Sébastien Loeb Rally Evo im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 18. Februar 2016

Sébastien Loeb Rally Evo im Test

Notice me, Loeb-Senpai!

Während übliche Rallye-Spielen eher auf das Ausbauen der eigenen Fertigkeiten setzen, soll man bei Sébastien Loeb Rally Evo einfach solange Rennen fahren, bis der Großmeister Loeb einen aus den unendlichen Weiten der Amateurranglisten herausfischt und zu Veranstaltungen einlädt. Für irgendwas muss die Kooperation mit einem der erfolgreichsten Rallye-Fahrer aller Zeiten ja gut sein. Während ich also nach der Aufmerksamkeit von meinem aufgezwungenen Idol lechze, vergleiche ich das neueste Rallye-Spiel von Milestone, die bisher vorrangig für die MotoGP-Serie und die alten WRC-Rallyespiele bekannt waren, mit denen der Konkurrenz – sprich dem Genre-Primus Dirt Rally und WRC 5 von BigBen Interactive.

loebrallyevo_matsch

Fangen wir mal mit dem Inhaltlichen an. Sonst würde ich direkt zu viele negative Schwingungen verbreiten. Tun wir jetzt einfach mal so, als hätte ich nichts gesagt und widmen uns den positiven Aspekten von Loeb Rally Evo. Inhaltlich ist es nämlich ein wirklich bombastisches Spiel. Es werden ein Haufen von Autos zum Fahren geboten, die von den 60ern über Exoten zu den aktuellen Rallyeklassikern reichen. Jeder, aber auch wirklich jeder Autofan sollte hier auf seine Kosten kommen. Ich meine, ich kann sogar einen Fiat Punto fahren – mein erstes Auto! Toll. Wusste gar nicht, dass es diese Mühle mal als Rallye-Variante gab.

Neben den zahlreichen Karren gibt es auch noch unzählige Spielmodi, die zum Ausprobieren einladen – und das Gute ist: sie machen auch noch alle Spaß und sind keine billigen Varianten, um mehr Inhalte ins Spiel reinzustopfen. Klar, oft werden Strecken recycelt, aber so kann man offizielle Strecken unter verschiedenen Bedingungen ausprobieren. Neben der klassischen Rallye-Fahrt und dem Hillclimb-Modus, der im Prinzip eine Rally ohne Beifahrer und somit auch ohne Kurvenansagen ist, werden noch zahlreiche Abwandlungen des Rallycross-Sports angeboten. Zum Beispiel gibt es den Sektor-Modus, in dem ihr in vorbestimmten Sektoren die Bestzeiten erfahren müsst und wer am Ende die meisten Sektoren für sich gewonnen hat, gewinnt das Rennen.

Außerdem gibt es noch spaßige Modi, in denen ihr nebenbei auch gut die Kontrolle über euer Fahrzeug trainieren könnt. Ein Modus stellt euch zum Beispiel vor die Herausforderung, einer leicht geänderten und erschwerten Streckenführung zu folgen, die eng mit Hütchen abgegrenzt ist. Für jedes Touchieren der Begrenzung gibt es Minuspunkte und natürlich gilt es, so schnell wie möglich den Kurs zu schaffen. In einem anderen Modus sind Tore nebeneinander auf dem Streckenverlauf aufgebaut, durch das euer Auto nur knapp durchpasst. Kurz vor den Toren blinkt das zu durchfahrende Tor auf und ihr müsst schnell reagieren – und auch hier winken natürlich wieder Abzüge in der B-Note, wenn ihr durch das falsche Tor fahrt. Diese Modi sind allesamt spannend und lustig, um sich von dem normalen Rallye-Einheitskram abzusetzen. Aber natürlich muss sich Sébastien Loeb’s Rallyspiel auch im erstrangingen Spielmodus mit der Konkurrenz messen.

