gibt jetzt weniger Aufkleber und Lackierungen als in den Vorgängern, aber auch mit dem Rest lässt sich euer Auto schrill und auffällig gestalten. Dafür fehlen Bastelmöglichkeiten beim Gamertags, den man in den Vorgängern noch durch bunte Buchstaben und allerlei verrückten Kram lustig gestalten kann. Erst so wurde es wirklich zur richtig eigenen Identität. Umso trauriger ist es, dass man sich hier nicht mehr so austoben kann.

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Die Grafik von Trackmania Turbo ist glatt geleckt und poliert, schön anzusehen, aber kein wirklicher Brüller. Die Texturen sind knackig scharf, die Umgebung ist ausreichend detailliert und gerade durch die vielen Gegenstände, die sich um die Strecke befinden, sehr ansprechend gestaltet. Was mich wirklich überrascht hat, ist die überragend gut gelungene Integration von Musik. Die meisten Tracks bewegen sich in Richtung Elekro, Dubstep oder House und unterstützen das schnelle und konzentrierte Renngeschehen absolut großartig. Erst, wenn der typische Countdown runtergezählt wurde, startet die Musik und wummert in eure Ohren. Sobald ihr aber irgendwo gegenkracht oder die Wand touchiert, wird sie leiser oder verstummt komplett. Dadurch wird die Jagd nach der Bestzeit so gut unterstützt, dass ich kaum mehr aufhören kann. Wenn ihr einzelne Tracks habt, die ihr nicht mögt, müsst ihr euch einfach nur den Namen merken und könnt diese per Knopfdruck im Hauptmenü deaktivieren.

Fazit
Trackmania Turbo ist ein typischer Vertreter der Reihe. Es wird überwiegend auf Altbewährtes gesetzt und nicht viel herumexperimentiert – was eigentlich auch nicht schlecht ist, denn Trackmania ist wirklich ein fantastisches Spiel, so wie es ist. Der neue Arcade-Stil bringt etwas frischen Wind rein, die neuen Strecken sind anspruchsvoll und fordern einen bis zur Verzweiflung und die wunderbare Musik rundet das Gesamtpaket ab. Letztendlich ist es einfach nur Trackmania. Adrian

Trackmania Turbo wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i5-4670, 16GB RAM, Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Ubisoft zur Verfügung gestellt.

TrackMania Turbo

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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18. Juli 2019 um 11:30 Uhr
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RELEASE
24. März 2016
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
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Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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