ChromaGun im Test

(Artikel)
Vivian R., 29. Februar 2016

ChromaGun im Test

ChromaFun!

Wir sind ein Tester in einer sterilen, weißen Umgebung, lösen Rätsel mit Hilfe einer experimentellen Waffe, während eine fröhlich-sadistische Stimme uns zum Weitertesten zwingt. Kommt euch bekannt vor? Zurecht: Das Gefühl, dass die Entwickler von ChromaGun ein bisschen zu oft Portal gespielt haben, beschleicht uns schon nach den ersten zehn Spielminuten. Aber einfach sagen: "Bäh, schon wieder ein Portal-Klon!" wäre dem kleinen Spiel nicht gerecht. Denn ChromaGun macht erstaunlich viel Spaß – und ist sich auch nicht zu schade, selbstironisch Witze über die Nähe zu Portal zu machen.

ChromaGun 1

Die Handlung ist so schnell erklärt wie das Spielprinzip: Als nichtsahnender Tester, der sich schnelle zehn Dollar verdienen wollte, finden wir uns in einem Rätselparcours wieder, in dem wir mit dem Testprodukt, der ChromaGun, Rätsel lösen sollen. Diese verschießt keine Portale (so weit sind die Entwickler dann doch nicht gegangen), sondern Farbkügelchen. Die Basisfarben Rot, Blau und Gelb gibt’s in der ChromaGun, alles andere mischen wir zusammen. Wer im Kindergarten gut aufgepasst hat, sollte hier keine Problem haben. Und die wichtigste Regel: Zu viele Farben zusammen gekleistert ergeben Braun, also müssen wir uns gut überlegen, welche Farben wir miteinander mischen.

Wie die meisten guten Rätselspiele, ist auch das Spielprinzip von ChromaGun extrem simpel: Färben wir eine Fliese rot ein, zieht dies im Raum umher schwebende Kügelchen, die Worker Droids, mit der gleichen Farbe an. So können wir die Droids geschickt durch den Raum bewegen, wenn sie uns den Weg versperren, oder auf Schalter bugsieren, die Türen öffnen, sodass wir geschwind ins nächste Level vordringen und weiterrätseln.

Klingt einfach, wird aber fix schwierig, zum Beispiel wenn wir über mehrere Räume denken müssen. In einem Level können wir unseren Droid nicht auf seinem Weg zu einem Türschalter begleiten, sondern müssen vorher eine Farbbahn legen. Über einen Fernseher im Nebenraum verfolgen wir dann seine Laufbahn und hoffen, dass wir alles richtig gemacht haben und er seinen Weg zum Türschalter findet.

ChromaGun duster

Manche der Worker Droids können wir komplett so einfärben, wie wir wollen - die meisten sind zumindest in einer der drei Basis-Farben eingefärbt. Manche Droids und Fliesen sind mit einem Schutzfilm eingehüllt, sodass wir ihre Farben gar nicht ändern können. Dass uns manche von diesen Kugeln auch noch ans Leder wollen, erhöht zudem den Druck, schnell zu handeln. Ach ja, und dann gibt es ja auch noch elektrische Fliesen, die Droids zerstören und uns sofort töten, sobald wir sie berühren. Nett. So ergeben sich insgesamt acht Kammern mit jeweils sechs bis neun Leveln, in denen wir unser Denkgeschick auf die Probe stellen können.

Dabei begleitet uns der Aufseher, der uns durch die Level scheucht und schon meckert, wenn man nur kurz stehen bleibt. Der Humor erinnert uns auch wieder an Portal: Die satirisch überhöhte Nonchalance, mit der uns der Leiter gefährliche und tödliche technologische Entwicklungen und Geräte präsentiert ("Die Worker Droids sind nicht darauf programmiert, dich zu töten. Durch ein Missverständnis in der Ingenieurs-Etage werden sie es aber trotzdem tun."), ist durchaus lustig umgesetzt und hat mir so manchen Lacher entlockt. An die Bösartigkeit einer GLaDOS oder den tödlich-naiven Technologiewahnsinn von ApertureScience kommt das nicht heran, die Atmosphäre ist trotzdem gut umgesetzt. Mich hat das Spiel schon in den ersten zehn Minuten überzeugt, als der Mobility Test darin bestand, eine Treppe hochzugehen.

ChromaGun 2

Soweit so spaßig. Leider dürfen wir in ChromaGun nicht frei speichern. Das ist doppelt blöd: Zum einen müssen wir bei jedem falsch gesetzten Farbklecks das Level neu laden, da es keine Möglichkeit gibt, die Fliese wieder zu säubern. Bei einem Spiel, das uns recht häufig zu Trial and Error einlädt, zum Beispiel indem wir im richtigen Moment eine Fliese richtig einfärben müssen, macht das auf Dauer keinen Spaß.

Zum anderen ist dadurch die Komplexität und Länge der Level begrenzt. In dem meisten Rätselspielen steigt der Schwierigkeitsgrad mit Fortschreiten des Spiels auch dadurch, dass die Areale immer größer werden und wir so mehr Variablen bei der Lösung berechnen müssen. In ChromaGun bleiben die Areale überschaubar, was aufgrund des Speichersystems sehr dankbar ist, aber damit auch die Komplexität der Rätsel schmälert. So kämpfen wir uns schon nach vier Stunden durch bis ins letzte Level. Schade – denn die Idee hätte uns auch gerne länger beschäftigen dürfen!

ChromaGun 3

ChromaGun funktioniert ganz nach dem System "Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht". Die Idee mit der Farbkanone, der sadistisch-kühle Ton unseres Anleiters und das Setting machen aus ChromaGun zwar nicht das originellste Spiel der letzten zehn Jahre, nichtsdestotrotz überrascht das Rätselabenteuer durch unheimlich viel Spaß. Das leidige Speichersystem, das beizeiten zu Frust führt, die mit vier Stunden recht kurze Spieldauer und die auch auf höheren Kammern nur bedingt fordernden Level schmälern den Spielspaß jedoch. Ein Leveleditor, in dem sich die Community austoben kann, wäre eine tolle Ergänzung zum Hauptspiel.

ChromaGun wurde auf dem PC (Windows 7 64-bit, 8 GByte RAM, AMD FX-8150, AMD Radeon R9 280 3GB) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Pixel Maniacs zur Verfügung gestellt.

ChromaGun

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A
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Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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14. November 2019 um 21:14 Uhr
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16. Februar 2016
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Plattform - Am 23. September 2013 kündigte Valve das erste eigene Betriebssystem an: SteamOS ist als Kombination aus Linux und Steam völlig kostenlos und optimiert für das Gaming-Wohnzimmer.

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