loebrallyevo_schnee

Das Wichtigste an einem Rallyspiel ist das Fahrgefühl auf den verschiedenen Untergründen und die Varianz der Modelle – denn schließlich möchte man als Spieler ja auch eine Herausforderung haben und nicht sofort der King of the Hill sein, sobald man einmal eine Strecke befahren hat. Bei Sébastien Loeb Rally Evo ist aber genau das der Fall! Sobald man ein paar Runden hinter sich gebracht hat, weiß man wie der Hase läuft, denn der Großteil der Fahrzeuge steuert sich gleich. Auch die verschiedenen Bodenbeläge sind keine wirkliche Herausforderung, denn der Unterschied zwischen Schnee, Matsch oder Schotter ist einfach zu gering. Natürlich verändert sich die Kurvenlage im geringen Maße, aber im Grunde genommen hat man keine Schwierigkeiten mehr, sobald man sein Auto einmal unter Kontrolle hat. Das kann doch alles nicht sein – dachte ich mir und stellte alle Fahrhilfen aus, um mich der maximalen Herausforderung zu stellen. Aber auch hiernach hatte ich nach ein paar Rennen schon die meisten Tricks drauf und wurde kaum bis gar durch Fehler auffällig. Loeb Rally Evo ist einfach zu leicht. Das macht gerade Strecken ohne anspruchsvollere Kurven zu einer Kaffeefahrt. Fehlen nur noch die bezahlenden Rentner auf der Rückbank - vielleicht kriegt man dann das verlorene Geld für das Spiel wieder rein.

Auch das Schadensmodell der Autos überzeugt eher durch leuchtende Anzeigen im HUD als mit richtigen mechanischen Auswirkungen. Man muss wirklich zehnmal mit voller Geschwindigkeit gegen den nächstbesten Baum rasen, damit man das Gefühl hat, dass sich irgendwas am Fahrgefühl ändert. Zumindest Dellen kriegt die Karre, auch wenn ich die kaputten Teile viel lieber ausblenden würde, als mir das Grauen anzusehen. Denn kommen wir jetzt zur technischen Umsetzung von Loeb Rally Evo – und die ist auf dem PC, gelinde gesagt, richtig scheiße. Neben einem 30-FPS-Lock, der immer noch nicht vor grauenvollen Framedrops schützt, könnte das Spiel mit der höchsten grafischen Einstellung mit Biegen und Brechen noch auf den Last-Gen-Konsolen laufen.

loebrallyevo_landschaft

Gut, die Fahrzeugmodelle sind ganz hübsch anzusehen (solange sie nicht kaputt sind), aber die Umgebung wirkt überwiegend unglaublich deplatziert, dass die ganze Welt auf den ersten Blick unglaubwürdig und einfach nur potthässlich erscheint. Fehlende Umgebungsverdeckung und Schatten lassen die Vegetation neben der Strecke wie aufgeklebt wirken und teils grauenvolle Farben erwecken den Eindruck, als hätte ein Grafiker die Texturen erstellt, während er sich die neueste Folge Top Gear reingezogen hat. Es ist einfach eine der schlechtesten Konsolenportierungen der letzten Zeit und man merkt ihr den Aufwand einer 5-Minuten-Terrine an – es ist einfach nicht schön und enttäuscht ungemein. Gerade, dass trotz des 30-FPS-Locks immer noch eklige Drops unter diese Marke stattfinden, was freilich nicht an meinem PC liegt, sondern ein verbreitetes Problem in der Community ist, ist bei der Grafik mehr als peinlich.

So wird aus einem inhaltlich tollen Rallyespiel durch die miserable technische Umsetzung ein Schuss in den Ofen. Eine hässliche Grafik gepaart mit einer schlechten Performance und einer nicht befriedigenden Simulation schießt Sébastien Loeb Rally Evo in den Abgrund und kann sich nur mit dem vergleichsweise üppigen Inhalt noch auf eine akzeptable Wertung retten. Wer weiß, vielleicht ist ja jemand bei den Entwicklern so motiviert und es werden Performance-Patches geliefert. Oder wir warten einfach auf nächstes Jahr. Oder spielen einfach weiter Dirt Rally. Adrian

Sébastien Loeb Rally Evo wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i5-4670, 16 GB RAM, AMD Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Bandai Namco Entertainment zur Verfügung gestellt.

Sébastien Loeb Rally Evo

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

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21. November 2019 um 20:58 Uhr
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29. Januar 2016
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